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Befragung: Definition, Arten und wann sie obligatorisch ist

Wir zeigen dir, wie sich eine Befragung von Beobachtung und Experiment abgrenzt, welche Arten und Standardisierungsgrade es gibt und welche Schweizer Erhebungen obligatorisch sind.

Autorin bei empirio.ai - Maria Malzewvon Maria MalzewAktualisiert am 26. September 2026Lesezeit 11 Min.

Mindestens 200'000 Menschen in der Schweiz werden jedes Jahr für eine Befragung gezogen, bei der sie nicht ablehnen dürfen. Bei deiner eigenen Umfrage für die Bachelorarbeit ist das anders: Dort darf jede Person jederzeit abbrechen, ohne einen Grund zu nennen.

Eine Befragung ist eine Methode der Datenerhebung, bei der Menschen mündlich oder schriftlich Auskunft über ihre Meinungen, Einstellungen, Kenntnisse oder ihr Verhalten geben, und sie kommt dort zum Zug, wo sich der Gegenstand nicht beobachten lässt, sondern allein über Sprache zugänglich wird. Am Ende weisst du, welche Befragungsart zu deiner Fragestellung passt und woran du merkst, dass die Methode die falsche ist.


📌 Das Wichtigste im Überblick

  • Eine Befragung erhebt Daten über Sprache, nicht über Beobachtung.
  • Standardisiert, halbstandardisiert, nichtstandardisiert: drei Grade, drei Auswertungswege.
  • Quantitativ und standardisiert bedeuten nicht dasselbe.
  • Die Strukturerhebung ist obligatorisch, die SAKE ausdrücklich freiwillig.
  • Antworten können verzerrt sein, auch bei ehrlichen Teilnehmenden.

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Befragung: Definition und Abgrenzung zu anderen Methoden

Eine Befragung ist ein geplanter und zielgerichteter Kommunikationsprozess, bei dem eine forschende Seite Fragen stellt und eine befragte Seite antwortet, damit sich aus den Antworten systematisch Daten gewinnen lassen. In den Sozial-, Human- und Wirtschaftswissenschaften ist die Befragung die am häufigsten eingesetzte Erhebungsmethode.

Warum überhaupt fragen und nicht einfach hinschauen? In der empirischen Forschung gilt die Faustregel, dass die Befragung immer dann an die Reihe kommt, wenn das Interessierende nicht beobachtet, sondern nur über Sprache erfasst werden kann. Meinungen, Einstellungen, Werte und Emotionen gehören dazu. Wie oft jemand mit dem öffentlichen Verkehr zur Hochschule fährt, lässt sich auszählen. Warum jemand lieber das Velo nimmt, muss man erfragen.

Übersicht der vier empirischen Erhebungsmethoden Befragung, Beobachtung, Experiment und Inhaltsanalyse

Neben der Befragung stehen drei weitere Wege der Datenerhebung zur Wahl. Welcher passt, entscheidet nicht der Aufwand, sondern die Frage danach, wo die gesuchte Information überhaupt sitzt.

MethodeWas sie erfasstWo sie an ihre Grenze stösst
BefragungMeinungen, Einstellungen, Motive, berichtetes Verhaltenalles, was Befragte nicht wissen oder nicht sagen wollen
Beobachtungtatsächliches Verhalten in einer SituationGründe und Absichten hinter dem Verhalten
ExperimentWirkung einer gezielt veränderten BedingungAlltagsnähe, weil die Bedingungen künstlich gesetzt sind
InhaltsanalyseMerkmale vorhandener Texte, Bilder oder Videosalles, was nie aufgezeichnet wurde

Die Aufstellung macht den wichtigsten Vorbehalt gegenüber jeder Befragung sichtbar: Eine Befragung liefert Selbstauskünfte, keine Messwerte. Menschen können sich irren, unvollständig erinnern oder sich zu positiv einschätzen. Subjektive Einschätzungen und objektive Sachverhalte dürfen deshalb nicht gleichgesetzt werden.

Eine Befragung misst nicht, was Menschen tun. Sie erfasst, was Menschen darüber sagen.

Befragungstypen: quantitative und qualitative Befragung

Befragungen lassen sich in zwei grosse Typen einteilen: die quantitative Befragung, die viele Menschen mit denselben Fragen erreicht und statistisch ausgewertet wird, und die qualitative Befragung, die wenige Menschen ausführlich zu Wort kommen lässt. Der Unterschied liegt nicht in der Zahl der Teilnehmenden allein, sondern im Erkenntnisziel.

