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Wissenschaftliches Arbeiten: Definition und typischer Ablauf

Vom Thema zur Abgabe: welche sechs Merkmale eine Arbeit wissenschaftlich machen, wie der Ablauf in neun Schritten aussieht und woran Zeitpläne an Schweizer Hochschulen scheitern.

Autor bei empirio.ai - Marvin Depping, Mitgründervon Marvin DeppingAktualisiert am 22. September 2026Lesezeit 12 Min.

Eine Maturaarbeit liegt bei vielen schon hinter ihnen, die Bachelorarbeit steht noch an. Zwischen diesen zwei Texten liegt weniger ein Unterschied im Umfang als einer in den Regeln: Ab der Hochschule wird jeder einzelne Arbeitsschritt begründungspflichtig.

Wissenschaftliches Arbeiten bezeichnet ein Verfahren: Du schneidest eine Untersuchungsfrage zu, wählst dein Vorgehen mit Begründung, weist jede übernommene Aussage nach und sagst selber, wie weit deine Ergebnisse reichen. Über den wissenschaftlichen Charakter entscheidet also nicht der Befund, sondern die Nachvollziehbarkeit. Am Ende dieses Beitrags kannst du die sechs Merkmale benennen, den Weg von der Themensuche bis zur Abgabe in neun Etappen planen und die drei Zeitfallen umgehen, die Schweizer Abschlussarbeiten am häufigsten treffen.


📌 Das Wichtigste im Überblick

  • Wissenschaftliches Arbeiten bezeichnet ein Verfahren, keine Schreibtechnik.
  • Sechs Merkmale entscheiden, ob andere deinen Weg nachgehen können.
  • Der Schweizer Kodex zur wissenschaftlichen Integrität erschien 2021.
  • Der SNF prüft Stichproben bei rund fünf Prozent der Forschungsgesuche.
  • Massgeblich bleibt das Studienreglement deiner Hochschule.

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Was heisst wissenschaftliches Arbeiten? Definition und Abgrenzung

Wissenschaftliches Arbeiten ist das geregelte Bearbeiten einer Frage: mit einem zugeschnittenen Gegenstand, einem begründeten Vorgehen, einem Nachweis hinter jeder übernommenen Aussage und einem Ergebnis, das andere mit deinen Angaben nachrechnen können.

Den Unterschied zum Alltagswissen macht nicht die Menge an Wissen, sondern die Offenlegung. Wer beim Mittagessen behauptet, in der Bibliothek finde man abends nie einen freien Platz, muss das niemandem belegen. Eine Bachelorarbeit verlangt genau das: die Herkunft der Aussage, die befragte Gruppe, das eingesetzte Instrument und die Lücken, die offen bleiben.

Wissenschaftliches Arbeiten beginnt darum lange vor dem ersten Satz im Dokument. Zuerst steht die nüchterne Prüfung, ob deine Frage mit den Mitteln zu beantworten ist, die du tatsächlich hast: zugängliche Literatur, eine Erhebung, die in deinen Zeitraum passt, und eine Betreuung, die das Thema mitträgt. Scheitert eine Frage daran, ist sie nicht schlecht. Sie passt bloss nicht in diese Arbeit. Was Wissenschaft im Ganzen bedeutet, steht in einem eigenen Beitrag.

Drei Stufen begleiten diesen Anspruch im Schweizer Bildungsweg: die Maturaarbeit am Gymnasium, die Semesterarbeiten im Studium und am Schluss die Bachelorarbeit oder die Masterarbeit. Verlangt wird jedes Mal dasselbe Verfahren, nur die Fallhöhe wächst. Was in der Maturaarbeit als Übung durchgeht, zählt in der Bachelorarbeit als Mangel.

Arbeiten, Schreiben, Aufbau: drei Ebenen, die oft verwechselt werden

Im Studium werden die drei Begriffe oft in einen Topf geworfen, obwohl sie verschiedene Ebenen bezeichnen. Wissenschaftliches Arbeiten meint das Verfahren, wissenschaftliches Schreiben die sprachliche Umsetzung und der Aufbau die Anordnung der Teile. Wer die Ebenen auseinanderhält, findet schneller, wo eine Arbeit gerade klemmt.

