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Empirische Sozialforschung: Definition und Methoden

Befragung, Beobachtung, Inhaltsanalyse, Experiment: die empirische Sozialforschung hat vier Wege zu ihren Daten. Wir zeigen dir, welcher davon zu deiner Frage passt.

Autorin bei empirio.ai - Maria Malzewvon Maria MalzewAktualisiert am 11. September 2026Lesezeit 11 Min.

Gramatneusiedl, Bezirk Bruck an der Leitha. Als die Textilfabrik der Arbeiterkolonie Marienthal 1930 zusperrte, stand fast der ganze Ort ohne Verdienst da. Zwischen November 1931 und Mai 1932 zog ein Team von 17 Personen dorthin, darunter neun Forscherinnen, und beobachtete ein Dorf beim Langsamerwerden.

Die Arbeitslosen von Marienthal ist bis heute eine der bekanntesten Sozialstudien aus Österreich und sie zeigt, wozu empirische Sozialforschung gut ist. Politik und Öffentlichkeit erwarteten damals Aufruhr. Gefunden wurde das Gegenteil, eine „müde Gemeinschaft“ aus Resignation und immer kürzer werdenden Tagen (Haus der Geschichte Österreich). Wenn eine plausible Erwartung an Daten zerbricht, arbeitet das Fach genau so, wie es soll.

Empirische Sozialforschung ist die systematische Untersuchung sozialer Wirklichkeit mit Daten, die eigens dafür erhoben oder aus vorhandenen Beständen gezogen werden. Sie prüft theoretische Annahmen über menschliches Handeln an beobachtbaren Tatsachen, statt sie allein zu begründen, und nutzt dafür Befragung, Beobachtung, Inhaltsanalyse und Experiment. Am Ende dieses Beitrags weißt du, wie du deine Untersuchung anlegst, ob du dafür überhaupt selbst erheben musst und welche Genehmigung das österreichische Datenschutzrecht in bestimmten Fällen verlangt.


📌 Das Wichtigste im Überblick

  • Empirische Sozialforschung prüft Annahmen über soziales Handeln an erhobenen Daten.
  • Befragung, Beobachtung, Inhaltsanalyse und Experiment sind die vier Zugänge zu Daten.
  • Der Soziale Survey Österreich lief seit 1986 in acht Wellen.
  • Die Daten aus dem AUSSDA-Archiv gibt es unentgeltlich.
  • § 7 DSG kennt drei Wege: Gesetz, Einwilligung oder Genehmigung.

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Was ist empirische Sozialforschung?

Empirische Sozialforschung ist jener Zweig der Sozialwissenschaften, der seine Aussagen über das Zusammenleben von Menschen aus systematisch erhobenen Daten ableitet statt aus Theorie allein. Betrieben wird sie in der Soziologie, der Psychologie, der Politikwissenschaft, der Pädagogik und der Kommunikationswissenschaft.

„Empirisch“ kommt über das lateinische empiricus vom altgriechischen empeiria, der durch Versuch und Umgang erworbenen Erfahrung. Darunter fällt alles, was sich zählen, messen, beobachten oder erfragen lässt. Eine Arbeit wird also nicht durch Zahlen empirisch, sondern dadurch, dass die Antwort aus Daten kommt statt aus einer Argumentationskette.

Am zweiten Wort hängt genauso viel. Systematisch bedeutet, dass die Auswahl der Befragten, der Wortlaut der Fragen, der Erhebungszeitpunkt und die Auswertungsregeln vorher feststehen und dokumentiert werden. Ein Gespräch unter Freunden liefert ebenfalls Erfahrung, nur kann sie niemand nachvollziehen. Genau darum geht es: um intersubjektive Nachprüfbarkeit. Der kritische Rationalismus spitzt das zu und verlangt, dass eine Annahme an der Wirklichkeit scheitern könnte.

Der Leitfaden der Universität Graz für Bachelorarbeiten setzt davor noch eine Vorentscheidung, die im deutschen Sprachraum gern übersprungen wird: zuerst hermeneutisch oder empirisch, erst danach qualitativ oder quantitativ. Wer eine Textinterpretation vorhat, arbeitet nicht empirisch und muss das auch nicht. Wie sich dein Vorhaben zum Oberbegriff verhält, steht im Beitrag zur empirischen Forschung insgesamt.

Unser Literaturtipp: Michael Häder (2019): Empirische Sozialforschung. Eine Einführung. 4. Auflage, Springer VS, Wiesbaden, 530 Seiten (SpringerLink). Der Standardeinstieg im deutschsprachigen Raum und die vierte Auflage ist genau dort stark, wo ältere Lehrbücher aufhören: Sie wurde eigens um digitale Erhebungsmethoden, River Sampling, Forschungsethik und Datenschutz ergänzt.

