Eine empirische Forschung verläuft typischerweise nicht beliebig, sondern nach einem festgelegten wissenschaftlichen Untersuchungsplan. Wenn du bereits ein Thema für deine studentische Ausarbeitung gefunden und deine Hypothesen ausformuliert hast, solltest du als nächstes in deinem Forschungsprozess ein detailliertes Konzept zum weiteren Vorgehen erstellen.
In der Wissenschaft wird eine solche konkrete Konzeptualisierung deiner Studie "Forschungsdesign" genannt. Das Forschungsdesign ist der Grundstein für deine gesamte Untersuchung und wird dir helfen, dein Forschungsvorhaben umzusetzen. In diesem Beitrag zeigen wir dir, wie du dabei am besten vorgehen kannst.
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Jetzt kostenlos startenUnsere Definition: Warum ist ein Forschungsdesign wichtig?
“Mit Forschungsdesign bezeichnet man die äußere Form einer empirischen Studie. Gelegentlich wird auch von Untersuchungsplan, Forschungsarrangement, Forschungstypus, Forschungsstrategie oder Forschungskonzeption gesprochen. Gemeint ist der übergeordnete methodologische Plan, nach dem die Studie aufgebaut ist.” (Hug/Poscheschnik 2010: 70)
Das Forschungsdesign ist ein unverzichtbares Instrument, um von der Forschungsidee zu einem durchführbaren Untersuchungsmodell für deine wissenschaftliche Arbeit zu kommen. Darunter fällt sowohl die zeitliche Planung deiner Untersuchung als auch die Festlegung von konkreten Forschungseinheiten (z.B. Wahl der Forschungsmethode, Stichprobenziehung, Bestimmung der Teilnehmenden deiner Studie).
Dabei klingt dieser Begriff zunächst komplizierter als er sein muss. Vor allem bei studentischen Arbeiten kann das Forschungsdesign einfach daraus bestehen, eine zu deiner Forschungsfrage passende Forschungsmethode zu finden und im Detail zu überlegen, wie du sie am sinnvollsten – zeitlich sowie inhaltlich! – umsetzt.
Zusätzlich ist in der Wissenschaft ohnehin kein einheitliches oder “richtiges” Modell zur Erstellung eines Forschungsdesigns vorgegeben, sodass du selbstständige Entscheidungen beim Durchführen deiner individuellen Studie treffen musst. Solange du dein Forschungsdesign begründest, kannst du bei diesem Teil deiner Ausarbeitung allerdings auch nichts falsch machen.
Unsere Step-by-Step-Anleitung: Forschungsdesign deiner Studie konzipieren!
Generell kann jede Forschung einem für sie individuellen Design folgen. Ein Forschungsdesign ist immer sowohl fachspezifisch als auch durch die spezifische Zielsetzung der Studie geprägt. Dennoch kannst du anhand von wenigen einfachen Schritten das passende Forschungsdesign für deine Untersuchung bestimmen:
Schritt 1 - Ort der Forschung: Labor- oder Feldforschung
Grundlegende Fragen: Wo soll deine Untersuchung durchgeführt werden? Sollen deine Teilnehmer oder Untersuchungsobjekte zu dir kommen? Oder willst du die Teilnehmer in ihrer natürlichen Umgebung selbst aufsuchen?
- Laborforschung: Wenn du eine Studie planst, bei der du keinesfalls störende Einflüsse aus dem Umfeld der untersuchten Personen berücksichtigen kannst oder möchtest, wäre eine Untersuchung im Labor eine gute Wahl. Nur dort schaffst du eine kontrollierte Umgebung, die in der gewöhnlichen Alltagsrealität nicht vorkommt.
Anwendungsbeispiel: Experiment über die Wirksamkeit einer neuen Therapie zur Behandlung von mentalen Krankheiten
- Feldforschung: Wenn du die Testpersonen in ihrem natürlichen Alltag erforschen willst. Womöglich willst du vor allem untersuchen, wie bestimmte Personen in spezifischen Situationen agieren und was sie dabei denken.
Anwendungsbeispiel: Verschiedene Beobachtungen von z.B. Schulklassen während des Unterrichts, aber auch Meinungsbefragungen in der Innenstadt
Schritt 2 - Ziel der Studie: Deskriptive Forschung oder Praxisforschung
Grundlegende Fragen: Möchtest du deinen Forschungsgegenstand möglichst genau beschreiben und analysieren, ohne dabei eine Veränderung anzustreben? Oder willst du mit deiner Forschung etwas verändern und zur Lösung eines konkreten Problems beitragen?
- Deskriptive Forschung: Wenn du eine beschreibende Untersuchung planst, bei der du das untersuchte Gegenstand möglichst objektiv und umfassend darlegen möchtest.
Anwendungsbeispiel: Verhaltens- oder Marktforschung mit einer Online-Umfrage
- Praxis-, Aktions- oder Handlungsforschung: Wenn das Ziel deiner Forschung nicht allein dem Erkenntnisgewinn dient, sondern die anschließende Lösung eines konkreten praktischen Problems anstrebt.
