Schlag einen amtlichen Fragebogen auf, und dir fällt sofort etwas auf, das in keinem Ratgeber steht: Hinter jeder Antwortmöglichkeit steht eine Zahl in eckigen Klammern. Der Fragetyp ist dort keine Geschmacksfrage, sondern eine Konstruktion, die bis zur fertigen Datentabelle durchgeplant ist.
Fragetypen sind die Bauformen, in denen eine Frage ihre Antwort einsammelt: Sie legen fest, ob die Befragten aus einer vorgegebenen Liste auswählen, sich auf einer abgestuften Skala verorten, mehrere Aussagen in eine Rangfolge bringen oder in eigenen Worten frei schreiben, und damit auch, ob am Ende Zahlen oder Text vor dir liegen. Am Ende dieses Beitrags kennst du die gängigen Fragetypen mit Beispielen und weißt, welcher zu welchem Ziel passt.
📌 Das Wichtigste im Überblick
- Ein Fragetyp legt fest, wie die Antwort eingesammelt wird.
- Statistik Austria vergibt jeder Antwortvorgabe einen festen Code.
- Single Choice, Skala, Matrix, Ranking und Freitext decken fast alles ab.
- Die Schätzfrage rettet dich, wenn der genaue Wert fehlt.
- Filterführung gehört geplant, bevor die erste Frage steht.
Kostenlos Umfrage erstellen
Mit empirio.ai erstellst du in wenigen Minuten eine moderne Online-Umfrage – mit Hosting in der EU.
- Umfrage per KI
- Per Drag & Drop anpassen
- Auswertung in Echtzeit
Was ist ein Fragetyp?
Ein Fragetyp ist die Bauform einer Frage im Fragebogen, also die Kombination aus Fragetext und vorgegebenem Antwortformat. Er bestimmt, in welcher Form die Befragten antworten dürfen und in welcher Form ihre Antwort später in der Auswertung ankommt.
Generell gilt: Der Fragetext sagt, wonach gefragt wird, der Fragetyp sagt, wie geantwortet werden darf. Dieselbe Frage nach der Wohnzufriedenheit lässt sich als Skala von 1 bis 5 stellen, als Auswahl aus vier Antworten oder als leeres Textfeld, und jede dieser drei Varianten misst am Ende etwas anderes.
Fragetyp, Antwortvorgabe und Code
In der amtlichen Statistik kommt zum Fragetyp noch eine dritte Ebene dazu, die in Ratgebern meist fehlt: der Code. Im Mikrozensus-Fragebogen von Statistik Austria trägt jede Antwortvorgabe eine feste Nummer, etwa „Ja [1]“ und „Nein [2]“ oder „in einer Wohnung [1]“ und „in einem Haus [2]“. Diese Nummer ist keine Spielerei, sondern der Wert, der später in der Datentabelle steht.
Wer die Codes erst nach der Erhebung vergibt, merkt oft zu spät, dass die Antwortvorgaben dafür gar nicht taugen. Deshalb lohnt es sich, schon beim Bauen des Bogens mitzuschreiben, welche Zahl welche Antwort bekommen soll. Welche Rechenwege dein Skalenniveau zulässt, entscheidest du ohnehin bereits mit der Wahl des Fragetyps.
Fragetyp, Frageform, Frageart
Für dieselbe Sache begegnen dir mehrere Wörter. Fragetyp, Frageform und Frageart meinen dasselbe und lassen sich austauschen. Der Begriff Antwortformat (= die Form, in der die Antwort abgegeben wird) ist enger und bezeichnet nur die Antwortseite ohne den Fragetext. Das Skalenniveau wiederum beschreibt, welche Rechenoperationen erlaubt sind, und ergibt sich erst aus dem gewählten Fragetyp.
Antwortformat und Funktion: die zwei Achsen
Fragetypen lassen sich nicht sinnvoll in eine einzige Liste sortieren, weil zwei voneinander unabhängige Merkmale im Spiel sind: das Antwortformat einer Frage und ihre Funktion im Fragebogen. Die meisten Übersichten werfen beides zusammen und stellen die Filterfrage neben die Matrixfrage, als wären es Alternativen.
