Frag drei Studierende, was „empirisch“ eigentlich heißt, und du bekommst drei Antworten: eine eigene Umfrage, Zahlen, oder schlicht das Gegenteil von Theorie. Alle drei greifen zu kurz.
Empirische Forschung ist die systematische Beantwortung einer Forschungsfrage mit Daten aus der beobachtbaren Wirklichkeit statt allein mit Literatur und Argumentation. Ob diese Daten aus Zahlen oder aus Texten bestehen und ob du sie selbst erhebst oder aus einem Archiv holst, entscheidet nicht darüber, ob deine Arbeit empirisch ist. Am Ende dieses Beitrags weißt du, welcher Weg zu deiner Fragestellung passt und wie du deine Wahl im Methodenteil begründest.
📌 Das Wichtigste im Überblick
- Empirische Forschung beantwortet eine Forschungsfrage mit Daten statt mit Argumenten.
- Empirisch ist nicht dasselbe wie quantitativ. Interviews sind ebenso empirisch.
- Fertige Daten zählen auch: das GESIS-Datenarchiv führt über 7.000 Studien.
- Vor der ersten Frage stehen Rechtsgrundlage und Einwilligung (Art. 89 DSGVO).
- Eine Literaturarbeit ist kein Notausgang, sondern ein eigenständiges Vorgehen.
Kostenlos Umfrage erstellen
Mit empirio.ai erstellst du in wenigen Minuten eine moderne Online-Umfrage – mit Hosting in der EU.
- Umfrage per KI
- Per Drag & Drop anpassen
- Auswertung in Echtzeit
Was ist empirische Forschung? Definition und Abgrenzung
Empirische Forschung ist ein Vorgehen, bei dem eine Forschungsfrage durch die systematische Erhebung und Auswertung von Daten über die beobachtbare Wirklichkeit beantwortet wird. Der Gegenpol ist nicht die Literatur, sondern die reine Argumentation.
Der Begriff geht auf das griechische empeiria zurück, also auf Erfahrung. Genau darin liegt allerdings die Verwechslungsgefahr, denn Erfahrung hat auch, wer sich im Freundeskreis umhört. Was die empirische Vorgehensweise von der Alltagsbeobachtung trennt, ist nicht die Erfahrung selbst, sondern der Umgang mit ihr.
Der Unterschied lässt sich an vier Punkten festmachen. Alltagswissen entsteht nebenbei, empirische Forschung entsteht nach einem vorher festgelegten Plan. Alltagswissen behält, was ins Bild passt, empirische Forschung dokumentiert auch die Fälle, die stören. Alltagswissen kommt mit unscharfen Begriffen aus, empirische Forschung muss jeden Begriff so festlegen, dass er messbar wird. Und Alltagswissen bleibt privat, während empirische Forschung so aufgeschrieben wird, dass jemand anderes den Weg nachvollziehen und im Idealfall wiederholen kann.
| Merkmal | Alltagsbeobachtung | Empirische Untersuchung |
|---|---|---|
| Auswahl der Fälle | zufällig, was gerade begegnet | vorher festgelegtes Auswahlverfahren |
| Umgang mit Gegenbeispielen | werden meist übersehen | werden mit erhoben und berichtet |
| Begriffe | bleiben unscharf | werden messbar gemacht |
| Nachvollziehbarkeit | nicht überprüfbar | Vorgehen ist dokumentiert |
Wichtig ist die Umkehrung dieses Satzes: Nicht jede wissenschaftliche Arbeit ist empirisch, und das ist kein Mangel. Eine mathematische Herleitung, eine juristische Auslegung und eine philosophische Begriffsklärung sind wissenschaftliche Arbeit ohne eine einzige erhobene Zahl. Empirie ist ein Werkzeug für eine bestimmte Art von Frage, kein Gütesiegel für Wissenschaftlichkeit.
