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Empirisch: Bedeutung und Definition mit Beispiel

Empirisch heisst auf Erfahrung beruhend. Was das für deine Bachelorarbeit bedeutet, entscheidet sich nicht an der Zahl der Antworten, sondern an der Herkunft der Daten.

Autorin bei empirio.ai - Maria Malzewvon Maria MalzewAktualisiert am 2. September 2026Lesezeit 8 Min.

Spätestens bei der Maturaarbeit taucht das Wort zum ersten Mal auf, später steht es in jeder zweiten Aufgabenstellung: empirisch. Erklärt wird es selten, vorausgesetzt dafür fast immer. Dabei entscheidet der Begriff darüber, welche Kapitel deine Arbeit überhaupt braucht.

Empirisch bedeutet „auf Erfahrung beruhend“. Eine Aussage oder eine Arbeit ist empirisch, wenn sie auf systematisch erhobenen Beobachtungen der Wirklichkeit beruht, also auf Daten aus Befragung, Beobachtung, Experiment oder Inhaltsanalyse, und nicht allein auf Überlegung, Logik oder der vorhandenen Literatur. Nach diesem Beitrag reicht dir eine einzige Frage, um deine Arbeit einzuordnen.


📌 Das Wichtigste im Überblick

  • Empirisch heisst: aus Beobachtung gewonnen, nicht erdacht.
  • Empirie meint die Erfahrung, Empirismus eine philosophische Lehre.
  • Der Wortstamm ist griechisch peîra für „Versuch“.
  • Auch qualitative Daten ohne Zahlen sind empirisch.
  • Empirisch belegt bedeutet nicht bewiesen.

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Was „empirisch“ bedeutet

Empirisch ist eine Erkenntnis, die aus der Beobachtung der Wirklichkeit stammt und nicht aus reinem Nachdenken. Das Adjektiv beschreibt damit keine Qualität, sondern eine Herkunft: Es sagt, woher ein Wissen kommt, nicht, wie gut es ist.

Am Wort „gewonnen“ hängt der ganze Unterschied. Wer etwas erlebt hat, besitzt deswegen noch keinen empirischen Befund. Erst die planmässige Erhebung macht daraus einen: eine festgelegte Auswahl, ein einheitliches Vorgehen, eine dokumentierte Auswertung. Drei Gespräche in der Mensa ergeben einen Eindruck, 200 ausgefüllte Fragebögen ergeben ein Ergebnis.

Erhoben wird dabei nicht beliebig. Vier Techniken decken das Feld praktisch ab, und jede beantwortet eine andere Art von Frage:

  • Beobachten, mitten im Geschehen oder von aussen
  • Experimentieren, mit gezielt veränderten Bedingungen
  • Befragen, schriftlich oder im Gespräch
  • Vorhandenes Material inhaltsanalytisch auswerten

Was auf einem dieser vier Wege entsteht und danach systematisch ausgewertet wird, gilt als empirisches Material. Wie sich daraus ein ganzes Projekt bauen lässt, zeigt der Leitfaden zur empirischen Forschung, und wo diese vier Techniken in den Sozialwissenschaften ihren Platz haben, erklärt der Beitrag zur empirischen Sozialforschung.

Wie sorgfältig eine solche Erhebung angelegt sein kann, zeigt die Strukturerhebung des Bundesamtes für Statistik: jährlich mindestens 200'000 Personen ab 15 Jahren aus Privathaushalten, mit dem 31. Dezember als festem Stichtag. Weil Auswahl, Ablauf und Stichtag offenliegen, lässt sich mit den Ergebnissen überhaupt arbeiten.

Empirie, empirisch, Empirismus: drei Wörter, ein Stamm

Empirie, empirisch und Empirismus stammen vom selben griechischen Wort, bezeichnen aber drei verschiedene Dinge: eine Erkenntnisquelle, eine Eigenschaft und eine philosophische Position. Im Alltag laufen die drei durcheinander, in einer Bachelorarbeit fällt das auf.

WortWas gemeint istSo wird es verwendet
Empiriedie Erfahrung als Quelle von Erkenntnis„Zwischen Modell und Empirie klafft eine Lücke.“
empirischdie Eigenschaft, aus Beobachtung zu stammen„Die Zahlen stammen aus einer empirischen Erhebung.“
Empirismuseine Lehre der Erkenntnistheorie„Berkeley steht in der Reihe des Empirismus.“

Der Empirismus ist der engste der drei Begriffe. Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache beschreibt ihn als Lehre, die allein die Sinneserfahrung und die unmittelbare Anschauung als Quellen aller Erkenntnis gelten lässt. Zu seinen Vertretern zählen John Locke und David Hume, ihm gegenüber steht der Rationalismus mit der Vernunft an dieser Stelle.

Für deine Arbeit bedeutet das eine Entlastung: Empirisch zu forschen ist eine Methode, kein Bekenntnis. Niemand verlangt von dir, den Empirismus zu vertreten, nur weil du Daten erhebst.