Grundlagenforschung oder Anwendungsforschung: was passt zu deiner Arbeit?

Grundlagenforschung sucht allgemeine Zusammenhänge, Anwendungsforschung eine Antwort für einen bestimmten Fall. Methodisch arbeiten beide gleich und unterscheiden sich nur im Ziel, für eine Diplom- oder Bachelorarbeit hat der Unterschied trotzdem sehr handfeste Folgen: Er entscheidet, ob dein Vorhaben in ein Semester passt.

Nehmen wir ein Beispiel aus dem Studienalltag. Die Grundlagenfrage wäre, welche Faktoren den Studienabbruch allgemein erklären. Die Anwendungsfrage wäre, warum an einem bestimmten Fachhochschul-Studiengang jeder dritte Jahrgang im zweiten Semester schrumpft. Die zweite Frage ist die kleinere und für eine Abschlussarbeit fast immer die klügere.

ForschungstypWas er erreichen willFür eine Abschlussarbeit
Grundlagenforschungallgemeine Erklärungen jenseits des Einzelfallsmeist zu aufwendig, weil kontrollierte Bedingungen nötig sind
Anwendungsforschungeine belastbare Antwort auf ein konkretes Problemgut geeignet, Zugang über Verein, Betrieb oder Einrichtung
AktionsforschungVeränderung im Feld, gemeinsam mit den Beteiligtennur mit einer Betreuung, die dieses Vorgehen ausdrücklich trägt

Bei der Aktionsforschung lohnt ein zweiter Blick, weil viele Ratgeber sie falsch einordnen. Häufig liest man, „Handlungsforschung“ sei nur ein älteres Wort für anwendungsorientierte Forschung. Das stimmt nicht. Aktionsforschung, im Deutschen auch Handlungsforschung genannt, geht auf Kurt Lewin in den 1940er Jahren zurück und meint etwas Eigenes: Forschende und Beteiligte legen Problem und Ziel gemeinsam fest, danach greifen Eingriff und wissenschaftliche Begleitung spiralförmig ineinander (Spektrum, Lexikon der Psychologie). Wer die Begriffe gleichsetzt, verspricht im Exposé eine Beteiligung, die gar nicht geplant ist.

Empirische Sozialstudie: die sieben Schritte im Ablauf

Eine empirische Sozialstudie läuft in sieben Schritten ab, von der Forschungsfrage über Hypothesen, Operationalisierung und Stichprobe bis zu Erhebung, Auswertung und Veröffentlichung. Diese Reihenfolge ist keine Formsache, sondern der Grund dafür, dass eine Prüferin später nachvollziehen kann, wie dein Ergebnis zustande gekommen ist.

Wie viel Gewicht ein einzelner Schritt bekommt, hängt vom Thema ab. Eine standardisierte Onlinebefragung verbringt die meiste Zeit bei Schritt 3, eine Interviewstudie bei Schritt 6. Ausgelassen wird trotzdem keiner.

  1. Forschungsfrage und Untersuchungsziel. Was willst du genau wissen und welche Grenzen setzen dir Zeit, Feldzugang und Curriculum? Der Beitrag zum empirischen Forschungsprozess nimmt diesen Schritt auseinander.
  2. Theorie und Hypothesen. Welche Erklärung liefert die Literatur bereits und wie wird daraus eine Aussage, die an deinen Daten scheitern kann?
  3. Operationalisierung. Wie machst du einen Begriff wie „soziale Unterstützung“ messbar? Ohne diesen Schritt passt keine Frage im Fragebogen zur Hypothese.
  4. Auswahl der Untersuchungseinheiten. Wen befragst du, wie viele und nach welchem Verfahren? Die Wege dorthin beschreibt der Beitrag zur Stichprobe.
  5. Pretest und Erhebung. Zuerst ein Probelauf mit wenigen Personen, dann die eigentliche Erhebung. Der Pretest kostet fast nichts und fällt trotzdem als Erstes dem Zeitplan zum Opfer.
  6. Aufbereitung und Auswertung. Codieren, bereinigen, transkribieren, danach rechnen oder interpretieren.
  7. Interpretation und Dissemination (= die Verbreitung der Ergebnisse). Was folgt aus den Zahlen oder Zitaten und wie kommt das Ergebnis zu anderen?