Vielmehr sind es zwei Achsen, die sich kreuzen. Eine Filterfrage kann als Ja-Nein-Frage gestellt werden oder als Auswahl aus sechs Kategorien, und eine Frage nach dem Alter kann ein Zahlenfeld sein oder eine Liste von Altersgruppen. Sobald du die beiden Achsen getrennt betrachtest, triffst du zwei kleine Entscheidungen statt einer großen.
| Achse | Was sie festlegt | Beispiel |
|---|---|---|
| Antwortformat | wie geantwortet werden darf | Skala von 1 bis 5 |
| Funktion im Fragebogen | wozu die Frage im Ablauf dient | Filterfrage vor dem Detailteil |
Wie die amtliche Statistik die Achsen trennt
Im Mikrozensus-Fragebogen von Statistik Austria (Stand Jänner 2026) lässt sich diese Trennung mit bloßem Auge nachvollziehen. Jede Frage trägt links ein Kürzel als Namen, in der Mitte den Fragetext mit den codierten Antwortvorgaben und rechts den Hinweis, welche Frage als Nächstes kommt. Format und Funktion stehen also buchstäblich in verschiedenen Spalten.
Für deinen eigenen Bogen heißt das nicht, dass du ein Formular in dieser Form brauchst. Es heißt, dass du dieselben drei Angaben festhalten solltest: Wie heißt die Frage in den Daten, welche Antworten sind erlaubt, und wohin geht es je nach Antwort weiter.
Die Funktion einer Frage im Fragebogen
Die zweite Achse beschreibt, welche Aufgabe eine Frage im Ablauf übernimmt. Eine Sachfrage erhebt den eigentlichen Inhalt, eine Filterfrage entscheidet über den weiteren Weg, eine soziodemografische Frage liefert die Merkmale für Auswertungen nach Gruppen, und eine Kontrollfrage prüft, ob jemand aufmerksam antwortet.
Die Funktion einer Frage bestimmt vor allem ihren Platz im Ablauf, nicht ihr Antwortformat. Wie du die Reihenfolge sinnvoll aufbaust, steht in der Anleitung zum Fragebogen erstellen.
Fragetypen im Fragebogen: der Überblick
Die folgenden zehn Fragetypen decken den Alltag in Fragebögen fast vollständig ab, von der Seminararbeit bis zur Kundenbefragung. Sie sind nach Antwortformat sortiert, beginnend bei den Auswahlfragen und endend bei den freien Eingaben.
Nicht jeder Bogen braucht alle zehn. Ein guter Fragebogen kommt meist mit drei bis fünf verschiedenen Typen aus, und die Abwechslung entsteht dann von selbst, weil unterschiedliche Inhalte unterschiedliche Formen verlangen.
| Fragetyp | Wie geantwortet wird | Wofür er sich eignet |
|---|---|---|
| Single Choice | genau eine Antwort aus einer Liste | Kategorien, die sich ausschließen |
| Multiple Choice | beliebig viele Antworten aus einer Liste | Nutzung, Ausstattung, Gründe |
| Ja-Nein-Frage | eine von zwei Alternativen | Filterfragen und harte Fakten |
| Ratingskala | Verortung auf abgestuften Punkten | Zufriedenheit, Wichtigkeit, Häufigkeit |
| Likert-Skala | Zustimmung zu einer Aussage | Einstellungen über mehrere Aussagen |
| NPS-Frage | ein Wert zwischen 0 und 10 | Weiterempfehlung in einer Kennzahl |
| Matrixfrage | mehrere Aussagen auf derselben Skala | Itembatterien platzsparend abfragen |
| Rangfolgefrage | Objekte in eine Reihenfolge bringen | Prioritäten statt Einzelbewertungen |
| Freitextfrage | eigenes Textfeld ohne Vorgaben | Gründe, Vorschläge, Unerwartetes |
| Zahlen- und Datumsfeld | ein Wert in festem Format | Alter, Menge, Zeitpunkt |
Warum das Zahlenfeld unterschätzt wird
Der Mikrozensus fragt Wohnfläche, Zimmerzahl und Vertragsdauer nicht in Kategorien ab, sondern als blanke Zahl mit Einheit: Quadratmeter, Zimmer, Jahre. Das ist kein Zufall, denn aus einer Zahl lassen sich hinterher beliebige Kategorien bilden, aus Kategorien aber niemals wieder eine Zahl. Wer die Wohnfläche in fünf Klassen abfragt, hat sich für immer auf genau diese fünf Klassen festgelegt.