EbeneZuständig fürFrage, die dort auftaucht
Wissenschaftliches ArbeitenVerfahren und BegründungTrägt mein Vorgehen den Befund?
Wissenschaftliches SchreibenSprache, Zeitform, RegisterDarf ich von mir selber sprechen?
Aufbau der ArbeitAnordnung der KapitelWas steht im Anhang und was im Text?

Die sechs Merkmale wissenschaftlichen Arbeitens

Sechs Merkmale kennzeichnen wissenschaftliches Arbeiten: eine beantwortbare Untersuchungsfrage, ein begründetes Vorgehen, ein Nachweis für jede übernommene Aussage, benannte Grenzen, Einheitlichkeit über die ganze Arbeit und wissenschaftliche Redlichkeit. Fällt eines weg, entsteht kein falscher Text, aber ein angreifbarer.

Geschmacksfragen sind das nicht. Die sechs Merkmale entscheiden zusammen darüber, ob eine andere Person deinen Weg noch einmal gehen kann, und daran hängt der Unterschied zwischen einem Befund und einer Ansicht. Was niemand nachgehen kann, bleibt eine Ansicht mit Belegapparat.

MerkmalAnforderungTypisches Warnzeichen
Untersuchungsfrageeine Frage mit möglicher AntwortDas Thema wird nur ausgebreitet
Vorgeheneine Wahl, die begründet istDie Methode steht da wie gesetzt
NachweiseQuelle hinter jeder ÜbernahmeGanze Seiten ohne Belegstelle
Grenzenbenennen, was offen bleibtDas Schlusskapitel verspricht mehr als die Daten
Einheitlichkeitein Regelsatz für alle FälleDie Zitierweise springt
Redlichkeitfremde Leistung sichtbar haltenUmformulierte Passagen ohne Quelle

Für die Redlichkeit hat die Schweiz ein gemeinsames Regelwerk. Der Kodex für wissenschaftliche Integrität der Akademien der Wissenschaften Schweiz erschien 2021 und wurde von einer Expertengruppe zusammen mit dem Schweizerischen Nationalfonds, swissuniversities und Innosuisse erarbeitet. Er ruht auf vier Grundprinzipien: Verlässlichkeit, Redlichkeit, Respekt und Verantwortung (Akademien der Wissenschaften Schweiz, Kodex für wissenschaftliche Integrität, abgerufen im September 2026). Anders als viele Regelwerke nimmt der Kodex ausdrücklich auch die Lehre und die Ausbildung des Nachwuchses in den Blick, womit er dich als studierende Person unmittelbar angeht.

Der Schweizerische Nationalfonds führt den Kodex in seinen Reglementen und unterhält zusätzlich eine eigene Untersuchungsgruppe. Nach Angaben des SNF betreffen die meisten Verfahren zum wissenschaftlichen Fehlverhalten Plagiate, und die Untersuchungsgruppe prüft regelmässig Stichproben bei rund fünf Prozent der Forschungsgesuche (SNF, Wissenschaftliche Integrität, abgerufen im September 2026). Auf eine Semesterarbeit greift keines dieser Verfahren direkt zu. Wie streng die Gütekriterien ausgelegt werden, entscheidet dein Fach.

Weshalb wissenschaftliches Arbeiten im Studium zählt

Wissenschaftliches Arbeiten zählt, weil es Aussagen nachrechenbar macht. Bleibt der Weg verborgen, kann niemand unterscheiden, ob ein Befund aus einer sorgfältigen Erhebung kommt oder aus einer Gruppe, die zufällig zusammengekommen und zu klein war. Genau darauf zielen die Anforderungen der Hochschulen, nicht auf Formalien.

Für dein Studium folgen daraus zwei nüchterne Konsequenzen. Bewertet wird zum einen nicht nur der Befund, sondern seine Tragfähigkeit: Ein überraschendes Ergebnis auf schmaler Methodenbasis bringt weniger als ein unauffälliges mit klarer Begründung. Zum anderen arbeitet die eigene Dokumentation für dich. Wer jeden Entscheid festgehalten hat, kann in der mündlichen Prüfung erklären, weshalb die Stichprobe so gross ist, wie sie ist.

