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Empirische Arbeit schreiben: Leitfaden inkl. Beispiel

Eine empirische Arbeit kippt selten an der Methode, eher daran, dass Ergebnis und Deutung verschwimmen. Wir gliedern sie für Schweizer Hochschulen und sagen, wann die Ethikkommission mitredet.

Autorin bei empirio.ai - Maria Malzewvon Maria MalzewAktualisiert am 26. August 2026Lesezeit 13 Min.

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Zwei Bachelorarbeiten am selben Institut, dieselbe Stichprobe von 180 Personen, zwei Noten mit einem ganzen Punkt Abstand. Wer eine empirische Arbeit schreibt, verliert diesen Punkt selten bei der Erhebung und fast immer beim Aufschreiben.

Eine empirische Arbeit schreibst du, indem du zuerst Theorie und Fragestellung zu einem prüfbaren Erklärungsmodell verdichtest, danach im Methodenkapitel offenlegst, wie du erhoben und ausgewertet hast, die Resultate deutungsfrei berichtest, sie erst in der Diskussion bewertest und im Anhang alles ablegst, womit eine fremde Person deine Analyse nachvollziehen kann. Am Ende dieses Beitrags hast du eine Gliederung, die du deiner Betreuungsperson vorlegen kannst.


📌 Das Wichtigste in Kürze

  • Das ZHAW-Departement Life Sciences gliedert in Einleitung, Theorie, Methoden, Resultate, Diskussion.
  • Rohdaten gehören dort in den Anhang, mit Querverweis aus den Resultaten.
  • Eine Zuständigkeitsabklärung bei der Ethikkommission Zürich kostet 210 Franken.
  • Artikel 31 revDSG verlangt Resultate ohne bestimmbare Personen.
  • Der Kodex 2021 der Akademien nennt keine Aufbewahrungsfrist in Jahren.

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Empirische Arbeit und Literaturarbeit: der Unterschied

Eine empirische Arbeit ist eine wissenschaftliche Arbeit, die ihre Fragestellung an Daten prüft, statt sie allein aus der Literatur zu beantworten, und die offenlegt, wie diese Daten zustande kamen und nach welchen Regeln sie ausgewertet wurden.

Empirisch heisst dabei nicht zwingend, dass du selbst Fragebogen verschickst. Das Soziologische Institut der Universität Zürich hält im Merkblatt zum Modul Bachelorarbeit (2023) fest: «Die empirische Analyse zu Ihrer Fragestellung wird in der Regel auf Sekundärdaten basieren.» Als Grundlage nennt es das Schweizer Haushalt-Panel und den European Social Survey. Wer einen solchen Datensatz neu auswertet, arbeitet ebenso empirisch wie jemand mit eigener Erhebung.

MerkmalLiteraturarbeitEmpirische Arbeit
Datenbasispublizierte Studien und Fachtexteeigene Erhebung oder Sekundärdaten
Kapitel zur MethodeSuchstrategie und AuswahlkriterienStichprobe, Instrument, Analyseverfahren
ResultatteilSynthese des ForschungsstandsBefunde aus dem eigenen Material
PrüfbarkeitNachvollziehbarkeit der AuswahlReproduzierbarkeit der Erhebung
Typischer AnhangSuchprotokollInstrument, Rohdaten, Analysesyntax

Beide Formen sind gleichwertig und beantworten nur verschiedene Arten von Fragen. Eine Frage nach dem Stand einer Debatte braucht keine eigene Erhebung, eine Frage nach dem Verhalten einer bestimmten Gruppe dagegen schon. Wer noch schwankt, findet im Überblick zur empirischen Forschung die Entscheidungskriterien.

Aufbau einer empirischen Arbeit: die Gliederung im Beispiel

Der Aufbau einer empirischen Arbeit folgt in der Schweiz derselben Zweiteilung wie im übrigen deutschsprachigen Raum: zuerst der theoretische Teil mit Begriffen, Forschungsstand und Fragestellung, danach der empirische Teil mit Methode, Resultaten und Diskussion.

Eine landesweit einheitliche Gliederung gibt es nicht, und die beiden Hochschultypen füllen dieselbe Zweiteilung unterschiedlich. Das Departement Life Sciences und Facility Management der ZHAW schreibt in seiner Arbeitsanleitung für studentische Arbeiten die Folge Einleitung, Theorie oder Literaturübersicht, Material und Methoden, Resultate und Diskussion vor, gültig für Semester-, Minor-, Bachelor- und Masterarbeiten. Das Soziologische Institut der Universität Zürich verlangt stattdessen ein eigenes Erklärungsmodell, eine formal prüfbare Hypothese und einen Abschnitt zur Operationalisierung. Fachhochschule und Universität meinen zwei Textsorten, wenn sie von einer empirischen Arbeit sprechen.