Zwei Anmerkungen noch zur Liste oben. Die Ja-Nein-Frage ist streng genommen eine Single-Choice-Frage mit genau zwei Vorgaben und steht nur deshalb eigenständig da, weil sie eine sehr eigene Rolle spielt. Die NPS-Frage ist eine Ratingskala mit festgelegter Beschriftung und Auswertung, also kein neues Format, sondern ein Standard.
Auswahlfragen: Single Choice und Multiple Choice
Auswahlfragen legen eine Liste möglicher Antworten vor, aus der die Befragten auswählen. Der einzige Unterschied zwischen den beiden Varianten liegt darin, wie viele Häkchen erlaubt sind, und diese kleine Festlegung ändert die Auswertung vollständig.
Bei einer Single-Choice-Frage ergeben die Antworten zusammen 100 Prozent, weil jede Person genau einmal zählt. Bei einer Multiple-Choice-Frage tun sie das nicht, denn eine Person kann drei Kreuze setzen und taucht dann in drei Kategorien auf. Wer diesen Unterschied beim Berichten übersieht, produziert Prozentangaben, die sich auf über 200 Prozent addieren.
Single Choice: genau eine Antwort
Eine Single-Choice-Frage passt überall dort, wo sich die Kategorien gegenseitig ausschließen. Die Frage nach dem angestrebten Abschluss ist ein Beispiel: Bachelor, Master, Diplomstudium und Doktorat schließen einander zum selben Zeitpunkt aus, also darf nur ein Kreuz gesetzt werden. Wichtig ist, dass die Liste alle Fälle abdeckt, sonst weichen die Befragten auf eine unpassende Kategorie aus. Wie du solche Listen erschöpfend baust, zeigt der Beitrag zu Single-Choice-Fragen.
Wenn mehreres zutrifft und trotzdem nur eines gilt
Der Mikrozensus löst einen häufigen Konflikt auf eine Art, die sich übernehmen lässt. Wenn mehrere Gründe gleichzeitig zutreffen können, das Ergebnis aber eindeutig bleiben soll, fragt er nicht nach allen Gründen, sondern nach dem wichtigsten. Aus einer Mehrfachnennung wird so eine Einfachnennung, ohne dass Information verlorengeht, die du wirklich brauchst. Der Preis ist eine Entscheidung, die den Befragten abverlangt wird.
Multiple Choice: mehrere Antworten gleichzeitig
Eine Multiple-Choice-Frage passt dort, wo mehrere Antworten gleichzeitig zutreffen können, etwa bei genutzten Verkehrsmitteln oder besuchten Lehrveranstaltungen. Sie ist bequem und verführt gerade deshalb dazu, die Liste zu lang werden zu lassen. Als Faustregel gilt: Was über zehn Vorgaben hinausgeht, wird nicht mehr gelesen, sondern überflogen. Die Auswertung erklärt der Beitrag zu Multiple-Choice-Fragen.
Kostenlos Umfrage erstellen
Mit empirio.ai erstellst du in wenigen Minuten eine moderne Online-Umfrage – mit Hosting in der EU.
- Umfrage per KI
- Per Drag & Drop anpassen
- Auswertung in Echtzeit
Skalenfragen: Rating, Likert und NPS
Skalenfragen geben eine abgestufte Antwortdimension vor, auf der sich die Befragten verorten. Damit erfassen sie nicht nur, ob etwas zutrifft, sondern auch wie stark, und genau deshalb sind sie in Zufriedenheits- und Einstellungsbefragungen der meistgenutzte Fragetyp überhaupt.
Allen Skalenfragen ist gemeinsam, dass die Reihenfolge der Stufen feststeht und selbst Bedeutung trägt. Dennoch unterscheiden sie sich in dem, was sie messen, und in dem, was du hinterher damit rechnen darfst.
