Nach dem erfolgreichen Durchführen deiner empirischen Forschung stehst du nun vor der letzten Herausforderung im Rahmen deiner Abschlussarbeit: Dem tatsächlichen Dokumentieren deiner gesamten Forschungsergebnisse. Schließlich hast du den inhaltlichen Aspekt deiner Abschlussarbeit bereits gemeistert, indem du ein gesellschaftsrelevantes Thema oder Problem im Kontext deines Fachbereichs wissenschaftlich untersucht hast. Dennoch ist deine Forschung erst durch die unmittelbare Verschriftlichung der Ergebnisse abgeschlossen.
Dazu unterliegt jede studentische Ausarbeitung einer Reihe von formalen Rahmenbedingungen, die von der jeweiligen Hochschule vorgegeben sind. Auch deine empirische Abschlussarbeit muss am Ende beweisen, dass du über die notwendigen Kenntnisse zum Erwerb des angestrebten akademischen Grads verfügst. Dennoch sind es beim Verfassen der Bachelor- oder Masterarbeit nicht mal die fachliche Kompetenz oder die vorgegebenen Formalien, die viele Studierenden regelrecht in Angst versetzen. Erstaunlicherweise stellen die konkrete Projektplanung sowie das eigentliche Schreiben für viele Studierende die größte Hürde dar.
Dabei muss das Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit gar nicht stressig sein, wenn du einmal gelernt hast, welche Schritte bei der Verschriftlichung deiner Forschung notwendig sind und wie du sie möglichst effizient umsetzt.
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Bevor wir uns dem konkreten inhaltlichen Aufbau deiner empirischen Abschlussarbeit widmen, lass uns folgendes festhalten: Unabhängig von deinem Fachbereich, hast du (in der Regel) im Laufe deines Studiums bereits unzählige wissenschaftliche Arbeiten erfolgreich verfasst – und zwar unausweichlich!
Dazu gehören unter anderem verschiedene Seminar- und Praktikumsberichte, Haus- und Projektarbeiten sowie kürzere oder längere Aufsätze. Mit dem Erstellen dieser Arbeiten ist der Grundstein für das erfolgreiche Verfassen deiner Abschlussarbeit auch schon gelegt. Im Grunde ist eine Bachelor- oder Masterarbeit nämlich nichts anderes als eine fachliche Ausweitung von solchen einfacheren Ausarbeitungen.
Grafik aus: Balzert, Helmut et al. (2011). Wissenschaftliches Arbeiten. 2 Auflage. Berlin/Dortmund: Springer Campus, S. 70.
Dabei sind alle diese Arbeiten in ihren Grundzügen durchaus ähnlich, sie unterscheiden sich jedoch in Bezug auf ihren inhaltlichen und zeitlichen Umfang. Mit wissenschaftlicher Praxis wachsen dazu nicht nur deine Fachkenntnisse, sondern auch die gestellten Anforderungen an deine Forschung. Je höher der angestrebte akademische Grad, desto mehr Selbstständigkeit und Tiefe wird von deiner Arbeit erwartet.
Literaturtipp: Balzert, Helmut et al. (2011). Wissenschaftliches Arbeiten. 2 Auflage. Berlin/Dortmund: Springer Campus.
➔ siehe vor allem Kap. 7: “Arten wissenschaftlicher Arbeiten”, S. 81-93.
Aufbau einer empirischen Abschlussarbeit: Für Bachelor- und Masterarbeiten
Grundsätzlich bildet jede empirische Arbeit ein logisches Konzept, das aus einem Thema, einer Forschungsfrage, einer oder mehrerer Hypothesen, einer Forschungsmethode und der daraus resultierenden Analyse besteht. Diese einzelnen Bausteine verlaufen im Forschungsprozess jedoch selten chronologisch, stattdessen werden sie in der Praxis meistens parallel durchgeführt.
Im von uns vorgestellten Forschungsprozess nach Raithel ist die Dokumentation der Ergebnisse (= das eigentliche Schreiben der empirischen Bachelor- oder Masterarbeit) der letzte von 7 durchgeführten Arbeitsschritten. Dennoch ist es in der Praxis sinnvoll, die Verschriftlichung deiner Abschlussarbeit parallel zu diesen unterschiedlichen Phasen der Forschung umzusetzen.
