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Empirische Forschung: Definition, Methoden, Leitfaden

Empirisch heisst weder automatisch quantitativ noch ohne Literatur. Du erfährst, welcher Weg zu deiner Fragestellung passt und wie du ihn im Methodenteil begründest.

Autorin bei empirio.ai - Maria Malzewvon Maria MalzewAktualisiert am 8. September 2026Lesezeit 14 Min.

Eine 6 bekommt in der Schweiz nicht, wer die grösste Stichprobe vorweist, sondern wer seine Wahl am besten begründet. Trotzdem fällt in Sprechstunden immer wieder derselbe Einstieg: Ich mache eine Umfrage. Wer schon die Maturitätsarbeit, umgangssprachlich Maturaarbeit, nach diesem Muster angelegt hat, bringt es an die Fachhochschule oder Universität mit.

Empirische Forschung beantwortet eine Fragestellung systematisch mit Daten aus der beobachtbaren Wirklichkeit, statt sie allein aus Literatur und Argumenten herzuleiten. Ob dabei Zahlen oder Gesprächsprotokolle entstehen und ob du selber erhebst oder auf ein Archiv zugreifst, ändert nichts daran, ob deine Arbeit empirisch ist. Nach diesem Beitrag weisst du, welcher Weg zu deiner Frage passt und wie du ihn im Methodenteil begründest.


📌 Das Wichtigste im Überblick

  • Empirische Forschung klärt eine Fragestellung an Material, nicht an Meinungen.
  • Empirisch und quantitativ sind zweierlei. Acht Interviews wiegen so schwer wie 800 Fragebogen.
  • Vorhandenes zählt mit: SWISSUbase gibt Datensätze über ein SWITCH edu-id-Konto kostenlos heraus.
  • Vor der ersten Frage steht die Rechtsgrundlage nach Art. 31 Abs. 2 Bst. e DSG.
  • Eine reine Literaturarbeit ist kein Rückzug, sondern ein Vorgehen mit eigenen Ansprüchen.

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Empirische Forschung: Definition und Abgrenzung zum Alltagswissen

Empirische Forschung bezeichnet ein Vorgehen, das eine Fragestellung über die planmässige Gewinnung und Auswertung von Beobachtungsmaterial klärt. Den Gegensatz dazu bildet nicht das Buch, sondern die blosse Behauptung.

Hinter dem Wort steckt das griechische empeiria, zu Deutsch Erfahrung. Genau hier beginnt die Verwechslung, denn Erfahrung sammelt auch, wer im Ausgang zwei Bekannte nach ihrer Meinung fragt. Was die empirische Herangehensweise vom Alltagsurteil trennt, ist die Bindung an Regeln, nicht die Erfahrung selber.

Vier Punkte machen den Abstand aus. Alltagswissen sammelt sich beiläufig an, während eine Untersuchung einem vorher niedergeschriebenen Plan folgt. Alltagswissen behält, was zur eigenen Meinung passt, eine Untersuchung protokolliert auch die Fälle, die stören. Alltagswissen lebt mit unscharfen Wörtern, eine Untersuchung übersetzt jedes Wort in etwas Zählbares oder Codierbares. Und Alltagswissen bleibt im Kopf, während eine Untersuchung so festgehalten wird, dass eine Betreuungsperson den Weg Schritt für Schritt nachgehen kann.

MerkmalAlltagsurteilUntersuchung nach Plan
Fallauswahlwer gerade greifbar istVerfahren vorher festgelegt
Störende Fällefallen unter den Tischwerden erhoben und berichtet
Wortschatzbleibt vagewird in Messvorschriften übersetzt
Kontrolle durch Drittenicht möglichWeg ist dokumentiert

Umgekehrt gilt: Nicht jede Arbeit an einer Universität, einer Fachhochschule oder der ETH braucht Empirie, und niemand zieht ihr deshalb Punkte ab. Ein mathematischer Beweis, die Auslegung eines Bundesgesetzes und eine begriffsklärende Untersuchung in der Philosophie sind wissenschaftliche Arbeit ohne eine einzige erhobene Zahl. Empirie taugt für eine bestimmte Sorte Frage und ist kein Ausweis für Wissenschaftlichkeit.

