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Hypothesen aufstellen: Anleitung und Beispiele fürs Studium

Eine Hypothese ist erst prüfbar, wenn sie sich widerlegen lässt. Wie du sie für die Bachelorarbeit im Wenn-dann- oder Je-desto-Muster aufstellst, zeigen wir dir an fünf Kriterien.

Autorin bei empirio.ai - Maria Malzewvon Maria MalzewAktualisiert am 18. August 2026Lesezeit 14 Min.

Zwei Sätze zum Vergleich. Satz eins: „Nebenjobs schaden dem Studium.“ Satz zwei: „Je mehr Stunden Studierende pro Woche erwerbstätig sind, desto tiefer schätzen sie ihre Studienzufriedenheit ein.“

Beide behaupten etwas über dieselbe Sache, nur der zweite Satz lässt sich mit Daten überprüfen. Hypothesen aufstellen heisst: Du übersetzt deine Forschungsfrage in eine begründete Vermutung über den Zusammenhang von mindestens zwei Variablen, formulierst sie als Wenn-dann- oder Je-desto-Satz und prüfst, ob sich überhaupt ein Messergebnis denken lässt, das sie kippt. Genau diese Widerlegbarkeit macht sie wissenschaftlich. Am Ende dieses Artikels hast du zwei bis drei Hypothesen, die deiner Betreuungsperson standhalten.


📌 Das Wichtigste im Überblick

  • Eine Hypothese verbindet mindestens zwei Variablen zu einer prüfbaren Aussage.
  • Wenn-dann- und Je-desto-Sätze sind die beiden Grundformen.
  • Für eine Bachelorarbeit sind zwei bis drei Hypothesen ein üblicher Richtwert.
  • Nicht jede Abschlussarbeit braucht Hypothesen, qualitative Arbeiten oft nicht.
  • Statistisch lässt sich eine Hypothese stützen, aber nie beweisen.

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Was ist eine Hypothese?

Eine Hypothese ist eine begründete Vermutung über den Zusammenhang zwischen mindestens zwei Variablen, die sich an empirischen Daten überprüfen und im Prinzip auch widerlegen lässt. Eine Hypothese geht immer über den einzelnen Fall hinaus.

Am Institut für Bildungswissenschaften der Universität Basel steht die Abgrenzung im Leitfaden für schriftliche Arbeiten (Version 2026). Eine These ist dort eine einfache Behauptung, eine Hypothese dagegen behauptet einen Zusammenhang zwischen mindestens zwei Faktoren und lässt sich als Wenn-dann- oder Je-desto-Aussage formulieren. Das Wort stammt aus dem Griechischen: „hypóthesis“ bedeutet so viel wie Unterstellung oder Grundlage.

Im Studium tauchen drei Begriffe nebeneinander auf, und alle drei leisten etwas anderes. Die Forschungsfrage grenzt ein, was du wissen willst. Die These behauptet zugespitzt. Die Hypothese behauptet messbar.

BegriffWas er leistetBeispiel
Forschungsfragegrenzt das Erkenntnisinteresse einHängt Erwerbsarbeit im Studium mit der Studienzufriedenheit zusammen?
Theseeine zugespitzte, strittige BehauptungNebenjobs prägen den Studienalltag an Fachhochschulen stärker als der Lehrplan
Hypotheseeinen Zusammenhang zwischen zwei FaktorenJe mehr Erwerbsstunden pro Woche, desto tiefer die Studienzufriedenheit

Der Unterschied ist im Alltag einer Abschlussarbeit weniger akademisch, als er klingt. Wer eine These vertritt, argumentiert; wer eine Hypothese prüft, erhebt Daten und rechnet. Welcher Begriff in welchem Fach üblich ist, haben wir im Beitrag zu Forschungsfrage, These und Hypothese auseinandergenommen.

Eine These kannst du diskutieren. Eine Hypothese kannst du messen.