  1. Einleitung. Ausgangslage, Forschungslücke und Zielsetzung in wenigen Sätzen.
  2. Theorie oder Literaturübersicht. Begriffe klären, Modelle vorstellen, Forschungsstand ordnen.
  3. Fragestellung und Hypothesen. Aus der Theorie abgeleitet, nicht aus den Daten.
  4. Material und Methoden. Erhebungsform, Instrument, Stichprobe, Zeitraum und Auswertungsverfahren.
  5. Resultate. Befunde nach Hypothesen oder Teilfragen geordnet, ohne Deutung.
  6. Diskussion. Einordnung in den Forschungsstand und Limitationen der eigenen Untersuchung.
  7. Schlussfolgerungen. Antwort auf die Fragestellung und offene Fragen für weitere Arbeiten.
  8. Verzeichnisse, Anhang und Selbständigkeitserklärung. Literatur, Instrument, Rohdaten, Analysesyntax.

Die Gliederung ist eine Vorlage und kein Gesetz. Verlangt dein Thema einen anderen Schnitt zwischen Resultaten und Diskussion, stimme ihn vorher mit deiner Betreuungsperson ab. Wie du von der Themenwahl bis zur fertigen Erhebung dorthin kommst, beschreibt der Beitrag zur empirischen Bachelorarbeit.

Wie viel Theorie eine empirische Arbeit braucht

Eine empirische Arbeit braucht so viel Theorie, wie ihr Erklärungsmodell trägt. Eine landesweite Prozentzahl dafür gibt es an Schweizer Hochschulen nicht. Das Soziologische Institut der Universität Zürich (2023) beschreibt die Gewichtung über die Abschnitte: «Die Gewichtung der einzelnen Abschnitte ist variabel. In vielen Arbeiten nehmen die Abschnitte (b), (g) und (h) jeweils etwa doppelt so viel Raum ein wie die anderen.» Gemeint sind Erklärungsmodell, Ergebnisdarstellung und Diskussion.

Der Theorieteil hat einen inhaltlichen Grund und keinen formalen. Ohne ihn fehlt die Begründung, warum du genau diese Merkmale misst und genau diese Hypothese prüfst. Ein empirischer Teil, dem fünf Seiten Theorie vorausgehen, wirkt im Kolloquium wie eine Umfrage auf der Suche nach einer Frage.

IMRaD und die Frage, ob das Schema Pflicht ist

IMRaD ist an Schweizer Hochschulen kein verpflichtendes Gliederungsschema. Das Akronym steht für Introduction, Methods, Results and Discussion und ordnet vor allem internationale Fachzeitschriften. Das Departement formuliert seine Kapitelfolge ausdrücklich als Empfehlung: «Folgende Gliederung für wissenschaftliche Arbeiten hat sich bewährt und soll grundsätzlich eingehalten werden.»

Abweichungen sind vorgesehen, aber nicht beliebig. Die Arbeitsanleitung knüpft sie an eine Bedingung: «Je nach Art oder Thema der Arbeit (z.B. Literaturarbeit, betriebswirtschaftliche Themen u.a.) sind nach Absprache mit den Fachkorrigierenden Abweichungen von dieser Gliederung sinnvoll.» Die Absprache mit den Fachkorrigierenden ist damit der eigentliche Massstab, nicht das Schema.

Unser Literaturtipp

Das Soziologische Institut der Universität Zürich (2023) führt in seiner Literaturliste zum Modul Bachelorarbeit unter «Datenerhebung und Studiendesign» Diekmann, Andreas (2007): Empirische Sozialforschung, Hamburg: Rowohlt. Der Band ordnet Designs, Stichproben und Erhebungsformen und liest sich als Nachschlagewerk zu genau den Begriffen, die ein Methodenkapitel voraussetzt.

Die empirische Gliederung mit Theorie, Methode, Resultaten und Diskussion ist nur eines von mehreren Mustern. Welche anderen es gibt, in welcher Reihenfolge die Teile einer Arbeit an Schweizer Hochschulen stehen und wo das Quellenverzeichnis hingehört, steht im Beitrag zum Aufbau einer wissenschaftlichen Arbeit.