Zwei Sätze über Empirie, die nicht stimmen

Zwei Behauptungen über empirische Forschung halten sich hartnäckig, obwohl beide einer Prüfung nicht standhalten. Beide klingen plausibel, und beide treiben Studierende in ein Vorgehen, das aufwendiger ausfällt als nötig.

Wir nehmen sie einzeln auseinander, weil sie an verschiedenen Stellen Schaden anrichten. Die erste Behauptung nimmt dir Methoden weg, die zweite nimmt dir Material weg.

Behauptung eins: empirisch bedeutet rechnen

Empirisch und quantitativ decken sich nicht. Acht Gespräche mit Pflegefachpersonen in einem Kantonsspital gewinnen Material über die beobachtbare Wirklichkeit, werten es nach festen Regeln aus und sind damit voll und ganz empirisch, auch wenn am Schluss kein einziger Prozentwert dasteht. Die Achse zwischen Zählen und Verstehen betrifft die Art des Materials, nicht die Frage, ob überhaupt Material erhoben wird.

Der Kurzschluss hat eine spürbare Folge. Weil zahlreiche Ratgeber Objektivität, Reliabilität und Validität zur Bedingung jeder Empirie erklären, geraten qualitative Arbeiten unter einen Massstab, für den sie nie entworfen wurden. Alle drei Begriffe stammen aus der quantitativen Testtheorie. Qualitative Forschung kennt eigene Kataloge, und wer den falschen anlegt, hält die eigene Arbeit für methodisch dünn, obwohl sie es nicht ist.

Behauptung zwei: Empirie schliesst Literatur aus

Die Gegenüberstellung von Empirie und Literaturarbeit widerlegt sich selber, sobald man sie zu Ende denkt. Eine Metaanalyse und ein systematisches Review greifen ausschliesslich auf bereits vorhandenes Material zurück und gelten trotzdem als empirisch, weil sie Befunde aus fremden Studien sammeln, codieren und auswerten. Nicht zufällig führen dieselben Ratgeber die Metaanalyse wenig später unter den empirischen Verfahren auf.

Die Trennlinie verläuft anderswo. Massgeblich ist, ob an einem Material nach vorher festgelegten Regeln gearbeitet wird oder ob der Forschungsstand geordnet und argumentativ eingeordnet wird. Der erste Fall ist Empirie, auch ohne eigene Feldphase. Der zweite Fall bleibt eine theoretische Arbeit, selbst wenn dafür 200 Aufsätze gelesen wurden.

💡 Tipp

Halte deine geplante Arbeit an eine einzige Frage: Bleibt am Schluss ein Material übrig, das du nach vorher festgelegten Regeln durchgearbeitet hast? Lautet die Antwort ja, arbeitest du empirisch. Ob dieses Material aus 62 Evaluationsberichten, aus Transkripten oder aus einem Datensatz besteht, spielt dafür keine Rolle.

Forschungsmethoden: zählen, verstehen oder beides

Die Methode ergibt sich aus der Fragestellung und nicht aus einer Vorliebe. Fragen nach Verbreitung, Verteilung oder Zusammenhängen verlangen Zahlen, Fragen nach Deutungen, Beweggründen und Abläufen verlangen Text.

Praktisch bedeutet das: Formuliere die Frage so scharf, dass die Art des Materials schon darin steckt. „Wie zufrieden sind Studierende im vierten Semester mit dem Mentoring an ihrer Fachhochschule?“ verlangt ein standardisiertes Instrument. „Woran merken Studierende, dass ihnen ein Mentoring geholfen hat?“ verlangt Gespräche. Beide Fragen betreffen dasselbe Thema und führen zu ganz verschiedenen Forschungsmethoden. Wenn schon die Begriffe wackeln, sortiert der Beitrag Was ist eine Umfrage? Umfrage, Befragung und Fragebogen sauber auseinander.