Hypothesen aufstellen: die vier Schritte

Hypothesen aufstellen gelingt in vier Schritten: Du grenzt deine Forschungsfrage ein, sichtest den Forschungsstand, benennst die Variablen und formulierst daraus einen Konditionalsatz, den du anschliessend auf Prüfbarkeit abklopfst.

Die Reihenfolge ist wichtiger, als sie aussieht. Wer beim Satzbau anfängt, formuliert meist elegante Sätze über Dinge, die sich hinterher nicht messen lassen. Vielmehr entsteht eine tragfähige Hypothese von hinten: erst der vermutete Zusammenhang, dann die Variablen, dann die Sprache.

Als durchgehendes Beispiel begleitet uns eine Bachelorarbeit an einer Schweizer Fachhochschule zum Zusammenhang von Erwerbsarbeit neben dem Studium und Studienzufriedenheit. Das Beispiel läuft durch alle vier Schritte, damit sichtbar wird, wie aus einem breiten Interesse eine prüfbare Aussage entsteht.

Schritt 1: Die Forschungsfrage so weit eingrenzen, dass sie messbar wird

Am Anfang steht eine Frage, die noch zu weit gefasst ist. „Wie wirkt sich Arbeiten auf das Studium aus?“ lässt sich nicht erheben, weil weder klar ist, was „arbeiten“ heisst, noch welche Studierenden gemeint sind. Grenze deshalb Gegenstand, Gruppe und Zeitraum ein, bis die Frage in einen Satz passt: „Hängt die wöchentliche Erwerbsarbeit mit der selbst eingeschätzten Studienzufriedenheit von Bachelorstudierenden an einer Fachhochschule zusammen?“ Erst aus einer solchen Frage lässt sich überhaupt eine Vermutung ableiten.

Schritt 2: Den Forschungsstand sichten und eine Theorie wählen

Eine Hypothese kommt nicht aus dem Bauch, sondern aus der Literatur. Sichte den Forschungsstand und suche nach einem Modell, das deinen Gegenstand schon einmal erklärt hat, denn genau darauf zielt die Frage deiner Betreuungsperson, warum du ausgerechnet diesen Zusammenhang vermutest.

Für die Schweizer Datenlage lohnt der Blick in die Erhebung zur sozialen und wirtschaftlichen Lage der Studierenden des Bundesamts für Statistik, die seit 2005 unter anderem Erwerbstätigkeit, Zeitbudget und Gesundheit von Studierenden an Universitäten, ETH, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen erfasst. Ob du deine Hypothese aus einer Theorie ableitest oder aus Beobachtungen entwickelst, entscheidet darüber, ob du deduktiv oder induktiv arbeitest.

Schritt 3: Die Variablen benennen und messbar machen

Jede Hypothese braucht mindestens zwei Variablen, und beide müssen erhebbar sein. Benenne zuerst, was du als Einflussgrösse vermutest (die unabhängige Variable) und was sich dadurch verändern soll (die abhängige Variable). Im Beispiel sind die wöchentlichen Erwerbsstunden die unabhängige und die Studienzufriedenheit die abhängige Variable. Prüfe an dieser Stelle sehr konkret, mit welcher Frage in deinem Bogen du jede der beiden Variablen erfassen willst. Fällt dir keine ein, ist die Variable noch zu abstrakt.

Schritt 4: Den Konditionalsatz formulieren und gegenlesen

Jetzt erst kommt die Sprache. Bring die beiden Variablen in einen Wenn-dann- oder Je-desto-Satz und benenne die Richtung des vermuteten Zusammenhangs: „Je höher die wöchentliche Erwerbsarbeit, desto tiefer die selbst eingeschätzte Studienzufriedenheit von Bachelorstudierenden.“ Lies den Satz anschliessend einmal mit der Frage gegen, welches Messergebnis ihn kippen würde. Fällt dir eines ein, hast du eine Hypothese. Fällt dir keines ein, hast du eine Meinung.