Material und Methoden: das Kapitel, das Wiederholbarkeit sichert

Das Methodenkapitel einer empirischen Arbeit, an Fachhochschulen «Material und Methoden» genannt, erfüllt genau einen Zweck: Eine fremde Person soll deine Erhebung damit wiederholen können. Die Arbeitsanleitung des ZHAW-Departements Life Sciences verlangt eine Beschreibung, «dass die Versuche reproduzierbar sind».

Der häufigste Fehler ist nicht Unvollständigkeit, sondern die falsche Textsorte. Viele Arbeiten erklären auf zwei Seiten, was eine Online-Umfrage ist, und begründen mit keinem Satz, warum sie zur Fragestellung passte. Erklären kann jedes Lehrbuch, begründen kannst nur du. Welche Entscheidungen davor liegen, ordnet der Beitrag zum Forschungsdesign ein.

Was ins Methodenkapitel gehört

  • Erhebungsform und die Begründung, warum sie zur Fragestellung passt.
  • Erhebungsinstrument mit Herkunft: selbst entwickelt oder übernommen.
  • Operationalisierung, also welche Frage welches Konstrukt misst.
  • Stichprobe, Rekrutierungsweg und erreichte Fallzahl.
  • Erhebungszeitraum mit konkretem Datum.
  • Pretest: wie viele Personen, welche Änderungen folgten.
  • Auswertungsverfahren und die eingesetzte Software.
  • Einwilligung, Anonymisierung und Umgang mit den Daten.

Vor der Erhebung stellt sich in der Schweiz eine Frage, die es so nur hier gibt: Braucht deine Arbeit eine Bewilligung der kantonalen Ethikkommission? Zuständig ist sie nur bei Fragen zu Krankheiten oder zu Aufbau und Funktion des menschlichen Körpers (Artikel 2 Humanforschungsgesetz). Die Kantonale Ethikkommission Zürich schreibt zu Ausbildungsarbeiten: «Das Humanforschungsgesetz sieht hier keine Ausnahmeregelungen vor.» Eine Marketing- oder Bildungsbefragung fällt nicht darunter, eine Masterarbeit mit Gesundheitsbezug sehr wohl. Die Zuständigkeitsabklärung über BASEC kostet 210 Franken (Stand: August 2026). Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.

💡 Tipp

Schreibe das Methodenkapitel, während du erhebst, und nicht danach. Rekrutierungsweg, Versanddatum und die Zahl der Abbrüche lassen sich vier Wochen später kaum noch rekonstruieren, und genau danach fragt die Bewertung.

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Resultate darstellen, ohne schon zu interpretieren

Das Kapitel Resultate berichtet, was du gemessen hast, und nicht, was du davon hältst. Die Trennung von Befund und Deutung ist die häufigste Bruchstelle in studentischen Arbeiten und zugleich die am leichtesten zu vermeidende.

Die Arbeitsanleitung des ZHAW-Departements Life Sciences zieht die Linie knapp: «Interpretationen gehören in der Regel in die Diskussion. Rohdaten gehören in den Anhang.» Vollständigkeit statt Auswahl verlangt sie im selben Abschnitt: «Im Kapitel Resultate sind alle Ergebnisse, auch unerwartete oder solche aus gescheiterten Versuchen, in der sinnvollsten Form (Text, Abbildungen, Tabellen usw.) darzustellen.»

Das Soziologische Institut der Universität Zürich (2023) setzt einen zweiten Massstab: Verlangt ist nicht nur das formale Ergebnis des Hypothesentests, sondern ein verständlicher Eindruck von der Grösse und der inhaltlichen Bedeutung des Koeffizienten. Wo die Grenze zur Bewertung verläuft, zeigt der Vergleich einzelner Sätze.

Satz aus einer ArbeitGehört inWarum
«62 von 180 Befragten stimmen zu»Resultatereine Häufigkeitsangabe
«Der Zusammenhang ist schwach positiv»ResultateKennwert ohne Wertung
«Pro Jahr Übung steigt der Wert um 0,3 Punkte»Resultateunstandardisierter Koeffizient in der Messeinheit
«Der Befund stützt das Erklärungsmodell»DiskussionRückbindung an die Theorie
«Die Beteiligung war enttäuschend tief»DiskussionBewertung des Befunds

Für die Reihenfolge im Kapitel gibt es zwei brauchbare Muster: entweder Hypothese für Hypothese oder entlang der Teilfragen. Welches du wählst, ist Geschmackssache, gemischt wird aber nicht. Welches Verfahren zu deinen Daten passt, klärt der Beitrag zu den Auswertungsmethoden.