Ausserhalb der Hochschule bleibt der Nutzen derselbe. Wer eine Mitarbeitendenbefragung auswertet oder eine Marktstudie für den eigenen Betrieb liest, sucht zuerst die Grundgesamtheit, dann den Rücklauf und zuletzt das, was die Studie offenlässt. Zwischen einer Zahl und einer belastbaren Zahl liegt genau diese Suche.

Nachvollziehbar heisst: Jemand anderes könnte mit deinen Angaben denselben Weg noch einmal gehen.

Von der Themensuche bis zur Abgabe: neun Schritte

Neun Schritte führen von der Themensuche bis zur Abgabe, und ihre Reihenfolge ist kein Ritual. Jeder Schritt liefert das Material, mit dem der nächste arbeitet. Wer einen überspringt, erledigt ihn später zweimal.

Ein Beispiel läuft durch alle neun Schritte mit: An einer Fachhochschule in der Zentralschweiz entsteht eine Bachelorarbeit über die Zufriedenheit mit den Lernplätzen in der Hochschulbibliothek, Bearbeitungszeit zehn Wochen. Der Fall ist absichtlich klein gewählt, weil sich jeder Schritt daran ohne Fachwissen zeigen lässt.

  1. Thema eingrenzen. Aus „Bibliothek“ wird „Zufriedenheit mit den Lernplätzen in der Prüfungszeit“. Wie das geht, steht im Beitrag zum Thema finden.
  2. Überblicksrecherche. Gibt es Literatur dazu? Hat jemand die Frage schon beantwortet?
  3. Untersuchungsfrage festlegen. Aus dem Thema wird eine Forschungsfrage, auf die eine Antwort möglich ist.
  4. Literatur systematisch sichten. Der Forschungsstand zeigt, wo dein eigener Beitrag anfangen kann.
  5. Forschungsdesign wählen. Literaturarbeit, eigene Erhebung oder beides. Für die Lernplätze also: Befragung oder Auswertung der Zählungen der Bibliothek.
  6. Zeitplan rechnen. Vom Abgabetermin her, mit Reserve für das Gegenlesen.
  7. Daten erheben, wenn nötig. Für die Lernplätze führt eine Online-Umfrage am schnellsten zu Antworten.
  8. Auswerten und formulieren. Zuerst das Material ordnen, danach schreiben.
  9. Korrektur, Layout, Abgabe. Der Teil, für den am Schluss nie genug Tage übrig sind.

Weshalb Schritt eins bei den meisten Arbeiten zweimal dran ist

Der Ablauf verläuft in der Praxis selten geradeaus. Die Überblicksrecherche zeigt häufig, dass der Zuschnitt der Frage nicht passt, zu weit oder zu eng, und damit steht Schritt eins wieder offen. Günstiger wird eine Korrektur nie: Früh kostet sie ein Gespräch mit der Betreuung, spät kostet sie halbe Kapitel. Setze deshalb bewusst einen Termin an, an dem du deine Frage noch einmal in Frage stellst.

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Planung einer wissenschaftlichen Arbeit: zuerst das Ende eintragen

Die Planung einer wissenschaftlichen Arbeit setzt beim Abgabetermin an und arbeitet sich von dort nach vorn. Zuerst stehen die Schritte fest, die ganz am Schluss liegen, erst danach zeigt der Kalender, wie viel Zeit für Recherche und Rohtext bleibt. Diese Richtung legt die Phase frei, die sonst durchrutscht.

Die Schreibberatung der Pädagogischen Hochschule FHNW nennt in ihrem Handout zur Arbeits- und Zeitplanung drei Schritte in dieser Folge: alle Tätigkeiten des Schreibprojekts auflisten, dann rückwärts vom Abgabetermin planen, dann Pufferzonen setzen. Für das Gegenlesen und Korrigieren gibt die Schreibberatung als Richtwert möglichst zwei Wochen an (Schreibberatung PH FHNW, Arbeits- und Zeitplanung, abgerufen im September 2026). Noch davor klärt das Handout die Rahmenbedingungen ab: verfügbare Zeitfenster, parallele Verpflichtungen, Prioritäten.