Die Ratingskala als Grundform
Eine Ratingskala fragt eine einzelne Eigenschaft auf mehreren Stufen ab, etwa die Zufriedenheit von „sehr zufrieden“ bis „sehr unzufrieden“. Die zentralen Entscheidungen betreffen die Zahl der Stufen, die Beschriftung und die Frage, ob es eine neutrale Mitte geben soll. Diese drei Punkte wirken stärker auf das Ergebnis als der Fragetext selbst, weshalb sie im Beitrag zur Ratingskala ausführlich behandelt werden.
Die Likert-Skala für Einstellungen
Eine Likert-Skala legt den Befragten Aussagen vor, denen sie in Stufen zustimmen oder widersprechen, meist fünfstufig von „stimme voll zu“ bis „stimme überhaupt nicht zu“. Mehrere solcher Aussagen zum selben Thema ergeben zusammen ein Messinstrument. Häufig liest man, die Abstände zwischen den Stufen seien gleich groß und man dürfe Mittelwerte bilden. Das lässt sich so nicht halten, und warum, steht im Beitrag zur Likert-Skala.
Die Schätzfrage als Rückfallebene
Ein Muster aus dem Mikrozensus löst ein Problem, an dem viele Fragebögen scheitern: Was tun, wenn die Befragten den exakten Wert nicht wissen? Statt die Frage unbeantwortet zu lassen, schaltet der Bogen eine abgestufte Schätzfrage nach, erkennbar an der Einleitung „Bitte schätzen Sie“ und einer Staffel von Kategorien. Wer das Jahr nicht nennen kann, gibt wenigstens die Größenordnung an, und du hast statt einer Leerstelle einen brauchbaren Wert.
💡 Tipp
Bleib innerhalb eines Fragebogens bei einer einzigen Skalenrichtung und einer einzigen Stufenzahl. Wer im ersten Block fünf Stufen von positiv nach negativ nutzt und im zweiten sieben Stufen andersherum, sammelt Antworten ein, die zwar aussehen wie Daten, aber die Umgewöhnung der Befragten mitmessen.
Matrixfragen und Rangfolgefragen
Matrix- und Rangfolgefragen fassen mehrere Bewertungen in einer einzigen Frage zusammen. Sie sparen dadurch erheblich Platz und Zeit, verlangen den Befragten im Gegenzug aber deutlich mehr Konzentration ab als eine einfache Auswahlfrage.
Beide Typen haben ihre eigene Falle, und in beiden Fällen liegt sie im Umfang. Eine Matrix mit fünf Zeilen wird sorgfältig ausgefüllt, eine mit zwanzig Zeilen wird irgendwann nur noch abgehakt.
Die Matrixfrage für Itembatterien
Eine Matrixfrage stellt mehrere Aussagen untereinander und bewertet sie alle auf derselben Skala. Der Fragetext steht einmal darüber, die Skala einmal daneben, und die Befragten arbeiten Zeile für Zeile ab. Für zusammengehörige Aussagen ist das die effizienteste Form, weil der Bewertungsmaßstab nur einmal aufgebaut werden muss und dann für alle Zeilen gilt.
Warum die Matrix bessere Daten liefert als „Alles Zutreffende ankreuzen“
Für Listen mit mehreren zutreffenden Antworten gibt es zwei Bauweisen, und sie sind nicht gleichwertig. Bei der bequemen Variante hakt man alles Zutreffende in einer Liste ab (Check-All), bei der aufwendigeren beantwortet man jede Zeile einzeln mit Ja oder Nein (Forced Choice). Lenzner und Menold (2015) empfehlen in den GESIS Survey Guidelines zur Frageformulierung die zweite Form ausdrücklich, weil sie Reihenfolge-Effekte vermeidet; die zugrunde liegende Untersuchung von Smyth und Kolleginnen (2006) führt zusätzlich eine gründlichere Verarbeitung der Vorgaben an.
Praktisch heißt das: Wenn dir an sauberen Anteilen gelegen ist, baust du die Mehrfachauswahl als Matrix mit Ja-Nein-Spalten und nicht als Häkchenliste. Der Preis sind ein paar Sekunden mehr pro Frage, der Gewinn sind Werte, die nicht von der Sortierung deiner Liste abhängen.