Die Diskussion: einordnen, vergleichen, Grenzen benennen

Die Diskussion beantwortet, was deine Befunde bedeuten und wie belastbar sie sind. Sie ist das einzige Kapitel, in dem du bewerten darfst.

Die Arbeitsanleitung des ZHAW-Departements Life Sciences beschreibt die Aufgabe so: «In der Diskussion werden Ergebnisse interpretiert und kritisch beurteilt, d.h. die eigenen Befunde werden gegeneinander abgewogen und mit denen anderer Autoren und Autorinnen verglichen.» Vier Bewegungen tragen eine gute Diskussion, meist in dieser Reihenfolge.

  1. Zusammenfassen. Die zentralen Befunde in wenigen Sätzen, ohne Tabellen zu wiederholen.
  2. Rückbinden. Der Abgleich mit Theorie und Forschungsstand, bestätigt, widerlegt oder differenziert.
  3. Begrenzen. Die Limitationen der Untersuchung, benannt und in ihrer Wirkung eingeschätzt.
  4. Weiterdenken. Welche Frage der Befund aufwirft und wie Anschlussstudien sie klären.

Die Limitationen entscheiden oft über den Eindruck, den eine Arbeit hinterlässt. Eine kleine, nicht zufällig gezogene Stichprobe ist kein Makel, solange du benennst, worauf sich deine Aussage deshalb beschränkt. Wer an einem einzigen Standort erhebt, beschreibt diesen Standort und nicht die Schweiz. Welche Massstäbe dabei gelten, beschreibt der Beitrag zu den Gütekriterien.

⚠️ Achtung

Limitationen sind kein Schuldeingeständnis, sondern ein Qualitätsmerkmal. Der Fehler ist nicht die kleine Stichprobe, sondern der Satz «Die Resultate sind repräsentativ für Studierende in der Schweiz» darunter. Schreibe stattdessen konkret, für welche Gruppe dein Befund gilt.

Was in den Anhang gehört und was nicht

In den Anhang einer empirischen Arbeit gehört alles, was jemand zur Beurteilung deiner Erhebung braucht, im Haupttext aber den Lesefluss stören würde. An erster Stelle stehen das Erhebungsinstrument und die Rohdaten.

Die Schweizer Leitfäden gehen dabei weiter als viele deutsche. Das ZHAW-Departement Life Sciences verlangt nicht nur die Ablage, sondern die Verknüpfung: «Rohdaten gehören in den Anhang. Alle hier präsentierten Ergebnisse sind mit Querverweisen zu den entsprechenden Rohdaten im Anhang zu versehen.» Das Soziologische Institut der Universität Zürich führt zusätzlich die Analysesyntax und die Selbständigkeitserklärung auf.

ElementIn den AnhangWoran es hängt
Eigener FragebogenjaErhebung sonst nicht beurteilbar
Interviewleitfadenjadokumentiert die Gesprächsführung
RohdatenjaArbeitsanleitung verlangt Querverweise aus den Resultaten
Analysesyntaxjaim Merkblatt der UZH-Soziologie aufgeführt
Selbständigkeitserklärungjaam Departement für jede Arbeit Pflicht
Poster und Präsentationsfolienje nach Modulim UZH-Bachelormodul verlangt
Abbildungsverzeichnisneinim UZH-Merkblatt ausdrücklich weggelassen

Neu hinzugekommen ist die Dokumentation von KI-Werkzeugen. Die Arbeitsanleitung verweist auf das Merkblatt zur «Verwendung generativer KI bei Arbeiten» und zählt es zu den Unterlagen, die vor der Abgabe zu konsultieren sind. Solche Merkblätter ändern sich schnell, ein Blick in die Vorgaben deines Studiengangs lohnt sich deshalb kurz vor der Abgabe.

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Was nach der Abgabe mit deinen Daten passiert

Nach der Abgabe stellt sich eine Frage, die kaum ein Ratgeber beantwortet: Musst du deine Rohdaten aufbewahren oder löschen? In der Schweiz fällt die Antwort anders aus als in Deutschland oder Österreich, weil die massgebliche Regel gar keine Jahreszahl nennt.