Eine quantitative Befragung prüft Annahmen, die vorher feststehen. Eine qualitative Befragung sucht Zusammenhänge, die noch niemand formuliert hat. Wer schon eine Hypothese hat, zählt. Wer noch keine hat, hört zu. Beide Typen lassen sich kombinieren, etwa indem einige Interviews die Fragen für den späteren Fragebogen liefern.

Quantitative Befragung: messen und vergleichen

Die quantitative Befragung arbeitet mit einem für alle gleichen Fragebogen, meist online, schriftlich, telefonisch oder im persönlichen Gespräch. Gefragt wird überwiegend mit geschlossenen Fragen, also mit vorgegebenen Antwortmöglichkeiten. Weil die Bedingungen für alle Befragten gleich bleiben, lassen sich die Antworten zusammenzählen, in Gruppen aufteilen und miteinander vergleichen. Wie eine quantitative Befragung im Detail aufgebaut ist, steht in einem eigenen Beitrag.

Was die quantitative Befragung leistet

  • Sie liefert Zahlen, die sich statistisch prüfen lassen.
  • Sie erreicht auch grosse Gruppen zu vertretbaren Kosten.
  • Sie hält die Befragungssituation für alle konstant.
  • Sie erlaubt einen Vergleich über mehrere Erhebungszeitpunkte.

Qualitative Befragung: verstehen und rekonstruieren

Die qualitative Befragung läuft als Gespräch, meist als Leitfaden-, Experten- oder narratives Interview und oft mit einer einstelligen Zahl an Teilnehmenden. Die Fragen sind offen, und die befragte Person entscheidet mit, welche Aspekte sie ausführt. Genau darin liegt der Ertrag: Was jemand von sich aus betont oder auslässt, ist selbst schon ein Befund. Die Auswertung dieser Gespräche beschreibt der Beitrag zur qualitativen Befragung.

Was die qualitative Befragung leistet

  • Sie erschliesst Themen, zu denen es noch keine Theorie gibt.
  • Sie erlaubt Nachfragen im laufenden Gespräch.
  • Sie macht Begründungen und Widersprüche sichtbar.
  • Sie kommt mit wenigen, gezielt ausgewählten Fällen aus.

Standardisierungsgrad: standardisiert, halbstandardisiert oder offen

Der Standardisierungsgrad einer Befragung beschreibt, wie stark Wortlaut und Reihenfolge der Fragen vorher festgelegt sind. Die Methodenlehre unterscheidet drei Grade, und diese Entscheidung trifft das Forschungsdesign, nicht die befragende Person im Gespräch.

GradWie die Fragen laufenWofür der Grad taugt
StandardisiertWortlaut, Reihenfolge und Antwortvorgaben sind für alle gleichHypothesen prüfen, statistisch auswerten
Halbstandardisiertein Leitfaden gibt Themen und Reihenfolge vor, die Formulierung ist freiFachleute befragen, schnell zu bekannten Punkten kommen
Nichtstandardisiertnur das Thema steht fest, der Gesprächsverlauf entsteht im InterviewTheorien bilden, unbekanntes Terrain erschliessen

Häufig liest man, standardisiert sei ein anderes Wort für quantitativ. Das stimmt so nicht. Der Standardisierungsgrad und die Frage nach Zahlen oder Text sind zwei getrennte Achsen. Das halbstandardisierte Leitfadeninterview ist dafür das beste Beispiel: Es folgt einem festen Themenplan und wertet trotzdem Text aus, nicht Zahlen.

Der praktische Nutzen dieser Unterscheidung zeigt sich beim Schreiben des Instruments. Ein standardisierter Fragebogen muss vor dem ersten Versand fertig sein, weil jede spätere Änderung die Vergleichbarkeit zerstört. Ein Leitfaden darf zwischen dem zweiten und dritten Interview noch wachsen, solange die Änderung im Methodenteil dokumentiert wird. Weiterführende Hinweise stehen im Beitrag zu Objektivität, Reliabilität und Validität.

Befragungsarten: nach Form, Inhalt, Themenzahl und Häufigkeit

Befragungsarten ordnen sich entlang von vier Achsen: dem Kanal, über den gefragt wird, der Machart der Frage, der Zahl der Themen im Fragebogen und dem Takt, in dem dieselbe Erhebung wiederkehrt.