Sobald du dich beispielsweise mit den theoretischen Grundlagen für die Formulierung deiner Forschungsfrage befasst hast, solltest du diese Kenntnisse direkt in deiner Einleitung oder beim Stand der Forschung festhalten. Während du auf die Ergebnisse deiner Online-Umfrage wartest, kannst du schon mal das Kapitel zum Forschungsdesign und -methode fertigstellen. Auf diese Weise wirst du zeitlich am besten vorankommen, auch wenn du damit rechnen musst, manche Passagen deiner Arbeit später nach Bedarf noch einmal zu überarbeiten (= s.g. “iterative” Arbeitsweise in der Wissenschaft, bei der man immer wieder zu bereits verfassten Stellen der Arbeit zurückkehrt und diese aufgrund neuer Erkenntnisse inhaltlich anpasst).
Insgesamt sollten bei der schriftlichen Darstellung die unternommenen Schritte stets so erläutert werden, dass am Ende eine schlüssige lineare Arbeit entsteht. Man spricht an dieser Stelle von dem berühmten “roten Faden”, der oftmals den Unterschied zwischen einer sehr guten oder eben bloß mittelmäßigen Arbeit ausmacht.
Jede wissenschaftliche Arbeit ist dabei im Prinzip ähnlich aufgebaut. Typischerweise wird eine empirische Abschlussarbeit daher aus diesen aufeinanderfolgenden Abschnitten bestehen:
1. Titelblatt
Jede studentische Ausarbeitung muss sich an spezifische formale Anforderungen der jeweiligen Hochschule halten. Darunter fällt auch die Gestaltung des Titelblatts, auf dem typischerweise folgende Angaben zu finden sind:
- Titel der Abschlussarbeit
- Name der Universität und entsprechende Fakultät
- Name der betreuenden Person
- Deine persönlichen Angaben: Name, Anschrift, E-Mail-Adresse und Matrikelnummer
- Abgabetermin
2. Inhaltsverzeichnis
Das Inhaltsverzeichnis umfasst sämtliche Inhalte deiner Forschung und sollte dementsprechend übersichtlich gestaltet werden. Alle Gliederungspunkte werden dabei mit Angabe der Seitenzahl aufgeführt. Das Inhaltsverzeichnis zusammen mit dem Titelblatt trägt selbst keine Seitenzahl und zählt auch nicht zur angeforderten Seitenmenge (genau wie das Literatur- oder Abbildungsverzeichnis).
Achte bei der Aufteilung auf weitere Unterpunkte (3.1, 3.2, 3.3.) darauf, dass es immer mindestens zwei Unterpunkte von einem Hauptpunkt geben muss (sprich: wenn du einen Unterpunkt 3.1. hast, muss darauf immer ein 3.2. folgen, sonst macht die Aufteilung keinen Sinn!).
3. Einleitung: Forschungsfrage
Eine Einleitung sollte nicht nur die grundlegende Konzeption der Arbeit sowie das methodische Vorgehen deiner Forschung anreißen, sondern führt deine Leser zum allerersten Mal in das untersuchte Forschungsthema ein. Außerdem solltest du in dieser kurzen Einführung auf dein Forschungsinteresse eingehen und deine Forschungsfrage in ihren Grundzügen erläutern.
Insgesamt sollte die Einleitung allerdings nicht zu ausführlich ausfallen, weil du einzelne Aspekte zum Forschungsstand und deiner Methodik ohnehin in eigenen Kapiteln behandeln wirst. Die Einleitung kann in “Einführung in die Thematik” und “Zielsetzung und Vorgehensweise der Arbeit” untergliedert werden – dies solltest du aber am besten mit deinem Dozenten abstimmen.
4. Theorie: Stand der Forschung
Nachdem du die relevante Literatur zu deinem Forschungsthema gesichtet hast, fasst du in diesem Kapitel die wichtigsten Erkenntnisse und Theorien anderer Autoren in Bezug auf deine Fragestellung zusammen. In diesem Zusammenhang wird von dir erwartet, dass du die Vor- und Nachteile der theoretischen Ansätze in Bezug auf deine eigene Zielsetzung herausgearbeitet hast. Der Stand der Forschung bzw. die Erkenntnisse anderer Forscher bilden nämlich den theoretischen Gerüst für deine zukünftige Argumentation.
5. Forschungsdesign und Forschungsmethode
Als nächstes musst du die konkrete Planung deines Forschungsprojekts zusammenfassen. Das Forschungsdesign (= auch als Untersuchungsplan oder Forschungskonzept bekannt) bezeichnet die Forschungsstrategie, mit der du deine Studie aufbauen möchtest. Bei einer empirischen Abschlussarbeit wirst du bei dem Forschungsdesign als erstes deine Hypothesen bilden und im Anschluss aufzeigen, welche konkrete Forschungsmethode zur Erhebung, Aufbereitung und Auswertung von Daten bei deiner Studie zum Einsatz kommt.