Der Kodex für wissenschaftliche Integrität der Akademien der Wissenschaften Schweiz von 2021 verlangt in Ziffer 4.5, Forschungsdaten müssten «zur Sicherstellung ihrer Reproduzierbarkeit und/oder Überprüfbarkeit (je nach Disziplin), Verlässlichkeit und Genauigkeit in geeigneter Weise und in Anwendung der geltenden Vorschriften aufbewahrt werden». Eine Frist in Jahren steht dort nicht. Studierende kommen im Kodex nur als Adressaten der Ausbildung vor, für die Infrastruktur sind die Institutionen zuständig. Massgeblich ist deshalb die Regelung deiner Hochschule.

Aus dem Datenschutz kommt die Gegenbewegung. Artikel 31 Absatz 2 Buchstabe e des Datenschutzgesetzes rechtfertigt eine Bearbeitung «insbesondere für Forschung» nur unter drei Bedingungen.

  • Anonymisierung, «sobald der Bearbeitungszweck dies erlaubt».
  • Bekanntgabe besonders schützenswerter Daten nur in nicht bestimmbarer Form.
  • Veröffentlichung nur so, dass die Personen nicht bestimmbar sind.

Zwei weitere Bestimmungen betreffen jede studentische Umfrage. Artikel 19 revDSG verlangt bei der Beschaffung mindestens Identität, Zweck und Empfänger, bei einer Bekanntgabe ins Ausland zusätzlich den Staat und die Garantien. Sobald dein Umfrage-Tool ausserhalb der Schweiz hostet, ist das keine Formalie mehr. Für besonders schützenswerte Daten verlangt Artikel 6 Absatz 7 eine ausdrückliche Einwilligung. Welche Einstellungen daraus folgen, steht im Beitrag zum Datenschutz bei Umfragen. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.

Typische Fehler beim Schreiben einer empirischen Arbeit

Fünf Fehler tauchen in empirischen Abschlussarbeiten immer wieder auf, und alle fünf sind Schreibfehler, keine Forschungsfehler. Die Erhebung war in Ordnung, die Darstellung nicht.

Schreibfehler lassen sich beim Überarbeiten in einem einzigen Durchgang einsammeln. Dafür braucht es weder neue Daten noch neue Literatur, sondern einen Nachmittag und eine Liste.

Die Deutung rutscht ins Kapitel Resultate

Der häufigste Fehler entsteht aus Hilfsbereitschaft: Man will es der lesenden Person leichter machen und schreibt die Deutung gleich dazu. Die Diskussion hat danach nichts mehr zu sagen und wiederholt sich, beide Kapitel wirken halbfertig. Die Probe ist einfach: Steht in einem Satz der Resultate ein wertendes Wort wie «erfreulich», «überraschend» oder «leider», gehört der Satz eine Ebene weiter.

Material und Methoden erklärt die Methode, statt die Wahl zu begründen

Eine Definition der Online-Umfrage steht in jedem Lehrbuch und interessiert im Methodenkapitel niemanden. Gefragt ist die Begründung, warum diese Erhebungsform besser zu deiner Fragestellung passt als eine Alternative, die du erwogen hast. Ein einziger Satz reicht dafür oft aus, etwa: Interviews hätten mehr Tiefe gebracht, die angestrebte Fallzahl aber unerreichbar gemacht.

Abbildung und Tabelle zeigen denselben Befund doppelt

Die Arbeitsanleitung des ZHAW-Departements Life Sciences lässt für einen Befund nur eine Darstellungsart zu: «Werden ergänzend zum Text Abbildungen oder Tabellen verwendet, soll nur eine dieser Darstellungsarten gewählt werden (entweder Abbildungen oder Tabellen).» Wer denselben Anteil erst als Balkendiagramm und dann als Kreuztabelle bringt, füllt Seiten, ohne Information hinzuzufügen. Der rohe Output der Statistiksoftware gehört ohnehin in den Anhang.

Das Erhebungsinstrument fehlt im Anhang

Ohne Fragebogen oder Interviewleitfaden lässt sich keine einzige Aussage der Arbeit überprüfen. Trotzdem fehlt das Instrument erstaunlich oft, meist weil das Umfrage-Tool keine druckbare Fassung ausgibt. Exportiere es deshalb schon vor dem Versand als PDF, samt Filterlogik und Antwortoptionen. Vier Wochen später ist die Umfrage womöglich längst geschlossen.

