Am Institut liegen zwei Masterarbeiten mit sauber erhobenen Daten nebeneinander, beurteilt werden sie sehr unterschiedlich. Der Unterschied steckt fast nie in der Erhebung, sondern darin, ob Befund und Deutung getrennt bleiben.
Eine empirische Arbeit verfasst du in Österreich in zwei Teilen: Der theoretische Teil klärt die Begriffe und führt zur Fragestellung, der empirische Teil legt im Methodenkapitel die Erhebung offen, berichtet die Befunde interpretationsfrei und ordnet sie erst in der Diskussion in den Forschungsstand ein. Am Ende dieses Beitrags hast du eine Gliederung, die du mit deiner Betreuung besprechen kannst.
📌 Das Wichtigste in Kürze
- Diplomarbeit und Masterarbeit sind nach § 81 UG 2002 gleichrangig.
- Der Ergebnisteil bleibt laut Universität Wien frei von Interpretationen.
- § 86 UG verlangt die Veröffentlichung vor der Gradverleihung.
- § 2f FOG erlaubt Rohdaten zehn Jahre ab Veröffentlichung.
- Zwei Abstracts, deutsch und englisch, gehören in den Anhang.
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Empirische Arbeit oder Literaturarbeit: worin der Unterschied liegt
Eine empirische Arbeit prüft ihre Fragestellung an Daten, statt sie ausschließlich aus der Fachliteratur zu beantworten, und legt dabei offen, woher die Daten stammen und nach welchen Regeln sie ausgewertet wurden.
Empirisch bedeutet allerdings nicht automatisch, dass du selbst Fragebögen verschickst. Das Austrian Social Science Data Archive (AUSSDA) an der Universität Wien archiviert sozialwissenschaftliche Datensätze, ist seit Juli 2020 mit dem Core Trust Seal zertifiziert und stellt eigene Sammlungen für Lehre und Abschlussarbeiten bereit. Wer einen solchen Datensatz mit einer neuen Fragestellung auswertet, arbeitet ebenfalls empirisch.
| Merkmal | Literaturarbeit | Empirische Arbeit |
|---|---|---|
| Datenbasis | publizierte Studien und Fachtexte | eigene oder nachgenutzte Rohdaten |
| Methodenteil | Suchstrategie und Auswahlkriterien | Erhebung, Stichprobe, Auswertung |
| Ergebnisteil | Synthese des Forschungsstands | Befunde aus dem eigenen Material |
| Aufwandstreiber | Sichtung und Ordnung der Literatur | Feldphase und Datenaufbereitung |
| Prüfbarkeit | Nachvollziehbarkeit der Auswahl | Wiederholbarkeit der Erhebung |
Beide Formen zählen gleich viel, sie beantworten nur unterschiedliche Fragen. Wer wissen will, wie eine Debatte steht, braucht keine eigene Erhebung; wer das Verhalten einer bestimmten Gruppe untersucht, schon. Bei der Entscheidung hilft der Überblick zur empirischen Forschung.
Gliederung einer empirischen Arbeit: ein Beispiel für Österreich
Die Gliederung einer empirischen Arbeit folgt in Österreich fast immer derselben Zweiteilung: zuerst der theoretische Teil mit Begriffen, Forschungsstand und Fragestellung, danach der empirische Teil mit Methode, Ergebnissen und Diskussion.
Eine österreichweit einheitliche Vorgabe, wie dieser empirische Teil zu gliedern ist, existiert nicht. Verbindlich sind das Curriculum deines Studiums und die Satzung deiner Hochschule, dazu die Merkblätter des betreuenden Instituts. Zwischen den Fächern liegen beträchtliche Unterschiede, die folgende Reihenfolge deckt den Regelfall in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften ab.
- Einleitung. Warum das Thema zählt, dein Erkenntnisinteresse, der Aufbau.
- Theoretischer Teil. Begriffe schärfen, Modelle vorstellen, den Forschungsstand ordnen.
