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Datenerhebung: Methoden, Ablauf inkl. Beispiel

Datenerhebung heisst: die Forschungsfrage in messbare Merkmale übersetzen und nach festen Regeln Daten sammeln. Welche der sieben Methoden passt und wie du deine Erhebung planst.

Autorin bei empirio.ai - Maria Malzewvon Maria MalzewAktualisiert am 12. September 2026Lesezeit 14 Min.

Die Forschungsfrage steht, die Hypothesen sind formuliert, und in der Sprechstunde folgt der eine Satz: «Und wie erheben Sie Ihre Daten?» An dieser Stelle entscheidet sich, ob deine Arbeit am Ende trägt oder ob im Auswertungsteil Zahlen stehen, die deine Frage gar nicht beantworten.

Datenerhebung ist der Schritt, in dem du deine Forschungsfrage in messbare Merkmale übersetzt, eine Methode wie Befragung, Beobachtung, Inhaltsanalyse oder Experiment auswählst und die Daten anschliessend nach festen, vorher notierten Regeln sammelst, damit sie sich auswerten und von anderen nachvollziehen lassen. Welche Methode zu welcher Frage passt und was davon in die Arbeit gehört, liest du hier Schritt für Schritt.


📌 Das Wichtigste im Überblick

  • Datenerhebung ist planvolles Sammeln, die Auswertung kommt danach.
  • Die Forschungsfrage entscheidet über die Methode, nicht der Zeitplan.
  • Raithel nennt die Befragung das dominante Datenerhebungsverfahren.
  • 385 Antworten genügen für 95 Prozent Sicherheit und ±5 Prozentpunkte.
  • FORS gibt Datensätze nur an Konten mit SWITCH edu-ID ab.

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Datenerhebung: Definition und Abgrenzung zur Auswertung

Datenerhebung bezeichnet denjenigen Abschnitt eines Forschungsprozesses, in dem Daten nach zuvor festgelegten Regeln erfasst und gemessen werden, damit der untersuchte Gegenstand so genau und so wenig verzerrt wie möglich abgebildet wird. Was anschliessend mit diesen Daten passiert, gehört bereits zur Auswertung.

Die Trennung von Erhebung und Auswertung klingt nach Wortklauberei, ist in der Bewertung aber der häufigste Anlass für Rückfragen. Erheben heisst sammeln, auswerten heisst rechnen und deuten. In deiner Arbeit sind das zwei getrennte Kapitel, und was du im Erhebungskapitel schon deutest, fehlt dir hinten. Wie die Auswertung danach abläuft, zeigt unser Beitrag zu den Auswertungsmethoden in der empirischen Forschung.

Im Kern jeder Erhebung steht das Messen. Jürgen Raithel beschreibt Messen in seinem Praxiskurs zur quantitativen Forschung als «die systematische Zuordnung von Zahlen (Messwerten) zu Objekten» nach festgelegten Regeln (2008). Ausschlaggebend an dieser Bestimmung sind die Regeln. Fehlen sie, sammelst du Eindrücke und keine Daten.

Primärdaten und Sekundärdaten unterscheiden

Primärdaten erhebst du eigenhändig und für deine eigene Fragestellung, etwa über einen Fragebogen oder ein Interview. Sekundärdaten stammen aus einer fremden Erhebung mit einem fremden Zweck, zum Beispiel aus einer amtlichen Statistik oder einem Datensatz eines Forschungsdatenarchivs. Wissenschaftlich sauber sind beide Wege, und wenn die Zeit für eine Bachelorarbeit knapp wird, trägt eine sorgfältige Sekundäranalyse oft weiter als eine eigene Erhebung mit 40 Antworten.

Für die Schweiz führt FORS in Lausanne das sozialwissenschaftliche Datenarchiv und stellt die Bestände über die Plattform SWISSUbase bereit, darunter das Schweizer Haushalt-Panel, Selects und MOSAiCH. Der Bezug ist kostenlos, setzt aber ein Konto mit SWITCH edu-ID voraus. Einzelne Datensätze sind zudem nur für Forschung und Lehre freigegeben oder brauchen eine Genehmigung, die du über SWISSUbase beantragst. Nachzulesen sind die Bedingungen für den Datenbezug bei FORS.

Einen Haken haben Sekundärdaten allerdings, und er gehört in den Methodenteil: Über die Formulierung der Fragen hattest du keine Kontrolle. Deckt sich die Operationalisierung der fremden Studie nicht mit deinem Begriff, misst der Datensatz etwas anderes als das, wonach du fragst.

