Eine Skala mit vier Kästchen oder eine mit fünf? Die Frage klingt nach Kleinkram, und die Schweizer Hochschulen haben sie längst für sich entschieden. Wer Fragebögen baut, trifft solche Entscheidungen laufend, meist ohne zu merken, wie stark sie das Ergebnis prägen.
Fragetypen sind die Bauformen, in denen eine Frage ihre Antwort einsammelt: Sie legen fest, ob die Befragten aus einer vorgegebenen Liste auswählen, sich auf einer abgestuften Skala verorten, mehrere Aussagen in eine Rangfolge bringen oder in eigenen Worten frei schreiben, und damit auch, ob am Ende Zahlen oder Text vor dir liegen. Am Ende dieses Beitrags kennst du die gängigen Fragetypen mit Beispielen und weisst, welcher zu welchem Ziel passt.
📌 Das Wichtigste im Überblick
- Ein Fragetyp legt fest, wie die Antwort eingesammelt wird.
- Die Universität Basel empfiehlt eine ungerade Anzahl Kästchen.
- Single Choice, Skala, Matrix, Ranking und Freitext decken fast alles ab.
- Eine Enthaltung gehört neben die Skala, nicht hinein.
- Nur ein Item pro Frage, sonst ist die Antwort nicht deutbar.
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Was ist ein Fragetyp?
Ein Fragetyp ist die Bauform einer Frage im Fragebogen, also die Kombination aus Fragetext und vorgegebenem Antwortformat. Er bestimmt, in welcher Form die Befragten antworten dürfen und in welcher Form ihre Antwort später in der Auswertung ankommt.
Generell gilt: Der Fragetext sagt, wonach gefragt wird, der Fragetyp sagt, wie geantwortet werden darf. Dieselbe Frage nach der Zufriedenheit mit einem Kurs lässt sich als Skala von 1 bis 5 stellen, als Auswahl aus vier Antworten oder als leeres Textfeld, und jede dieser drei Varianten misst am Ende etwas anderes.
Ein Item pro Frage, sonst wird es unlesbar
Die Services Weiterbildung der Universität Basel formulieren im Leitfaden Evaluation und Feedbackgespräche in der Weiterbildung eine Regel, die über die Wahl des Fragetyps hinausgeht: Fragen müssen eindeutig gestellt sein, das heisst nur ein Item pro Frage in Form geschlossener Fragen abfragen, damit die Antworten bei der Auswertung überhaupt interpretierbar sind.
Wer zwei Dinge in eine Frage packt, etwa Verständlichkeit und Tempo einer Lehrveranstaltung, bekommt eine Zahl zurück, die für beides stehen könnte. Kein Fragetyp der Welt repariert das hinterher. Welche Rechenwege dein Skalenniveau zulässt, entscheidest du ebenfalls bereits mit der Wahl des Fragetyps.
Fragetyp, Frageform, Frageart
Für dieselbe Sache begegnen dir mehrere Wörter. Fragetyp, Frageform und Frageart meinen dasselbe und lassen sich austauschen. Der Begriff Antwortformat (= die Form, in der die Antwort abgegeben wird) ist enger und bezeichnet nur die Antwortseite ohne den Fragetext. Das Skalenniveau wiederum beschreibt, welche Rechenoperationen erlaubt sind, und ergibt sich erst aus dem gewählten Fragetyp.
Antwortformat und Funktion: die zwei Achsen
Fragetypen lassen sich nicht sinnvoll in eine einzige Liste sortieren, weil zwei voneinander unabhängige Merkmale im Spiel sind: das Antwortformat einer Frage und ihre Funktion im Fragebogen. Die meisten Übersichten werfen beides zusammen und stellen die Filterfrage neben die Matrixfrage, als wären es Alternativen.