- Fragestellung und Hypothesen. Aus der Theorie hergeleitet, nicht aus den Befunden.
- Methode. Untersuchungsdesign, Instrument, Stichprobe, Zeitraum, Auswertungsverfahren.
- Ergebnisse. Befunde entlang der Hypothesen oder Teilfragen, ohne Deutung.
- Diskussion. Rückbindung an den Forschungsstand, Grenzen der eigenen Untersuchung.
- Schluss. Antwort auf die Fragestellung, Ausblick auf offene Fragen.
- Verzeichnisse und Anhang. Literatur, Abbildungen, Erhebungsinstrument, beide Abstracts.
Die Reihenfolge ist eine Vorlage und kein Gesetz. Wenn dein Thema es verlangt, kannst du Ergebnisse und Diskussion anders schneiden, solltest das aber vorab mit der Betreuung klären. Den Weg von der Themenwahl bis zur fertigen Erhebung beschreibt der Beitrag zur empirischen Bachelor- oder Masterarbeit.
Wie viel Theorie in eine empirische Arbeit gehört
Eine feste Quote schreibt in Österreich niemand vor. Der theoretische Teil trägt die Begründung dafür, warum du genau diese Merkmale misst und genau diese Hypothesen prüfst. Die Leitlinien zur Masterarbeit der Fakultät für Psychologie der Universität Wien (Stand: 1. Oktober 2015) nennen für eine empirische Masterarbeit lediglich einen Umfang von 40 bis 60 Seiten ohne Anhang und empfehlen für die Einleitung das Trichtermodell: erst das Thema breit aufziehen, dann Schritt für Schritt bis zur Fragestellung verengen.
IMRaD, APA und die Frage nach dem Pflichtschema
Kein Gliederungsschema ist an österreichischen Hochschulen verpflichtend, weder IMRaD noch eine andere Vorlage. IMRaD steht für Introduction, Methods, Results and Discussion und ordnet vor allem internationale Fachzeitschriften. Die Leitlinien der Universität Wien verweisen für die Psychologie stattdessen auf die Richtlinien von APA und DGPs und stellen den Aufbau von Titel und Abstract über Einleitung, Fragestellung, Methode, Ergebnisse und Diskussion bis zum Anhang dar.
Eine österreichische Besonderheit steckt in derselben Leitlinie: Abweichend von den APA-Vorgaben sollen zwei Abstracts entstehen, eines auf Deutsch und eines auf Englisch, und beide gehören in den Anhang der Arbeit. Auch beim Zeilenabstand weicht die Fakultät ab und verlangt in der Regel 1,5 statt des doppelten Abstands.
Unser Literaturtipp
Hug, Theo und Poscheschnik, Gerald (Hg.) (2026): Empirisch forschen. Die Planung und Umsetzung von Projekten im Studium. Mit Tipps zu KI in der Forschung. 4., überarbeitete und erweiterte Auflage, Tübingen: UVK (UTB 3357). Der Band begleitet den Forschungsprozess Schritt für Schritt und setzt weniger Vorwissen voraus als die großen Methodenlehrbücher.
Die empirische Gliederung mit Theorie, Methode, Ergebnissen und Diskussion ist nur eines von mehreren Mustern. Welche anderen es gibt, in welcher Reihenfolge die formalen Teile einer Hochschulschrift stehen und wie tief du gliedern darfst, steht im Beitrag zum Aufbau einer wissenschaftlichen Arbeit.
Das Methodenkapitel: wovon die Nachvollziehbarkeit abhängt
Das Methodenkapitel hat eine einzige Aufgabe: Eine fremde Person soll deine Erhebung nachbauen können, ohne dich um Auskunft zu bitten. Alles, was dafür gebraucht wird, gehört hinein, alles Übrige nicht.
Häufigster Schwachpunkt ist nicht die Lücke, sondern die falsche Textsorte. Viele Arbeiten erklären über zwei Seiten, was eine Online-Umfrage ist, und begründen mit keinem Satz, warum sie für diese Fragestellung taugt. Erklären kann jedes Lehrbuch, begründen kannst nur du.