Datenerhebungsmethoden im Überblick: sieben Verfahren im Vergleich

Sieben Verfahren nennt die Methodenliteratur, und alle sieben begegnen dir in studentischen Arbeiten. Der Unterschied liegt weniger im Aufwand als in der Art der Antwort, die am Ende in deiner Datei steht, und genau daran solltest du die Wahl festmachen.

Für jedes Verfahren hält die folgende Übersicht fest, wofür es taugt und in welcher Form die Daten hinterher vorliegen. Unterschätzt wird meist die dritte Spalte: Transkripte rechnet kein Statistikprogramm, und eine Zahlenmatrix beantwortet keine Warum-Frage.

MethodeWofür sie taugtWas am Ende vorliegt
Standardisierte BefragungVerteilungen und Zusammenhänge messenZahlenmatrix mit einer Zeile je Person
LeitfadeninterviewBeweggründe und Deutungen verstehenTranskript als Fliesstext
GruppendiskussionMeinungsbildung in der Gruppe verfolgenTranskript mit Sprecherwechseln
Strukturierte BeobachtungVerhalten statt Selbstauskunft erfassenBeobachtungsbogen mit Codes
InhaltsanalyseBestehendes Material systematisch erschliessenKategoriensystem mit Codierungen
ExperimentUrsache und Wirkung prüfenMesswerte je Versuchsbedingung
SekundäranalyseVorhandene Datensätze neu auswertenFertiger Datensatz aus dem Archiv

Standardisiert und qualitativ sind keine Gegensätze, sondern zwei Einstellungen derselben Schraube. Standardisiert bedeutet: Alle erhalten dieselbe Frage in derselben Reihenfolge. Qualitativ bedeutet: Der Verlauf richtet sich nach der befragten Person. Ob die eine oder die andere Einstellung zu deinem Erkenntnisinteresse passt, hängt daran, ob du zählen oder verstehen willst.

Eine Sonderstellung nimmt in dieser Reihe die Befragung ein. Raithel (2008) überschreibt das entsprechende Kapitel seines Praxiskurses mit «Die Befragung als dominantes Datenerhebungsverfahren», und der Befund deckt sich mit dem, was in Abschlussarbeiten tatsächlich passiert. Was eine Befragung ausmacht und wo ihre Grenzen liegen, steht in unserem Beitrag zur Befragung.

Welche Erhebungsmethode zu deiner Forschungsfrage passt

Aus der Frage folgt die Methode, nicht aus dem, was gerade machbar erscheint. Wer zuerst das Werkzeug wählt und die Frage anschliessend darum herum formuliert, merkt es spätestens, sobald die Betreuungsperson nach der Passung von Frage und Design fragt.

Ein einfacher Test hilft weiter: Lies die Forschungsfrage laut vor und achte auf das Fragewort. Fast immer verrät es, welches Verfahren dazugehört.

Schematische Darstellung einer Person, die zwischen mehreren Erhebungsmethoden für ihre Forschungsfrage abwägt

Die Zuordnung von Fragewort zu Verfahren ist keine starre Regel, trägt aber in den allermeisten studentischen Arbeiten:

  • Wie viele, wie oft, wie stark: standardisierte Befragung oder Sekundäranalyse.
  • Warum, wie erlebt jemand etwas, welche Bedeutung hat es: Leitfadeninterview oder Gruppendiskussion.
  • Was tun Menschen wirklich: strukturierte Beobachtung, weil die Selbstauskunft hier systematisch abweicht.
  • Was steht in Texten, Postings oder Akten: Inhaltsanalyse.
  • Löst A ein B aus: Experiment mit mindestens zwei Gruppen.

Bleiben nach diesem Test zwei Verfahren übrig, gibt die Zugänglichkeit deines Feldes den Ausschlag. Ein Leitfadeninterview braucht Menschen, die sich 45 Minuten Zeit nehmen, eine Beobachtung braucht Zutritt zur Einrichtung. Viele Personen gleichzeitig und ohne Terminabsprache erreicht dagegen eine Online-Befragung. Wie Methode und Gesamtanlage zusammenhängen, erklärt unser Beitrag zum Forschungsdesign.