Eine ähnliche Abfolge trägt die Fachliteratur. Häder gliedert sein Lehrbuch nach Untersuchungsplanung, Auswahlverfahren, Erhebungsmethoden, Pretests, Aufbereitung und Auswertung sowie Dokumentation. Wenn dein Methodenkapitel dieser Reihe folgt, steht die Struktur schon halb.

Welche Methoden gibt es in der empirischen Sozialforschung?

In der empirischen Sozialforschung führen vier Wege zu Daten: die Befragung, die Beobachtung, die Inhaltsanalyse und das Experiment. Die ersten drei sind Erhebungsmethoden, das Experiment ist die Anordnung, in der sie zum Einsatz kommen. Ob eine Untersuchung quantitativ oder qualitativ wird, entscheidet dabei vor allem der Grad der Standardisierung.

Welche davon passt, ergibt sich aus dem Gegenstand deiner Frage. Geht es um Einstellungen, führt kein Weg am Fragen vorbei. Geht es um tatsächliches Verhalten, ist Beobachtung meist ehrlicher, weil Menschen sich selbst schlecht einschätzen. Geht es um öffentliche Kommunikation, liegt das Material längst vor und wartet auf eine Inhaltsanalyse.

MethodeWoran sie herankommtWann sie passt
BefragungEinstellungen, Wissen, Selbstauskunft über Verhaltenbei Meinungen, Motiven und Bewertungen
Beobachtungtatsächliches Verhalten in einer Situationwenn Selbstauskunft unzuverlässig wäre
InhaltsanalyseTexte, Bilder, Beiträge, Akten, Untertitelwenn das Material schon existiert
ExperimentWirkung einer gezielt veränderten Bedingungwenn du eine Ursache belegen willst

Rund um die Befragung hält sich ein Fehler, der dich bei der Defensio Punkte kostet: Befragung und Interview werden gleichgesetzt oder das Interview wird pauschal den qualitativen Methoden zugeschlagen. Beides ist unzutreffend. Die Befragung ist die Methode, das Interview nur ihre mündliche Form neben der schriftlichen, telefonischen und onlinebasierten. Quantitativ wird eine Befragung durch den Grad der Standardisierung: Ein Leitfadeninterview mit fünf Personen und eine Onlinebefragung mit 600 Personen sind beide Befragungen.

Trenne außerdem Erhebung und Auswertung sauber. Die Methode, mit der du Daten gewinnst, und das Verfahren, mit dem du sie analysierst, sind zwei Entscheidungen. Welche Kombinationen üblich sind, zeigt der Beitrag zu qualitativen und quantitativen Forschungsmethoden.

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Empirische Sozialforschung ohne eigene Erhebung

Eine empirische Arbeit braucht keine selbst erhobenen Daten, denn die Sekundäranalyse vorhandener Datensätze ist ein anerkanntes Vorgehen der empirischen Sozialforschung. In Österreich ist das für Studierende oft der schnellere Weg, weil die Rekrutierung einer brauchbaren Stichprobe länger dauert als die ganze Auswertung.

Die zentrale Adresse ist AUSSDA, das österreichische Sozialwissenschaftliche Datenarchiv an der Universität Wien. Dort liegt unter anderem der Soziale Survey Österreich, ein Umfrageprogramm zum Wandel von Einstellungen und Wertorientierungen, getragen von Soziologinnen und Soziologen der Universitäten Graz, Linz, Salzburg und Wien. Erhoben wurde er bisher acht Mal, in unregelmäßigen Abständen: 1986, 1993, 2003, 2016, 2018, 2021, 2023 und 2024. Der Datensatz der Welle 2024 umfasst 1.546 Fälle. Alle Daten stehen unentgeltlich zur Verfügung (AUSSDA, Sozialer Survey Österreich), für den Download brauchst du ein Konto, an vielen Häusern reicht der Uni-Login.

Neben AUSSDA lohnt der Blick zu Statistik Austria. Der Mikrozensus und die EU-SILC-Erhebung liefern belastbare Zahlen zu Wohnen, Erwerbstätigkeit und Lebensbedingungen und für viele Fragen genügt bereits die veröffentlichte Tabelle, ohne dass du überhaupt Mikrodaten anfordern musst.

Empirisch heißt: Die Antwort kommt aus Daten. Nicht: Die Daten kommen von dir.

Die ehrliche Grenze der Sekundäranalyse liegt in der Passung. Ein fremder Datensatz beantwortet deine Frage nur, wenn jemand zufällig die passenden Merkmale erhoben hat. Deshalb läuft die Suche umgekehrt: Zuerst siehst du nach, welche Variablen vorhanden sind, danach schärfst du deine Fragestellung. Wie der empirische Teil in die Gliederung wandert, zeigt der Beitrag zur empirischen Bachelorarbeit.