Zwei Irrtümer, die fast überall stehen
Zwei Sätze über empirische Forschung sind so verbreitet, dass sie kaum noch jemand prüft. Beide klingen einleuchtend, und beide führen dazu, dass Studierende sich für ein aufwendigeres Vorgehen entscheiden, als ihre Frage verlangt.
Wir gehen sie nacheinander durch, weil sie an unterschiedlichen Stellen schaden: Der erste Irrtum kostet dich passende Methoden, der zweite kostet dich passende Daten.
Der Irrtum „empirisch bedeutet Zahlen“
Empirisch und quantitativ sind nicht dasselbe. Ein Leitfadeninterview mit sechs Pflegekräften erhebt Daten über die beobachtbare Wirklichkeit, wertet sie systematisch aus und ist damit vollständig empirisch, obwohl am Ende keine einzige Prozentzahl steht. Die Achse quantitativ gegen qualitativ beschreibt die Art der Daten, nicht die Frage, ob überhaupt Daten erhoben werden.
Der Irrtum hat eine sichtbare Nebenwirkung. Weil viele Ratgeber Objektivität, Reliabilität und Validität zur Voraussetzung jeder Empirie erklären, geraten qualitative Arbeiten unter einen Maßstab, für den sie nie gebaut wurden. Diese drei Kriterien stammen aus der quantitativen Testtheorie. Für qualitative Forschung gelten eigene Kataloge, und wer den falschen anlegt, kommt zu dem Schluss, seine Arbeit sei methodisch schwach, obwohl sie es nicht ist.
Der Irrtum „empirische Forschung ist das Gegenteil einer Literaturarbeit“
Die Gegenüberstellung von empirischer Arbeit und Literaturarbeit ist eine Vereinfachung, die sich bei genauem Hinsehen selbst widerlegt. Eine Metaanalyse und ein systematisches Review arbeiten ausschließlich mit vorhandenem Material und sind trotzdem empirisch: Sie erheben, codieren und werten Befunde aus veröffentlichten Studien aus. Genau deshalb führen dieselben Ratgeber, die den Gegensatz behaupten, die Metaanalyse zwei Absätze später als empirische Methode auf.
Sauber getrennt wird nicht zwischen „eigene Daten“ und „Literatur“, sondern zwischen zwei Fragen: Wird an einem Datenmaterial systematisch gearbeitet, oder wird der Forschungsstand geordnet und argumentativ eingeordnet? Das Erste ist empirisch, auch ohne eigene Erhebung. Das Zweite ist eine theoretische Arbeit, auch wenn dabei hunderte Studien gelesen werden.
💡 Tipp
Prüfe deine geplante Arbeit an einer einzigen Frage: Gibt es am Ende ein Material, das du nach vorher festgelegten Regeln durchgearbeitet hast? Fällt die Antwort ja aus, ist deine Arbeit empirisch. Ob dieses Material aus Fragebögen, Transkripten oder aus 40 codierten Studien besteht, ändert daran nichts.
Empirische Forschungsmethoden: qualitativ, quantitativ und gemischt
Die Wahl der Methode folgt aus der Forschungsfrage, nicht aus dem eigenen Geschmack. Eine Frage nach Häufigkeiten, Verteilungen oder Zusammenhängen verlangt Zahlen. Eine Frage nach Deutungen, Motiven oder Abläufen verlangt Text. Wer sich zuerst für die Methode entscheidet und danach die Frage zurechtbiegt, merkt das spätestens bei der Auswertung.
Praktisch heißt das: Formuliere deine Frage so präzise, dass sich die Datenart daraus ablesen lässt. „Wie zufrieden sind Studierende im dritten Semester mit der Studienberatung?“ ruft nach einer standardisierten Erhebung. „Woran machen Studierende fest, ob eine Beratung ihnen geholfen hat?“ ruft nach Interviews. Beide Fragen betreffen dasselbe Thema und führen zu völlig verschiedenen Forschungsmethoden. Wenn dabei schon die Begriffe unklar sind, hilft die Abgrenzung im Beitrag Was ist eine Umfrage? weiter, der Umfrage, Befragung und Fragebogen sauber trennt.