Vom Thema über die Forschungsfrage zur Hypothese: die vier Schritte beim Hypothesen aufstellen in einer Bachelorarbeit

Wer diesen Weg einmal sauber gegangen ist, merkt den Nebeneffekt spätestens im Methodenteil: Die Begründung für deine Hypothesen steht dann schon, weil sie aus dem Forschungsstand kommt und nicht nachträglich gesucht werden muss.

Wenn-dann, Je-desto und die anderen Hypothesenarten

Wenn-dann-Hypothesen und Je-desto-Hypothesen sind die beiden Grundformen: Die Wenn-dann-Form verbindet zwei Zustände, also wenn Bedingung X vorliegt, dann tritt Folge Y ein. Die Je-desto-Form verbindet zwei Ausprägungen, die gemeinsam steigen oder fallen.

Welche Form du wählst, hängt davon ab, wie deine Variablen gemessen werden. Liegen sie als Ja-Nein-Merkmal oder als Gruppen vor, passt der Wenn-dann-Satz. Liegen sie als Zahl oder Skala vor, passt der Je-desto-Satz besser, weil er die Abstufung mit abbildet. Beide Formen sind gleichwertig, und keine gilt als wissenschaftlicher als die andere.

HypothesenartWoran du sie erkennstBeispiel
Je-desto-Hypothesezwei Merkmale steigen oder fallen gemeinsamJe mehr Erwerbsstunden pro Woche, desto tiefer die Studienzufriedenheit
Wenn-dann-Hypotheseein Zustand zieht einen anderen nach sichWenn die Erwerbsarbeit 20 Stunden übersteigt, dann steigt die Studiendauer
Unterschiedshypothesezwei Gruppen werden miteinander verglichenStudierende an Fachhochschulen arbeiten mehr als Studierende an Universitäten

Gerichtet oder ungerichtet: die zweite Unterscheidung

Quer zu den drei Formen liegt eine zweite Unterscheidung, nach der Betreuungspersonen häufig fragen. Eine gerichtete Hypothese legt sich auf die Richtung fest („desto tiefer“), eine ungerichtete behauptet nur, dass es überhaupt einen Unterschied gibt. Gerichtete Hypothesen sind aussagekräftiger, weil sie mehr riskieren, und sie sind die Regel, sobald der Forschungsstand eine Richtung nahelegt.

Zusammenhang ist noch keine Ursache

Ein Punkt, an dem in Abschlussarbeiten regelmässig etwas verrutscht: Eine Je-desto-Hypothese behauptet einen Zusammenhang, keine Ursache. Manche Leitfäden sprechen zugespitzt von der Vermutung einer Ursache-Wirkungs-Beziehung, so auch der Leitfaden der Universität Basel. Gemeint ist damit die Vermutung, nicht der Nachweis: Aus einer einmaligen Befragung lässt sich nicht ablesen, was Ursache und was Wirkung ist. Ebenso plausibel wäre im Beispiel, dass unzufriedene Studierende mehr arbeiten. Für eine echte Ursachenaussage brauchst du ein kausales Untersuchungsdesign, und das leistet eine einmalige Online-Befragung nicht.

Woran du eine gute Hypothese erkennst

Eine gute Hypothese erfüllt fünf Kriterien: Sie geht über den Einzelfall hinaus, benennt mindestens zwei messbare Variablen, hat die Form eines Konditionalsatzes, widerspricht keiner deiner übrigen Hypothesen und lässt sich durch Daten widerlegen.

Von diesen fünf Kriterien ist das letzte das wichtigste, und es wird am häufigsten falsch wiedergegeben. Falsifizierbar heisst nicht „man kann sie bestätigen oder widerlegen“. Falsifizierbar heisst: Es muss ein denkbares Messergebnis geben, das die Hypothese kippen würde. Karl Popper hat dieses Kriterium in „Logik der Forschung“ eingeführt, um wissenschaftliche von nicht wissenschaftlichen Aussagen zu unterscheiden.