Anwendungsbeispiel: Befragungen von Obdachlosen in der Sozialarbeit, um die Verbesserung ihrer Situation vorzunehmen
Diese beiden grundlegenden Forschungskategorien werden in der Fachliteratur häufig um weitere Untersuchungsarten ergänzt. Dazu gehören unter anderem explanative (= um eine aufgestellte Hypothese zu überprüfen), explorative (= um erste Erkenntnisse zum wenig erforschten Gebiet zu bekommen) und kausale (= um Zusammenhänge zwischen Ursachen und Wirkungen festzuhalten) Forschungen. Für dein Forschungsdesign wäre es dennoch zuerst wichtig zu überlegen, ob du grundsätzlich beschreibend bzw. deskriptiv oder anwendungs- bzw. praxisorientiert arbeiten möchtest. Im Laufe deiner Untersuchung kannst du ggf. eine weitere Spezifizierung der Forschungsart vornehmen.
Schritt 3 - Wahl der Forschungsmethode: Qualitativ oder Quantitativ
Grundlegende Frage: Wie muss eine Untersuchung aussehen, damit deine Fragestellung beantwortet werden kann? Wie möchtest du die erforderlichen Forschungsdaten konkret erheben?
Innerhalb des Forschungsdesigns ist die Wahl der Forschungsmethode die wichtigste Entscheidung für deine Untersuchung. Wenn das Forschungsdesign grundsätzlich die formale Struktur deiner empirischen Studie bestimmt (= wie ist deine Untersuchung aufgebaut), so beeinflusst die Forschungsmethode vor allem die inhaltlichen Aspekte (= mit welchen Mitteln soll konkret geforscht werden).
Dabei kann jede empirische Forschung grundsätzlich in qualitative und quantitative Verfahren mit jeweils ihren eigenen Methoden unterteilt werden. Diese haben nicht nur grundlegend verschiedene Zielsetzungen, sondern unterscheiden sich in Hinblick auf die gesamte Durchführung und Konzeption deines Forschungsprojekts.
- Qualitative Methoden: qualitative Befragung (Leitfaden- und Experteninterview, Tagebuch-Befragung), qualitative Beobachtung, qualitative Inhalts- und Dokumentenanalyse, Fallstudie, Gruppendiskussion Wenn du die persönliche Wahrnehmung von wenigen Testpersonen sowie ihre subjektiven und detaillierten Begründungen in den Mittelpunkt der Untersuchung rücken möchtest.
Anwendungsbeispiel: Leitfadeninterview mit zehn bekanntesten deutschen Tik-Tok-Influencern zu ihren Gründen für die Nutzung dieser Social-Media-Plattform
- Quantitative Methoden: standardisierte Befragung (Online-Umfrage, standardisiertes schriftliches oder mündliches Interview), standardisierte Beobachtung, standardisierte Inhaltsanalyse, Experiment, physiologische Messung Wenn du mithilfe einer Vielzahl von Teilnehmern spezifische kausalen Zusammenhänge standardisiert und systematisch, mit möglichst vielen Daten erfassen möchtest.
Anwendungsbeispiel: Standardisierte und möglichst repräsentative Wahl-Umfrage vor der nächsten Bundestagswahl
In unserem Beitrag zu quantitativen und qualitativen Forschungsmethoden gehen wir ausführlich darauf ein, wie du die bestmögliche Methode für deine Forschungsfrage findest.
Schritt 4 - Untersuchte Einheiten oder Stichprobengröße ermitteln: Einzelfallanalyse, Survey (= Teilerhebung) oder Vollerhebung
Grundlegende Fragen: Wie viele Personen möchtest du untersuchen? Ist diese Anzahl realistisch? Wie willst du diese Personen finden? Strebst du eine repräsentative Studie an?
- Einzelfallanalyse: Wenn du nur mit einem einzigen Fall oder mit einigen wenigen Fällen, die zusammengefasst werden können (z.B. eine gesellschaftliche Gruppe oder eine Institution), intensiv beschäftigen willst, um diesen in seiner Komplexität zu erforschen.
Anwendungsbeispiel: Patientenanalysen (z.B. nach Freud) in den Human- und Sozialwissenschaften
- Survey (= auch “Teilerhebung” oder “study population” genannt): Wenn du repräsentative Aussagen über eine Grundgesamtheit (= die gesamte untersuchte Gruppe) von Personen machen möchtest, ohne alle diese Personen befragen zu müssen. In diesem Fall musst du eine eine wissenschaftlich fundierte Auswahl der untersuchten Personen treffen und die s.g. Stichprobe bilden. Ob du sehr wenige oder viele Personen untersuchst, hängt von deiner Forschungsmethode und der Zielsetzung deiner Studie ab.