Vielmehr sind es zwei Achsen, die sich kreuzen. Eine Filterfrage kann als Ja-Nein-Frage gestellt werden oder als Auswahl aus sechs Kategorien, und eine Frage nach dem Alter kann ein Zahlenfeld sein oder eine Liste von Altersgruppen. Sobald du die beiden Achsen getrennt betrachtest, triffst du zwei kleine Entscheidungen statt einer grossen.
| Achse | Was sie festlegt | Beispiel |
|---|---|---|
| Antwortformat | wie geantwortet werden darf | Skala von 1 bis 5 |
| Funktion im Fragebogen | wozu die Frage im Ablauf dient | Filterfrage vor dem Detailteil |
Die drei Antwortformate nach GESIS
Für die erste Achse gibt es eine belastbare Einteilung aus der Umfrageforschung. Lenzner und Menold (2015) unterscheiden in den GESIS Survey Guidelines zur Frageformulierung drei grosse Gruppen von Antwortformaten: offene Fragen, geschlossene Fragen mit Ratingskala und geschlossene Fragen ohne Ratingskala. Die verbreitete Zweiteilung in offen und geschlossen ist damit nicht falsch, aber zu grob, denn für die beiden geschlossenen Formen gelten unterschiedliche Regeln.
Der Unterschied hat handfeste Folgen. Bei einer Ratingskala liegt die Reihenfolge der Stufen fest, weil sie selbst Bedeutung trägt, und die Zahl der Stufen ist eine eigene methodische Entscheidung. Bei einer Liste ohne Abstufung, etwa den Studienrichtungen, ist die Reihenfolge dagegen frei wählbar, und genau deshalb wirkt dort die Position in der Liste auf die Wahl.
Die Funktion einer Frage im Fragebogen
Die zweite Achse beschreibt, welche Aufgabe eine Frage im Ablauf übernimmt. Eine Sachfrage erhebt den eigentlichen Inhalt, eine Filterfrage entscheidet über den weiteren Weg, eine Frage zur Person liefert die Merkmale für Auswertungen nach Gruppen, und eine Kontrollfrage prüft, ob jemand aufmerksam antwortet.
Die Funktion einer Frage bestimmt vor allem ihren Platz im Ablauf, nicht ihr Antwortformat. Wie du die Reihenfolge sinnvoll aufbaust, steht in der Anleitung zum Fragebogen erstellen.
Fragetypen im Fragebogen: der Überblick
Die folgenden zehn Fragetypen decken den Alltag in Fragebögen fast vollständig ab, von der Seminararbeit bis zur Kursevaluation. Sie sind nach Antwortformat sortiert, beginnend bei den Auswahlfragen und endend bei den freien Eingaben.
Nicht jeder Bogen braucht alle zehn. Ein guter Fragebogen kommt meist mit drei bis fünf verschiedenen Typen aus, und die Abwechslung entsteht dann von selbst, weil unterschiedliche Inhalte unterschiedliche Formen verlangen.
| Fragetyp | Wie geantwortet wird | Wofür er sich eignet |
|---|---|---|
| Single Choice | genau eine Antwort aus einer Liste | Kategorien, die sich ausschliessen |
| Multiple Choice | beliebig viele Antworten aus einer Liste | Nutzung, Ausstattung, Gründe |
| Ja-Nein-Frage | eine von zwei Alternativen | Filterfragen und harte Fakten |
| Skalafrage | Verortung zwischen zwei Poltexten | Zufriedenheit, Wichtigkeit, Häufigkeit |
| Likert-Skala | Zustimmung zu einer Aussage | Einstellungen über mehrere Aussagen |
| NPS-Frage | ein Wert zwischen 0 und 10 | Weiterempfehlung in einer Kennzahl |
| Matrixfrage | mehrere Aussagen auf derselben Skala | Itembatterien platzsparend abfragen |
| Rangfolgefrage | Objekte in eine Reihenfolge bringen | Prioritäten statt Einzelbewertungen |
| Freitextfrage | eigenes Textfeld ohne Vorgaben | Gründe, Vorschläge, Unerwartetes |
| Zahlen- und Datumsfeld | ein Wert in festem Format | Alter, Menge, Zeitpunkt |
Warum die Skalafrage hier anders heisst
In der Schweizer Evaluationspraxis heisst die Ratingskala meist Skalafrage, und die Beschriftung der beiden Endpunkte trägt den eigenen Namen Poltext. Der Begriff ist nützlicher, als er klingt: Er trennt sauber zwischen der Skala selbst und ihrer Beschriftung, und genau diese Beschriftung ist es, die je nach Fragestellung angepasst werden muss.