💡 Tipp

Kläre die Passung, bevor du dein Thema anmeldest. Öffne im AUSSDA-Datenkatalog die Variablenübersicht der jüngsten SSÖ-Welle und suche darin zwei Begriffe aus deiner Fragestellung. Findest du beide, steht deine Datengrundlage.

Datenschutz und Forschungsethik: was vor der ersten Frage geklärt sein muss

Wer für eine Studie Menschen befragt oder beobachtet, verarbeitet personenbezogene Daten und braucht dafür eine Rechtsgrundlage nach Art. 6 DSGVO. An österreichischen Hochschulen ist das im Regelfall die freiwillige Einwilligung, eingeholt vor der ersten Frage.

Über die DSGVO hinaus regelt § 7 des österreichischen Datenschutzgesetzes die Forschung eigens und diese Bestimmung ist strenger, als viele Ratgeber vermuten lassen. Zielt eine Untersuchung nicht auf personenbezogene Ergebnisse, darf sie mit öffentlich zugänglichen, rechtmäßig für andere Zwecke erhobenen oder pseudonymisierten Daten arbeiten. In allen anderen Fällen bleiben nur drei Wege: eine besondere gesetzliche Vorschrift, die Einwilligung der betroffenen Person oder eine Genehmigung der Datenschutzbehörde (DSG im RIS).

Was vor dem Start stehen sollte

  • Eine Einwilligung, die Zweck, Speicherdauer und Widerruf benennt.
  • Ein Datensparsamkeits-Check: Welche Frage brauchst du wirklich?
  • Getrennte Speicherung von Identifikationsmerkmalen und Antworten.
  • Ein Löschzeitpunkt, der im Einwilligungstext steht.
  • Die Rückfrage bei deiner Betreuung, ob ein Ethikvotum nötig ist.

Bei der Ethikkommission gibt es eine österreichische Besonderheit, die Studierende oft überrascht. An der Universität Wien sind Bachelorarbeiten gar nicht antragsberechtigt, Master- und Diplomarbeiten nur über die betreuende Person (Ethikkommission der Universität Wien). Andere Häuser handhaben das anders, maßgeblich ist also immer die Regelung deiner Universität oder Fachhochschule und zuständig für die Einschätzung sind deine Betreuung sowie die oder der Datenschutzbeauftragte deiner Einrichtung.

⚠️ Achtung

Ein wörtliches Interviewzitat im Anhang deiner Arbeit ist eine Veröffentlichung personenbezogener Daten. Ohne Einwilligung, die genau diesen Punkt abdeckt, fehlt dir die Grundlage dafür. Nimm die Erlaubnis zur Zitierung deshalb gleich in den Einwilligungstext auf.

Welche Formulierungen in einen Einwilligungstext gehören, steht im Beitrag zum Datenschutz bei Umfragen. Dieser Abschnitt ordnet die Rechtslage ein und ersetzt keine Rechtsberatung.

Typische Fehler in der empirischen Sozialforschung

Die meisten Mängel in studentischen Arbeiten entstehen nicht beim Rechnen, sondern weit davor, bei Entscheidungen, die niemand festgehalten hat. Auffallen tun sie erst, wenn die Daten vorliegen und nichts mehr zu ändern ist.

Vier Fehler tauchen dabei immer wieder auf. Alle vier sind vermeidbar und kosten vorher ein paar Stunden Nachdenken statt hinterher mehrere Wochen Reparatur.

Repräsentativität mit Stichprobengröße verwechseln

Eine Umfrage wird nicht dadurch repräsentativ, dass viele Menschen mitmachen. Repräsentativität ist eine Eigenschaft des Auswahlverfahrens: Sie entsteht, wenn jede Person der Grundgesamtheit eine bekannte und von null verschiedene Chance hatte, in die Stichprobe zu kommen. 800 Antworten aus dem eigenen Freundeskreis sagen deshalb weniger aus als 300 aus einer Zufallsauswahl. Wie du das sauber formulierst, zeigt der Beitrag dazu, wann eine Umfrage repräsentativ ist.

Die Hypothese nach der Auswertung formulieren

Wer zuerst rechnet und danach die Hypothese passend macht, dreht die Forschungslogik um. Der Befund ist danach nicht mehr prüfbar, weil er aus denselben Daten stammt, die ihn stützen sollen. Halte deine Hypothesen deshalb vor der Erhebung schriftlich fest und lass sie stehen, auch wenn sie sich nicht bestätigen. Eine widerlegte Hypothese ist ein Ergebnis und kein Missgeschick.