Quantitative Methoden: messen und vergleichen
Quantitative Forschung legt ein Merkmal so fest, dass es sich bei vielen Fällen auf dieselbe Weise erfassen lässt. Das Erhebungsinstrument der quantitativen Forschung steht vorher fest und wird während der Erhebung nicht mehr verändert, weil sonst die Vergleichbarkeit zerbricht. Typisch sind standardisierte Befragungen, strukturierte Beobachtungen, quantitative Inhaltsanalysen und Experimente. Der Gewinn liegt in der Vergleichbarkeit, der Preis in der Tiefe: Was im Fragebogen nicht vorgesehen war, taucht in den Daten nicht auf.
Qualitative Methoden: verstehen und rekonstruieren
Qualitative Forschung hält das Vorgehen bewusst offen, damit im Material Dinge sichtbar werden können, mit denen niemand gerechnet hat. Zur qualitativen Forschung zählen Leitfadeninterviews, Gruppendiskussionen, teilnehmende Beobachtungen und qualitative Inhaltsanalysen. Der Leitfaden gibt Themen vor, nicht den Wortlaut und nicht die Reihenfolge. Die Fallzahlen sind klein, die Auswertung ist aufwendig, und die Ergebnisse gelten zunächst für die untersuchten Fälle, nicht für eine Grundgesamtheit.
Mixed Methods: beides in einer Arbeit
Mixed Methods verbindet beide Zugänge in einem Forschungsdesign, statt sie auf zwei Arbeiten zu verteilen. Der häufigste Ablauf in Abschlussarbeiten beginnt mit wenigen Interviews, um das Feld überhaupt zu verstehen, und prüft die daraus gewonnenen Vermutungen anschließend mit einem standardisierten Fragebogen. Der umgekehrte Weg funktioniert genauso: erst eine Erhebung, dann Interviews, um auffällige Ergebnisse zu erklären. Wichtig ist, dass die Verbindung im Methodenteil begründet wird, sonst wirken zwei halbe Studien wie eine überladene Arbeit.
| Zugang | Beantwortet Fragen nach | Typische Erhebung |
|---|---|---|
| Quantitativ | Häufigkeit, Verteilung, Zusammenhang | standardisierter Fragebogen, Experiment |
| Qualitativ | Bedeutung, Motiv, Ablauf | Leitfadeninterview, Gruppendiskussion |
| Mixed Methods | Verbreitung und Erklärung zugleich | Interviews plus Fragebogen |
Woher deine Daten kommen: selbst erheben oder vorhandene nutzen
Fast alle Ratgeber setzen voraus, dass eine empirische Arbeit mit einer eigenen Erhebung beginnt. Das ist der bekannteste Weg, aber nicht der einzige, und für viele Fragestellungen nicht der beste. Die Alternative heißt Sekundäranalyse: Du arbeitest mit Daten, die andere erhoben haben, und stellst daran deine eigene Frage.
Der Unterschied ist erheblich. Eine eigene Erhebung kostet dich in der Regel mehrere Wochen für Instrument, Feldphase und Datenaufbereitung und endet oft bei einer Stichprobe aus dem eigenen Umfeld. Ein bestehender Datensatz liefert dir am ersten Tag mehrere tausend Fälle mit dokumentiertem Auswahlverfahren. Was du dafür aufgibst, ist die Freiheit bei den Fragen: Du kannst nur auswerten, was damals erhoben wurde.
Vier Wege zu deinen Daten
In der Praxis stehen dir vier Wege offen, und sie schließen sich gegenseitig nicht aus. Viele gute Abschlussarbeiten kombinieren eine kleine eigene Erhebung mit einem Referenzdatensatz, der zeigt, wie die eigene Stichprobe im Vergleich zur Bevölkerung aussieht.
- Eigene Erhebung. Du baust ein Instrument und führst die Datenerhebung selbst durch. Volle Kontrolle über die Fragen, voller Aufwand.