Eng damit verbunden ist ein zweites Kriterium, das der Leitfaden der Universität Basel besonders betont: Eine Hypothese muss so formuliert sein, dass sie „operationalisierbar, d.h. empirisch messbar und überprüfbar ist“. Wer keine Frage aus dem eigenen Fragebogen benennen kann, mit der sich eine Variable erfassen lässt, hat die Hypothese noch nicht fertig.

Der Test auf Falsifizierbarkeit ist erfreulich einfach und dauert keine Minute. Frag dich bei jeder deiner Hypothesen: Welches Ergebnis müsste ich in meinen Daten sehen, damit ich diese Aussage aufgebe? Fällt dir keines ein, hast du keine Hypothese formuliert, sondern eine Überzeugung. Genau daran scheitern Sätze wie „Nebenjobs beeinflussen das Studium“, denn dagegen kann nichts sprechen.

Checkliste, bevor du deine Hypothesen abgibst

Kurz vor der Abgabe lohnt ein letzter Durchgang durch alle Hypothesen, und zwar mit Stift und ohne Rücksicht auf die schöne Formulierung. Fünf Fragen reichen dafür aus. Bleibt bei einer Hypothese ein Haken offen, ist die Korrektur jetzt noch billig und nach der Erhebung nicht mehr.

  • Die Aussage gilt über deinen einzelnen Fall hinaus.
  • Beide Variablen sind mit deinem Erhebungsinstrument messbar.
  • Der Satz hat die Form eines Wenn-dann- oder Je-desto-Satzes.
  • Deine Hypothesen widersprechen einander nicht.
  • Du kannst ein Ergebnis benennen, das die Hypothese widerlegen würde.

💡 Tipp

Unser Literaturtipp für den Methodenteil: Hunziker, Alexander W. (2025): Spass am wissenschaftlichen Arbeiten. 10. Auflage. Verlag SKV, Zürich. Das Kapitel 20 zur Hypothese ab Seite 86 erklärt in wenigen Seiten, wie du eine Vermutung sauber aus dem Forschungsstand ableitest. Der Autor lehrt an der Berner Fachhochschule und schreibt für Semester-, Bachelor- und Masterarbeiten.

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Wie viele Hypothesen brauchst du, und wo stehen sie?

Für eine Bachelorarbeit sind zwei bis drei Hypothesen ein erfahrungsgemäss tragfähiger Richtwert, für eine Masterarbeit dürfen es einige mehr sein. Verbindlich ist allein, was das Studienreglement oder die Wegleitung deines Studiengangs vorgibt.

Entscheidend ist ohnehin nicht die Anzahl, sondern die Passung. Jede Hypothese muss sich aus der Forschungsfrage ableiten lassen, und für jede brauchst du am Ende ein eigenes Auswertungsergebnis. Wer sechs Hypothesen aufstellt und nur für vier davon Daten erhebt, produziert im Ergebnisteil Lücken, die jeder Bewertung sofort auffallen.

Wo die Hypothesen in der Abschlussarbeit stehen

Für die Platzierung gibt es keine allgemeingültige Regel, wohl aber zwei etablierte Muster. Der Leitfaden der Universität Basel sieht ein eigenes Kapitel für Fragestellung und Hypothesen direkt nach dem theoretischen Hintergrund vor und hält zugleich fest, dass sich beides ebenso am Ende des Theorieteils oder zu Beginn des Methodenteils platzieren lässt. Welche Variante passt, hängt davon ab, wann deine Hypothesen entstanden sind.

Variante 1, aus der Literatur abgeleitet

  1. Einleitung mit der Forschungsfrage
  2. Theorie und Stand der Forschung
  3. Methodik, dort die Hypothesen

Variante 2, von Anfang an festgelegt

  1. Einleitung mit der Forschungsfrage
  2. Eigenes Kapitel mit den Hypothesen
  3. Theorie und Stand der Forschung
  4. Methodik

Beide Varianten sind üblich und werden akzeptiert. Wichtiger als die Reihenfolge ist, dass deine Argumentation nachvollziehbar bleibt: Die Person, die deine Arbeit bewertet, muss an jeder Stelle erkennen können, woher eine Vermutung kommt. Wie sich das in den Gesamtaufbau einfügt, zeigt unser Leitfaden zur empirischen Arbeit.