Zwei Anmerkungen noch zur Liste oben. Die Ja-Nein-Frage ist streng genommen eine Single-Choice-Frage mit genau zwei Vorgaben und steht nur deshalb eigenständig da, weil sie eine sehr eigene Rolle spielt. Die NPS-Frage ist eine Skalafrage mit festgelegter Beschriftung und Auswertung, also kein neues Format, sondern ein Standard.
Auswahlfragen: Single Choice und Multiple Choice
Auswahlfragen legen eine Liste möglicher Antworten vor, aus der die Befragten auswählen. Der einzige Unterschied zwischen den beiden Varianten liegt darin, wie viele Häkchen erlaubt sind, und diese kleine Festlegung ändert die Auswertung vollständig.
Bei einer Single-Choice-Frage ergeben die Antworten zusammen 100 Prozent, weil jede Person genau einmal zählt. Bei einer Multiple-Choice-Frage tun sie das nicht, denn eine Person kann drei Kreuze setzen und taucht dann in drei Kategorien auf. Wer diesen Unterschied beim Berichten übersieht, produziert Prozentangaben, die sich auf über 200 Prozent addieren.
Single Choice: genau eine Antwort
Eine Single-Choice-Frage passt überall dort, wo sich die Kategorien gegenseitig ausschliessen. Der Basler Leitfaden nennt dafür ein konkretes Beispiel aus der Weiterbildung: Wenn ein Studienangebot ohnehin nur von zwei bis drei Berufsgruppen genutzt wird, lassen sich diese gezielt mit einer Single-Choice-Frage abfragen, statt eine lange Liste vorzulegen. Wie du solche Listen erschöpfend baust, zeigt der Beitrag zu Single-Choice-Fragen.
Offene Frage oder Auswahl: dieselbe Information, zwei Wege
Derselbe Leitfaden zeigt an einer Alumni-Befragung, dass die Wahl des Fragetyps oft eine reine Abwägung ist. Nach dem Zeitraum der absolvierten Weiterbildung lässt sich entweder offen fragen, oder man deckt die in Frage kommenden Jahre mit einer Single-Choice-Frage ab und fragt gezielt nach dem Abschlussjahr. Beide Wege führen zum Ziel, aber nur der zweite liefert eine Antwort, die ohne Nacharbeit auszählbar ist.
Multiple Choice: mehrere Antworten gleichzeitig
Eine Multiple-Choice-Frage passt dort, wo mehrere Antworten gleichzeitig zutreffen können, etwa bei genutzten Verkehrsmitteln oder besuchten Modulen. Sie ist bequem und verführt gerade deshalb dazu, die Liste zu lang werden zu lassen. Als Faustregel gilt: Was über zehn Vorgaben hinausgeht, wird nicht mehr gelesen, sondern überflogen. Die Auswertung erklärt der Beitrag zu Multiple-Choice-Fragen.
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Skalenfragen: Skalafrage, Likert und NPS
Skalenfragen geben eine abgestufte Antwortdimension vor, auf der sich die Befragten verorten. Damit erfassen sie nicht nur, ob etwas zutrifft, sondern auch wie stark, und genau deshalb sind sie in Zufriedenheits- und Einstellungsbefragungen der meistgenutzte Fragetyp überhaupt.
Allen Skalenfragen ist gemeinsam, dass die Reihenfolge der Stufen feststeht und selbst Bedeutung trägt. Bei drei Punkten gibt der Basler Leitfaden allerdings eine deutlich klarere Empfehlung ab, als es Methodenbücher üblicherweise tun.
Ungerade Anzahl Kästchen, also fünf oder sieben
Die Services Weiterbildung empfehlen ausdrücklich, eine ungerade Anzahl Kästchen zu wählen, zum Beispiel fünf oder sieben. Damit ist die viel diskutierte Frage nach der neutralen Mitte für diesen Anwendungsfall entschieden: Die Mitte bleibt drin. Wer stattdessen eine gerade Stufenzahl wählt, zwingt jede Person zu einer Richtungsentscheidung, auch dann, wenn sie tatsächlich unentschieden ist.