In der Schweiz kommt eine zweite Hürde dazu, und sie hat zwei Stufen. Untersucht dein Projekt Krankheiten oder den menschlichen Körper und bezieht dafür Personen, biologisches Material oder gesundheitsbezogene Personendaten ein, fällt es unter das Humanforschungsgesetz und muss vor dem Start von der zuständigen kantonalen Ethikkommission bewilligt werden. Bist du unsicher, kannst du dort eine Zuständigkeitsabklärung beantragen.

Erklärt sich die kantonale Kommission für nicht zuständig und sieht dein Projekt trotzdem Teilnehmende vor, geht der Antrag an die Ethikkommission deiner Hochschule, und die Nichtzuständigkeitserklärung gehört als Beilage dazu. Beschrieben ist der Weg bei der Zuständigkeitsabklärung der ETH Zürich. Rechne diese Runde in deinen Zeitplan ein, bevor du den Fragebogen erstellst.

💡 Tipp

Schreib deine Forschungsfrage und das gewählte Verfahren nebeneinander auf ein Blatt und zeig es jemandem aus deinem Semester, der dein Thema nicht kennt. Kann diese Person die Verbindung nicht in einem Satz erklären, passt sie noch nicht.

Operationalisierung: wie aus einem Begriff eine Frage wird

Operationalisierung ist die Übersetzung eines theoretischen Begriffs in etwas, das sich tatsächlich erfassen lässt. Solange «regelmässiger Nachrichtenkonsum» bloss ein Wort bleibt, lässt er sich nicht messen, und zwei Lesende deiner Arbeit legen ihn unterschiedlich aus.

Der Vorgang beginnt bereits bei der Formulierung deiner Hypothesen und zieht sich bis in die einzelne Fragebogenzeile. Er läuft immer über dieselben vier Stufen, und jede davon gehört später in deinen Methodenteil.

  1. Begriff definieren. «Regelmässiger Nachrichtenkonsum» bedeutet in dieser Arbeit: an mindestens fünf Tagen je Woche Nachrichten sehen, hören oder lesen.
  2. Merkmal bestimmen. Messbar ist die Anzahl der Tage pro Woche mit Nachrichtennutzung.
  3. Merkmalsausprägungen festlegen. Als Werte kommen null bis sieben Tage infrage.
  4. Indikator formulieren. Die Frage im Fragebogen lautet: «An wie vielen Tagen einer normalen Woche nutzt du Nachrichten?»

Beim dritten Schritt entscheidet sich, womit du später rechnen darfst. Die Anzahl der Tage ist eine metrische Grösse, Schulnoten dagegen sind nur ordinal, weil der Abstand zwischen einer Sechs und einer Fünf nicht nachweislich derselbe ist wie zwischen einer Vier und einer Drei. Welche Kennzahlen ein Skalenniveau zulässt, legst du also bereits hier fest und nicht erst in der Auswertung.

Was du nicht operationalisiert hast, misst du nicht. Gefragt hast du bloss danach.

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Datenerhebung planen und durchführen: sechs Schritte

Am Kalender scheitert eine Erhebung häufiger als an der Methode. Zwischen der fertigen Fragebogenversion und der letzten eingehenden Antwort vergehen bei studentischen Arbeiten meist mehrere Wochen, und diese Zeit lässt sich nicht zusammenstreichen, weil sie von anderen Menschen abhängt.

Eine quantitative Online-Befragung beschreiben die folgenden sechs Schritte, weil sie der häufigste Fall ist. Bei einem Interview oder einer Beobachtung ändert sich der Inhalt der Schritte, die Reihenfolge bleibt.

Schritt 1: Zeitplan mit Puffer festlegen

Rechne vom Abgabetermin rückwärts. Von diesem Datum ziehst du zunächst Auswertung und Verschriftlichung ab, danach die Feldzeit, danach den Pretest, danach die Erstellung des Fragebogens. Der Rest ist dein tatsächlicher Start. Plane bei einer Semesterarbeit rund drei bis vier Wochen für die gesamte Erhebung ein, bei einer Bachelorarbeit oder Masterarbeit mit grösserer Zielgrösse eher sechs.

Schritt 2: Stichprobengrösse berechnen

Wie viele Antworten du brauchst, hängt kaum an der Grösse deiner Grundgesamtheit, sondern fast nur an der Genauigkeit, die du erreichen willst. Viele überrascht der Zusammenhang, er folgt aber direkt aus der Formel: Ab einer Grundgesamtheit von rund einer Million bewegt sich die nötige Stichprobe nicht mehr.

