Im Winter 1931 zog ein Team aus 17 Personen, darunter neun Forscherinnen, in die niederösterreichische Arbeiterkolonie Marienthal, in der fast jeder Haushalt ohne Arbeit war. Sie stoppten die Gehgeschwindigkeit auf der Hauptstraße, lasen Haushaltsbücher mit und sprachen über Monate mit den Familien. Herausgekommen ist mit den Arbeitslosen von Marienthal eine der bekanntesten deutschsprachigen Sozialstudien.
An Marienthal lässt sich gut zeigen, worum es in der empirischen Sozialforschung geht. Die Vermutung der damaligen Zeit lautete, lange Arbeitslosigkeit mache die Menschen aufsässig. Die Daten zeigten das Gegenteil, nämlich eine „müde Gemeinschaft“ aus Resignation und schrumpfenden Tagesabläufen (Haus der Geschichte Österreich). Genau dieser Moment, in dem eine plausible Annahme an der Wirklichkeit scheitert, ist der Kern des Fachs.
Empirische Sozialforschung ist die systematische Untersuchung sozialer Wirklichkeit mit Daten, die eigens dafür erhoben oder aus vorhandenen Beständen gezogen werden. Sie prüft theoretische Annahmen über menschliches Handeln an beobachtbaren Tatsachen, statt sie allein zu begründen, und nutzt dafür Befragung, Beobachtung, Inhaltsanalyse und Experiment. Am Ende dieses Beitrags weißt du, wie du deine Untersuchung anlegst, ob du dafür überhaupt selbst erheben musst und was das Datenschutzrecht von dir verlangt, bevor du die erste Person befragst.
📌 Das Wichtigste im Überblick
- Empirische Sozialforschung prüft Annahmen über soziales Handeln an erhobenen Daten.
- Befragung, Beobachtung, Inhaltsanalyse und Experiment sind die vier Zugänge zu Daten.
- Der ALLBUS befragt die Bevölkerung in Deutschland seit 1980 im Zweijahresrhythmus.
- Fertige Daten aus dem GESIS-Datenarchiv kosten Studierende nichts.
- Ein Interviewzitat im Anhang ist eine Veröffentlichung personenbezogener Daten.
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Jetzt kostenlos startenWas ist empirische Sozialforschung?
Empirische Sozialforschung ist der Zweig der Sozialwissenschaften, der Aussagen über das Zusammenleben von Menschen aus systematisch erhobenen Daten gewinnt statt aus Theorie allein. Zu Hause ist sie in der Soziologie, der Psychologie, der Politikwissenschaft, der Erziehungswissenschaft und der Kommunikationsforschung.
„Empirisch“ geht über das lateinische empiricus auf das altgriechische empeiria zurück, die durch Versuch und Umgang erworbene Erfahrung. Gemeint ist damit alles, was sich zählen, messen, beobachten oder erfragen lässt. Eine Arbeit wird deshalb nicht dadurch empirisch, dass sie Zahlen enthält, sondern dadurch, dass ihre Antwort aus Daten stammt und nicht aus einer Argumentationskette.
„Systematisch“ ist das zweite tragende Wort in dieser Definition. Ein Gespräch am Küchentisch liefert auch Erfahrung, nur eben keine, die jemand anderes nachvollziehen könnte. Systematisch heißt: Die Auswahl der Befragten, der Wortlaut der Fragen, der Zeitpunkt der Erhebung und die Regeln der Auswertung stehen vorher fest und werden dokumentiert. Genau darum geht es: um intersubjektive Nachprüfbarkeit. Der kritische Rationalismus spitzt das noch zu und verlangt, dass eine Annahme an der Wirklichkeit scheitern könnte. Vielmehr als eine Technik ist das eine Haltung und sie unterscheidet die Sozialforschung vom gut begründeten Meinungsbeitrag.
Wie sich die empirische Sozialforschung zu ihrem Oberbegriff verhält, steht ausführlich im Beitrag zur empirischen Forschung insgesamt. Kurz gesagt ist sie deren sozialwissenschaftlicher Teil: dieselbe Forschungslogik, aber ein Gegenstand, der zurückredet, sich beobachtet fühlt und seine Meinung ändert.
Unser Literaturtipp: Michael Häder (2019): Empirische Sozialforschung. Eine Einführung. 4. Auflage, Springer VS, Wiesbaden, 530 Seiten (SpringerLink). Das ist der Standardeinstieg im deutschsprachigen Raum und die vierte Auflage ist dort stark, wo ältere Lehrbücher schweigen: Sie wurde eigens um digitale Erhebungsmethoden, River Sampling, Forschungsethik und Datenschutz ergänzt.
Grundlagenforschung oder Anwendungsforschung: was passt zu deiner Arbeit?
Grundlagenforschung sucht nach allgemeinen Zusammenhängen, Anwendungsforschung nach einer Antwort für einen konkreten Fall. Beide arbeiten mit denselben Methoden und unterscheiden sich nur im Ziel, doch für eine Abschlussarbeit ist der Unterschied sehr praktisch: Er entscheidet darüber, ob dein Vorhaben in ein Semester passt.