Die Enthaltung gehört neben die Skala, nicht hinein
Der zweite Punkt ist der wichtigere, und er wird fast überall übersehen. Der Leitfaden empfiehlt, wann immer sinnvoll ein zusätzliches Kästchen für eine Enthaltung vorzusehen, beschriftet mit «keine Angaben» oder «kann ich nicht beurteilen». Entscheidend ist das Wort zusätzlich: Die Enthaltung steht neben der Skala und ist keine ihrer Stufen. Wer sie als Mitte einbaut, vermischt «unentschieden» mit «kann ich nicht beurteilen», und beide Gruppen sind hinterher nicht mehr auseinanderzuhalten.
Poltexte anpassen statt Vorlagen übernehmen
Die Beschriftung der Endpunkte, im Leitfaden Poltext genannt, wird je nach Fragestellung sinngemäss angepasst, etwa von «Trifft nicht zu» bis «Trifft voll zu» oder von «sehr schlecht» bis «sehr gut». Ebenso lassen sich die blossen Zahlen von 1 bis 5 durch Text ersetzen. Was die Likert-Skala von der einfachen Skalafrage unterscheidet, steht im Beitrag zur Likert-Skala, und die Regeln zur Stufenzahl vertieft der Beitrag zur Ratingskala.
💡 Tipp
Bleib innerhalb eines Fragebogens bei einer einzigen Skalenrichtung und einer einzigen Stufenzahl. Wer im ersten Block fünf Stufen von positiv nach negativ nutzt und im zweiten sieben Stufen andersherum, sammelt Antworten ein, die zwar aussehen wie Daten, aber die Umgewöhnung der Befragten mitmessen.
Matrixfragen und Rangfolgefragen
Matrix- und Rangfolgefragen fassen mehrere Bewertungen in einer einzigen Frage zusammen. Sie sparen dadurch erheblich Platz und Zeit, verlangen den Befragten im Gegenzug aber deutlich mehr Konzentration ab als eine einfache Auswahlfrage.
Beide Typen haben ihre eigene Falle, und in beiden Fällen liegt sie im Umfang. Eine Matrix mit fünf Zeilen wird sorgfältig ausgefüllt, eine mit zwanzig Zeilen wird irgendwann nur noch abgehakt.
Die Matrixfrage für Itembatterien
Eine Matrixfrage stellt mehrere Aussagen untereinander und bewertet sie alle auf derselben Skala. Der Fragetext steht einmal darüber, die Skala einmal daneben, und die Befragten arbeiten Zeile für Zeile ab. Für zusammengehörige Aussagen ist das die effizienteste Form, weil der Bewertungsmassstab nur einmal aufgebaut werden muss und dann für alle Zeilen gilt.
Warum die Matrix bessere Daten liefert als «Alles Zutreffende ankreuzen»
Für Listen mit mehreren zutreffenden Antworten gibt es zwei Bauweisen, und sie sind nicht gleichwertig. Bei der bequemen Variante hakt man alles Zutreffende in einer Liste ab (Check-All), bei der aufwendigeren beantwortet man jede Zeile einzeln mit Ja oder Nein (Forced Choice). Lenzner und Menold (2015) empfehlen die zweite Form ausdrücklich, weil sie Reihenfolge-Effekte vermeidet; die zugrunde liegende Untersuchung von Smyth und Kolleginnen (2006) führt zusätzlich eine gründlichere Verarbeitung der Vorgaben an.
Praktisch heisst das: Wenn dir an sauberen Anteilen gelegen ist, baust du die Mehrfachauswahl als Matrix mit Ja-Nein-Spalten und nicht als Häkchenliste. Der Preis sind ein paar Sekunden mehr pro Frage, der Gewinn sind Werte, die nicht von der Sortierung deiner Liste abhängen.
Die Rangfolgefrage für echte Prioritäten
Eine Rangfolgefrage lässt Objekte in eine Reihenfolge bringen, statt sie einzeln zu bewerten. Sie erzwingt eine Entscheidung, die eine Skala nicht erzwingt: Wer fünf Kriterien alle als «sehr wichtig» bewertet, hat nichts gesagt, wer sie in eine Rangfolge bringt, schon. Ihre Grenze liegt bei etwa fünf bis sieben Objekten, darüber wird das Sortieren zur Fleissarbeit und die hinteren Plätze werden geraten.