Zwei Aufbauvarianten, wie sich Hypothesen in eine empirische Bachelorarbeit oder Masterarbeit einordnen lassen

Brauchst du überhaupt Hypothesen?

Nein, nicht jede Abschlussarbeit braucht Hypothesen. Hypothesen gehören zu einem prüfenden, meist quantitativen Vorgehen, und rein theoretische oder explorativ angelegte Arbeiten kommen ohne sie aus, solange die Forschungsfrage präzise genug ist.

Eine solche Entlastung steht selten in Ratgebern, dafür aber an der Quelle. Der Leitfaden der Universität Basel formuliert es offen: „Je nach Fragestellung und methodischer Herangehensweise werden Sie für Ihre Arbeit auch eine These oder Hypothese(n) formulieren.“ Für theoretische Arbeiten steht dort ausdrücklich die These, für empirische Arbeiten die Hypothese. Die Wahl folgt also der Methode und nicht einer Formvorschrift.

Umgekehrt gibt es einen zweiten Fall, der noch öfter übersehen wird. Qualitative Forschung arbeitet häufig hypothesengenerierend statt hypothesenprüfend: Am Anfang steht keine Vermutung, am Ende steht eine. Wer zwölf Leitfadeninterviews führt, um zu verstehen, wie Studierende ihren Nebenjob erleben, formuliert die Hypothese im Ergebnisteil und nicht im Methodenteil. Mehr dazu steht in unserem Überblick über qualitative und quantitative Forschungsmethoden.

Art deiner ArbeitHypothesen nötig?Was stattdessen trägt
Quantitative Befragung mit Theoriebezugja, meist zwei bis dreiAbleitung aus dem Forschungsstand
Explorative Interviewstudiemeist neinpräzise Forschungsfrage und Leitfaden
Theoretische Arbeit ohne eigene ErhebungneinThese und schlüssige Argumentation

Die Tabelle ersetzt keine Rücksprache. Welches Vorgehen erwartet wird, unterscheidet sich zwischen einer Fachhochschule, einer Universität und der ETH ebenso wie zwischen Psychologie, Germanistik und Betriebsökonomie. Massgeblich sind die Vorgaben deines Studiengangs.

⚠️ Achtung

Kläre die Frage nach den Hypothesen im ersten Betreuungsgespräch, nicht drei Wochen vor Abgabe. Eine Arbeit nachträglich von explorativ auf hypothesenprüfend umzustellen, bedeutet in der Regel eine neue Erhebung.

Hypothesen prüfen: stützen, verwerfen oder offenlassen?

Eine Hypothese lässt sich statistisch stützen oder verwerfen, aber nicht beweisen. Ein Signifikanztest sagt dir, wie gut deine Daten zu einem angenommenen Modell passen, und nicht, ob deine eigene Vermutung wahr ist.

Der Grund liegt im Aufbau des Verfahrens. Geprüft wird nämlich nicht deine eigene Vermutung, sondern die Nullhypothese, also die Annahme, dass es den vermuteten Zusammenhang nicht gibt. Fällt das Ergebnis unwahrscheinlich genug aus, verwirfst du die Nullhypothese und behältst deine Alternativhypothese vorläufig bei. Bewiesen ist damit nichts, denn eine spätere Studie mit anderen Daten kann zu einem anderen Schluss kommen.

Die American Statistical Association hat diesen Punkt 2016 in sechs Grundsätzen festgehalten: Ein p-Wert misst die Vereinbarkeit von Daten und einem statistischen Modell und nicht die Wahrscheinlichkeit, dass die untersuchte Hypothese zutrifft. Die Grundsätze stehen als PDF bei der American Statistical Association.