Die Wortherkunft: vom Vorwurf zum Gütesiegel

Am Anfang stand kein Forschungsbegriff, sondern ein Berufsstand. Das lateinische empiricus meinte Ärzte, genauer die Anhänger einer antiken Schule, die als Gegenbewegung zu einer überdehnten Theorie nur noch die Erfahrung am Krankenbett gelten liess.

Dahinter steht das griechische émpeiros für „erfahren, kundig“, gebildet aus „in“ und peîra, also „Versuch“ oder „Erfahrung“. Sinngemäss trug das Wort damit von Beginn an die Bedeutung „in der Erfahrung stehend“, wie das Etymologische Wörterbuch von Wolfgang Pfeifer im DWDS festhält.

Ein Kompliment war das lange nicht. Belege im Deutschen gibt es vereinzelt seit dem 16. Jahrhundert, und Pfeifer notiert dazu ausdrücklich einen geringschätzigen Unterton: gemeint waren Heilkundige, die ihr Können der Praxis verdankten und keiner Universität. Erst mit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wanderte „empirisch“ in die Fachsprache der Philosophie und der Wissenschaft, wo es bis heute steht.

Damit hat sich die Wertung des Wortes komplett gedreht: aus dem Hinweis auf fehlende Bildung wurde das Qualitätsmerkmal für Wissen, dem man trauen kann.

Wer früher empirisch arbeitete, hatte keine Ausbildung. Wer heute empirisch arbeitet, hat mehr als eine Meinung.

Die Probe: Wann ist eine Aussage empirisch?

Eine Aussage ist empirisch, wenn sich angeben lässt, welche Beobachtung sie umstossen würde. Bleibt diese Frage ohne Antwort, handelt es sich um eine Definition, eine Wertung oder eine logische Ableitung, aber nicht um eine empirische Aussage.

Die Probe kommt ohne Fachwissen aus. Nimm einen Satz, stell dir eine Welt vor, in der er nicht stimmt, und überlege, woran du das merken würdest. Fällt dir etwas Konkretes ein, ist der Satz an der Wirklichkeit überprüfbar.

SatzEmpirisch?Begründung
„37 Prozent der Befragten pendeln mit dem Zug zur Hochschule.“jaeine Erhebung könnte die Zahl kippen
„Eine Hypothese ist eine prüfbare Vermutung.“neinDefinition, keine Beobachtung
„Die Semestergebühren sind zu hoch.“neinWertung, an Daten nicht messbar
„Wer nebenbei arbeitet, studiert länger.“jaeine Auswertung könnte widersprechen

Aufschlussreich ist der dritte Satz. „Die Semestergebühren sind zu hoch“ lässt sich nicht messen, „68 Prozent der Studierenden halten die Semestergebühren für zu hoch“ dagegen sehr wohl. Die Wertung bleibt ausserhalb der Empirie, ihre Verbreitung ist eine gewöhnliche empirische Frage. An dieser Stelle scheitern viele Forschungsfragen, und mit derselben Umformulierung lassen sie sich retten.

💡 Tipp

Setz testweise „Wie viele“, „Wie oft“ oder „in welchem Ausmass“ vor deine Forschungsfrage. Ergibt der Satz danach immer noch Sinn, lässt sich die Frage empirisch bearbeiten. Wirkt er unsinnig, brauchst du andere Daten oder eine andere Frage.

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Empirisch oder theoretisch: was das für deine Arbeit heisst

Entscheidend ist eine einzige Frage: Erhebst du selbst? Wer eigene Daten sammelt oder vorhandene Rohdaten mit eigener Fragestellung durchrechnet, schreibt empirisch. Wer den Forschungsstand ordnet, Begriffe schärft oder Positionen gegeneinanderhält, schreibt theoretisch. Beides ist eine vollwertige Abschlussarbeit, nur eben mit anderen Kapiteln.

Der Zweifelsfall heisst fast immer Literaturarbeit. Wer zwanzig Studien referiert, benutzt fremdes empirisches Material und erhebt nichts. Anders sieht es aus, sobald die Studien nach vorher festgelegten Kriterien gesucht, ausgewählt, codiert und verglichen werden: Dann sind die Studien selbst die Stichprobe, und die Arbeit ist empirisch. Bei Statistiken läuft die Grenze gleich. Eine Zahl des Bundesamtes für Statistik zu übernehmen, gehört in den Theorieteil, einen Datensatz selbst auszuwerten, gehört ins Methodenkapitel.

Was du tustKapitelEmpirisch?
Fragebogen selbst verschickenMethode und Ergebnisseja
Interviews führen und codierenMethode und Auswertungja
Datensatz des BFS neu auswertenMethode und Ergebnisseja
Studien zusammenfassenForschungsstandnein
Zwei Theorien vergleichenTheorieteilnein

Auffällig oft hängt die Einordnung im Kopf an der Frage, ob am Schluss Prozentwerte stehen. Das ist der falsche Massstab. Ein Leitfadeninterview mit sechs Personen liefert genauso erhobene Daten wie eine Befragung mit 500 Antworten. Was in den Sozialwissenschaften bis heute offen ist: ob nur zählbare Merkmale als Erfahrung gelten dürfen oder auch das, was sich einer Zahl entzieht. Wie du dich zwischen beiden Wegen entscheidest, klärt der Beitrag zu qualitativen und quantitativen Forschungsmethoden.