Quantitativ: messen, um vergleichen zu können

Quantitative Forschung legt ein Merkmal so fest, dass es bei vielen Fällen auf identische Weise erfasst werden kann. Das Instrument der quantitativen Forschung steht vor der Feldphase fest und bleibt danach unangetastet, weil sonst die Vergleichbarkeit zerfällt. Üblich sind standardisierte Befragungen, strukturierte Beobachtungen, quantitative Inhaltsanalysen und Experimente. Gewonnen wird Vergleichbarkeit, bezahlt wird mit Tiefe: Was der Fragebogen nicht vorsieht, existiert in den Daten nicht.

Qualitativ: rekonstruieren statt einordnen

Qualitative Forschung hält das Vorgehen absichtlich offen, damit im Material auftauchen kann, womit niemand gerechnet hat. Zur qualitativen Forschung gehören Leitfadeninterviews, Gruppendiskussionen, teilnehmende Beobachtung und qualitative Inhaltsanalysen. Der Leitfaden gibt Themen vor, weder Wortlaut noch Reihenfolge. Die Fallzahlen bleiben klein, die Auswertung frisst Zeit, und die Befunde gelten zunächst für die untersuchten Fälle.

Mixed Methods: zwei Zugänge in einer Arbeit

Mixed Methods verknüpft beide Zugänge innerhalb eines Designs, statt sie auf zwei Arbeiten zu verteilen. Häufig beginnt eine Semesterarbeit mit wenigen Gesprächen, um das Feld überhaupt kennenzulernen, und prüft die daraus gewonnenen Vermutungen danach mit einem standardisierten Fragebogen. Der umgekehrte Ablauf trägt genauso: erst erheben, dann Gespräche führen, um auffällige Werte zu erklären. Entscheidend bleibt die Begründung der Verknüpfung, sonst wirken zwei halbe Studien wie eine überladene Arbeit.

ZugangAntwortet aufÜbliches Instrument
QuantitativVerbreitung, Verteilung, Zusammenhangstandardisierter Fragebogen, Experiment
QualitativDeutung, Beweggrund, AblaufLeitfadeninterview, Gruppendiskussion
Mixed MethodsAusmass und Erklärung im selben DesignGespräche plus Fragebogen

Woher deine Daten kommen: vier Wege in der Schweiz

Ratgeber setzen fast durchwegs voraus, dass eine empirische Arbeit mit einer eigenen Erhebung anfängt. Der Weg ist der bekannteste, aber weder der einzige noch für jede Frage der beste.

Die Sekundäranalyse arbeitet mit Material, das andere gewonnen haben, und legt eine neue Frage daran an. Der Unterschied im Aufwand fällt deutlich aus. Eine eigene Erhebung bindet Wochen für Instrument, Feldphase und Aufbereitung und endet oft bei einer Stichprobe aus dem eigenen Umfeld. Ein bestehender Datensatz liefert am ersten Tag mehrere tausend Fälle mit dokumentiertem Auswahlverfahren, dafür bleibst du an die damals gestellten Fragen gebunden.

Vier Wege zu deinem Material

Vier Wege stehen offen, und sie schliessen einander nicht aus. Manche Arbeiten verbinden eine kleine eigene Erhebung mit einem Referenzdatensatz aus der amtlichen Statistik.

  1. Eigene Erhebung. Du baust ein Instrument und führst die Datenerhebung selber durch. Volle Kontrolle über die Fragen, voller Aufwand.
  2. Sozialwissenschaftliches Datenarchiv. FORS ist eine Stiftung, deren Standortuniversität die Universität Lausanne ist. Für die Plattform SWISSUbase gilt: „Die Datensätze können von Inhaber/innen mit einem SWITCH edu-id-Konto kostenlos heruntergeladen werden.“ Einzelne Bestände sind nur für Forschungs- und Lehrzwecke verfügbar.
  3. Amtliche Mikrodaten. Das Bundesamt für Statistik erhebt jährlich die Strukturerhebung bei mindestens 200'000 Personen ab 15 Jahren in Privathaushalten. Die Schweizerische Arbeitskräfteerhebung SAKE kommt auf rund 120'000 Interviews pro Jahr.
  4. Veröffentlichte Befunde. Für ein systematisches Review oder eine Metaanalyse bilden die Ergebnisse fremder Studien selber das Material.

