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Datenerhebung: Methoden, Ablauf inkl. Beispiel

So wählst du die Erhebungsmethode, die zu deiner Forschungsfrage passt, und planst die Datenerhebung so, dass die Feldzeit vor dem Abgabetermin zu Ende ist.

Autorin bei empirio.ai - Maria Malzewvon Maria MalzewAktualisiert am 12. September 2026Lesezeit 14 Min.

Stell dir vor, deine Forschungsfrage steht, die Hypothesen sind formuliert, und in der Sprechstunde fragt deine Betreuung: „Und woher kommen Ihre Daten?“ Genau dort entscheidet sich, ob deine Arbeit am Ende trägt oder ob im Auswertungsteil Zahlen stehen, die zur Frage gar nicht passen.

Datenerhebung ist der Schritt, in dem du deine Forschungsfrage in messbare Merkmale übersetzt, eine Methode wie Befragung, Beobachtung, Inhaltsanalyse oder Experiment auswählst und die Daten anschließend nach vorher notierten Regeln sammelst, damit sie sich auswerten und von anderen nachvollziehen lassen. Am Ende dieses Beitrags hast du eine begründete Methode, einen Zeitplan mit Puffer und einen Methodenteil, den deine Betreuung ohne Rückfragen liest.


📌 Das Wichtigste im Überblick

  • Datenerhebung meint planvolles Sammeln von Daten, noch keine Auswertung.
  • Über die Methode entscheidet deine Forschungsfrage, nicht dein Kalender.
  • Raithel (2008) nennt die Befragung das dominante Erhebungsverfahren.
  • Für 95 Prozent Sicherheit und ±5 Prozentpunkte genügen 385 Antworten.
  • Ohne Mitschrift der Feldphase fehlt dir später der Methodenteil.

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Datenerhebung: Definition und Abgrenzung zur Auswertung

Datenerhebung ist der Abschnitt eines Forschungsprozesses, in dem Daten nach vorher festgelegten Regeln gesammelt und gemessen werden, damit sie den untersuchten Gegenstand so genau und so wenig verzerrt wie möglich abbilden. Was danach mit diesen Daten geschieht, zählt bereits zur Auswertung.

Die Trennung von Erhebung und Auswertung klingt nach Wortklauberei, sie ist aber der häufigste Anlass für Rückfragen bei der Beurteilung. Erheben heißt sammeln, auswerten heißt rechnen und deuten. Beides bekommt in deiner Arbeit ein eigenes Kapitel, und was du vorne schon interpretierst, fehlt dir hinten. Wie es danach weitergeht, zeigt unser Beitrag zu den Auswertungsmethoden in der empirischen Forschung.

Im Kern jeder Erhebung steht das Messen. Jürgen Raithel (2008) formuliert es in seinem Praxiskurs zur quantitativen Forschung so: Messen sei „die systematische Zuordnung von Zahlen (Messwerten) zu Objekten“ nach festgelegten Regeln. Die Regeln sind der entscheidende Teil dieses Satzes. Fehlen sie, hast du Eindrücke gesammelt und keine Daten.

Primärdaten und Sekundärdaten unterscheiden

Primärdaten erhebst du selbst für deine eigene Fragestellung, etwa mit einem Fragebogen oder einem Interview. Sekundärdaten stammen aus einer fremden Erhebung, die jemand anderes für einen anderen Zweck durchgeführt hat, also amtliche Statistiken oder ein Datensatz aus einem Forschungsdatenarchiv. Für Österreich ist AUSSDA die naheliegende Adresse, das Austrian Social Science Data Archive an der Universität Wien. Im Teaching and Learning Dataverse von AUSSDA liegen Datensätze, die eigens für Lehre und Abschlussarbeiten ausgewählt wurden, darunter der Soziale Survey Österreich (SSÖ) und Module des Mikrozensus.

Beide Wege sind wissenschaftlich anerkannt, und wenn für eine Bachelorarbeit die Zeit knapp ist, schlägt eine saubere Sekundäranalyse fast immer die eigene Erhebung mit 40 Antworten. Einen Haken haben Sekundärdaten allerdings, und der gehört in deinen Methodenteil: Auf die Formulierung der Fragen hattest du keinen Einfluss. Passt die Operationalisierung der fremden Studie nicht zu deinem Begriff, misst der Datensatz etwas anderes als das, wonach du fragst.