Drei Verwechslungen rund um „empirisch“

Drei Missverständnisse tauchen im Methodenkapitel immer wieder auf, und jedes beruht auf einer Gleichsetzung, die auf den ersten Blick einleuchtet. Wer sie kennt, findet sie beim Gegenlesen in wenigen Minuten.

Die Kontrollfrage bleibt dabei jedes Mal dieselbe: Spreche ich hier über die Herkunft meiner Daten oder über etwas ganz anderes, das nur ähnlich klingt?

Empirisch meint nicht automatisch quantitativ

Herkunft und Form der Daten sind zwei Paar Schuhe. Acht codierte Interviews stammen aus einer Erhebung und sind damit empirisch, auch wenn in der Auswertung keine einzige Prozentzahl vorkommt. Andersherum wird eine Literaturarbeit nicht empirisch, nur weil sie fremde Zahlen in eine übersichtliche Tabelle bringt. Wer beides gleichsetzt, begründet im Methodenkapitel die falsche Entscheidung.

Zwischen „belegt“ und „bewiesen“ liegt ein ganzer Anspruch

Kein empirischer Befund gilt für immer. Er hält genau so lange, wie ihm keine neue Beobachtung widerspricht, und deshalb schreibt niemand in einer Fachzeitschrift „damit ist bewiesen“. Stattdessen stehen dort Formulierungen wie „die Daten stützen die Annahme“ oder „in dieser Stichprobe zeigt sich der Zusammenhang“. Wer so schreibt, wirkt nicht unsicher, sondern sauber. Weshalb der Sprung vom einzelnen Fall auf alle Fälle grundsätzlich offenbleibt, führt der Beitrag über Induktion und Deduktion aus.

Empirisch heisst noch nicht repräsentativ

Eine Erhebung kann tadellos empirisch sein und trotzdem nur für einen kleinen Ausschnitt gelten. In der Schweiz fällt das besonders auf: Wer nur in der Deutschschweiz erhebt, hat echte Daten, aber keine Aussage über die Romandie oder das Tessin. Auch das Bundesamt für Statistik weist die Ergebnisse der Strukturerhebung deshalb nach Grossregionen, Kantonen und Gemeinden ab 15'000 Einwohnerinnen und Einwohnern aus. Was dafür nötig ist, erklärt der Beitrag zur repräsentativen Umfrage.

Fazit

Empirisch sagt nichts darüber, wie gut eine Arbeit ist, sondern nur, woher ihre Zahlen und Zitate stammen. Wer das benennen kann, hat den Begriff im Griff: eine Erhebung, ein Vorgehen, eine Reichweite. Diese drei Angaben tragen später das ganze Methodenkapitel, und sie kosten dich keine halbe Seite!

Wie es weitergeht


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Häufig gestellte Fragen

Empirisch bedeutet, dass eine Erkenntnis aus der Beobachtung der Wirklichkeit stammt und nicht aus reinem Nachdenken. Entscheidend ist nicht das einzelne Erlebnis, sondern die planmässige Erhebung. Erst eine festgelegte Auswahl, ein einheitliches Vorgehen und eine dokumentierte Auswertung machen aus einem Eindruck einen empirischen Befund.

Empirie meint die Erfahrung als Quelle von Erkenntnis, Empirismus dagegen eine Lehre der Erkenntnistheorie. Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache beschreibt den Empirismus als Lehre, die allein die Sinneserfahrung und die unmittelbare Anschauung als Quellen aller Erkenntnis gelten lässt. John Locke und David Hume zählen zu seinen Vertretern.

Eine reine Literaturarbeit ist nicht empirisch, weil sie vorhandene Ergebnisse wiedergibt und keine eigenen Daten erhebt. Empirisch wird sie erst, wenn die Studien nach festen Kriterien ausgewählt, codiert und systematisch verglichen werden, etwa in einem systematischen Review. Dann bildet die Sammlung der Studien selbst das erhobene Material.

Das Gegenteil von empirisch ist theoretisch. Eine theoretische Arbeit klärt Begriffe, arbeitet den Forschungsstand auf oder vergleicht Positionen, ohne dafür eigene Daten zu erheben. In der Philosophie steht dem Empirismus der Rationalismus gegenüber, der die Vernunft und nicht die Sinneserfahrung als Hauptquelle der Erkenntnis ansieht.

Qualitative Interviews sind genauso empirisch wie eine standardisierte Befragung. Empirisch beschreibt die Herkunft der Daten, qualitativ und quantitativ beschreiben ihre Form. Acht transkribierte Interviews sind vollständig empirisch, obwohl darin keine Prozentzahl vorkommt. Umstritten bleibt in den Sozialwissenschaften allerdings, was als Erfahrung gelten darf.

Empirisch belegt heisst, dass erhobene Daten eine Annahme stützen. Bewiesen heisst es nicht, denn ein empirischer Befund hält nur so lange, bis neue Beobachtungen dagegensprechen. In Fachtexten stehen deshalb Wendungen wie „die Daten stützen die Annahme“ oder „die Ergebnisse deuten darauf hin“.

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