- Sozialwissenschaftliche Forschungsdaten. Das GESIS-Datenarchiv stellt nach eigenen Angaben „mehr als 7.000 nationale und internationale Studien zur Sekundäranalyse“ bereit, darunter die seit 1980 laufende Bevölkerungsumfrage ALLBUS. Der Zugang ist nach einer Registrierung kostenfrei.
- Amtliche Mikrodaten. Die Forschungsdatenzentren der Statistischen Ämter geben Zugang zu amtlichen Einzeldaten. Für Lehre und Abschlussarbeiten sind vor allem die Campus Files gemacht, die kostenfrei zur Verfügung stehen. Alle übrigen Zugangswege sind entgeltpflichtig.
- Veröffentlichte Studienbefunde. Für ein systematisches Review oder eine Metaanalyse sind die Ergebnisse fremder Studien selbst das Material.
Ein Beispiel für den zweiten und dritten Weg ist der Mikrozensus, laut Statistischem Bundesamt „die größte jährliche Haushaltsbefragung der amtlichen Statistik in Deutschland“. Befragt wird rund ein Prozent der Bevölkerung, das sind knapp 800.000 Personen in etwa 400.000 Haushalten, und anders als bei fast jeder studentischen Umfrage besteht Auskunftspflicht. Wer eine Frage zu Erwerbstätigkeit, Wohnen oder Bildung untersucht, bekommt hier eine Datengrundlage, die eine eigene Erhebung nie erreichen wird.
Die Quellen im Einzelnen: das Datenangebot von GESIS, die Campus Files der Forschungsdatenzentren und die Methodenseite des Statistischen Bundesamts zum Mikrozensus (Stand: September 2026).
Entscheidest du dich für eine eigene Erhebung, ist die Online-Umfrage in Abschlussarbeiten der häufigste Weg. Warum sie trägt, wen sie systematisch nicht erreicht und wie du beides sauber aufschreibst, steht im Beitrag zur Online-Umfrage als empirischer Forschungsmethode. Wie sie sich gegenüber der postalischen, der telefonischen und der persönlichen Befragung schlägt, zeigt der Beitrag zur Online-Befragung mit ihren Vorteilen und Grenzen.
Kostenlos Umfrage erstellen
Mit empirio.ai erstellst du in wenigen Minuten eine moderne Online-Umfrage – mit Hosting in der EU.
- Umfrage per KI
- Per Drag & Drop anpassen
- Auswertung in Echtzeit
Ablauf einer empirischen Untersuchung: sechs Entscheidungen
Der Ablauf einer empirischen Untersuchung wird in der Fachliteratur unterschiedlich fein unterteilt, meist in fünf bis neun Phasen. Für die Praxis ist die Zahl der Phasen weniger wichtig als die Einsicht dahinter: An sechs Stellen triffst du eine Entscheidung, die alles Folgende festlegt und die sich später kaum noch korrigieren lässt.
Die Reihenfolge der sechs Entscheidungen ist keine Empfehlung, sondern eine Abhängigkeitskette. Wer das Auswertungsverfahren erst nach der Erhebung wählt, stellt manchmal fest, dass die Skalen die geplante Rechnung gar nicht zulassen. Deshalb gehört Schritt sechs gedanklich schon zu Schritt drei.
- Forschungsfrage festlegen. Die Forschungsfrage muss so eng sein, dass sich aus ihr eine Erhebung ableiten lässt. Sie bestimmt außerdem das Untersuchungsziel: beschreiben, erklären oder erkunden.
- Hypothesen bilden, wo sie hingehören. Prüfende Untersuchungen brauchen Hypothesen, erkundende nicht. Eine explorative Arbeit mit erzwungenen Hypothesen ist ein häufiger Anfängerfehler.
- Forschungsdesign wählen. Das Forschungsdesign legt Methode, Erhebungszeitpunkte und Fallauswahl fest. Hier entscheidet sich auch, ob du einmal erhebst oder mehrfach.