Anwendungsbeispiel: Quantitative Umfragen in der Meinungsforschung einer ausgewählten Personengruppe
- Vollerhebung: Wenn du alle Personen aus deiner Grundgesamtheit untersuchen möchtest, z.B. die Gesamtbevölkerung eines Staates oder alle Einwohner von Hamburg. Solche Vollerhebungen werden jedoch sehr selten durchgeführt, weil sie sehr zeit- und kostenintensiv sind.
Anwendungsbeispiel: Volkszählungen
In unserem Beitrag zur Bildung einer Stichprobe gehen wir zusätzlich darauf ein, wie du die geeignete Stichprobe für deine Forschung ermitteln kannst.
Schritt 5 - Auswertungsmethode bestimmen
Grundlegende Frage: Wie sollen die erhobenen Daten ausgewertet werden? Welche Fachkenntnisse sind dafür notwendig?
- Die Wahl der Auswertungsmethode ist unmittelbar an deine Forschungsmethode geknüpft. Dabei haben qualitative und quantitative Methoden inzwischen eine ganze Reihe an Modellen, die für die Auswertung der erhobenen Daten benutzt werden können.
Quantitative Forschung: Häufigkeitsanalysen, Signifikanztests, Korrelationsanalysen und weitere statistische Verfahren
Qualitative Forschung: Inhaltsanalyse, Diskursanalyse, Grounded Theory usw.
Unser Literaturtipp: Hug, Theo/Gerald Poscheschnik, unter Mitarbeit von Bernd Lederer und Anton Perzy (2010). Empirisch Forschen. Über die Planung und Umsetzung von Projekten im Studium. Konstanz: UVK.
➔ vor allem Kap. 4: “Design matters – Über Sinn und Zweck des Forschungsdesigns”, S. 70-80.
Forschungsdesign bei der Verschriftlichung deiner Arbeit
“Das Design ist lediglich das bloße Skelett der Studie, das erst mit dem Fleisch konkreter Methoden bestückt werden muss.” (Hug/Poscheschnik 2010: 72)
Natürlich sollten die von uns vorgestellten Bereiche eines möglichen Forschungsdesigns in der Praxis auch miteinander kombiniert oder fachspezifisch angepasst werden. Keinesfalls ist es schlimm, wenn deine Forschung nicht jeder dieser Kategorien zugeordnet werden kann. Entscheidend ist, dass am Ende ein solches Konzept entsteht, das in der gegebenen Zeit mit den verfügbaren Ressourcen von dir zu bewältigen ist. Sicherlich wäre es in der Theorie spannend, eine anspruchsvolle Vollerhebung oder ein aufwändiges Laborexperiment durchzuführen. Wenn dir jedoch sowohl Zeit als auch Equipment oder fachliches Know-How fehlen, wäre ein solches Forschungsdesign letztendlich keine gute Entscheidung.
Bei der Verschriftlichung deiner Studie zieht sich das Forschungsdesign über die gesamte Ausarbeitung. Typischerweise wirst du allerdings vor allem im Hauptteil der Arbeit ausführlich beschreiben, wie du deine Untersuchung konzipiert hast – und warum:
1. Einleitung: Forschungsfrage
2. Theorie: Stand der Forschung
3. Forschungsdesign: Detailliertes Konzept der Arbeit
3.1 Bildung der Hypothesen
3.2 Wahl der Forschungsmethode, z.B. quantitative Befragung
3.3 Stichprobe festlegen
3.4 Definition und Festlegung der untersuchten Variablen und Merkmale
3.5 Fragenkatalog
4. Datenerhebung: Standardisierte Online-Umfrage
5. Datenauswertung
6. Ergebnisse und Erkenntnisse
7. Reflektion der eigenen Vorgehensweise
8. Fazit
Hinweis: Meistens wird die Hypothesenbildung bei der Verschriftlichung inhaltlich zum Forschungsdesign gezählt. Im geführten Forschungsprozess ist es zwar wahrscheinlicher, dass du zuerst deine Forschungsfrage samt Hypothesen bestimmt hast und erst dann das passende Design gewählt hast. Aufgrund der Lesefreundlichkeit und damit deine Arbeit logisch aufgebaut ist, sollten die Hypothesen dennoch entweder im ersten Unterpunkt des Forschungsdesigns verschriftlicht werden oder aber in einem zusätzlichen Kapitel direkt davor.
Weiterführende Literatur:
Hug, Theo/Gerald Poscheschnik, unter Mitarbeit von Bernd Lederer und Anton Perzy (2010). Empirisch Forschen. Über die Planung und Umsetzung von Projekten im Studium. Konstanz: UVK.
Hunziker, Alexander W. (2013). Spass am wissenschaftlichen Arbeiten. So schreiben Sie eine gute Semester-, Bachelor- und Masterarbeit. 5. Auflage. Zürich: SKV.
Raithel, Jürgen (2008). Quantitative Forschung. Ein Praxiskurs. 2. Auflage. VS Verlag für Sozialwissenschaften: Wiesbaden.
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