Für deinen Ergebnisteil heisst das ganz konkret:

✓ „Der Zusammenhang zwischen Erwerbsstunden und Studienzufriedenheit ist statistisch signifikant.“
✕ „Hypothese 1 ist bewiesen.“
→ Besser: „Die Daten stützen Hypothese 1. Ein Schluss auf Ursache und Wirkung ist mit diesem Design nicht möglich.“

Der Zwischenschritt, den viele überspringen: die Operationalisierung

Zwischen der fertigen Hypothese und der Auswertung liegt ein Schritt, der über die Qualität der ganzen Arbeit entscheidet. Die Operationalisierung (= die Übersetzung eines Begriffs in eine konkrete Messvorschrift) macht aus „Studienzufriedenheit“ eine Skala mit mehreren Aussagen und aus „Erwerbsarbeit“ eine Frage nach Stunden pro Woche. Erst danach steht fest, ob deine Hypothese überhaupt prüfbar ist. Wie du daraus einen sauberen Bogen baust, zeigen wir dir beim Fragebogen erstellen, und woran gute Messung sich messen lässt, steht unter Objektivität, Reliabilität und Validität.

Phase des empirischen Forschungsprozesses, in der aus der Forschungsfrage die Hypothesen abgeleitet werden

Wer diese Reihenfolge einhält, spart sich die unangenehmste Erfahrung im ganzen Forschungsprozess: festzustellen, dass die Erhebung vorbei ist und die Daten zur eigenen Hypothese nicht passen.

Typische Fehler beim Hypothesen aufstellen

Die meisten Probleme mit Hypothesen entstehen nicht beim Rechnen, sondern beim Formulieren. Vier Fehler tauchen dabei so regelmässig auf, dass sich ein kurzer Abgleich lohnt, bevor du deine Hypothesen abgibst.

Gemeinsam ist ihnen, dass sie sich vor der Datenerhebung in wenigen Minuten beheben lassen und danach fast nie. Das ist die schlechte und zugleich die gute Nachricht.

Fehler 1: Die Hypothese wiederholt nur die Forschungsfrage

Aus der Frage „Hängt die Erwerbsarbeit mit der Studienzufriedenheit zusammen?“ wird gern die Hypothese „Die Erwerbsarbeit hängt mit der Studienzufriedenheit zusammen.“ Beides ist dieselbe Aussage mit einem Punkt am Ende. Eine Hypothese leistet mehr als eine umgestellte Frage: Sie legt sich auf eine Richtung fest und behauptet damit etwas, das falsch sein kann.

Fehler 2: Es kommt nur eine Variable vor

Sätze wie „Studierende an Fachhochschulen arbeiten viel“ enthalten genau ein Merkmal. Damit lässt sich beschreiben, aber nichts prüfen, weil kein Zusammenhang behauptet wird. Zähle bei jeder Hypothese die Variablen durch. Findest du nur eine, hast du eine deskriptive Fragestellung formuliert, und die gehört in den Ergebnisteil, nicht in den Hypothesenteil.

Fehler 3: Aus einem Zusammenhang wird eine Ursache gemacht

„Nebenjobs senken die Studienzufriedenheit“ behauptet eine Wirkungsrichtung, die eine einmalige Befragung nicht belegen kann. Genauso plausibel wäre, dass unzufriedene Studierende früher nach einem Nebenjob suchen. Formuliere deshalb als Zusammenhang, solange dein Design keine Ursachenaussage trägt, und benenne diese Einschränkung im Kapitel zu den Grenzen deiner Arbeit.

Fehler 4: Die Hypothesen widersprechen sich gegenseitig

Bei drei oder mehr Hypothesen passiert es leicht, dass zwei davon das Gegenteil voneinander behaupten, weil sie aus unterschiedlichen Theorien stammen. Lies deine Hypothesen deshalb zum Schluss einmal hintereinander weg. Widersprechen sich zwei, musst du dich entscheiden oder den Widerspruch selbst zum Gegenstand deiner Arbeit machen, was durchaus reizvoll sein kann.