- Begriffe messbar machen. „Studienzufriedenheit“ ist keine Variable, sondern ein Wort. Erst die Übersetzung in konkrete Fragen und Antwortstufen macht sie erhebbar.
- Stichprobe bestimmen. Verfahren und Größe der Stichprobe entscheiden darüber, worüber du am Ende eine Aussage treffen darfst und worüber nicht.
- Auswertungsverfahren festlegen. Welches der Auswertungsverfahren infrage kommt, hängt an deiner Datenart und deinem Skalenniveau, nicht an deinem Wunsch.
Den vollständigen Ablauf mit Beispielen, Zeitplanung und der Frage, was in welcher Phase schiefgehen kann, findest du im Beitrag zum empirischen Forschungsprozess.
Datenschutz und Ethik: was vor der ersten Frage geklärt sein muss
Sobald du Menschen befragst, verarbeitest du personenbezogene Daten, und zwar bevor die erste Antwort ausgewertet wird. Dieser Punkt fehlt in fast allen Anleitungen zur empirischen Forschung, obwohl sie Studierende direkt zu Interviews und Umfragen anleiten. Nachträglich lässt er sich nicht heilen: Eine Erhebung ohne Rechtsgrundlage wird nicht dadurch zulässig, dass die Daten hinterher anonymisiert werden.
Die gute Nachricht ist, dass der Regelfall überschaubar ist. Die Verarbeitung zu wissenschaftlichen Forschungszwecken ist in Art. 89 DSGVO ausdrücklich vorgesehen, unterliegt dort aber „geeigneten Garantien für die Rechte und Freiheiten der betroffenen Person“ und verlangt Datenminimierung sowie, wo möglich, Pseudonymisierung.
Rechtsgrundlage: meist die Einwilligung
Der Hessische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit hat eine Hilfestellung samt Muster für Datenschutzkonzepte in Abschlussarbeiten veröffentlicht und hält darin fest: „Der Regelfall wird hier die Datenverarbeitung aufgrund einer Einwilligung sein.“ Ebenso wichtig ist die Kehrseite, die dort ausdrücklich steht: „Werden ausschließlich anonyme Daten verwendet, liegen keine personenbezogenen Daten vor.“ Eine wirklich anonyme Online-Umfrage ohne Namen, ohne E-Mail-Adresse und ohne IP-Speicherung nimmt dir also einen großen Teil der Pflichten ab. Die Handreichung des HBDI ist auch außerhalb Hessens ein brauchbarer Prüfraster (Stand: Dezember 2025).
Ethikvotum: nicht immer, aber öfter als gedacht
Eine bundesweit einheitliche Pflicht zum Ethikvotum gibt es für studentische Arbeiten nicht. Die Ethikkommission des IZfB an der Universität Duisburg-Essen schreibt für die empirische Bildungsforschung: „Eine Verpflichtung zur Einholung eines Ethikvotums besteht … bisher nicht“, und Abschlussarbeiten werden dort in der Regel nicht geprüft. Andere Hochschulen ziehen die Grenze bei der ethischen Relevanz des Vorhabens, etwa bei Befragungen von Kindern und Jugendlichen oder wenn die Anonymität gefährdet sein könnte. Als Orientierung dient die Information der Ethikkommission des IZfB (Stand: Mai 2025).
⚠️ Achtung
Eine Umfrage für die Bachelorarbeit ist keine private Umfrage im Sinne der Haushaltsausnahme. Steht hinter der Erhebung eine Hochschule, ein Verein oder ein Unternehmen, braucht es für das eingesetzte Umfrage-Tool einen Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO. Kläre vor der Werkzeugwahl, ob dein Anbieter einen anbietet.
Zuständig für den Einzelfall ist die oder der Datenschutzbeauftragte deiner Hochschule, bei ethischen Fragen die Betreuung deiner Arbeit. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung und keine Auskunft deiner Hochschule.