Die Limitationen bestehen aus Floskeln

«Die Stichprobe war klein» ist keine Limitation, sondern eine Beobachtung. Eine Limitation benennt, welche Aussage dadurch nicht mehr trägt: Bei 84 Teilnehmenden aus einem einzigen Studiengang lässt sich kein Unterschied zwischen Fachbereichen prüfen, wohl aber die Tendenz innerhalb dieses Studiengangs beschreiben. Genau diese Unterscheidung zeigt methodisches Verständnis.

Fazit

Eine empirische Arbeit gewinnt nicht durch spektakuläre Daten, sondern durch Entscheidungen, die eine fremde Person nachvollziehen kann. Wer Material und Methoden, Resultate und Diskussion sauber trennt, macht der Bewertung genau das leicht. Hinter allen Formalien steht keine andere Anforderung.

Im Kapitel Resultate berichtest du, was war. In der Diskussion sagst du, was es heisst. Diese Grenze ist die halbe Note.

Wie es weitergeht

  • Du willst die Umfrage für deine Arbeit noch bauen? Fragebogen erstellen
  • Du bist dir bei deinen Hypothesen unsicher? Hypothesen aufstellen
  • Du suchst den Ablauf von der Idee zur Auswertung? Empirischer Forschungsprozess

Die Erhebung für deine empirische Arbeit steht noch aus?

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Häufig gestellte Fragen

Eine empirische Arbeit besteht in der Regel aus Einleitung, Theorie oder Literaturübersicht, Fragestellung und Hypothesen, Material und Methoden, Resultaten, Diskussion sowie Schlussfolgerungen und Anhang. Das Departement Life Sciences und Facility Management der ZHAW nennt genau diese Folge in seiner Arbeitsanleitung für studentische Arbeiten. Eine landesweit einheitliche Gliederung gibt es in der Schweiz nicht, massgeblich sind die Vorgaben des Studiengangs.

Eine empirische Arbeit prüft ihre Fragestellung an Daten, eine Literaturarbeit beantwortet sie aus publizierten Texten. Die empirische Arbeit braucht deshalb ein Kapitel zu Material und Methoden sowie einen Resultatteil aus eigenem Material. Beide Formen sind gleichwertig: Die eine klärt den Stand einer Debatte, die andere das Verhalten einer bestimmten Gruppe.

Kein Schweizer Leitfaden nennt eine feste Prozentzahl, auch das Soziologische Institut der Universität Zürich nicht. Es beschreibt die Gewichtung über die Abschnitte: Erklärungsmodell, Ergebnisdarstellung und Diskussion nehmen in vielen Arbeiten je etwa doppelt so viel Raum ein wie die übrigen Teile. Ohne Theorie fehlt die Begründung, warum bestimmte Merkmale gemessen werden.

Die kantonale Ethikkommission ist nur zuständig, wenn eine Arbeit Krankheiten oder Aufbau und Funktion des menschlichen Körpers betrifft, so Artikel 2 des Humanforschungsgesetzes. Eine Marketing- oder Bildungsbefragung fällt nicht darunter. Die Kantonale Ethikkommission Zürich hält fest, dass das Gesetz für Ausbildungsarbeiten keine Ausnahmen vorsieht. Eine Zuständigkeitsabklärung über BASEC kostet 210 Franken.

Der Kodex für wissenschaftliche Integrität der Akademien der Wissenschaften Schweiz von 2021 nennt in Ziffer 4.5 keine Frist in Jahren, sondern verlangt eine Aufbewahrung in geeigneter Weise und in Anwendung der geltenden Vorschriften. Massgeblich ist deshalb die Regelung der eigenen Hochschule. Personenbezogene Daten werden anonymisiert, sobald der Zweck es erlaubt (Stand: August 2026).

Artikel 31 Absatz 2 Buchstabe e des Datenschutzgesetzes rechtfertigt eine Bearbeitung für Forschungszwecke, wenn anonymisiert wird, sobald der Zweck es erlaubt, und wenn die Ergebnisse so veröffentlicht werden, dass die betroffenen Personen nicht bestimmbar sind. Artikel 19 verlangt Angaben zu Identität, Zweck und Empfängern, bei einer Bekanntgabe ins Ausland zusätzlich den Staat.

Die Auswertung eines vorhandenen Datensatzes ist eine empirische Arbeit. Das Soziologische Institut der Universität Zürich geht sogar davon aus, dass die Analyse in der Regel auf Sekundärdaten basiert, und nennt das Schweizer Haushalt-Panel sowie den European Social Survey als Grundlage. Empirisch heisst also nicht zwingend, dass eigene Daten erhoben werden.

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