Die Rangfolgefrage für echte Prioritäten
Eine Rangfolgefrage lässt Objekte in eine Reihenfolge bringen, statt sie einzeln zu bewerten. Sie erzwingt eine Entscheidung, die eine Skala nicht erzwingt: Wer fünf Kriterien alle als „sehr wichtig“ bewertet, hat nichts gesagt, wer sie in eine Rangfolge bringt, schon. Ihre Grenze liegt bei etwa fünf bis sieben Objekten, darüber wird das Sortieren zur Fleißarbeit und die hinteren Plätze werden geraten.
⚠️ Achtung
Matrixfragen brechen auf schmalen Bildschirmen als Erstes. Da ein großer Teil der Teilnahmen vom Handy kommt, gilt als Obergrenze: höchstens fünf Antwortspalten und höchstens acht Zeilen. Wird es mehr, teilst du die Matrix in zwei Fragen auf, statt die Schrift kleiner zu machen.
Offene Fragen und halboffene Fragen
Offene Fragen geben keine Antwortmöglichkeiten vor, sondern nur den Fragetext und ein leeres Feld. Sie liefern damit als einziger Fragetyp Inhalte, an die beim Bauen des Fragebogens niemand gedacht hat, und genau darin liegt ihr Wert.
Ein verbreitetes Vorurteil hält sich hartnäckig: dass viele Befragte mit offenen Fragen überfordert seien. Züll (2015) fasst den Forschungsstand in den GESIS Survey Guidelines zu offenen Fragen anders zusammen: In der Regel sind alle Befragten in der Lage, offene Fragen zu beantworten. Entscheidend ist nicht die Fähigkeit, sondern das Interesse am Thema und dessen Relevanz für die befragte Person.
Wann sich eine offene Frage lohnt
Offene Fragen lohnen sich vor allem in vier Fällen: wenn du Wissen abfragst und Raten ausschließen willst, wenn du das Themenfeld noch nicht überblickst, wenn die Liste möglicher Antworten unüberschaubar wäre (etwa bei Berufen), und wenn du vermeiden möchtest, die Befragten durch Vorgaben zu lenken. Der Preis ist der Auswertungsaufwand, denn Text muss erst kodiert werden, bevor er sich zählen lässt. Wie das Kodieren abläuft, steht im Beitrag zu offenen Fragen.
Die halboffene Frage in amtlicher Praxis
Eine halboffene Frage gibt eine Antwortliste vor und ergänzt sie um ein freies Feld. Der Mikrozensus zeigt das Muster in Reinform: Auf eine codierte Restkategorie folgt unmittelbar die Nachfrage, um welchen Fall es sich denn handelt. Das Freitextfeld steht also nicht neben der Kategorie, sondern als eigene Anschlussfrage dahinter, und wird nur den Personen gezeigt, die die Restkategorie gewählt haben. Den Vergleich der drei Formen führt der Beitrag zu offenen und geschlossenen Fragen aus.
Wie die Feldgröße die Antwortlänge steuert
Die Größe des Textfelds beeinflusst, wie ausführlich geantwortet wird, und kaum jemand setzt das bewusst ein. Züll (2015) verweist auf Studien, nach denen die vorgesehene Feldgröße in selbst auszufüllenden Fragebögen positiv mit Länge und Ausführlichkeit der Antworten zusammenhängt. Ein kleines Feld signalisiert „Stichwort genügt“, ein großes lädt zum Ausformulieren ein. Wenn du Stichworte willst, mach das Feld klein und schreib die erwartete Antwortform dazu.
Filterfragen und soziodemografische Fragen
Filterfragen und soziodemografische Fragen gehören zur zweiten Achse aus dem dritten Kapitel: Sie sind über ihre Funktion im Fragebogen definiert, nicht über ihr Antwortformat. Beide erheben selten das, worum es dir eigentlich geht, und ohne sie funktioniert trotzdem kaum ein Bogen.
Nehmen wir eine Befragung zur Wohnsituation. Ob jemand über die Befristung seines Mietvertrags Auskunft geben kann, hängt davon ab, ob überhaupt ein Mietverhältnis besteht, und diese Vorfrage entscheidet über den weiteren Weg durch den Fragebogen.
Filterführung gehört aufgeschrieben, nicht erinnert
Eine Filterfrage entscheidet, welche Fragen als Nächstes gestellt werden. Der Mikrozensus-Fragebogen macht vor, wie sich das dokumentieren lässt: Hinter jeder einzelnen Antwortvorgabe steht der Name der Frage, zu der es weitergeht, und wo es komplizierter wird, folgt ein eigener Block mit den Bedingungen im Klartext. Bei einer Erhebung mit Dutzenden Verzweigungen ist das der einzige Weg, den Überblick zu behalten.