Wie detailliert dieses Kapitel ausfallen soll, zeigen die Leitlinien der Universität Wien. Verlangt werden dort das Untersuchungsdesign, eine Stichprobenbeschreibung mit Alter, Geschlecht, Bildungsniveau, Art der Stichprobenziehung, Freiwilligkeit und informed consent, dazu die genaue Operationalisierung sowie der Ablauf mit Ort, Zeitpunkten und Instruktionen.
Was ins Methodenkapitel gehört
- Erhebungsform mit Begründung, warum sie zur Fragestellung passt.
- Untersuchungsdesign und die untersuchten Gruppen.
- Erhebungsinstrument mit Herkunft: selbst entwickelt oder übernommen.
- Operationalisierung, also welche Frage welches Konstrukt abbildet.
- Stichprobe, Rekrutierungsweg, Freiwilligkeit und erreichte Fallzahl.
- Erhebungszeitraum mit konkretem Datum.
- Pretest: wie viele Personen, welche Änderungen daraus folgten.
- Auswertungsverfahren und eingesetzte Software.
- Einwilligung, Anonymisierung und Umgang mit den Daten.
Übersprungen wird regelmäßig der Pretest. Zwei oder drei Personen aus der Zielgruppe den Fragebogen ausfüllen zu lassen, kostet einen Nachmittag und deckt genau die Fragen auf, die niemand so versteht, wie sie gemeint sind. Welche Entscheidungen davor fallen, ordnet der Beitrag zum Forschungsdesign ein.
💡 Tipp
Schreibe das Methodenkapitel während der Feldphase, nicht danach. Rekrutierungsweg, Versanddatum und Abbruchquote lassen sich vier Wochen später kaum noch rekonstruieren, und genau danach fragt die Beurteilung.
Ergebnisse berichten, ohne sie schon zu deuten
Der Ergebnisteil hält fest, was gemessen wurde, und nicht, wie du dazu stehst. Diese Trennung ist die häufigste Bruchstelle in Abschlussarbeiten und zugleich die am einfachsten zu vermeidende.
Die Leitlinien zur Masterarbeit der Fakultät für Psychologie der Universität Wien formulieren die Regel knapp: „Der Ergebnisteil sollte frei von Interpretationen sein.“ Verlangt werden dort präzise Kennwerte, unter anderem Stichprobengröße, Teststatistik, Freiheitsgrade, exakter p-Wert, Effektgrößen und Konfidenzintervalle, dazu ein Bericht über die geprüften Anwendungsvoraussetzungen.
Eine Ausnahme benennen die Leitlinien der Universität Wien ausdrücklich: Bei qualitativen Verfahren wie Interviews oder Beobachtungen können schon in der Auswertung Interpretationen nötig sein, etwa im Zuge der Grounded Theory. Wer Interviews kategorisiert, deutet also bereits beim Codieren. Trennscharf bleibt die Darstellung trotzdem, solange Kategorienbildung und Bewertung der Befunde auseinandergehalten werden.
| Satz in der Arbeit | Gehört in | Begründung |
|---|---|---|
| „62 von 180 Befragten stimmen zu“ | Ergebnisse | reine Häufigkeitsangabe |
| „Der Zusammenhang fällt schwach positiv aus“ | Ergebnisse | Kennwert ohne Wertung |
| „Mit mehr Übung steigen die Werte“ | Ergebnisse | beschreibt den Kennwert |
| „Der Befund deckt sich mit der Theorie“ | Diskussion | Bezug zum Forschungsstand |
| „Die Beteiligung blieb enttäuschend gering“ | Diskussion | Bewertung des Befunds |
Für die Reihenfolge im Kapitel gibt es zwei brauchbare Muster: Hypothese für Hypothese oder entlang der Teilfragen. Welches du wählst, bleibt dir überlassen, gemischt wird aber nicht. Welches Verfahren zu deinen Daten passt, klärt der Beitrag zu den Auswertungsmethoden.