Quellen und weiterführende Literatur

Die folgenden Quellen tragen die Aussagen dieses Artikels und eignen sich zugleich als Belege für deinen eigenen Methodenteil.

Fazit

Eine Hypothese ist kein Schmuckstück im Methodenteil, sondern die Stelle, an der deine Arbeit angreifbar wird, und genau das ist ihr Zweck. Wer zwei bis drei Vermutungen sauber aus dem Forschungsstand ableitet, beide Variablen messbar macht und am Ende ehrlich schreibt, was die Daten stützen und was nicht, hat den anspruchsvollsten Teil hinter sich. Und keine Sorge: Eine Hypothese, die sich nicht bestätigt, ist ein Ergebnis und kein Fehler.

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Häufig gestellte Fragen

Für eine Bachelorarbeit sind zwei bis drei Hypothesen ein erfahrungsgemäss tragfähiger Richtwert, für eine Masterarbeit dürfen es einige mehr sein. Verbindlich ist allein das Studienreglement oder die Wegleitung deines Studiengangs. Entscheidend ist ohnehin nicht die Anzahl: Jede Hypothese muss sich aus der Forschungsfrage ableiten lassen, und für jede brauchst du am Ende ein eigenes Auswertungsergebnis.

Nein, eine Bachelorarbeit muss keine Hypothese haben. Hypothesen gehören zu einem prüfenden, meist quantitativen Vorgehen. Explorative Interviewstudien und rein theoretische Arbeiten kommen ohne sie aus. Der Leitfaden für schriftliche Arbeiten der Universität Basel hält fest, dass eine These oder Hypothese je nach Fragestellung und methodischer Herangehensweise formuliert wird.

Die Forschungsfrage fragt, die Hypothese antwortet vorläufig. Eine Forschungsfrage grenzt ein, was du wissen willst, und steht in der Einleitung. Eine Hypothese behauptet einen konkreten Zusammenhang zwischen mindestens zwei Variablen und legt sich auf eine Richtung fest. Aus einer Forschungsfrage lassen sich je nach Umfang mehrere Hypothesen ableiten.

Eine Arbeitshypothese ist eine vorläufige Vermutung, mit der du in die Forschung startest und die du im Verlauf noch anpassen darfst. In statistischen Lehrbüchern wird der Begriff daneben als Bezeichnung für die Alternativhypothese verwendet, also für die Gegenannahme zur Nullhypothese. Kläre im Zweifel mit deiner Betreuungsperson, welche Bedeutung in deinem Fach gemeint ist.

Nein, eine Hypothese lässt sich statistisch stützen oder verwerfen, aber nicht beweisen. Ein Signifikanztest prüft die Nullhypothese, also die Annahme, dass es den vermuteten Zusammenhang nicht gibt. Die American Statistical Association hat 2016 festgehalten, dass ein p-Wert die Vereinbarkeit von Daten und Modell misst und nicht die Wahrscheinlichkeit einer Hypothese.

Hypothesen stehen entweder in einem eigenen Kapitel nach dem theoretischen Hintergrund oder zu Beginn des Methodenteils. Beide Varianten nennt der Leitfaden für schriftliche Arbeiten der Universität Basel. Hast du die Hypothesen aus der Literatur abgeleitet, passt die Platzierung nach der Theorie besser. Standen sie von Anfang an fest, gehören sie weiter nach vorn.

Qualitative Forschung arbeitet meist hypothesengenerierend statt hypothesenprüfend. Am Anfang steht eine offene Forschungsfrage, die Hypothese entsteht erst aus dem Material und steht im Ergebnisteil. Wer Leitfadeninterviews führt, formuliert also keine Vermutung vorab, sondern leitet am Ende aus den Aussagen der befragten Personen eine Vermutung für weitere Forschung ab.

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