Lenzner und Menold (2015) weisen auf einen Unterschied hin, der bei der Planung leicht untergeht: In computergestützten Befragungen sind Filterführungen einfach umzusetzen und bereiten den Befragten keine Schwierigkeiten, bei schriftlich-postalischen Befragungen dagegen sollten zahlreiche und komplexe Filter vermieden werden.
Soziodemografische Fragen liefern die Vergleichsgruppen
Soziodemografische Fragen erheben Merkmale wie Alter, Geschlecht, Bildungsabschluss oder Wohnort. Ihr Zweck ist nicht der Wert an sich, sondern die spätere Auswertung nach Gruppen. Bei Bildungsabschlüssen lohnt sich der Blick auf die österreichischen Kategorien: Matura, Lehrabschluss, berufsbildende höhere Schule, Fachhochschule und Universität sind hier die üblichen Stufen, und eine aus Deutschland übernommene Liste geht daran vorbei. Welche Formulierungen sich bewährt haben, steht im Beitrag zu soziodemografischen Daten im Fragebogen.
Kontroll- und Abschlussfragen
Kontrollfragen prüfen, ob jemand aufmerksam antwortet, etwa indem sie an einer Stelle eine bestimmte Antwort verlangen. Sie sind bei langen Bögen sinnvoll und bei kurzen überflüssig. Die Abschlussfrage wiederum ist fast immer offen und lautet sinngemäß, ob es noch etwas gibt, das die Person loswerden möchte. Züll (2015) beschreibt sie ausdrücklich auch als Mittel zur Motivation, weil sie den Befragten nach vielen Vorgaben einmal das Wort überlässt.
Welcher Fragetyp passt zu welchem Ziel?
Die Wahl des Fragetyps folgt aus der Aussage, die du am Ende treffen willst, nicht umgekehrt. Wer weiß, welcher Satz später im Ergebnisteil stehen soll, hat die Entscheidung meist schon getroffen, ohne es zu merken.
Die folgende Übersicht liest sich von links nach rechts: Du suchst dein Ziel in der ersten Spalte und findest daneben den passenden Typ und den Grund dafür. Bei mehreren Zielen gilt die Zeile, die deiner Forschungsfrage am nächsten kommt.
| Dein Ziel | Passender Fragetyp | Der Grund dafür |
|---|---|---|
| Anteile berichten, die sich zu 100 Prozent addieren | Single Choice | jede Person zählt genau einmal |
| Verbreitung mehrerer Merkmale messen | Matrix mit Ja und Nein | keine Reihenfolge-Effekte |
| Später frei Klassen bilden können | Zahlenfeld mit Einheit | aus Zahlen werden Kategorien, umgekehrt nie |
| Zufriedenheit oder Zustimmung abstufen | Ratingskala | erfasst die Stärke, nicht nur das Ob |
| Eine Einstellung über mehrere Aussagen messen | Likert-Skala | mehrere Items ergeben ein Instrument |
| Prioritäten sichtbar machen | Rangfolgefrage | erzwingt eine Entscheidung |
| Gründe hinter einer Bewertung verstehen | Freitext als Anschlussfrage | die Vorgabeliste kennt den Grund nicht |
| Einen unbekannten Wert wenigstens näherungsweise erfassen | Schätzfrage mit Staffel | eine Größenordnung schlägt eine Leerstelle |
| Teilgruppen unterschiedlich weiterleiten | Filterfrage | steuert den weiteren Weg im Bogen |
Eine Regel steht über allen Zeilen: Erst kommt die Auswertung, dann der Fragetyp. Wer vorab aufschreibt, welche Tabelle oder welches Diagramm am Ende entstehen soll, merkt sofort, ob die geplante Frage diese Auswertung überhaupt hergibt. Zehn Minuten Planung sparen dir an dieser Stelle später einen ganzen Nachmittag!