Ein Detail der Strukturerhebung erklärt ihre hohe Ausschöpfung. Für alle Einwohnerinnen und Einwohner besteht laut Bundesamt für Statistik „eine unentgeltliche und wahrheitsgetreue Auskunftspflicht“, gestützt auf Art. 10 des Volkszählungsgesetzes. Wer schweigt, zahlt allerdings keine Busse, sondern eine Aufwandgebühr, für die die Volkszählungsverordnung in Art. 16 Abs. 2 einen Stundenansatz von 120 Franken vorsieht (Stand: September 2026).

Nachlesen lässt sich beides beim Datenservice von FORS, auf der Stiftungsseite von FORS und beim Bundesamt für Statistik zur Strukturerhebung.

Entscheidest du dich für eine eigene Erhebung, führt der übliche Weg über eine Online-Umfrage. Weshalb sie trägt und wen sie systematisch verfehlt, steht im Beitrag zur Online-Umfrage als empirischer Forschungsmethode. Der Vergleich mit der schriftlichen und der telefonischen Befragung findet sich im Beitrag zur Online-Befragung mit ihren Grenzen.

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Ablauf einer empirischen Untersuchung: sechs Weichenstellungen

Sechs Entscheidungen legen fest, wie eine empirische Untersuchung verläuft, und jede spätere Korrektur wird teuer. Lehrbücher unterteilen den Ablauf unterschiedlich fein, meist in fünf bis neun Phasen.

Die Reihenfolge ist keine Empfehlung, sondern eine Kette von Abhängigkeiten. Wer die Auswertung erst nach der Feldphase wählt, merkt bisweilen, dass die Skalen die geplante Rechnung gar nicht zulassen.

  1. Fragestellung festlegen. Die Forschungsfrage muss eng genug sein, dass sich eine Erhebung daraus ableiten lässt.
  2. Hypothesen nur dort bilden, wo sie hingehören. Prüfende Untersuchungen brauchen Hypothesen, erkundende kommen ohne aus.
  3. Design wählen. Das Forschungsdesign regelt Methode, Erhebungszeitpunkte und Fallauswahl.
  4. Begriffe messbar machen. „Studienzufriedenheit“ ist ein Wort, keine Variable. Erst Fragen und Antwortstufen machen daraus etwas Erhebbares.
  5. Stichprobe bestimmen. Verfahren und Umfang der Stichprobe entscheiden, worüber du am Schluss überhaupt etwas sagen darfst.
  6. Auswertung vorher festlegen. Welches der Auswertungsverfahren passt, hängt am Skalenniveau und nicht am Wunsch.

Den vollständigen Ablauf mit Beispielen und Zeitplanung findest du im Beitrag zum empirischen Forschungsprozess.

Datenschutz und Ethik: was vor der ersten Frage feststehen muss

Sobald du Menschen befragst, bearbeitest du Personendaten, und zwar ab der ersten Antwort. Nachträglich lässt sich der Punkt nicht reparieren, denn eine Erhebung ohne Rechtsgrundlage wird durch späteres Anonymisieren nicht zulässig.

Für die Schweiz gilt nicht die DSGVO, sondern das revidierte Datenschutzgesetz (DSG, SR 235.1) vom 25. September 2020, Stand am 1. September 2023. Die Aufsicht liegt beim Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten. Nach Art. 4 Abs. 1 DSG beaufsichtigt der EDÖB „die Anwendung der bundesrechtlichen Datenschutzvorschriften“.