Datenerhebungsmethoden im Überblick: sieben Verfahren im Vergleich

Sieben Verfahren tauchen in der Methodenliteratur immer wieder auf und genau diese sieben begegnen dir auch in Seminar- und Abschlussarbeiten. Der Unterschied zwischen ihnen liegt seltener im Aufwand als in der Frage, was am Ende in deiner Datei steht.

Lies die folgende Übersicht am besten von rechts nach links. Die dritte Spalte sagt dir, womit du danach arbeiten musst, und daran hängt, ob deine geplante Auswertung überhaupt möglich ist. Transkripte rechnest du nicht in SPSS und eine Zahlenmatrix beantwortet dir keine Warum-Frage.

MethodeWofür sie taugtWas am Ende vorliegt
Standardisierte BefragungHäufigkeiten und Zusammenhänge messenZahlenmatrix, je Person eine Zeile
LeitfadeninterviewBeweggründe und Deutungen verstehenTranskript als Fließtext
GruppendiskussionMeinungsbildung in der Gruppe mitverfolgenTranskript mit Sprecherwechseln
Strukturierte BeobachtungTatsächliches Handeln statt Selbstauskunft erfassenBeobachtungsbogen mit Codes
InhaltsanalyseVorhandenes Material systematisch erschließenKategoriensystem mit Codierungen
ExperimentUrsache und Wirkung prüfenMesswerte je Versuchsbedingung
SekundäranalyseBestehende Datensätze neu auswertenFertiger Datensatz aus dem Archiv

Qualitativ und standardisiert sind keine Lager, sondern zwei Stellungen derselben Schraube. Bei einer standardisierten Erhebung hören alle Befragten dieselbe Frage in derselben Reihenfolge, bei einer qualitativen richtet sich der Verlauf nach der befragten Person. Willst du zählen, drehst du in die eine Richtung, willst du verstehen, in die andere.

Die Befragung hat in dieser Reihe eine Sonderstellung. Raithel (2008) überschreibt sein Kapitel dazu mit „Die Befragung als dominantes Datenerhebungsverfahren“ und in Abschlussarbeiten bestätigt sich dieser Befund Semester für Semester. Woran du eine wissenschaftliche Befragung erkennst und wo ihre Grenzen liegen, liest du in unserem Beitrag zur Befragung.

Welche Erhebungsmethode zu deiner Forschungsfrage passt

Am Anfang steht die Frage und nicht das Werkzeug. Wer sich zuerst für eine Methode entscheidet und die Forschungsfrage nachträglich daran anpasst, fliegt spätestens auf, wenn die Betreuung nach der Passung von Frage und Design fragt.

Ein kleiner Test hilft weiter: Lies deine Forschungsfrage laut vor und hör auf das Fragewort. Fast immer hängt daran schon das Verfahren.

Illustration einer Studentin, die abwägt, ob Befragung, Beobachtung oder Inhaltsanalyse zu ihrer Forschungsfrage passt

Als starre Regel taugt die Zuordnung von Fragewort zu Verfahren nicht, in studentischen Arbeiten trägt sie trotzdem fast immer:

  • Wie viele, wie oft, wie stark: standardisierte Befragung oder Sekundäranalyse eines Archivdatensatzes.
  • Warum, wie erlebt jemand etwas, welche Bedeutung hat es: Leitfadeninterview oder Gruppendiskussion.
  • Was tun Menschen wirklich: strukturierte Beobachtung, weil Selbstauskunft hier regelmäßig danebenliegt.
  • Was steht in Texten, Postings oder Akten: Inhaltsanalyse mit einem Kategoriensystem.
  • Bewirkt A ein B: Experiment mit mindestens zwei Gruppen.

Bleiben nach diesem Test zwei Verfahren übrig, gibt der Zugang zum Feld den Ausschlag. Für eine Beobachtung im Pflegeheim brauchst du eine Genehmigung und meist ein Ethikvotum, für ein Leitfadeninterview Menschen, die dir 45 Minuten schenken. Eine Online-Befragung läuft dagegen ohne Terminabsprache und erreicht viele Personen gleichzeitig. Wie Methode und Gesamtanlage ineinandergreifen, erklärt unser Beitrag zum Forschungsdesign.