6. Datenerhebung
In diesem Abschnitt deiner Ausarbeitung wird die durchgeführte Umsetzung deiner Forschungsmethode in der Praxis ausführlich dargelegt. Wichtig ist, dass du spezifische Aspekte deiner Datenerhebung in Hinblick auf die untersuchte Fragestellung begründen kannst. Bei einer quantitativen Online-Umfrage solltest du beispielsweise den zeitlichen Rahmen sowie die inhaltlichen Gestaltung des Fragebogens erklären können.
7. Datenauswertung
Zu Beginn der Datenauswertung werden die gesammelten Daten auf mögliche Fehler geprüft und mithilfe eines Computerprogramms wie SPSS zu einem Datensatz aufbereitet. Danach werden die Ergebnisse der Datenerhebung statistisch ausgewertet. Dabei werden zunächst einfache deskriptive Ergebnisse dokumentiert und abschließend die aufgestellten Hypothesen mithilfe der Inferenzstatistik geprüft.
8. Ergebnisse und Erkenntnisse
Die Ergebnisse der Datenauswertung bzw. deiner Untersuchung werden nachvollziehbar festgehalten und in Hinsicht auf die anfangs aufgestellte Fragestellung interpretiert. Eine gute Idee ist es auch, deine Erkenntnisse in einem größeren gesellschaftlichen oder wissenschaftlichen Kontext zu betrachten, selbst wenn du keine eindeutige Lösung für das untersuchte Problem gefunden hast. Bei der Interpretation der Ergebnisse können auch erkannte Tendenzen bedeutend sein.
9. Reflektion der eigenen Vorgehensweise
Wissenschaftliche Arbeiten zeichnen sich dadurch aus, dass die verwendeten Methoden nachvollziehbar und transparent dargelegt werden – das betrifft auch ihre Schwächen! Bei der Reflektion der eigenen Vorgehensweise kannst du dokumentieren, inwieweit deine Forschung den wissenschaftlichen Gütekriterien entspricht. Zusätzlich kannst du auf solche Aspekte deiner Forschung verweisen, die anders als geplant verliefen. Womöglich kannst du sogar konkretisieren, was du bei deiner nächsten Untersuchung anders gestalten würdest.
10. Fazit
Je nach Forschungsthema und abhängig davon, wie deine Arbeit insgesamt aufgebaut ist, kann dein Schlusskapitel sehr kurz oder aber etwas länger ausfallen. Üblicherweise werden im Fazit die wichtigsten Erkenntnisse deiner empirischen Arbeit noch einmal in aller Kürze zusammengefasst und die Vorgehensweise reflektiert. An dieser Stelle kann auch ein thematischer Ausblick interessant sein, der weitere Fragen oder eine Diskussion zum untersuchten Thema aufwirft.
11. Literaturverzeichnis bzw. Quellenverzeichnis
Im Verlauf deiner Forschungsarbeit werden alle behandelten Quellen systematisch analysiert und in einem entsprechenden Verzeichnis alphabetisch zusammengetragen. Dabei sollten im Literaturverzeichnis nur solche Quellen aufgeführt werden, die du tatsächlich direkt oder indirekt zitiert hast. Beiträge, die du während der Recherche zwar gelesen hast, aber nicht in der Arbeit reflektiert oder erwähnt hast, sollten entsprechend nicht gelistet werden.
12. Sonstige Verzeichnisse: Abbildungs-, Abkürzungs- oder Symbolverzeichnis
Abhängig von deiner Fachrichtung wird deine Arbeit mit einem Abbildungs-, Abkürzungs- oder Symbolverzeichnis abgeschlossen – hier musst du schauen, welches davon für deine konkrete Forschung sinnvoll ist:
- Abbildungs- und Tabellenverzeichnis: Alle Abbildungen und Tabellen der Arbeit werden mit Titeln und Seitenangaben aufgelistet.
- Abkürzungsverzeichnis: Fachspezifische Abkürzungen werden alphabetisch aufgeführt und erläutert. Sämtliche Abkürzungen müssen im Text eingeführt werden. Sie werden bei allerersten Erwähnung komplett ausgeschrieben, gefolgt von der abgekürzten Version in Klammern. Erst dann kannst du im Text die Abkürzung benutzen.