Die Methode vor der Frage wählen

„Ich mache eine Umfrage“ ist keine Forschungsentscheidung, sondern eine Gewohnheit. Sinnvoll ist die umgekehrte Reihenfolge: erst die Frage, dann der Datentyp, der sie beantworten könnte, dann die Methode, die diesen Datentyp liefert. Wer bei der Methode beginnt, erhebt verlässlich Daten, die am Thema vorbeigehen, und bemerkt es beim Schreiben des Ergebniskapitels.

Den Pretest streichen

Der Pretest fällt dem Zeitplan am häufigsten zum Opfer und ist zugleich der einzige Schritt, den du nicht nachholen kannst. Fünf Personen aus der Zielgruppe, die den Fragebogen einmal laut durchgehen, finden verlässlich die missverständliche Frage, die doppelte Verneinung und die fehlende Antwortmöglichkeit. Nach dem Versand an 400 Personen ist daran nichts mehr zu ändern.

Fazit

Empirische Sozialforschung ist weniger eine Sammlung von Techniken als eine Kette von Entscheidungen, die du vorher triffst und hinterher begründest. Wähle also zuerst die Frage, dann die Art der Daten und erst zuletzt die Methode. Und sieh früh nach, ob die passenden Daten schon irgendwo liegen, denn eine saubere Sekundäranalyse schlägt jede schwache eigene Erhebung.

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Häufig gestellte Fragen

Empirische Sozialforschung untersucht das Zusammenleben von Menschen mit Daten statt mit Argumenten. Sie stellt eine Frage über soziales Handeln, legt vorher fest, woran sich die Antwort entscheidet, und erhebt dann Daten, etwa über eine Befragung oder eine Beobachtung. Betrieben wird sie in der Soziologie, Psychologie, Politikwissenschaft und Pädagogik.

Die empirische Sozialforschung kennt vier Zugänge zu Daten: Befragung, Beobachtung, Inhaltsanalyse und Experiment. Die Befragung erfasst Einstellungen und Selbstauskünfte, die Beobachtung tatsächliches Verhalten, die Inhaltsanalyse vorhandene Texte und Bilder, das Experiment die Wirkung einer gezielt veränderten Bedingung. Jede dieser vier Methoden lässt sich standardisiert oder offen anlegen.

Nein, empirische Sozialforschung ist nicht automatisch quantitativ. Ob eine Untersuchung quantitativ oder qualitativ ausfällt, entscheidet vor allem der Grad der Standardisierung und nicht die Methode. Fünf Leitfadeninterviews sind genauso empirisch wie eine Onlinebefragung mit 600 Antworten. Entscheidend bleibt, dass die Antwort aus systematisch erhobenen Daten stammt statt aus einer Argumentationskette.

Die Befragung ist die Methode, das Interview nur eine ihrer Formen. Eine Befragung kann mündlich als Interview ablaufen, schriftlich auf Papier, telefonisch oder online. Viele Ratgeber setzen beide Begriffe gleich oder ordnen das Interview pauschal der qualitativen Forschung zu. Beides ist falsch, denn auch ein Interview kann vollständig standardisiert sein.

Ja, eine Sekundäranalyse vorhandener Datensätze gilt als empirische Arbeit. In Österreich führt der Weg meist über AUSSDA, das Sozialwissenschaftliche Datenarchiv an der Universität Wien. Die Daten stehen unentgeltlich zur Verfügung, für den Download brauchst du ein Konto. Voraussetzung ist, dass der Datensatz die Merkmale enthält, die deine Frage braucht.

Der Soziale Survey Österreich, kurz SSÖ, ist ein Umfrageprogramm zum Wandel von Einstellungen und Wertorientierungen in Österreich. Getragen wird er von Soziologinnen und Soziologen der Universitäten Graz, Linz, Salzburg und Wien. Erhoben wurde er bisher acht Mal in unregelmäßigen Abständen: 1986, 1993, 2003, 2016, 2018, 2021, 2023 und 2024. Der Datensatz der Welle 2024 umfasst 1.546 Fälle und liegt bei AUSSDA.

In aller Regel ja, denn eine Befragung verarbeitet personenbezogene Daten und braucht eine Rechtsgrundlage nach Art. 6 DSGVO. § 7 des österreichischen Datenschutzgesetzes lässt für Forschungszwecke neben der Einwilligung nur zwei Wege zu: eine besondere gesetzliche Vorschrift oder eine Genehmigung der Datenschutzbehörde. Maßgeblich sind zusätzlich die Vorgaben deiner Hochschule.

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