Ethikvotum in Österreich: wer überhaupt einen Antrag stellen darf

Die Zuständigkeit klärst du besser vor der Planung als mitten in der Feldzeit. Die Ethikkommission der Universität Wien begutachtet nach ihrer Seite zur Antragstellung universitätsinterne und drittmittelfinanzierte Projekte, Dissertationen nach absolvierter FÖP sowie Master- und Diplomarbeiten, wobei Master- und Diplomarbeiten ausschließlich über die Betreuung oder das studienrechtliche Organ eingereicht werden können. Bachelorarbeiten stehen nicht auf dieser Liste, bereits begonnene oder abgeschlossene Projekte ebenfalls nicht.

Plane außerdem Vorlauf ein, denn der Antrag muss dort spätestens einen Monat vor dem Sitzungstermin einlangen. Maßgeblich bleibt in jedem Fall die Ordnung deiner eigenen Universität, an anderen Häusern gelten andere Fristen und andere Zuständigkeiten.

💡 Tipp

Leg deine Forschungsfrage und das gewählte Verfahren nebeneinander auf ein Blatt und gib es jemandem aus deinem Jahrgang, der dein Thema nicht kennt. Erklärt diese Person die Verbindung nicht in einem einzigen Satz, stimmt die Passung noch nicht.

Operationalisierung: wie aus einem Begriff eine Frage wird

Operationalisierung heißt, einen theoretischen Begriff in etwas zu übersetzen, das sich wirklich erfassen lässt. Solange „regelmäßiger Nachrichtenkonsum“ nur ein Wort bleibt, misst ihn niemand und zwei Lesende deiner Arbeit verstehen darunter zwei verschiedene Dinge.

Los geht die Operationalisierung schon bei der Formulierung deiner Hypothesen und sie endet erst in der einzelnen Fragebogenzeile. Vier Stufen sind es immer und jede einzelne davon gehört später in deinen Methodenteil.

  1. Begriff definieren. „Regelmäßiger Nachrichtenkonsum“ meint in dieser Arbeit: an fünf oder mehr Tagen pro Woche Nachrichten sehen, hören oder lesen.
  2. Merkmal bestimmen. Als messbares Merkmal dient die Anzahl der Wochentage mit Nachrichtennutzung.
  3. Merkmalsausprägungen festlegen. Der Wertebereich reicht von null bis sieben Tagen.
  4. Indikator formulieren. Im Fragebogen steht: „An wie vielen Tagen nutzt du in einer gewöhnlichen Woche Nachrichten?“

Auf der dritten Stufe entscheidet sich, womit du später rechnen darfst. Eine Anzahl von Tagen ist metrisch, Schulnoten dagegen sind bloß ordinal, denn zwischen einem Sehr gut und einem Gut liegt nicht derselbe Abstand wie zwischen einem Genügend und einem Nicht genügend. Welche Kennzahlen bei welchem Skalenniveau erlaubt sind, legst du also hier fest und nicht erst in der Auswertung.

Was du nicht operationalisiert hast, hast du nicht gemessen. Du hast nur danach gefragt.

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Datenerhebung planen und durchführen: sechs Schritte

Am Kalender scheitern mehr Erhebungen als an der Methode. Zwischen der fertigen Fragebogenversion und der letzten eingehenden Antwort vergehen bei studentischen Arbeiten meist mehrere Wochen und diese Wochen lassen sich nicht zusammendrücken, weil andere Menschen darüber bestimmen.

Die sechs Schritte unten beschreiben eine quantitative Online-Befragung, weil sie der häufigste Fall ist. Bei einem Interview oder einer Beobachtung füllst du die Schritte anders, ihre Reihenfolge bleibt dieselbe.

Schritt 1: Zeitplan mit Puffer festlegen

Plane rückwärts vom Abgabetermin. Genau so steht es im Leitfaden für das Verfassen der Bachelorarbeit von Sylvia Titze und Klaus Rom am Institut für Bewegungswissenschaften, Sport und Gesundheit der Universität Graz (Dezember 2023): Vom Abgabetermin zurück werden dort 14 Tage für die Recherche, 21 Tage für das Lesen, 7 Tage für die Gliederung, 21 Tage für das Schreiben, 7 Tage für die Revision und 5 Tage für die Schlusskontrolle angesetzt.

Für deine eigene Erhebung ziehst du vom Abgabetermin zuerst Auswertung und Verschriftlichung ab, dann die Feldzeit, dann den Pretest und zuletzt die Erstellung des Fragebogens. Übrig bleibt dein tatsächlicher Start. Bei einer Seminararbeit rechne mit drei bis vier Wochen für die gesamte Erhebung, bei einer Diplom- oder Masterarbeit mit größerer Zielstichprobe eher mit sechs.