⚠️ Achtung
Matrixfragen brechen auf schmalen Bildschirmen als Erstes. Da ein grosser Teil der Teilnahmen vom Handy kommt, gilt als Obergrenze: höchstens fünf Antwortspalten und höchstens acht Zeilen. Wird es mehr, teilst du die Matrix in zwei Fragen auf, statt die Schrift kleiner zu machen.
Offene Fragen und halboffene Fragen
Offene Fragen geben keine Antwortmöglichkeiten vor, sondern nur den Fragetext und ein leeres Feld. Sie liefern damit als einziger Fragetyp Inhalte, an die beim Bauen des Fragebogens niemand gedacht hat, und genau darin liegt ihr Wert.
Der Basler Leitfaden ist an dieser Stelle nüchtern: Offene Fragen sollen gezielt eingesetzt und nur verwendet werden, wenn die Antworten einen echten Mehrwert bringen, denn ihre Auswertung ist aufwendig. Das ist keine Ablehnung, sondern eine Aufforderung, vor jeder offenen Frage zu prüfen, was mit den Antworten tatsächlich geschehen soll.
Wann sich eine offene Frage lohnt
Züll (2015) nennt in den GESIS Survey Guidelines zu offenen Fragen vier Fälle: wenn du Wissen abfragst und Raten ausschliessen willst, wenn du das Themenfeld noch nicht überblickst, wenn die Liste möglicher Antworten unüberschaubar wäre, und wenn du vermeiden möchtest, die Befragten durch Vorgaben zu lenken. Nebenbei räumt derselbe Text mit einem Vorurteil auf: In der Regel sind alle Befragten in der Lage, offene Fragen zu beantworten. Wie das Kodieren abläuft, steht im Beitrag zu offenen Fragen.
Die halboffene Frage als Mischform
Eine halboffene Frage gibt eine Antwortliste vor und ergänzt sie um ein freies Feld, meist als «Sonstiges, und zwar». Sie ist der Normalfall bei allen inhaltlichen Fragen, deren Antworten sich nicht vollständig auflisten lassen, und sie verhindert den Schaden, der ohne diese Kategorie entsteht: Fehlt eine naheliegende Antwort, bleibt die Frage entweder unbeantwortet oder es wird willkürlich etwas angekreuzt. Den Vergleich der drei Formen führt der Beitrag zu offenen und geschlossenen Fragen aus.
Wie die Feldgrösse die Antwortlänge steuert
Die Grösse des Textfelds beeinflusst, wie ausführlich geantwortet wird, und kaum jemand setzt das bewusst ein. Züll (2015) verweist auf Studien, nach denen die vorgesehene Feldgrösse in selbst auszufüllenden Fragebögen positiv mit Länge und Ausführlichkeit der Antworten zusammenhängt. Ein kleines Feld signalisiert «Stichwort genügt», ein grosses lädt zum Ausformulieren ein. Wenn du Stichworte willst, mach das Feld klein und schreib die erwartete Antwortform dazu.
Filterfragen und Fragen zur Person
Filterfragen und Fragen zur Person gehören zur zweiten Achse aus dem dritten Kapitel: Sie sind über ihre Funktion im Fragebogen definiert, nicht über ihr Antwortformat. Beide erheben selten das, worum es dir eigentlich geht, und ohne sie funktioniert trotzdem kaum ein Bogen.
Nehmen wir eine Kursevaluation. Ob jemand die Betreuung während der Abschlussarbeit beurteilen kann, hängt davon ab, ob diese Arbeit überhaupt schon geschrieben wurde, und diese Vorfrage entscheidet über den weiteren Weg durch den Fragebogen.