Was die Liste der Tätigkeiten sichtbar macht

Der erste Schritt wirkt wie eine Formsache und ist der lehrreichste. Sobald alle Tätigkeiten untereinander stehen, fällt auf, wie viele davon gar nicht an deinem Tempo hängen. Die Liste der Schreibberatung nennt unter anderem die folgenden Punkte, und die rechte Spalte zeigt, wer den Takt dabei vorgibt.

Tätigkeit aus der FHNW-ListeWer oder was den Takt vorgibt
Thema mit der Dozentin oder dem Dozenten absprechenein freier Termin im Kalender einer anderen Person
Gang in die BibliothekÖffnungszeiten und Ausleihfristen
Erste Entwürfe in einer Schreibgruppe besprechendie Verfügbarkeit der Gruppe
Von jemandem gegenlesen lassendie Zeit der gegenlesenden Person
Korrigieren und layoutendein eigenes Tempo
Ausdrucken und abgebenÖffnungszeiten der annehmenden Stelle

Vier der sechs Zeilen hängen an Terminen anderer Personen. Genau deshalb steht der Puffer im Plan und nicht im Kopf. Wie viel Zeit insgesamt zur Verfügung steht, legt deine Hochschule fest: Am Departement Materialwissenschaft der ETH Zürich umfasst die Bachelor-Arbeit 40 Arbeitstage, also rund acht Wochen (ETH Zürich, Departement Materialwissenschaft, abgerufen im September 2026).

Für die Arbeit über die Lernplätze mit zehn Wochen heisst das: Wer die Befragung erst in Woche sieben aufsetzt, verliert die Zeit nicht beim Schreiben, sondern beim Warten. Rücklauf lässt sich nicht bestellen und eine Erhebung, die spät beginnt, holt nichts mehr auf.

Tipp

Schreibe jede Tätigkeit deiner Arbeit auf einen eigenen Zettel und lege die Zettel vom Abgabetermin aus nach hinten, den Puffer fürs Gegenlesen als ersten. Der Tag, bei dem du dabei stehen bleibst, ist dein spätester Starttermin. Liegt er in der Vergangenheit, musst du die Frage enger schneiden und nicht schneller tippen.

Wissenschaftliches Arbeiten mit KI: was an Schweizer Hochschulen gilt

Beim wissenschaftlichen Arbeiten mit KI gilt als Ausgangspunkt, dass deine eigene Leistung erkennbar bleiben muss und dass du den Einsatz offenlegst, sobald deine Hochschule eine Kennzeichnung verlangt. Wie weit die Erlaubnis reicht, unterscheidet sich zwischen den Hochschulen und oft auch zwischen den Departementen.

Verbindlich sind in der Schweiz drei Dokumente, und keines davon heisst Prüfungsordnung. Massgeblich ist erstens das Studien- oder Rahmenreglement deines Studiengangs, zweitens die Wegleitung deines Departements oder deiner Fakultät und drittens die Eigenständigkeitserklärung, die du bei der Abgabe unterschreibst. An der ETH Zürich ist eine unterzeichnete Eigenständigkeitserklärung Bestandteil jeder Semester-, Bachelor- und Master-Arbeit, und Dozierende können sie auch für andere schriftliche Arbeiten verlangen (ETH Zürich, Plagiate, abgerufen im September 2026). Manche Hochschulen verlangen zusätzlich ein Verzeichnis der eingesetzten Werkzeuge, andere lassen KI nur für die Sprache zu.

Am Verfahren selber ändert KI nichts. Ein Satz, den ein Sprachmodell formuliert hat, braucht denselben Nachweis wie jeder andere, und eine Literaturangabe, die du nie geöffnet hast, ist keine Quelle. Der grösste Schaden entsteht deshalb nicht durch KI im Text, sondern durch erfundene Titel im Verzeichnis.