GrundgesamtheitNötige Antworten
1000 Personen278
10'000 Personen370
100'000 Personen383
1 Million und mehr385

Werte für 95 Prozent Konfidenzniveau, ±5 Prozentpunkte Fehlerspanne und den ungünstigsten Fall einer Merkmalsverteilung von 50 zu 50.

Wichtig bleibt: Genauer wird deine Erhebung mit einer grossen Stichprobe, repräsentativ wird sie dadurch nicht. Repräsentativität entsteht erst, wenn die Teilnehmenden zufällig ausgewählt sind und in ihrer Zusammensetzung der Gruppe gleichen, über die du etwas aussagen willst. Worauf es ankommt, zeigt unser Beitrag zur Stichprobe.

Schritt 3: Begleitschreiben und Einwilligung formulieren

Vor der ersten Frage steht ein kurzer Text: wer die Untersuchung durchführt, wofür die Daten dienen und wie lange die Teilnahme dauert. Erhebst du Personendaten, brauchst du an dieser Stelle eine Einwilligung, die freiwillig, informiert und widerrufbar ist. Was das Datenschutzgesetz sonst noch verlangt, fasst unser Beitrag zum Datenschutz bei Umfragen zusammen.

Schritt 4: Fragebogen erstellen

Keine Formsache ist die Reihenfolge im Fragebogen. Fragen zum eigenen Befinden stehen vor den Fragen zum Verhalten, weil sonst die vorherige Beschäftigung mit dem Medienverhalten die Selbsteinschätzung färbt. Soziodemografische Angaben kommen ans Ende, wo sie niemanden mehr abschrecken. Und jede Frage erfasst genau ein Merkmal: Wer Zufriedenheit und Weiterempfehlung in einen Satz packt, erhält eine Antwort, die zu keinem der beiden Merkmale gehört.

Schematische Darstellung einer Datenerhebung, bei der die Antworten über eine quantitative Online-Umfrage zusammenkommen

Schritt 5: Pretest mit echten Personen durchführen

Schick die vorläufige Version an zehn bis zwanzig Personen, die deinem Zielpublikum ähneln, und bitte sie ausdrücklich um Rückmeldung zu Verständlichkeit und Dauer. Der Pretest ist der günstigste Fehlerfund im ganzen Projekt, denn an einer laufenden Erhebung lässt sich nach dem Start nichts mehr ändern, ohne die bereits gesammelten Antworten unbrauchbar zu machen.

Schritt 6: Feldphase starten und dokumentieren

Halte ab dem ersten Tag fest, was du tust: Startdatum, Enddatum, genutzte Kanäle, Zahl der begonnenen und der abgeschlossenen Teilnahmen. Solche Notizen sind keine Fleissarbeit, sondern der Rohstoff deines Methodenteils. Wer sie im Nachhinein rekonstruiert, schreibt ungenau, und auf genau das reagiert die Bewertung.

⚠️ Achtung

Ändere nach dem Start keine Frage mehr, auch keine Formulierung. Antworten von vor und nach einer Änderung gehören zu verschiedenen Fragen und dürfen nicht gemeinsam ausgewertet werden. Bemerkst du einen Fehler, brich lieber ab und starte neu, solange erst wenige Antworten vorliegen.

Typische Fehler bei der Datenerhebung

Vier Fehler tauchen in Abschlussarbeiten immer wieder auf. Entstanden sind alle vier beim Erstellen des Erhebungsinstruments. Dort liessen sie sich in wenigen Minuten vermeiden, in der Auswertung sind sie nicht mehr zu reparieren.

Gemeinsam ist ihnen eine Reihenfolge, die sich einschleicht: erst fragen, danach überlegen, was mit den Antworten geschehen soll. Wer die Auswertung gedanklich vorwegnimmt, erkennt drei der vier Fehler schon im eigenen Entwurf.

Antwortkategorien, die sich überschneiden

Eine Frage nach der täglichen Fernsehdauer mit den Kategorien «0 bis 2 Stunden», «2 bis 4 Stunden» und «4 bis 6 Stunden» wirkt sauber und ist es nicht. Wer genau zwei Stunden schaut, findet zwei passende Antworten und kreuzt zufällig eine an. Sauber heisst es «unter 2 Stunden», «2 bis unter 4 Stunden», «4 bis unter 6 Stunden». Die Kategorien müssen sich gegenseitig ausschliessen und gemeinsam alle Fälle abdecken.