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Die Diskussion: einordnen, erklären, Grenzen ziehen
Die Diskussion beantwortet, was die Befunde bedeuten und wie weit sie tragen. Sie ist das einzige Kapitel, in dem Bewerten ausdrücklich erlaubt ist.
Die Leitlinien der Universität Wien beschreiben den Ablauf: Das Kapitel beginnt mit einer kurzen Zusammenfassung von Untersuchungszielen und Ergebnissen, setzt die Befunde zur Literatur in Beziehung, diskutiert plausible Erklärungen für nicht hypothesenkonforme Ergebnisse und erörtert Einschränkungen wie die Repräsentativität. Vier Bewegungen tragen die Diskussion, meist in dieser Reihenfolge.
- Zusammenfassen. Die zentralen Befunde in wenigen Sätzen, ohne Tabellen zu wiederholen.
- Rückbinden. Abgleich mit dem Forschungsstand: bestätigt, widerlegt oder differenziert dein Befund?
- Begrenzen. Die Einschränkungen der Untersuchung, benannt und in ihrer Reichweite eingeschätzt.
- Weiterdenken. Welche Frage der Befund aufwirft und wie Anschlussstudien sie klären.
Über den Gesamteindruck entscheiden oft die Einschränkungen. Eine kleine, nicht zufällig gezogene Stichprobe ist kein Makel, solange du sie benennst und sagst, worauf sich deine Aussage deshalb beschränkt. Spätestens in der Defensio, also der Präsentation und Verteidigung der Masterarbeit samt Befragung über das wissenschaftliche Umfeld, kommt die Frage nach den Grenzen ohnehin. Welche Maßstäbe dabei gelten, beschreibt der Beitrag zu den Gütekriterien.
⚠️ Achtung
Einschränkungen sind kein Schuldeingeständnis, sondern ein Qualitätsmerkmal. Der Fehler liegt nicht in der kleinen Stichprobe, sondern im Satz „Die Ergebnisse sind repräsentativ für Studierende in Österreich“ darunter. Schreibe konkret, für wen dein Befund gilt und für wen nicht.
Was in den Anhang gehört und was dort nichts verloren hat
In den Anhang gehört alles, was zur Beurteilung deiner Erhebung nötig ist, den Lesefluss im Haupttext aber stören würde. An erster Stelle steht das Erhebungsinstrument, also dein Fragebogen oder dein Interviewleitfaden.
Eine österreichweit einheitliche Regel dazu gibt es nicht, die Vorgaben der Institute weichen im Detail voneinander ab. Die Leitlinien der Universität Wien nennen für den Anhang ein deutsches und ein englisches Abstract, alle verwendeten Materialien, ergänzende Informationen und mögliche Zusatzauswertungen, ausdrücklich aber nichts, was für das Verständnis einzelner Kapitel unverzichtbar ist.
| Element | In den Anhang | Woran es hängt |
|---|---|---|
| Eigener Fragebogen | ja | ohne ihn ist die Erhebung nicht beurteilbar |
| Interviewleitfaden | ja | Standard in den geprüften Leitlinien |
| Deutsches und englisches Abstract | ja | Vorgabe der Universität Wien |
| Transkripte | meist ja | je nach Vorgabe vollständig oder in Auszügen |
| Publizierte Skalen | Beispielitems | Urheberrechtsgesetz, § 80 Abs. 2 UG 2002 |
| Rohdatensatz | je nach Vorgabe | oft digital statt im Druck |
| Roher Statistik-Output | nein | gehört aufbereitet in den Ergebnisteil |
Der Punkt zu publizierten Skalen überrascht viele. Die Leitlinien der Universität Wien verlangen bei Tests und publizierten Skalen, Beispielitems, die inhaltliche Verankerung und psychometrische Kennwerte zu berichten, und mahnen, die Urheberschaft von Abbildungen vor der Nutzung zu klären, weil die Universität für Urheberrechtsverletzungen keine Verantwortung übernimmt. § 80 Abs. 2 UG 2002 verpflichtet Betreuung und Studierende auf das Urheberrechtsgesetz, und § 81 Abs. 4 UG dehnt diese Pflicht auf Diplom- und Masterarbeiten aus.