Das Abkürzungsverzeichnis wird im Gegensatz zum Abbildungsverzeichnis in vielen Fächern auch am Anfang der Arbeit platziert – und zwar direkt hinter dem Inhaltsverzeichnis. Beachte daher stets die individuellen Richtlinien deiner Fakultät!
- Symbol- und Formelverzeichnis: Alle im Text benutzten Symbole oder Formeln werden alphabetisch aufgeführt und erklärt.
Literaturtipp: Hug, Theo/Gerald Poscheschnik, unter Mitarbeit von Bernd Lederer und Anton Perzy (2010). Empirisch Forschen. Über die Planung und Umsetzung von Projekten im Studium. Konstanz: UVK
Dieses leicht verständliche Band beschäftigt sich mit verschiedenen Methodenfragen der empirischen Forschung. Die die inhaltliche Gliederung des Bandes orientiert sich an den logischen Schrittes eines Forschungsprozesses und ist daher besonders gut als Einstieg in die Thematik geeignet.
Die Struktur deiner Abschlussarbeit im Inhaltsverzeichnis
Generell ist der von uns vorgestellte Aufbau vielmehr als eine grundsätzliche Vorlage zum Strukturieren deiner Abschlussarbeit zu verstehen. Wenn es besser zu deiner individuellen Arbeit und Forschungsmethode passt, kannst du selbstverständlich von diesem Grundschema abweichen. Die Struktur deiner Arbeit sollte jedoch nach Möglichkeit immer auch mit der Betreuungsperson besprochen werden.
Um dir dennoch den Aufbau deiner Arbeit im Vorfeld zu erleichtern, wollen wir dir zum Abschluss aufzeigen, wie eine typische Gliederung in einem Inhaltsverzeichnis konkret aussehen kann:
1. Einleitung
1.1. Forschungsinteresse: Einführung in die Thematik
1.2. Zielsetzung: Formulierung der Forschungsfrage
2. Theorie: Stand der Forschung
3. Forschungsdesign
3.1. Bildung der Hypothesen
3.2. Wahl der Forschungsmethode, z.B. quantitative Befragung
3.3. Stichprobe festlegen
3.4. Definition und Festlegung der untersuchten Variablen und Merkmale
3.5. Fragenkatalog
4. Datenerhebung: Standardisierte Online-Umfrage
5. Datenauswertung
5.1. Deskriptive Darstellung der Ergebnisse
5.2 Prüfung der Hypothesen mithilfe der Inferenzstatistik
6. Ergebnisse und Erkenntnisse
7. Reflektion der eigenen Vorgehensweise
8. Fazit
9. Literaturverzeichnis
10. Abkürzungsverzeichnis
Viel Erfolg bei deiner empirischen Abschlussarbeit
In den letzten 9 Artikeln hast du schrittweise gelernt, wie man eine empirische Bachelor- oder Masterarbet schreibt. Von der Fragestellung, über die Durchführung, bis hin zum Dokumentieren der Ergebnisse in einem wissenschaftlichen Format. Wir hoffen, du fühlst dich nun fit im Umgang mit empirischen Forschungsprojekten und hast ein gutes Gefühl bei deiner empirischen Abschlussarbeit.
In diesem Zuge wollen wir auch eine großes "Dankeschön" an alle Autorinnen und Autoren aussprechen. Sie arbeiten tagtäglich daran, die komplexen Themen so einfach und verständlich (aber dabei auch wissenschaftlich) zu erklären, wie nur möglich.
Mehr erfahren?
Du möchtest von Beginn an das Thema verstehen? Dann starte hier mit dem ersten von neun Artkeln, um Schritt für Schritt empirische Forschung zu verstehen:
> Zum Artikel
Du möchtest einen Überblick über alle empirioWissen Artikel bekommen, dann findest du hier eine Liste aller unserer hilfreichen Themen:
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Weiterführende Literatur:
Balzert, Helmut et al. (2011). Wissenschaftliches Arbeiten. 2 Auflage. Berlin/Dortmund: Springer Campus.
Hug, Theo/Gerald Poscheschnik, unter Mitarbeit von Bernd Lederer und Anton Perzy (2010).
Empirisch Forschen. Über die Planung und Umsetzung von Projekten im Studium.
Konstanz: UVK.
Hunziker, Alexander W. (2013). Spass am wissenschaftlichen Arbeiten. So schreiben Sie
eine gute Semester-, Bachelor- und Masterarbeit. 5. Auflage. Zürich: SKV.
Raithel, Jürgen (2008). Quantitative Forschung. Ein Praxiskurs. 2. Auflage. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
Häufig gestellte Fragen
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