Achtung

Ein nicht gekennzeichneter KI-Einsatz kann als Täuschung gelten, wenn Studienreglement oder Wegleitung eine Kennzeichnung vorschreiben. Wie weit die Folgen reichen, regelt deine Hochschule. Kläre die Frage vor der Abgabe mit deiner Betreuung ab und lass dir die Antwort schriftlich geben.

Wie maschinell ein Abschnitt klingt, lässt sich mit eigenen Werkzeugen abschätzen, etwa mit dem KI-Detektor von GoThesis. GoThesis gehört wie empirio.ai zum selben Unternehmen. Ein Testergebnis sagt allerdings nichts darüber, was deine Hochschule erlaubt, und ersetzt die Rückfrage bei der Betreuung nicht.

Fehler beim wissenschaftlichen Arbeiten: drei, die früh entstehen

Die häufigsten Fehler beim wissenschaftlichen Arbeiten sitzen im Verfahren und nicht in der Sprache. Angelegt werden sie in den ersten Wochen, auffallen tun sie in den letzten, und genau diese Verzögerung macht sie teuer.

Ein gemeinsames Muster verbindet die drei Fälle unten: Gearbeitet wird in einer Reihenfolge, die eine noch offene Entscheidung überspringt. Prüfe deshalb bei jedem Arbeitsschritt, welche Entscheidung eigentlich schon getroffen sein müsste, damit der Schritt überhaupt Sinn ergibt.

Die Auswertung wird erst nach der Erhebung überlegt

Über die Datenqualität entscheidet hier die Reihenfolge. Wer zuerst befragt und danach überlegt, wie ausgewertet wird, hält am Schluss oft Material in der Hand, das die geplante Analyse nicht zulässt: Freitexte lassen sich nicht mitteln, eine Skala mit zwei Stufen zeigt keine Abstufung. Die Auswertungsmethode gehört deshalb in den Plan, bevor die Erhebung startet. Für die Arbeit über die Lernplätze heisst das: Das Semester muss im Fragebogen erhoben werden, bevor die erste Person teilnimmt, sonst fällt der Vergleich zwischen den Semesterstufen weg.

Die Stichprobe trägt die Aussage nicht

Eine Aussage über alle Studierenden einer Hochschule braucht mehr als die dreissig Personen aus dem eigenen Kurs. Nicht die Zahl allein ist das Problem, sondern der Satz, in dem das Ergebnis am Schluss steht. Das Bundesamt für Statistik unterscheidet für die Schweiz drei Hochschultypen, nämlich universitäre Hochschulen, Fachhochschulen und pädagogische Hochschulen, und zählte im Herbstsemester 2020/21 insgesamt 270'475 Studierende (BFS, Tertiärstufe Hochschulen, abgerufen im September 2026). Über welche dieser Gruppen deine Stichprobe etwas sagt, schreibst du besser selber hin, bevor die Frage in der mündlichen Prüfung kommt.

Umformulierte Passagen ohne Quellenangabe

Im Studium hält sich die Annahme, nur das wörtliche Zitat brauche einen Nachweis. Nachweispflichtig ist jede übernommene Aussage, auch die in eigenen Worten, sonst erscheint fremde Leistung als deine eigene. Die ETH Zürich zählt genau das zu den Plagiaten und nennt daneben zwei Fälle, die oft untergehen: das Übersetzungsplagiat und das Selbstplagiat, also dieselbe Arbeit für zwei Leistungsnachweise. Welche Angaben ein Quellenbeleg braucht, steht im Beitrag zum richtigen Zitieren.

Hinweis

Die Angaben in diesem Beitrag beschreiben den Regelfall an Schweizer Hochschulen, Stand September 2026. Massgeblich sind das Studienreglement und die Wegleitung deines Studiengangs, über die Bewertung entscheidet deine Betreuung. Bei Fragen zum Prüfungsverfahren ersetzt kein Ratgeber die Auskunft der zuständigen Studienadministration.

Fazit

Wissenschaftliches Arbeiten ist Handwerk und keine Begabung. Wer die sechs Merkmale kennt, die Auswertung vor der Erhebung festlegt und den Zeitplan beim Abgabetermin beginnt, deckt die drei Stellen ab, an denen Schweizer Abschlussarbeiten am häufigsten Punkte liegen lassen. Der Rest ist Ausdauer, und Ausdauer ersetzt keine Begründung.