Rechtsgrundlage: die Forschungsbestimmung im DSG

Einschlägig für studentische Erhebungen ist Art. 31 Abs. 2 Bst. e DSG und nicht Art. 39, der ausschliesslich Bundesorgane betrifft. Bearbeiten darfst du Personendaten danach, wenn du sie „für nicht personenbezogene Zwecke, insbesondere für Forschung“ verwendest. Ziffer 3 derselben Bestimmung knüpft daran eine Bedingung, die viele übersehen: „Die Ergebnisse werden so veröffentlicht, dass die betroffenen Personen nicht bestimmbar sind.“ Der Wortlaut steht im Datenschutzgesetz auf Fedlex (Stand: September 2026).

Ethik: das Humanforschungsgesetz greift meistens nicht

Eine reine Online-Umfrage zu Verhalten oder Einstellungen fällt in der Regel nicht unter das Humanforschungsgesetz. Nach Art. 2 Abs. 1 HFG gilt jenes Gesetz „für die Forschung zu Krankheiten des Menschen“, und die Wegleitung der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich hält für reine Verhaltensdaten fest, eine solche Studie „fällt in der Regel nicht unter das HFG“. Zuständig ist dann die Fakultätskommission und nicht die kantonale Ethikkommission KEK. Zwei Sätze der UZH-Wegleitung lohnen für Studierende besonders: „Die EK erteilt keine Registrierung für bereits durchgeführte Studien“, und zur Online-Einwilligung heisst es, „es genügt aber nicht, einfach das Weitermachen als Einverständniserklärung zu werten“.

⚠️ Achtung

Eine Umfrage für die Bachelorarbeit ist keine rein private Angelegenheit. Steht eine Hochschule, ein Verein oder ein Unternehmen dahinter und setzt du ein externes Umfrage-Tool ein, verlangt Art. 9 revDSG einen Vertrag zur Auftragsbearbeitung. Kläre vor der Werkzeugwahl, ob dein Anbieter einen solchen Vertrag bereitstellt.

Zuständig für den Einzelfall ist die Datenschutzstelle deiner Hochschule, bei ethischen Fragen deine Betreuungsperson. Dieser Beitrag ersetzt weder eine Rechtsberatung noch die Auskunft deiner Hochschule.

Wann eine Abschlussarbeit ohne Empirie auskommt

Nicht jede Fragestellung verlangt eine eigene Erhebung, und manche verliert sogar an Substanz, wenn du eine anhängst. Viele Arbeiten beginnen mit dem Entschluss zur Empirie und suchen erst danach ein Thema, das dazu passt.

Die ehrliche Prüfung läuft andersherum. Halte deine Frage neben die möglichen Vorgehensweisen und schau, welche davon sie tatsächlich beantwortet. Ebenso gehört ein Blick ins Studienreglement dazu, denn manche Studiengänge schreiben einen empirischen Teil ausdrücklich vor.

Wenn deine Frage …… dann passt
auf den Forschungsstand zielteine Literaturarbeit
viele Einzelbefunde bündeln willein systematisches Review
Verbreitung in einer grossen Gruppe betriffteine Sekundäranalyse
eine kaum untersuchte Gruppe betriffteine eigene qualitative Erhebung
einen vermuteten Zusammenhang prüfteine eigene quantitative Erhebung

Eine Literaturarbeit ist kein Rückzugsgefecht für Studierende ohne Teilnehmende. Verlangt werden eine nachvollziehbare Suchstrategie, eine begründete Auswahl der Quellen und Einordnung statt Aufzählung. In Bibliothekskatalogen stossen Studierende dabei auf Lizentiatsarbeiten aus der Zeit vor Bologna. Der Titel darf weiterhin geführt werden, und als Vorbild für eine saubere Literaturarbeit taugen jene Bände bis heute.

Verlangt dein Studienreglement dagegen einen empirischen Teil, gilt dessen Vorgabe. Was daraus konkret folgt und wie sich der empirische Teil in die Gliederung fügt, steht im Beitrag zur empirischen Bachelorarbeit und Masterarbeit. Massgeblich bleibt in jedem Fall das Reglement deiner Hochschule.