Die vier Achsen liegen nebeneinander, nicht gegeneinander. Eine Erhebung kann telefonisch laufen, direkt fragen, ein einziges Thema behandeln und dennoch als Panel angelegt sein. Wer den Methodenteil einer Bachelorarbeit schreibt, nennt deshalb alle vier, sonst bleibt offen, wie die Befragung aufgebaut war.

Befragungsformen: persönlich, schriftlich, telefonisch, online

Die Befragungsform beschreibt, über welchen Kanal die Frage bei der befragten Person ankommt. Persönlich meint ein Interview von Angesicht zu Angesicht, schriftlich einen Papierfragebogen auf dem Postweg, telefonisch einen Anruf und online einen Link im Browser. Drei Grössen entscheiden, welche Form trägt: die zumutbare Länge des Fragebogens, das Budget und die Zeit bis zum Resultat.

BefragungsformWas sie zulässtBudget und Zeit
Persönliche Befragunglange Fragebögen, dazu Bild und Video als Reizteuerste Variante, dauert am längsten
Schriftliche Befragungnur knappe Fragebögen, Rückfragen entfallengünstig, dauert lange
Telefonische Befragungmittlere Länge, nichts zum Anschauenmittleres Budget, rasches Resultat
Online-Befragungknappe Fragebögen, Bild und Video problemlosgünstig, rasches Resultat

Aus der Tabelle wird klar, weshalb im Studium fast immer die Online-Befragung gewählt wird: Nur sie bringt ein kleines Budget, ein rasches Resultat und Bildmaterial zusammen. Bezahlt wird das mit der Reichweite, denn wer nicht ins Netz kommt, steht in keiner einzigen Antwortzeile. Was die digitale Variante kann und wo sie endet, steht im Beitrag zur Online-Befragung.

Tipp

Lass den Teilnehmenden die Wahl des Wegs, wenn eine Gruppe sonst herausfällt. Die Schweizer Strukturerhebung macht es genau so: Wer angeschrieben wird, kann online antworten oder den Papierfragebogen ausfüllen. Damit fällt niemand heraus, nur weil er nicht am Bildschirm antworten will.

Befragungsarten nach dem Inhalt: direkte und indirekte Fragestellung

Die zweite Achse betrifft die Machart der Frage. Eine direkte Fragestellung spricht die Sache unverblümt an, etwa: „Wie oft bist du im vergangenen Semester nicht zur Vorlesung gegangen?“ Eine indirekte Fragestellung kleidet dieselbe Sache in eine Form, die das Antworten erleichtert, beispielsweise als Frage nach Mitstudierenden oder als Bild, das die befragte Person deuten soll.

Dieser Umweg hat einen nüchternen Zweck. Geht es um etwas Unangenehmes oder um einen Normbruch, fällt die ehrliche Antwort auf eine direkte Frage oft aus. Indirekt gestellt, treten zudem Zusammenhänge hervor, die der befragten Person selbst verborgen bleiben. Bezahlt wird das bei der Auswertung, denn eine indirekte Antwort verlangt eine Deutung und jede Deutung lässt sich bestreiten. In einer Bachelorarbeit bleibt die direkte Frage deshalb der Regelfall.

Befragungsarten nach Themenzahl und Häufigkeit: Omnibus, Panel und Welle

Eine Einthemenbefragung behandelt genau ein Thema, eine Omnibusbefragung bündelt mehrere Auftraggeber in einem Fragebogen und teilt so die Kosten. Nach der Häufigkeit trennt die Marktforschung die Einmalbefragung von der Wiederholungsbefragung.

Die Wiederholungsbefragung zerfällt noch einmal in zwei Fälle: Bei der Panelbefragung werden immer dieselben Personen gefragt, bei der Wellenbefragung jedes Mal andere. Der Unterschied ist folgenreich, denn nur ein Panel zeigt Veränderungen bei einzelnen Personen. Eine Welle zeigt Veränderungen im Durchschnitt.

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Ist die Teilnahme an einer Befragung freiwillig?

Die Teilnahme an einer Befragung ist in der Schweiz meistens freiwillig, aber nicht immer. Beim Bundesamt für Statistik hängt es an der einzelnen Erhebung: Die Strukturerhebung ist obligatorisch, die Schweizerische Arbeitskräfteerhebung SAKE ist ausdrücklich freiwillig.