Neu hinzugekommen ist die Dokumentation von KI-Werkzeugen. Seit 1. Juli 2024 führt § 2a Abs. 3 HS-QSG die „missbräuchliche Nutzung von Anwendungen Künstlicher Intelligenz“ als unerlaubtes Hilfsmittel und damit als wissenschaftliches Fehlverhalten. Wie Prompts und Ausgaben zu dokumentieren sind, regelt allerdings nicht das Gesetz, sondern die Satzung deiner Hochschule. Ein Blick in Satzung und Curriculum lohnt sich vor der Abgabe. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.
Was nach der Abgabe mit deinen Daten passiert
Nach der Abgabe entscheidet sich, ob deine Arbeit veröffentlicht wird und wie lange die Rohdaten liegen bleiben. In Österreich hängt beides zusammen.
§ 86 Abs. 1 UG 2002 verpflichtet Absolventinnen und Absolventen, vor der Verleihung des akademischen Grades ein vollständiges Exemplar der positiv beurteilten Arbeit an die Universitätsbibliothek zu übergeben und damit zu veröffentlichen. Für Fachhochschulen ordnet § 19 Abs. 3 FHG dasselbe gegenüber der Bibliothek der Fachhochschule an. Auf Antrag erlauben § 86 Abs. 4 UG 2002 und § 19 Abs. 3 FHG eine Sperre der Benützung für längstens fünf Jahre, wenn wichtige rechtliche oder wirtschaftliche Interessen glaubhaft gemacht werden.
Aus der Veröffentlichungspflicht folgt eine Konsequenz, die selten gezogen wird. § 2f Abs. 3 Forschungsorganisationsgesetz erlaubt, Rohdaten „ab Veröffentlichung der Ergebnisse“ zum Nachweis guter wissenschaftlicher Praxis mindestens zehn Jahre und zur Geltendmachung von Rechtsansprüchen bis zu 30 Jahre zu speichern. Weil eine österreichische Diplom- oder Masterarbeit zwingend veröffentlicht wird, läuft diese Frist tatsächlich an. Adressat des Abschnitts sind wissenschaftliche Einrichtungen, nicht du persönlich, die Aufbewahrung organisiert also die Hochschule.
Gute wissenschaftliche Praxis gilt auch für dich. Die Richtlinie der Österreichischen Agentur für wissenschaftliche Integrität in der Fassung 2026 hält ausdrücklich fest, dass sie auch für Studierende gilt, die an Forschungsprojekten beteiligt sind oder solche im Rahmen ihrer Studientätigkeit durchführen.
Der Datenschutz zieht in die andere Richtung. § 2f Abs. 5 FOG erlaubt die Verarbeitung personenbezogener Daten für Zwecke der Lehre und nennt wissenschaftliche Arbeiten von Studierenden ausdrücklich, allerdings nur, wenn keine Übermittlung zu fremden Zwecken erfolgt. Auflösen lässt sich der Zielkonflikt fast immer über Anonymisierung: Wer Namen und E-Mail-Adressen gar nicht erst speichert, behält einen Datensatz, den niemand mehr einer Person zuordnen kann. Welche Einstellungen dafür nötig sind, steht im Beitrag zum Datenschutz bei Umfragen. Maßgeblich bleiben Satzung und Curriculum deiner Hochschule. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.
Fünf Fehler, die in empirischen Arbeiten immer wiederkehren
Fünf Fehler tauchen in empirischen Abschlussarbeiten regelmäßig auf, und alle fünf entstehen beim Schreiben, nicht beim Forschen. Die Erhebung war brauchbar, die Darstellung nicht.