Typische Fehler bei der Wahl des Fragetyps
Die häufigsten Probleme in Fragebögen entstehen nicht durch schlechte Fragetexte, sondern durch einen Fragetyp, der nicht zum Inhalt passt. Vier davon begegnen uns immer wieder, und alle vier lassen sich vor dem Versand in wenigen Minuten beheben.
Was sie gemeinsam haben: Sie fallen erst in der Auswertung auf, und dann ist es zu spät. Ein Fragebogen, der bereits bei zweihundert Personen war, lässt sich nicht mehr korrigieren.
Fehler 1: Die Antwortvorgaben passen nicht zur Frage
Lenzner und Menold (2015) führen dafür ein Beispiel an, das man danach überall wiedererkennt. Gefragt wird, ob jemand in den letzten zwölf Monaten aktives Mitglied in einem Verein war, und als Antworten stehen „oft“, „manchmal“, „selten“ und „nie“ darunter. Der Fragetext verlangt ein Ja oder Nein, die Antwortkategorien verlangen eine Häufigkeit, und die Befragten müssen raten, was gemeint ist. Entweder der Fragetext oder die Vorgaben müssen angepasst werden, beides zusammen geht nicht.
Fehler 2: Die Kategorien überschneiden sich
Antwortkategorien müssen erschöpfend und überschneidungsfrei sein, sonst lässt sich eine Antwort nicht eindeutig zuordnen. Der Klassiker sind Zeit- und Altersspannen: Wer bei „zwischen 6:00 und 6:30 Uhr“ und „zwischen 6:30 und 7:00 Uhr“ um genau halb sieben aufsteht, kann beide Felder wählen. Die Lösung ist unspektakulär und wird trotzdem selten umgesetzt, nämlich die Grenzen auf 6:29 und 6:59 zu ziehen. Weitere Regeln stehen im Beitrag zu geschlossenen Fragen.
Fehler 3: Kategorien statt Zahlen erhoben
Wer eine Größe von vornherein in Klassen abfragt, obwohl die Befragten den genauen Wert kennen, verschenkt Information unwiderruflich. Beim Alter, bei der Wohnfläche und bei Beträgen lässt sich fast immer die blanke Zahl erheben, und die Klassen bildest du hinterher genau so, wie deine Auswertung sie braucht. Nur wenn die Auskunftsbereitschaft leidet, etwa beim Einkommen, sind Klassen von Anfang an die bessere Wahl.
Fehler 4: Die Skala wechselt mitten im Bogen
Wechselnde Skalen sind der unauffälligste der vier Fehler und einer der teuersten. Wenn Block eins mit vier Stufen arbeitet, Block zwei mit fünf und Block drei die Richtung umdreht, sind die Antworten untereinander nicht mehr vergleichbar, und ein Teil der Befragten wird die Umstellung überlesen. Leg dich vor dem Schreiben auf eine Skala fest und zieh sie durch, auch dann, wenn eine einzelne Frage mit sieben Stufen etwas genauer wäre.
Fazit
Der Fragetyp ist keine Formsache am Ende des Schreibens, sondern die erste Festlegung darüber, welche Aussagen dein Fragebogen später überhaupt zulässt. Wer sich die zwei Achsen merkt, also Antwortformat und Funktion im Bogen, trifft diese Entscheidung in zwei kleinen Schritten statt in einem großen. Und wer wie die amtliche Statistik Codes und Filterwege vorab notiert, erspart sich die bösen Überraschungen in der Auswertung.
Den Fragetyp wählst du nicht beim Schreiben der Frage, sondern beim Planen der Auswertung.
Wie es weitergeht
- Du baust gerade deinen Bogen auf? Fragebogen erstellen: Anleitung, Aufbau und Beispiel
- Du willst offen und geschlossen gegeneinander abwägen? Offene und geschlossene Fragen im Vergleich
- Du suchst fertige Formulierungen zum Abschauen? Vorlagen, Beispiele und Muster für Fragebögen
- Du bist dir beim Unterschied Umfrage und Fragebogen unsicher? Umfrage und Fragebogen: die Unterschiede
Alle Fragetypen einmal ausprobieren?
Bei empirio.ai, einem Online-Umfrage-Tool aus Deutschland, legst du Single Choice, Skala, Matrix, Ranking, NPS und Freitext im selben Fragebogen an und siehst die Auswertung live mitlaufen. Umfrage kostenlos erstellen