Schritt 2: Stichprobengröße berechnen

Wie viele Antworten du brauchst, hängt kaum an der Größe deiner Grundgesamtheit, sondern fast nur an der Genauigkeit, die du erreichen willst. Viele überrascht das, es steckt aber direkt in der Formel: Ab rund einer Million Personen bewegt sich die nötige Stichprobe nicht mehr.

GrundgesamtheitNötige Antworten
1.000 Personen278
10.000 Personen370
100.000 Personen383
1 Million und mehr385

Werte für 95 Prozent Konfidenzniveau, ±5 Prozentpunkte Fehlerspanne und den ungünstigsten Fall einer Merkmalsverteilung von 50 zu 50.

Merk dir dabei: Eine große Stichprobe macht deine Erhebung genauer, repräsentativ macht sie sie nicht. Repräsentativ wird eine Erhebung erst, wenn die Teilnehmenden zufällig ausgewählt wurden und in ihrer Zusammensetzung jener Gruppe entsprechen, über die du etwas aussagen willst. Worauf es dafür ankommt, zeigt unser Beitrag zur Stichprobe.

Schritt 3: Begleitschreiben und Einwilligung formulieren

Vor die erste Frage gehört ein kurzer Text: wer die Untersuchung durchführt, wofür die Daten verwendet werden und wie lange das Ausfüllen dauert. Sobald personenbezogene Daten dabei sind, brauchst du an dieser Stelle eine Einwilligung, die freiwillig, informiert und jederzeit widerrufbar ist. Welche Regeln dabei gelten, fasst unser Beitrag zum Datenschutz bei Umfragen zusammen.

Schritt 4: Fragebogen erstellen

Die Reihenfolge der Fragen ist keine Formsache. Fragen zum eigenen Befinden stehen vor den Fragen zum Verhalten, sonst färbt die Beschäftigung mit dem Medienverhalten die Selbsteinschätzung ein. Soziodemografische Angaben rutschen ans Ende, wo sie niemanden mehr abschrecken. Und jede einzelne Frage misst genau ein Merkmal: Wer Zufriedenheit und Weiterempfehlung in einem Satz abfragt, erhält eine Antwort, die zu keinem der beiden Merkmale gehört.

Illustration einer quantitativen Online-Befragung, bei der die Antworten am Laptop zu einem Datensatz zusammenlaufen

Schritt 5: Pretest mit echten Personen durchführen

Schick die vorläufige Fassung an zehn bis zwanzig Personen, die deinem Zielpublikum ähneln, und bitte sie ausdrücklich um Rückmeldung zu Verständlichkeit und Dauer. Billiger findest du im ganzen Projekt keinen Fehler, denn sobald die Erhebung läuft, kannst du nichts mehr ändern, ohne die bereits gesammelten Antworten zu entwerten.

Schritt 6: Feldphase starten und dokumentieren

Notiere ab dem ersten Tag mit: Startdatum, Enddatum, über welche Kanäle du geteilt hast, wie viele Personen begonnen und wie viele abgeschlossen haben. Solche Notizen sind keine Fleißaufgabe, sondern der Rohstoff deines Methodenteils. Wer sie im Nachhinein rekonstruiert, schreibt ungenau und genau das fällt bei der Beurteilung auf.

⚠️ Achtung

Rühr nach dem Start keine Frage mehr an, auch keine Formulierung. Antworten von vor und nach einer Änderung beziehen sich auf zwei verschiedene Fragen und dürfen nicht gemeinsam ausgewertet werden. Entdeckst du einen Fehler, brich lieber ab und starte neu, solange erst wenige Antworten eingegangen sind.

Typische Fehler bei der Datenerhebung

Vier Fehler tauchen in Abschlussarbeiten immer wieder auf. Alle vier entstehen beim Erstellen des Erhebungsinstruments, dort kostet ihre Vermeidung wenige Minuten, in der Auswertung ist keiner von ihnen mehr zu reparieren.

Dahinter steckt jedes Mal dieselbe Reihenfolge: erst fragen, dann überlegen, was mit den Antworten passieren soll. Wer die Auswertung gedanklich vorwegnimmt, entdeckt drei der vier Fehler schon beim Lesen des eigenen Entwurfs.