Skalen, die mehr versprechen, als sie hergeben

Streng genommen ordinal ist eine fünfstufige Zustimmungsskala von «stimme gar nicht zu» bis «stimme voll zu», weil die Abstände zwischen den Stufen nicht nachweislich gleich sind. Was daraus für die erlaubten Rechenoperationen folgt, steht in unserem Beitrag zur Ordinalskala. Häufig werden solche Skalen in der Praxis wie eine Intervallskala behandelt und Mittelwerte gerechnet. Zulässig ist der Schritt, wenn du ihn im Methodenteil benennst und begründest, und ein Fehler, wenn du ihn stillschweigend tust.

Geschlecht mit zwei Antwortmöglichkeiten abfragen

Im schweizerischen Personenstandsregister gibt es bis heute nur die Einträge «weiblich» und «männlich». Der Bundesrat hat am 21. Dezember 2022 einen Postulatsbericht verabschiedet und darin festgehalten, dass die gesellschaftlichen Voraussetzungen für die Einführung eines dritten Geschlechts oder für einen generellen Verzicht auf den Geschlechtseintrag derzeit nicht gegeben sind, weil das binäre Geschlechtermodell in der Gesellschaft nach wie vor stark verankert sei und eine Änderung zahlreiche Anpassungen von Verfassung und Gesetzen nach sich zöge. Nachzulesen ist der Beschluss in der Medienmitteilung des Bundesrates vom 21. Dezember 2022.

Bewegt hat sich die Rechtslage an anderer Stelle. Seit dem 1. Januar 2022 können Transmenschen und Menschen mit einer Variante der Geschlechtsentwicklung ihren Geschlechtseintrag und ihren Vornamen nach Art. 30b ZGB mit einer Erklärung gegenüber dem Zivilstandsamt ändern, ohne vorgängige medizinische Untersuchung und ohne weitere Voraussetzungen. Die Unterlagen dazu führt das Bundesamt für Justiz.

Für deinen Fragebogen folgt daraus dasselbe wie anderswo: Zwei Optionen erzwingen bei einem Teil der Befragten eine falsche Antwort. Nimm eine dritte Kategorie und die Möglichkeit auf, keine Angabe zu machen. Erhebst du über Ländergrenzen hinweg, halte die Kategorien zusätzlich vergleichbar, sonst lassen sich die Teilstichproben am Ende nicht zusammenführen.

Auswertungsmethode erst nach der Erhebung suchen

Welches statistische Verfahren du einsetzen willst, klärst du vor der Erhebung, nicht danach. Ein Zusammenhangsmass zwischen zwei Variablen verlangt andere Daten als ein Mittelwertvergleich zwischen zwei Gruppen, und ob dein Datensatz beides hergibt, entscheidet der Fragebogen. Einen Einstieg bietet der interaktive Entscheidbaum der Methodenberatung der Universität Zürich. Welche Datenart welches Verfahren voraussetzt, zeigt unser Beitrag zur deskriptiven Statistik und Inferenzstatistik.

Die Datenerhebung in der Abschlussarbeit beschreiben

Im Methodenteil deiner Arbeit steht nicht, wie Datenerhebung im Allgemeinen funktioniert, sondern allein, was du getan hast. Der Massstab dafür ist schlicht: Eine fremde Person soll deine Erhebung nur mit deinem Text noch einmal durchführen können.

Wie ein solcher Steckbrief aussieht, kannst du dir bei der amtlichen Statistik abschauen. Für die Schweizerische Gesundheitsbefragung nennt das Bundesamt für Statistik das Auswahlverfahren (Zufallsstichprobe aus dem Stichprobenregister des BFS, das die kantonalen und kommunalen Einwohnerregister zusammenführt), die befragte Bevölkerung (ständige Wohnbevölkerung ab 15 Jahren in Privathaushalten) und die Erhebungsform (von 1992 bis 2022 ein Telefoninterview mit anschliessendem schriftlichem Fragebogen, online oder auf Papier).

Dazu kommen der Erhebungszeitraum (alle fünf Jahre, jeweils Januar bis Dezember) und der Stichprobenumfang (Basisstichprobe von 10'000 Interviews plus kantonale Aufstockungen; realisiert wurden von 2012 bis 2022 rund 22'000 Interviews). Nachzulesen ist alles im Steckbrief zur Schweizerischen Gesundheitsbefragung, Stand 6. Juni 2025. Genau diese fünf Angaben verlangt auch dein Methodenteil, nur mit deinen Zahlen.