Wann eine Abschlussarbeit nicht empirisch sein muss
Viele Studierende beginnen mit der Entscheidung „ich mache etwas Empirisches“ und suchen danach eine Frage, die dazu passt. Diese Reihenfolge ist verkehrt und produziert die typische Arbeit mit 43 Antworten aus dem eigenen Semester, die am Ende nichts trägt.
Die ehrliche Prüfung geht andersherum. Es gibt Fragen, für die eine eigene Erhebung nicht nur unnötig, sondern schlechter ist als der Blick in vorhandene Literatur oder Daten. Und es gibt Prüfungsordnungen, die eine empirische Arbeit ausdrücklich verlangen. Beides gehört geklärt, bevor du ein Thema anmeldest.
| Wenn deine Frage … | … dann passt |
|---|---|
| nach dem aktuellen Forschungsstand fragt | eine Literaturarbeit |
| viele Einzelbefunde zusammenführen will | ein systematisches Review |
| Häufigkeiten in einer großen Gruppe betrifft | eine Sekundäranalyse vorhandener Daten |
| eine bisher unerforschte Gruppe betrifft | eine eigene qualitative Erhebung |
| einen konkreten Zusammenhang prüfen soll | eine eigene quantitative Erhebung |
Eine Literaturarbeit ist keine Notlösung für Studierende, die keine Teilnehmenden finden. Sie ist ein eigenständiges Vorgehen mit eigenen Qualitätsansprüchen: nachvollziehbare Suchstrategie, begründete Auswahl der Quellen, Einordnung statt Aufzählung. Wer das sauber macht, liefert mehr als eine dünn besetzte Umfrage.
Verlangt deine Prüfungsordnung dagegen einen empirischen Teil, gilt ihre Vorgabe. Was dann konkret zu tun ist und wie sich der empirische Teil in die Gliederung einfügt, steht im Beitrag zur empirischen Bachelorarbeit und Masterarbeit. Maßgeblich ist in jedem Fall die Prüfungsordnung deiner Hochschule.
Woran du eine belastbare empirische Arbeit erkennst
Ob eine empirische Untersuchung trägt, entscheidet sich nicht an der Stichprobengröße, sondern daran, ob das Vorgehen zur Frage passt und offengelegt ist. Dafür gibt es Gütekriterien, und der häufigste Fehler besteht darin, den falschen Katalog anzulegen.
Für quantitative Untersuchungen gelten Objektivität, Reliabilität und Validität. Objektivität heißt, dass das Ergebnis nicht davon abhängt, wer erhebt und auswertet. Reliabilität heißt, dass eine Wiederholung unter gleichen Bedingungen zum gleichen Ergebnis führt. Validität heißt, dass das Instrument tatsächlich misst, was es messen soll. Diese dritte Bestimmung wird oft falsch wiedergegeben, etwa als „Beantworten die Ergebnisse die Forschungsfrage?“. Das ist etwas anderes und trifft den Begriff nicht.
Für qualitative Untersuchungen sind eigene Kataloge entwickelt worden, weil Wiederholbarkeit dort kein sinnvoller Maßstab ist. Im Zentrum stehen Nachvollziehbarkeit des Vorgehens, Angemessenheit der Methode gegenüber dem Gegenstand und die Offenlegung der eigenen Rolle im Feld. Welcher Katalog zu deiner Arbeit passt und wie du ihn im Methodenteil anwendest, zeigt der Beitrag zu den Gütekriterien qualitativer und quantitativer Forschung.
Eine Untersuchung wird nicht dadurch gut, dass sie viele Fälle hat, sondern dadurch, dass jemand anderes sie nachvollziehen kann.
Als Referenzwerk für beide Zugänge gilt im deutschsprachigen Raum Döring, Nicola (2023): Forschungsmethoden und Evaluation in den Sozial- und Humanwissenschaften, 6. Auflage, Springer. Die häufig zitierte 4. Auflage von Bortz und Döring aus dem Jahr 2006 liegt zwei Auflagen zurück und sollte in aktuellen Arbeiten nicht mehr als Beleg dienen. Die Ausgabe ist bei Springer nachweisbar.