Antwortkategorien, die einander überschneiden

Eine Frage nach der täglichen Fernsehdauer mit den Stufen „0 bis 2 Stunden“, „2 bis 4 Stunden“ und „4 bis 6 Stunden“ wirkt sauber und ist es nicht. Wer genau zwei Stunden fernsieht, findet zwei passende Antworten und kreuzt eine davon zufällig an. Sauber heißt es „unter 2 Stunden“, „2 bis unter 4 Stunden“ und „4 bis unter 6 Stunden“. Antwortkategorien müssen einander ausschließen und gemeinsam alle Fälle abdecken.

Skalen, die mehr versprechen, als sie hergeben

Eine fünfstufige Zustimmungsskala von „stimme gar nicht zu“ bis „stimme voll zu“ ist streng genommen ordinal, weil sich gleiche Abstände zwischen den Stufen nicht nachweisen lassen. Was daraus für die erlaubten Rechenoperationen folgt, steht in unserem Beitrag zur Ordinalskala. In der Praxis behandeln viele solche Skalen wie eine Intervallskala und berechnen Mittelwerte. Erlaubt ist das, sobald du es im Methodenteil benennst und begründest, ein Fehler wird daraus, sobald du es stillschweigend tust.

Geschlecht mit nur zwei Antwortmöglichkeiten abfragen

In Österreich ist der Geschlechtseintrag seit 2018 nicht mehr zwingend binär. Der Verfassungsgerichtshof hat am 15. Juni 2018 im Erkenntnis G 77/2018 festgehalten, dass sich das Personenstandsgesetz 2013 verfassungskonform so auslegen lässt, dass Menschen mit einer Variante der Geschlechtsentwicklung gegenüber männlich oder weiblich ihre Geschlechtsangabe im Zentralen Personenstandsregister offenlassen, ändern oder berichtigen lassen können. Eine Frage mit genau zwei Optionen erzwingt deshalb bei einem Teil deiner Teilnehmenden eine falsche Antwort. Nimm eine dritte Kategorie und die Möglichkeit „keine Angabe“ auf. Der Aufwand ist null und du nimmst damit einen Kritikpunkt vorweg, den Prüfende inzwischen zuverlässig sehen.

Auswertungsmethode erst nach der Erhebung suchen

Welches statistische Verfahren du einsetzen willst, klärst du vor der Erhebung und nicht danach. Ein Zusammenhangsmaß zwischen zwei Variablen verlangt andere Daten als ein Mittelwertvergleich zwischen zwei Gruppen. Ob dein Datensatz das hergibt, entscheidet allein dein Fragebogen. Welches Verfahren welche Datenart voraussetzt, zeigt unser Beitrag zur deskriptiven Statistik und Inferenzstatistik. Für Formulierungen in deiner Arbeit bleibt die Vorgabe deines Instituts maßgeblich, und kein Beitrag ersetzt eine Rechtsberatung.

Die Datenerhebung in der Abschlussarbeit beschreiben

Im Methodenteil deiner Arbeit steht nicht, wie Datenerhebung im Allgemeinen funktioniert, sondern nur, was du selbst getan hast. Der Maßstab dafür ist schlicht: Eine fremde Person soll deine Erhebung allein anhand deines Textes wiederholen können.

Wie so ein Steckbrief aussieht, schaust du dir am besten bei einer amtlichen Erhebung ab. Statistik Austria beschreibt den Mikrozensus mit genau den Angaben, die auch dein Methodenteil braucht: die durchführende Stelle (Statistik Austria), die Erhebungsform (die erste Befragung persönlich, ab der zweiten telefonisch oder online), die Feldzeit (jedes Quartal neu), den Stichprobenumfang (22.500 Haushalte pro Quartal) und das Auswahlverfahren (Zufallsauswahl aus dem Zentralen Melderegister). Dazu kommt die Rotation: Innerhalb von zehn Jahren darf ein Haushalt an derselben Adresse in bis zu fünf aufeinanderfolgenden Quartalen befragt werden (Stand der Seite: 8. Juli 2026).

Illustration einer Person, die überlegt, an welcher Stelle der Gliederung das Kapitel zur Datenerhebung steht

Wo das Kapitel in der Gliederung steht

Die Position ist weitgehend einheitlich geregelt: Die Erhebung folgt auf das Forschungsdesign und geht der Auswertung voraus. Dieselbe Abfolge legt auch der Leitfaden der Universität Graz nahe, der für den Methodenteil Fragestellung, Stichprobe, Studiendesign, Messinstrumente und statistische Analysen in dieser Reihenfolge verlangt.