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Häufig gestellte Fragen

Wissenschaftliches Arbeiten heisst, eine Frage nach Regeln zu bearbeiten, die du selber offenlegst: ein zugeschnittener Gegenstand, ein begründetes Vorgehen, ein Nachweis hinter jeder übernommenen Aussage und ein Ergebnis, das andere mit deinen Angaben nachrechnen können. Über den wissenschaftlichen Charakter entscheidet also der Weg und nicht das Resultat. Zu jeder Aussage gehört darum die Angabe, woher sie kommt.

Sechs Merkmale machen eine Arbeit wissenschaftlich: eine beantwortbare Untersuchungsfrage, ein begründetes Vorgehen, Nachweise für übernommene Aussagen, offen benannte Grenzen, Einheitlichkeit über die ganze Arbeit und wissenschaftliche Redlichkeit. Fällt eines davon weg, entsteht kein falscher Text, aber ein angreifbarer, weil andere das Vorgehen nicht mehr nachgehen können. Redlichkeit führt der Schweizer Kodex von 2021 als eines von vier Grundprinzipien.

Wissenschaftliches Arbeiten macht Aussagen nachrechenbar und genau darin liegt sein Zweck. Ohne offengelegten Weg bleibt unklar, ob ein Befund aus einer sorgfältigen Erhebung stammt oder aus einer zufällig zusammengekommenen Gruppe. An der Hochschule zählt deshalb die Tragfähigkeit des Vorgehens mit: Eine schmale Methodenbasis kostet Punkte, auch wenn das Ergebnis überrascht.

Neun Schritte gliedern eine wissenschaftliche Arbeit: Thema eingrenzen, Überblicksrecherche, Untersuchungsfrage festlegen, Literatur systematisch sichten, Forschungsdesign wählen, Zeitplan rechnen, bei Bedarf Daten erheben, auswerten und formulieren, korrigieren und abgeben. Schritt eins kommt häufig ein zweites Mal dran, weil die Überblicksrecherche zeigt, dass der Zuschnitt der Frage nicht passt.

Die Schreibberatung der Pädagogischen Hochschule FHNW empfiehlt, den Zeitplan rückwärts vom Abgabetermin zu erstellen und Pufferzonen einzutragen, für das Gegenlesen und Korrigieren möglichst zwei Wochen. Vor der Planung stehen die Rahmenbedingungen: verfügbare Zeitfenster, parallele Verpflichtungen und Prioritäten. Am Departement Materialwissenschaft der ETH Zürich umfasst die Bachelor-Arbeit 40 Arbeitstage (Stand: September 2026).

Wissenschaftliches Arbeiten bezeichnet das Verfahren, also den Weg von der Frage zum Ergebnis. Wissenschaftliches Schreiben bezeichnet die sprachliche Umsetzung mit Stil, Zeitform und Register. Der Aufbau bildet eine dritte Ebene und regelt die Anordnung der Teile. Wer die Ebenen auseinanderhält, findet schneller, ob gerade das Vorgehen, die Sprache oder die Gliederung klemmt.

Erlaubt ist KI an Schweizer Hochschulen meist unter zwei Bedingungen: Deine eigene Leistung bleibt erkennbar und du legst den Einsatz offen, wo eine Kennzeichnung gefordert ist. Den Rahmen setzen das Studienreglement, die Wegleitung des Departements und die Eigenständigkeitserklärung bei der Abgabe. Fehlt eine geforderte Kennzeichnung, droht der Vorwurf der Täuschung (Stand: September 2026).

Der Kodex für wissenschaftliche Integrität der Akademien der Wissenschaften Schweiz gilt seit 2021 als gemeinsame Grundlage. Erarbeitet wurde er zusammen mit dem Schweizerischen Nationalfonds, swissuniversities und Innosuisse, und er ruht auf den Grundprinzipien Verlässlichkeit, Redlichkeit, Respekt und Verantwortung. Der SNF führt den Kodex in seinen Reglementen und prüft Stichproben bei rund fünf Prozent der Forschungsgesuche.

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