Woran sich eine belastbare empirische Arbeit erkennen lässt

Ob eine Untersuchung trägt, entscheidet sich am Verhältnis von Frage und Vorgehen, nicht an der Zahl der Fälle. Gütekriterien geben dafür den Rahmen, und der häufigste Fehler besteht darin, den falschen Katalog anzulegen.

Für quantitative Untersuchungen gelten Objektivität, Reliabilität und Validität. Objektivität meint, dass das Ergebnis unabhängig davon ausfällt, wer erhebt und auswertet. Reliabilität meint, dass eine Wiederholung unter gleichen Bedingungen zum gleichen Wert führt. Validität meint, dass ein Instrument tatsächlich erfasst, was es erfassen soll, und gerade nicht, dass die Ergebnisse die Forschungsfrage beantworten.

Für qualitative Untersuchungen sind eigene Kataloge entstanden, weil Wiederholbarkeit dort kein sinnvoller Massstab ist. Im Vordergrund stehen die Nachvollziehbarkeit des Vorgehens, die Angemessenheit der Methode gegenüber dem Gegenstand und die Offenlegung der eigenen Rolle im Feld. Welcher Katalog zu deiner Arbeit passt, zeigt der Beitrag zu den Gütekriterien qualitativer und quantitativer Forschung.

Eine Untersuchung wird nicht durch viele Fälle gut, sondern dadurch, dass eine aussenstehende Person sie Schritt für Schritt nachvollziehen kann.

Als Referenzwerk für beide Zugänge gilt im deutschsprachigen Raum Döring, Nicola (2023): Forschungsmethoden und Evaluation in den Sozial- und Humanwissenschaften, 6. Auflage, Springer. Die oft zitierte 4. Auflage von Bortz und Döring aus dem Jahr 2006 liegt zwei Auflagen zurück und taugt in neuen Arbeiten nicht mehr als Beleg. Die Ausgabe ist bei Springer nachgewiesen.

Typische Fehler beim ersten empirischen Projekt

Vier Fehler tauchen in Abschlussarbeiten immer wieder auf, und alle vier entstehen früh und fallen spät auf. Bemerkt werden sie meist erst, wenn die Daten liegen und nichts mehr zu retten ist.

Wer sie kennt, steuert in der Planung gegen. Ein paar zusätzliche Tage am Anfang ersparen im Zweifel eine ganze Feldphase.

Die Methode kommt vor der Frage

Wer zuerst beschliesst, eine Umfrage zu machen, und danach überlegt, was darin stehen könnte, dreht die Abhängigkeit um. Heraus kommen Fragebögen, die vieles streifen und nichts beantworten. Die Frage steht am Anfang, aus ihr folgt die Methode. Liegt die Methode aus praktischen Gründen fest, etwa weil die Betreuungsperson sie vorgibt, passt sich die Frage an, bevor der Fragebogen entsteht.

Die Stichprobe ist die Klassengruppe im Messenger

Eine Umfrage, die über die Gruppe des eigenen Studiengangs und den eigenen Feed läuft, erreicht Menschen, die einander stark ähneln. Solange der Punkt im Methodenteil steht und die Aussagen entsprechend vorsichtig ausfallen, ist wenig verloren. Kritisch wird es, sobald im Fazit von „den Studierenden in der Schweiz“ die Rede ist. Ob eine Erhebung repräsentativ ist, hängt am Auswahlverfahren und nicht an der Zahl der Rückläufe.

Skalenniveau erst bei der Auswertung geprüft

Ob du einen Mittelwert bilden, eine Korrelation rechnen oder bloss auszählen darfst, hängt am Skalenniveau deiner Variablen. Welches Skalenniveau eine Frage besitzt, entscheidet sich beim Bau des Fragebogens und nicht in der Statistiksoftware. Wer erst dort bemerkt, dass sämtliche Items nominal skaliert sind, kann die geplante Rechnung nicht mehr durchführen.