Schematische Darstellung einer Person, die überlegt, an welche Stelle der Abschlussarbeit das Kapitel zur Datenerhebung gehört

An welcher Stelle das Kapitel steht, ist weitgehend einheitlich geregelt. Auf das Forschungsdesign folgt die Erhebung, und der Auswertung geht sie voraus:

  1. Einleitung mit Forschungsfrage
  2. Theorie und Forschungsstand
  3. Forschungsdesign mit Hypothesen, Methodenwahl und Stichprobe
  4. Datenerhebung: Instrument, Feldzeit, Rücklauf
  5. Datenauswertung
  6. Ergebnisse
  7. Diskussion und Fazit

Zum Rücklauf zählt auch, was nicht funktioniert hat. Abbrüche, unvollständige Fälle und eine schiefe Altersverteilung sind kein Makel, sondern Teil des Ergebnisses, und eine Arbeit, die sie ausdrücklich nennt, wirkt souveräner als eine, die sie verschweigt. Wie sich die Erhebung in den gesamten Ablauf einordnet, beschreibt unser Beitrag zum empirischen Forschungsprozess.

Unser Literaturtipp: Raithel, Jürgen (2008). Quantitative Forschung. Ein Praxiskurs. 2. Auflage. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. Besonders Kapitel 4.2 zur Operationalisierung und Kapitel 5 zur Befragung.

Fazit

Am besten ist die Datenerhebung, die du in der verfügbaren Zeit sauber zu Ende bringst. Eine kleine, gut dokumentierte Befragung mit 120 Antworten trägt eine Bachelorarbeit weiter als eine ehrgeizige Mixed-Methods-Anlage, der drei Wochen vor Abgabe die Daten fehlen. Entscheide dich früh, protokolliere mit, und benenne die Grenzen deiner Erhebung selbst, bevor die Bewertung es tut.

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Häufig gestellte Fragen

Datenerhebung bezeichnet den Teil des Forschungsprozesses, in dem Daten nach vorher festgelegten Regeln gesammelt und gemessen werden, damit sie den untersuchten Gegenstand so genau und so wenig verzerrt wie möglich abbilden. Alles, was danach mit diesen Daten geschieht, gehört zur Auswertung und ist ein eigener Schritt.

In studentischen Arbeiten kommen sieben Verfahren regelmässig vor: standardisierte Befragung, Leitfadeninterview, Gruppendiskussion, strukturierte Beobachtung, Inhaltsanalyse, Experiment und Sekundäranalyse vorhandener Datensätze. Für die Sekundäranalyse führt FORS in Lausanne das Schweizer Datenarchiv. Welches Verfahren passt, entscheidet die Forschungsfrage.

Bei 95 Prozent Konfidenzniveau und einer Fehlerspanne von plus/minus 5 Prozentpunkten genügen 385 auswertbare Antworten, sobald die Grundgesamtheit eine Million oder mehr umfasst. Bei 10'000 Personen sind es 370, bei 1000 Personen 278. Eine grosse Stichprobe macht die Umfrage genauer, aber nicht automatisch repräsentativ.

Zur Datenerhebung zählt das planvolle Sammeln der Daten, also Instrument, Feldzeit und Rücklauf. Zur Datenauswertung zählt alles, was danach mit diesen Daten geschieht, also Aufbereitung, Berechnung und Deutung. In einer Bachelorarbeit oder Masterarbeit sind beide Teile zwei getrennte Kapitel.

Operationalisierung bezeichnet die Übersetzung eines theoretischen Begriffs in etwas Messbares. Sie läuft in vier Stufen ab: den Begriff definieren, ein messbares Merkmal bestimmen, die möglichen Merkmalsausprägungen festlegen und daraus die konkrete Frage oder den Indikator formulieren. Erst danach steht fest, womit du später rechnen darfst.

Für eine Semesterarbeit sind rund drei bis vier Wochen für die gesamte Erhebung realistisch, für eine Bachelorarbeit oder Masterarbeit mit grösserer Zielstichprobe eher sechs. Geplant wird rückwärts vom Abgabetermin, weil Feldzeit und Rücklauf von anderen Menschen abhängen und sich nicht verkürzen lassen.

In den Methodenteil gehören fünf Angaben: das eingesetzte Erhebungsinstrument, die Erhebungsform, die Feldzeit mit Start- und Enddatum, der Stichprobenumfang und das Auswahlverfahren. Dazu kommen Abbrüche und unvollständige Fälle, denn auch sie gehören zum Ergebnis.

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