Gute Nachricht daran: Schreibfehler lassen sich in einem einzigen Überarbeitungsdurchgang einsammeln, ohne neue Daten und ohne neue Literatur!
Die Deutung rutscht in den Ergebnisteil
Der häufigste Fehler entsteht aus Hilfsbereitschaft: Man will es der lesenden Person leichter machen und liefert die Deutung gleich mit. Der Diskussion bleibt danach nichts mehr zu sagen, sie wiederholt sich, und beide Kapitel wirken halbfertig. Die Probe ist simpel: Steht im Ergebnisteil ein wertendes Wort wie „erfreulich“, „überraschend“ oder „leider“, gehört der Satz eine Ebene weiter.
Das Methodenkapitel erklärt die Methode, statt die Wahl zu begründen
Eine Definition der Online-Umfrage steht in jedem Lehrbuch und interessiert im Methodenkapitel niemanden. Gefragt ist die Begründung, warum diese Erhebungsform besser zu deiner Fragestellung passt als eine Alternative, die du erwogen hast. Ein einziger Satz genügt dafür oft, etwa: Interviews hätten mehr Tiefe gebracht, die angestrebte Fallzahl aber unerreichbar gemacht.
Der rohe Statistik-Output landet im Fließtext
Ausgabefenster von Statistiksoftware sind für die Bedienung gebaut, nicht für Lesende. Die Leitlinien der Universität Wien verlangen selbsterklärende Tabellen und Grafiken an genau der Stelle im Text, an der sie gebraucht werden, und dazu die relevanten Kennwerte. Baue also eine eigene Tabelle für die Werte, die deine Hypothese betreffen, und lege den vollständigen Output in den Anhang.
Das Erhebungsinstrument fehlt im Anhang
Ohne Fragebogen oder Interviewleitfaden lässt sich keine einzige Aussage der Arbeit überprüfen. Trotzdem fehlt er erstaunlich oft, meist weil das Umfrage-Tool ihn nicht in druckbarer Form ausgibt. Exportiere ihn deshalb schon vor dem Versand als PDF, samt Filterlogik und Antwortoptionen. Nach dem Ende der Feldphase ist die Umfrage womöglich längst geschlossen.
Die Einschränkungen bestehen aus Floskeln
„Die Stichprobe war klein“ ist keine Einschränkung, sondern eine Beobachtung. Eine echte Einschränkung benennt, welche Aussage dadurch nicht mehr trägt: Bei 84 Teilnehmenden aus einem einzigen Studium lässt sich kein Unterschied zwischen Studienrichtungen prüfen, wohl aber die Tendenz innerhalb dieses Studiums beschreiben. Genau diese Unterscheidung zeigt methodisches Verständnis.
Fazit
Eine empirische Arbeit überzeugt nicht durch spektakuläre Daten, sondern dadurch, dass jede Entscheidung nachvollziehbar dokumentiert ist. Wer Methode, Befund und Deutung sauber trennt, macht der Beurteilung die Arbeit leicht. In Österreich kommt eine Schicht dazu: Die Arbeit geht an die Bibliothek, bevor der akademische Grad verliehen wird. Was du abgibst, bleibt also deutlich länger lesbar als bis zur Beurteilung.
Der Ergebnisteil hält fest, was gemessen wurde. Die Diskussion sagt, was es bedeutet. Zwischen beiden verläuft die halbe Beurteilung.
Wie es weitergeht
- Die Umfrage für deine Arbeit steht noch aus? Fragebogen erstellen
- Bei den Hypothesen bist du unsicher? Hypothesen aufstellen
- Der Ablauf von der Idee zur Auswertung fehlt dir? Empirischer Forschungsprozess
Die Erhebung für deine empirische Arbeit fehlt noch?
Mit empirio.ai, einem Online-Umfrage-Tool aus Deutschland, baust du den Fragebogen, sammelst die Antworten anonym und exportierst am Schluss den Datensatz für den Anhang deiner Arbeit.