Die Strukturerhebung ist der jährliche Teil der Volkszählung. Gezogen werden mindestens 200'000 Personen ab 15 Jahren, die in einem Privathaushalt leben, Stichtag ist jeweils der 31. Dezember. Kantone und Städte können die Stichprobe auf eigene Kosten aufstocken. Das Obligatorium steht laut Bundesamt für Statistik in Artikel 10 des Volkszählungsgesetzes. Bei anderen Bundeserhebungen wird die Auskunftspflicht nicht pauschal geregelt, sondern erhebungsweise im Anhang der Statistikerhebungsverordnung festgelegt.

Achtung

Obligatorisch heisst in der Schweiz nicht automatisch: Busse. Das Volkszählungsgesetz sieht für die Strukturerhebung laut Bundesamt für Statistik keine Bussen vor, sondern eine Aufwandgebühr für den Mehraufwand durch Erinnerungsschreiben und Rückfragen. Weil die Teilnahmebereitschaft hoch ist, wurden bisher keine Gebühren erhoben (Stand: August 2026).

Für deine eigene Befragung gilt keine dieser Regeln. Eine Erhebung für eine Bachelorarbeit, einen Verein oder ein Unternehmen ist immer freiwillig, und das gehört auch in den Einladungstext. Dazu kommt die Aufklärung darüber, welche Daten bearbeitet werden und wie lange, denn das revidierte Datenschutzgesetz verlangt Transparenz vor der Erhebung. Mehr dazu steht im Beitrag zum Datenschutz bei Umfragen.

Quelle: Bundesamt für Statistik, Strukturerhebung (abgerufen am 23.08.2026).

Typische Fehler bei Befragungen

Die meisten Schwächen einer Befragung entstehen nicht in der Auswertung, sondern viel früher: beim Formulieren der Fragen und bei der Entscheidung, wen man überhaupt anspricht. Der Fachbegriff dafür lautet Validität. Gemeint ist die unangenehme Möglichkeit, dass eine Erhebung sauber durchgeführt wird und trotzdem etwas anderes misst, als in der Forschungsfrage steht.

Fünf Muster begegnen einem dabei immer wieder. Keines davon lässt sich nachträglich reparieren, alle fünf lassen sich vorher ausschalten.

Soziale Erwünschtheit verschiebt die Antworten

Wer befragt wird, antwortet gern so, wie es gut aussieht. Bei Themen wie Alkohol, Bewegung, Spenden oder Recycling fällt das Selbstbild deshalb verlässlich schöner aus als der Alltag. Zusicherung von Anonymität dämpft den Effekt, weil sich keine Antwort mehr einer Person zuordnen lässt. Eine Mitarbeitendenbefragung, deren Auswertung die Führungsebene Zeile für Zeile lesen könnte, erhebt hauptsächlich Zurückhaltung.

Der Auswahlrahmen passt nicht zur Grundgesamtheit

Bevor jemand befragt werden kann, braucht es eine Liste, aus der gezogen wird. Das Bundesamt für Statistik zieht seine Stichproben aus den harmonisierten Einwohnerregistern, weil dort praktisch die gesamte Wohnbevölkerung erfasst ist. Wer stattdessen über einen Instagram-Aufruf oder einen Aushang am Institut rekrutiert, zieht aus einer viel schmaleren Liste und erfährt am Ende vor allem etwas über die eigene Blase. Der Weg der Kontaktaufnahme gehört deshalb in den Methodenteil, samt der Frage, wer dabei systematisch fehlt.

Fragen zur Vergangenheit treffen auf lückenhafte Erinnerung

Jede Rückblickfrage unterstellt, dass die befragte Person sich korrekt erinnert. Bei einem Umzug oder einer Operation funktioniert das, bei Routinen fast nie. Die Frage, wie oft jemand im vergangenen Jahr den öffentlichen Verkehr genutzt hat, liefert einen geschätzten Wert, keinen gemessenen. Kurze Zeiträume und harte Bezugspunkte helfen, etwa „in den vergangenen sieben Tagen“ statt „üblicherweise“.

Fragereihenfolge und Antwortvorgaben steuern das Ergebnis

Reihenfolge und Auswahl der vorgegebenen Antworten wirken systematisch auf das Antwortverhalten. Eine Frage nach der Gesamtzufriedenheit fällt anders aus, wenn direkt davor fünf Fragen über Ärgernisse standen. Und fehlt in einer Liste ausgerechnet die zutreffende Option, kreuzt die befragte Person die nächstbeste an. Die Auswertung zeigt dann ein Ergebnis, das nie jemand gemeint hat. Der Beitrag zum Fragebogen erstellen behandelt das ausführlich.