Typische Fehler bei der ersten empirischen Arbeit
Die folgenden vier Fehler tauchen in Abschlussarbeiten immer wieder auf. Sie haben gemeinsam, dass sie früh entstehen und spät auffallen, meist erst dann, wenn die Daten schon erhoben sind und nichts mehr zu retten ist.
Wer sie kennt, kann in der Planungsphase gegensteuern. Das kostet ein paar Tage und spart im Zweifel eine ganze Feldphase.
Die Methode steht vor der Frage
Wer beschließt, eine Umfrage zu machen, und danach überlegt, was er fragen könnte, dreht die Abhängigkeit um. Das Ergebnis sind Fragebögen, die vieles streifen und nichts beantworten. Die Frage kommt zuerst, und aus ihr folgt die Methode. Steht die Methode aus praktischen Gründen fest, etwa weil deine Betreuung sie vorgibt, dann passt die Frage sich an, bevor der Fragebogen entsteht.
Die Stichprobe ist der eigene Freundeskreis
Eine Umfrage, die über den eigenen Semester-Chat und Instagram verteilt wird, erreicht Menschen, die einander ähnlich sind. Das ist kein Beinbruch, solange es im Methodenteil steht und die Ergebnisse entsprechend vorsichtig formuliert werden. Zum Problem wird es, wenn im Fazit von „den Studierenden“ die Rede ist. Wann eine Erhebung repräsentativ ist und wann nicht, hängt am Auswahlverfahren, nicht an der Zahl der Antworten.
Das Skalenniveau wird erst bei der Auswertung geprüft
Ob du einen Mittelwert bilden, eine Korrelation rechnen oder nur Häufigkeiten auszählen darfst, hängt am Skalenniveau deiner Variablen. Welches Skalenniveau eine Frage hat, entscheidet sich beim Bau des Fragebogens, nicht bei der Auswertung. Wer erst in der Statistiksoftware merkt, dass alle Fragen nominal skaliert sind, kann die geplante Rechnung nicht mehr durchführen und muss die Fragestellung nachträglich anpassen.
Der Methodenteil beschreibt, statt zu begründen
„Es wurde eine Online-Umfrage durchgeführt“ ist eine Beschreibung. Erwartet wird eine Begründung: warum diese Methode zu dieser Frage passt, welche Alternative es gegeben hätte und warum sie ausgeschieden ist. Drei Sätze reichen dafür meist aus, und sie sind der Unterschied zwischen einer dokumentierten und einer bewerteten Arbeit. Genau dieser Punkt fehlt in fast allen Anleitungen und wird in Kolloquien fast immer gefragt.
Fazit
Empirische Forschung ist weniger eine Technik als eine Haltung: Du legst vorher fest, woran du deine Frage entscheidest, und hältst dich daran, auch wenn das Ergebnis unbequem wird. Ob dabei Zahlen oder Transkripte entstehen und ob du selbst erhebst oder auf einen bestehenden Datensatz zugreifst, ist eine Frage der Passung, nicht der Wertigkeit. Prüfe zuerst, ob deine Frage überhaupt Daten braucht, und wähle erst danach den Weg dorthin.
Wie es weitergeht
- Du willst wissen, wie der empirische Teil in die Gliederung passt? Empirische Arbeit schreiben
- Du bist unsicher, ob deine Untersuchung beschreibend oder erklärend ist? Explorativ, deskriptiv, explanativ, kausal
- Die Daten liegen vor und du suchst die passende Auswertung? Deskriptive Statistik und Inferenzstatistik
- Du baust gerade deinen Fragebogen? Fragebogen erstellen
- Der Methodenteil steht, aber der Ton trifft es nicht? Wissenschaftlich schreiben
Bereit für deine eigene Erhebung?
Mit empirio.ai, einem Online-Umfrage-Tool aus Deutschland, erstellst du deine Umfrage im kostenlosen Tarif, hostest die Daten in der EU und bekommst den Auftragsverarbeitungsvertrag ohne Aufpreis dazu.