Filter halten den Bogen kurz
Eine Filterfrage entscheidet, welche Fragen als Nächstes gestellt werden. Der Basler Leitfaden begründet ihren Einsatz vor allem mit der Länge: Damit der Fragebogen so knapp wie möglich bleibt, soll möglichst mit Filtern gearbeitet werden. Einzelne Fragen oder Optionen sind dann ausgeblendet und werden nur aktiviert, wenn vorgängig definierte Antworten gegeben wurden, etwa eine Nachfrage nach Gründen, die nur bei mehrheitlich negativer Bewertung erscheint.
Lenzner und Menold (2015) ergänzen einen Unterschied, der bei der Planung leicht untergeht: In computergestützten Befragungen sind Filterführungen einfach umzusetzen und bereiten den Befragten keine Schwierigkeiten, bei schriftlich-postalischen Befragungen dagegen sollten zahlreiche und komplexe Filter vermieden werden.
Angaben zur Person nur bei echtem Bedarf
Fragen zur Person erheben Merkmale wie Alter, Abschluss oder berufliche Tätigkeit, damit sich die Ergebnisse nach Gruppen auswerten lassen. Der Leitfaden mahnt hier zur Zurückhaltung und nennt einen Grund, der bei Weiterbildungsangeboten besonders zählt: Bei kleinen Gruppen ist die Anonymität unter Umständen nicht mehr gewährleistet. In einer CAS-Kohorte mit zwölf Personen macht die Kombination aus Alter, Beruf und Geschlecht eine einzelne Person leicht identifizierbar. Welche Formulierungen sich bewährt haben, steht im Beitrag zu soziodemografischen Daten im Fragebogen.
Kontroll- und Abschlussfragen
Kontrollfragen prüfen, ob jemand aufmerksam antwortet, etwa indem sie an einer Stelle eine bestimmte Antwort verlangen. Sie sind bei langen Bögen sinnvoll und bei kurzen überflüssig. Die Abschlussfrage wiederum ist fast immer offen und lautet sinngemäss, ob es noch etwas gibt, das die Person loswerden möchte. Züll (2015) beschreibt sie ausdrücklich auch als Mittel zur Motivation, weil sie den Befragten nach vielen Vorgaben einmal das Wort überlässt.
Welcher Fragetyp passt zu welchem Ziel?
Die Wahl des Fragetyps folgt aus der Aussage, die du am Ende treffen willst, nicht umgekehrt. Wer weiss, welcher Satz später im Ergebnisteil stehen soll, hat die Entscheidung meist schon getroffen, ohne es zu merken.
Die folgende Übersicht liest sich von links nach rechts: Du suchst dein Ziel in der ersten Spalte und findest daneben den passenden Typ und den Grund dafür. Bei mehreren Zielen gilt die Zeile, die deiner Forschungsfrage am nächsten kommt.
| Dein Ziel | Passender Fragetyp | Der Grund dafür |
|---|---|---|
| Anteile berichten, die sich zu 100 Prozent addieren | Single Choice | jede Person zählt genau einmal |
| Verbreitung mehrerer Merkmale messen | Matrix mit Ja und Nein | keine Reihenfolge-Effekte |
| Zufriedenheit oder Zustimmung abstufen | Skalafrage mit fünf Stufen | ungerade Stufenzahl lässt die Mitte zu |
| Fehlende Beurteilbarkeit sichtbar machen | Skalafrage plus Enthaltung | trennt Unentschiedenheit von Unkenntnis |
| Eine Einstellung über mehrere Aussagen messen | Likert-Skala | mehrere Items ergeben ein Instrument |
| Prioritäten sichtbar machen | Rangfolgefrage | erzwingt eine Entscheidung |
| Gründe hinter einer Bewertung verstehen | Freitext als Anschlussfrage | die Vorgabeliste kennt den Grund nicht |
| Ein unbekanntes Themenfeld erkunden | offene Frage | Kategorien lassen sich noch nicht bilden |
| Teilgruppen unterschiedlich weiterleiten | Filterfrage | steuert den weiteren Weg im Bogen |
Eine Regel steht über allen Zeilen: Erst kommt die Auswertung, dann der Fragetyp. Wer vorab aufschreibt, welche Tabelle oder welches Diagramm am Ende entstehen soll, merkt sofort, ob die geplante Frage diese Auswertung überhaupt hergibt. Zehn Minuten Planung sparen dir an dieser Stelle später einen ganzen Nachmittag!
