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Empirische Forschung

Auswertungsmethoden in der empirischen Forschung

Daten aus der empirischen Forschung müssen adäquat ausgewertet und analysiert werden. Hier wird zwischen quantitativen und qualitativen Daten unterschieden.

von Marco WarzechaAktualisiert am 26. Juli 2024Lesezeit 3 Min.

Nachdem die Daten erhoben wurden, müssen diese adäquat ausgewertet und analysiert werden. Ähnlich wie in den anderen Artikeln, muss auch die Auswertung der Daten differenziert betrachtet werden, wobei unterschieden wird, wie die Daten erhoben wurden. Wurden diese mit quantitativen oder qualitativen Forschungsmethoden gewonnen? In Abhängigkeit davon, muss unterschiedlich vorgegangen werden. 

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Auswertungsmethoden quantitativer Forschung

Um quantitative Daten analysieren und auswerten zu können, gibt es zwei grundsätzliche Arten von Statistik: 

  • Deskriptive Statistik 
  • Inferenzstatistik 

In der deskriptiven Statistik werden Werte und Mengen der Ergebnisse "recht simpel" zusammengefasst. Es werden Häufigkeitsverteilungen in Diagrammen erstellt, Mittelwerte und Standardabweichungen berechnet sowie Korrelationen bestimmt. Folgende Berechnungsmethoden sind entscheidend in diesem Bereich der Statistik:

  • Mittelwerte:
    Arithmetischer Mittelwert, Median und Modalwert
  • Streuung:
  • Spannweite (Differenz von höchstem und niedrigstem Wert), Standardabweichung und Varianz, Quartilsabstand 
  • Korrelation:
    Der Korrelationskoeffizient gibt den Zusammenhang von zwei Merkmalen an und befindet sich zwischen -1 (negativer Zusammenhang) und +1 (positiver Zusammenhang). 0 würde hierbei bedeuten, dass kein statistischer Zusammenhang ermittelt werden konnte. Das heißt die untersuchten Merkmale haben keine nachgewiesene Abhängigkeit voneinander.

In der Inferenzstatistik geht es darum, ob die Ergebnisse nur Zufall waren oder ob wissenschaftliche Gesetzmäßigkeiten vorliegen. Das wichtigste Instrument in der Inferenzstatistik ist der Hypothesentest:

  • Hypothesentest:
    Der Hypothesentest wird dazu genutzt, um zu sagen, ob von der vorliegenden Stichprobe auf die Gesamtheit geschlossen werden kann. Man stellt dafür der aktuell geltenden Hypothese (Nullhypothese) eine Alternativhypothese (H1) zu Seite, um dann abschließend sagen zu können, ob diese zu bestätigen oder zu widerlegen ist. Am Ende der Untersuchung kann ein Forschender also sagen, dass mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von X Prozent die Hypothese bestätigt oder widerlegt werden kann. 

Die Inferenzstatistik stellt demnach einen wichtigen Teil in der quantitativen Auswertung dar. Sie ordnet die deskriptiven Ergebnisse ein und untermauert die Schlussfolgerungen in deiner Ausarbeitung.

 

Auswertungsmethoden qualitativer Forschungsmethoden

Die Herausforderung in der qualitativen Forschung ist es, die erhobene Daten in irgendeiner Form analysieren zu können, da diese bspw. durch Interviews erst noch dokumentiert und zusammengetragen werden müssen.
Daher ist folgender Ablauf bei qualitativen Forschungen zu durchlaufen:

  1. Aufzeichnung der Daten:
    Mit Hilfe von Mitschnitten oder Aufzeichnungen können die Interviews festgehalten werden

  2. Aufbereitung (Transkription) der Daten:
    Man schreibt je Interview in einem Text-Dokument Wort für Wort mit und dokumentiert so sehr präzise, was in den Aufzeichnungen zu hören ist. Hier geht es allerding rein um die Inhalte des Befragten, die zum Thema wichtig sind. Dialekte, Sprechpausen und Füllwörter (Bspw. „ehm“) können weggelassen werden. 

  3. Auswertungsverfahren:
    Die dokumentierten Daten können nun analysiert werden. Dabei gibt es nicht nur ein Vorgehen, mit dem man qualitative Daten analysieren kann. Mögliche Methoden sind hier: Qualitative Inhaltsanalyse, Grounded Theory, Typologische Analyse, Gegenstandsbezogene Theoriebildung, Sequenzielle Analysen etc. 

Zur Vereinfachung zeigen wir hier den Ablauf der zusammenfassenden Inhaltsanalyse nach Mayring (eine Form der qualitativen Inhaltsanalyse):


1. Phase: Paraphrasierung
Einheitliche Sprachebene, Wiederholungen und Ausschmückungen löschen.
Bsp.: "Persönlicher Kontakt ist das Nonplusultra" und "Vertrauen kann man nur durch persönlichen Kontakt aufbauen"

2. Phase: Generalisierung
Die Paraphrasen müssen auf ein Abstraktionsniveau gebracht werden. Man generalisiert also die Paraphrasen so, dass sie allgemeiner werden.
Bsp.: "Persönlicher Kontakt ist unabdingbar" und "Vertrauen ist nur durch persönlichen Kontakt möglich"

3. Phase: Reduktion
Es werden nur Phrasen beibehalten, die wichtig sind. Doppelte oder nicht wichtige werden gelöscht. Und Paraphrasen, die gleich bzw. ähnlich sind, werden zusammengefasst.
Bsp.: "Persönlicher Kontakt ist wichtig, weil dann ein Vertrauen möglich ist"

So hat man am Ende verschiedene Aussagen komprimiert als Kategoriensystem zusammengefasst. Jetzt muss man noch überprüfen, ob noch alle Aussagen aus der ersten Phase enthalten sind, ansonsten müsste man den Prozess erneut starten. Diese Zusammenfassung kann man dann im weiteren Verlauf der Untersuchung nutzen, um diese zu interpretieren und Schlussfolgerungen für die Forschungsfrage schließen.

 

Und nun? Jetzt wird der Bericht geschrieben

Du hast nun erfolgreich die erhobenen Daten ausgewertet und mit verschiedenen Instrumenten analysiert. Jetzt geht es darum die gewonnenen Erkenntnisse zu interpretieren, in den aktuellen Kontext der Forschung zu bringen und die Ergebnisse in einem Bericht festzuhalten. Dies geschieht in einer wissenschaftlichen Arbeit. Wie du diese verfasst, wie sie aufgebaut ist und was du beachten musst, zeigen wir dir im nächsten Kapitel.

 

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