Der Methodenteil beschreibt, statt zu begründen

„Es wurde eine Online-Umfrage durchgeführt“ ist eine Beschreibung. Erwartet wird eine Begründung: weshalb diese Methode zu dieser Frage passt, welche Alternative es gegeben hätte und warum sie ausgeschieden ist. Drei Sätze genügen dafür meist, und sie machen den Unterschied zwischen einer dokumentierten und einer bewerteten Arbeit. Genau danach wird in der Verteidigung fast immer gefragt.

Fazit

Empirische Forschung ist weniger eine Technik als eine Haltung: Du legst vorab fest, woran sich deine Frage entscheidet, und hältst daran fest, auch wenn das Ergebnis unbequem ausfällt. Ob am Schluss Zahlen oder Transkripte stehen und ob du selber erhebst oder einen bestehenden Datensatz nutzt, ist eine Frage der Passung und nicht der Wertigkeit. Prüfe zuerst, ob deine Frage überhaupt Daten braucht, und wähle erst danach den Weg dorthin.

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Häufig gestellte Fragen

Empirische Forschung beantwortet eine Fragestellung systematisch mit Material aus der beobachtbaren Wirklichkeit statt allein mit Literatur und Argumenten. Erhoben wird nach einem vorher festgelegten Plan, dokumentiert wird auch das, was nicht ins Bild passt. Ob am Schluss Zahlen oder Transkripte stehen, spielt für die Einordnung als empirisch keine Rolle.

Empirische Forschung ist nicht auf Zahlen festgelegt, denn qualitative Verfahren erheben ebenfalls Material über die Wirklichkeit. Acht Leitfadeninterviews sind so empirisch wie ein standardisierter Fragebogen mit 800 Rückläufen. Objektivität, Reliabilität und Validität stammen aus der quantitativen Testtheorie und taugen für qualitative Arbeiten nur eingeschränkt als Prüfraster.

Eine Bachelorarbeit ist auch ohne eigene Erhebung empirisch, sobald sie an vorhandenem Material nach festen Regeln arbeitet. Eine Metaanalyse, ein systematisches Review und eine Sekundäranalyse bestehender Datensätze zählen dazu. Nicht empirisch ist dagegen eine Arbeit, die den Forschungsstand ordnet und argumentativ einordnet, ohne ein Material auszuwerten.

SWISSUbase ist die Plattform, über die FORS sozialwissenschaftliche Datensätze bereitstellt. Inhaberinnen und Inhaber eines SWITCH edu-id-Kontos laden sie kostenlos herunter, wobei einzelne Bestände nur für Forschungs- und Lehrzwecke verfügbar sind. Amtliche Zahlen liefert das Bundesamt für Statistik, etwa aus der jährlichen Strukturerhebung bei mindestens 200'000 Personen.

Für eine Erhebung in der Schweiz gilt das revidierte Datenschutzgesetz, SR 235.1, und nicht die europäische Datenschutz-Grundverordnung. Die Aufsicht führt der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte. Für studentische Erhebungen ist Art. 31 Abs. 2 Bst. e DSG einschlägig, der die Veröffentlichung in nicht bestimmbarer Form verlangt. Zuständig im Einzelfall bleibt die Hochschule.

Eine reine Online-Umfrage zu Verhalten oder Einstellungen fällt in der Regel nicht unter das Humanforschungsgesetz, das für die Forschung zu Krankheiten des Menschen gilt. Zuständig ist dann die Kommission der Fakultät statt die kantonale Ethikkommission. Nachträglich wird nichts bewilligt, weshalb die Abklärung vor der Feldphase gehört.

Eine belastbare Untersuchung entsteht nicht durch eine hohe Fallzahl, sondern durch ein Auswahlverfahren, das zur Fragestellung passt und offengelegt wird. Qualitative Studien kommen mit wenigen Fällen aus, quantitative brauchen genügend Fälle für die geplante Rechnung. Entscheidend bleibt, worüber die Stichprobe am Schluss überhaupt eine Aussage erlaubt.

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