  1. Einleitung mit Forschungsfrage
  2. Theorie und Forschungsstand
  3. Forschungsdesign mit Hypothesen, Methodenwahl und Stichprobe
  4. Datenerhebung: Instrument, Feldzeit, Rücklauf
  5. Datenauswertung
  6. Ergebnisse
  7. Diskussion und Fazit

Zum Rücklauf gehört auch, was nicht geklappt hat. Abbrüche, unvollständige Fälle und eine schiefe Altersverteilung sind kein Makel, sondern Teil des Ergebnisses. Eine Arbeit, die sie offen benennt, wirkt souveräner als eine, die sie verschweigt. Wo die Erhebung im gesamten Ablauf steht, beschreibt unser Beitrag zum empirischen Forschungsprozess.

Unser Literaturtipp: Raithel, Jürgen (2008). Quantitative Forschung. Ein Praxiskurs. 2. Auflage. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. Besonders Kapitel 4.2 zur Operationalisierung und Kapitel 5 zur Befragung.

Fazit

Die beste Datenerhebung ist jene, die du in der verfügbaren Zeit sauber zu Ende bringst. Eine kleine, gut dokumentierte Befragung mit 120 Antworten trägt eine Diplomarbeit weiter als eine ehrgeizige Mixed-Methods-Anlage, der drei Wochen vor Abgabe die Daten fehlen. Entscheide dich früh, schreib mit und benenne die Grenzen deiner Erhebung selbst, bevor es die Beurteilung tut!

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Häufig gestellte Fragen

Datenerhebung ist der Teil des Forschungsprozesses, in dem Daten nach vorher festgelegten Regeln gesammelt und gemessen werden, damit sie den untersuchten Gegenstand so genau und so wenig verzerrt wie möglich abbilden. Rechnen, Aufbereiten und Deuten sind ein eigener, späterer Schritt.

In studentischen Arbeiten kommen sieben Verfahren regelmäßig vor: standardisierte Befragung, Leitfadeninterview, Gruppendiskussion, strukturierte Beobachtung, Inhaltsanalyse, Experiment und Sekundäranalyse vorhandener Datensätze. Über die Wahl entscheidet die Forschungsfrage und nicht der Aufwand. Für eine Sekundäranalyse hält AUSSDA an der Universität Wien österreichische Datensätze für Lehre und Abschlussarbeiten bereit.

Bei einem Konfidenzniveau von 95 Prozent und einer Fehlerspanne von plus/minus 5 Prozentpunkten genügen 385 auswertbare Antworten, sobald die Grundgesamtheit eine Million oder mehr umfasst. Bei 10.000 Personen sind es 370, bei 1.000 Personen 278. Genauer wird die Umfrage durch eine große Stichprobe, repräsentativ noch nicht.

Zur Datenerhebung zählt das planvolle Sammeln der Daten, also Erhebungsinstrument, Feldzeit und Rücklauf. Zur Datenauswertung zählt alles, was danach mit diesen Daten passiert, also Aufbereitung, Berechnung und Interpretation. In einer Diplomarbeit oder Masterarbeit stehen beide in getrennten Kapiteln.

Operationalisierung bezeichnet die Übersetzung eines theoretischen Begriffs in etwas Messbares. Der Weg führt über vier Stufen: den Begriff definieren, ein messbares Merkmal bestimmen, die möglichen Merkmalsausprägungen festlegen und daraus die konkrete Frage oder den Indikator formulieren.

Für eine Seminararbeit sind rund drei bis vier Wochen für die gesamte Erhebung realistisch, für eine Diplomarbeit oder Masterarbeit mit größerer Zielstichprobe eher sechs. Geplant wird rückwärts vom Abgabetermin, weil Feldzeit und Rücklauf von anderen Menschen abhängen und sich nicht verkürzen lassen.

In den Methodenteil gehören fünf Angaben: das eingesetzte Erhebungsinstrument, die Erhebungsform, die Feldzeit mit Start- und Enddatum, der Stichprobenumfang und das Auswahlverfahren. Statistik Austria beschreibt den Mikrozensus nach demselben Muster. Dazu kommen Abbrüche und unvollständige Fälle, denn auch sie gehören zum Ergebnis.

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