Typische Fehler bei der Wahl des Fragetyps
Die häufigsten Probleme in Fragebögen entstehen nicht durch schlechte Fragetexte, sondern durch einen Fragetyp, der nicht zum Inhalt passt. Vier davon begegnen uns immer wieder, und alle vier lassen sich vor dem Versand in wenigen Minuten beheben.
Was sie gemeinsam haben: Sie fallen erst in der Auswertung auf, und dann ist es zu spät. Ein Fragebogen, der bereits bei zweihundert Personen war, lässt sich nicht mehr korrigieren.
Fehler 1: Zwei Items in einer Frage
Eine Frage nach der Verständlichkeit und dem Tempo einer Lehrveranstaltung liefert eine Zahl, die für beides stehen könnte. Wer den Kurs verständlich, aber zu schnell fand, kann nicht antworten, und wer es trotzdem tut, erzeugt einen Wert, den niemand mehr zuordnen kann. Die Regel aus dem Basler Leitfaden lautet deshalb schlicht: nur ein Item pro Frage. Zwei Fragen kosten fünf Sekunden mehr und retten die Auswertung.
Fehler 2: Die Kategorien überschneiden sich
Antwortkategorien müssen erschöpfend und überschneidungsfrei sein, sonst lässt sich eine Antwort nicht eindeutig zuordnen. Der Klassiker sind Zeit- und Altersspannen: Wer bei «zwischen 6:00 und 6:30 Uhr» und «zwischen 6:30 und 7:00 Uhr» um genau halb sieben aufsteht, kann beide Felder wählen. Die Lösung ist unspektakulär und wird trotzdem selten umgesetzt, nämlich die Grenzen auf 6:29 und 6:59 zu ziehen. Weitere Regeln stehen im Beitrag zu geschlossenen Fragen.
Fehler 3: Die Enthaltung sitzt in der Mitte der Skala
Wer «kann ich nicht beurteilen» als mittlere Stufe einer fünfstufigen Skala einbaut, macht aus zwei verschiedenen Aussagen eine einzige Zahl. Unentschiedenheit und fehlende Beurteilbarkeit landen dann im selben Balken, und in der Auswertung sieht eine Frage, die niemand beantworten konnte, genauso aus wie eine, bei der alle unschlüssig waren. Die Enthaltung gehört als zusätzliches Kästchen neben die Skala.
Fehler 4: Die Skala wechselt mitten im Bogen
Wechselnde Skalen sind der unauffälligste der vier Fehler und einer der teuersten. Wenn Block eins mit vier Stufen arbeitet, Block zwei mit fünf und Block drei die Richtung umdreht, sind die Antworten untereinander nicht mehr vergleichbar, und ein Teil der Befragten wird die Umstellung überlesen. Leg dich vor dem Schreiben auf eine Skala fest und zieh sie durch, auch dann, wenn eine einzelne Frage mit sieben Stufen etwas genauer wäre.
Fazit
Der Fragetyp ist keine Formsache am Ende des Schreibens, sondern die erste Festlegung darüber, welche Aussagen dein Fragebogen später überhaupt zulässt. Wer sich die zwei Achsen merkt, also Antwortformat und Funktion im Bogen, trifft diese Entscheidung in zwei kleinen Schritten statt in einem grossen. Und wer die Enthaltung neben die Skala stellt statt hinein, hat einen der teuersten Auswertungsfehler bereits vermieden.
Den Fragetyp wählst du nicht beim Schreiben der Frage, sondern beim Planen der Auswertung.
Wie es weitergeht
- Du baust gerade deinen Bogen auf? Fragebogen erstellen: Anleitung, Aufbau und Beispiel
- Du willst offen und geschlossen gegeneinander abwägen? Offene und geschlossene Fragen im Vergleich
- Du suchst fertige Formulierungen zum Abschauen? Vorlagen, Beispiele und Muster für Fragebögen
- Du bist dir beim Unterschied Umfrage und Fragebogen unsicher? Umfrage und Fragebogen: die Unterschiede
Alle Fragetypen einmal ausprobieren?
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