Die Mehrsprachigkeit wird zu spät mitgedacht

In der Schweiz kommt ein Problem dazu, das anderswo selten auftaucht: Eine Befragung, die nur auf Deutsch läuft, schneidet die französisch- und italienischsprachigen Landesteile ab. Das Bundesamt für Statistik führt seine Erhebungen deshalb in mehreren Landessprachen. Wer national auswerten will, plant die Übersetzung vor dem Pretest ein, nicht danach, denn eine nachträglich übersetzte Frage ist eine andere Frage.

Fazit

Eine Befragung ist stark, wenn es um Meinungen, Gründe und Einschätzungen geht, und schwach überall dort, wo sich etwas direkt messen lässt. Bevor du den ersten Fragebogen schreibst, entscheide deshalb zwei Dinge in dieser Reihenfolge: ob die Befragung überhaupt die passende Methode ist, und welchen Standardisierungsgrad deine Fragestellung verträgt. Alles Weitere, von der Form bis zur Auswertung, folgt aus diesen beiden Antworten.

Wie es weitergeht


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Häufig gestellte Fragen

Befragung bedeutet, dass Menschen zu ihren Meinungen, Einstellungen, Kenntnissen oder ihrem Verhalten Auskunft geben, mündlich oder schriftlich. Die Befragung ist damit eine Methode der Datenerhebung und die am häufigsten genutzte Methode der empirischen Sozialforschung. Sie kommt dort zum Einsatz, wo sich der Gegenstand nicht beobachten lässt, sondern nur über Sprache zugänglich ist.

Befragungsarten lassen sich nach vier Achsen einteilen: nach der Form (persönlich, schriftlich, telefonisch, online), nach dem Inhalt der Fragestellung (direkt oder indirekt), nach der Zahl der Themen (Einthemen- oder Omnibusbefragung) und nach der Häufigkeit (Einmal-, Panel- oder Wellenbefragung). Eine einzelne Erhebung trägt dabei immer alle vier Merkmale gleichzeitig.

Eine standardisierte Befragung stellt allen Teilnehmenden dieselben Fragen im selben Wortlaut, in derselben Reihenfolge und mit denselben Antwortvorgaben. Dadurch bleibt die Befragungssituation für alle gleich und die Antworten lassen sich statistisch auswerten und vergleichen. Standardisierte Befragungen zählen zur hypothesenprüfenden Forschung.

Eine schriftliche Befragung ist eine Erhebung, bei der Teilnehmende einen Fragebogen selbst ausfüllen, ohne dass eine befragende Person anwesend ist. Die Schweizer Strukturerhebung läuft genau so: Wer angeschrieben wird, kann online antworten oder den Papierfragebogen ausfüllen. Schriftliche Befragungen sind günstig und schnell, lassen aber keine Nachfragen zu.

Eine Befragung erreicht Informationen, die sonst unzugänglich bleiben: Meinungen, Motive, Einstellungen und Bewertungen. Sie ist im Vergleich zu Beobachtung und Experiment schnell und günstig, lässt sich auf grosse Gruppen ausweiten und kann wiederholt werden, um Veränderungen über die Zeit sichtbar zu machen. Der Aufwand steckt vor allem in der Vorbereitung.

Das kommt auf die Erhebung an. Die Strukturerhebung des Bundesamts für Statistik ist obligatorisch, das Obligatorium steht in Artikel 10 des Volkszählungsgesetzes. Die Schweizerische Arbeitskräfteerhebung SAKE ist dagegen ausdrücklich freiwillig. Bei privaten, wissenschaftlichen und kommerziellen Umfragen ist die Teilnahme immer freiwillig (Stand: August 2026).

In der Psychologie ist die Befragung eine Methode, um Erleben, Einstellungen und Selbsteinschätzungen zu erfassen, meist über standardisierte Fragebögen oder Interviews. Sie liefert Selbstauskünfte, keine objektiven Messwerte, weshalb sie oft mit Verhaltensbeobachtung oder Reaktionszeitmessungen kombiniert wird. Gütekriterien wie Objektivität, Reliabilität und Validität entscheiden über die Aussagekraft.

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