Nehmen wir an, dich interessiert das Ehrenamt. Die Grundlagenfrage lautet dann, welche Faktoren die Bereitschaft zum Ehrenamt allgemein erklären. Die Anwendungsfrage lautet, warum ausgerechnet dieser eine Sportverein seit drei Jahren keine Übungsleitung findet. Die zweite Frage ist die kleinere und sie ist in aller Regel die bessere Wahl.
| Forschungstyp | Was er erreichen will | Für eine Abschlussarbeit |
|---|---|---|
| Grundlagenforschung | allgemeine Erklärungen, die über den Einzelfall hinausreichen | meist zu aufwendig, weil kontrollierte Bedingungen nötig sind |
| Anwendungsforschung | eine belastbare Antwort auf ein konkretes Problem | gut geeignet, Zugang über Verein, Betrieb oder Einrichtung |
| Aktionsforschung | Veränderung im Feld, gemeinsam mit den Beteiligten | nur mit einer Betreuung, die dieses Vorgehen ausdrücklich trägt |
Bei der Aktionsforschung lohnt ein genauer Blick, denn dazu steht in vielen Ratgebern etwas Schiefes. Häufig liest man, „Handlungsforschung“ sei bloß ein älteres Wort für anwendungsorientierte Forschung. Das stimmt nicht. Aktionsforschung, im Deutschen auch Handlungsforschung genannt, geht auf Kurt Lewin in den 1940er Jahren zurück und beschreibt ein eigenes Vorgehen: Forschende und Beteiligte erarbeiten Problem und Ziel gemeinsam, dann greifen Eingriff ins Feld und wissenschaftliche Begleitung spiralförmig ineinander (Spektrum, Lexikon der Psychologie). Wer beides gleichsetzt, verspricht im Exposé eine Beteiligung, die er gar nicht plant.
Empirische Sozialstudie: die sieben Schritte im Ablauf
Eine empirische Sozialstudie läuft in sieben Schritten ab, von der Forschungsfrage über Hypothesen, Operationalisierung und Stichprobe bis zu Erhebung, Auswertung und Veröffentlichung. Die Reihenfolge ist keine Formalie, sondern der Grund dafür, dass am Ende jemand nachvollziehen kann, wie du zu deinem Ergebnis gekommen bist.
Wie stark die einzelnen Schritte ins Gewicht fallen, hängt vom Thema ab. Eine standardisierte Onlinebefragung verbringt viel Zeit in Schritt 3, eine Interviewstudie viel Zeit in Schritt 6. Übersprungen wird trotzdem keiner.
- Forschungsfrage und Untersuchungsziel. Was genau willst du wissen und welche Grenzen setzen dir Zeit, Zugang und Prüfungsordnung? Der Beitrag zum empirischen Forschungsprozess geht auf diesen Schritt im Detail ein.
- Theorie und Hypothesen. Welche Erklärung gibt es in der Literatur schon und wie formulierst du daraus eine Aussage, die an deinen Daten scheitern könnte?
- Operationalisierung. Wie machst du einen Begriff wie „soziale Unterstützung“ messbar? Ohne diesen Schritt gibt es keine Frage im Fragebogen, die zur Hypothese passt.
- Auswahl der Untersuchungseinheiten. Wen befragst du, wie viele und nach welchem Verfahren? Die Wege dorthin stehen im Beitrag zur Stichprobe.
- Pretest und Erhebung. Erst ein Probelauf mit wenigen Personen, dann die eigentliche Erhebung. Der Pretest ist der billigste Schritt der ganzen Studie und der, den die Zeitplanung am ehesten frisst.
- Aufbereitung und Auswertung. Codieren, bereinigen, transkribieren, dann rechnen oder interpretieren.
- Interpretation und Dissemination (= die Verbreitung der Ergebnisse). Was folgt aus den Zahlen oder Zitaten und wie machst du das Ergebnis für andere zugänglich?
Die sieben Schritte findest du als Gliederung in der Fachliteratur wieder. Häder gliedert sein Lehrbuch ähnlich: Untersuchungsplanung, Auswahlverfahren, Erhebungsmethoden, Pretests, Aufbereitung und Auswertung, Dokumentation. Folgt dein Methodenkapitel dieser Abfolge, hast du die Struktur schon halb geschenkt bekommen.
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Mit empirio.ai erstellst du in wenigen Minuten eine moderne Online-Umfrage – mit Hosting in der EU.
Jetzt kostenlos startenWelche Methoden gibt es in der empirischen Sozialforschung?
In der empirischen Sozialforschung führen vier Wege zu Daten: die Befragung, die Beobachtung, die Inhaltsanalyse und das Experiment. Die ersten drei sind Erhebungsmethoden, das Experiment ist die Anordnung, in der sie zum Einsatz kommen. Ob eine Untersuchung quantitativ oder qualitativ wird, entscheidet dabei vor allem der Grad der Standardisierung.
Die Wahl hängt daran, wovon deine Forschungsfrage handelt. Geht es um Einstellungen, musst du fragen. Geht es um tatsächliches Verhalten, ist Beobachtung oft ehrlicher, weil Menschen ihr eigenes Verhalten schlecht einschätzen. Geht es um öffentliche Kommunikation, liegen die Daten längst vor und warten auf eine Inhaltsanalyse.
| Methode | Woran sie herankommt | Wann sie passt |
|---|---|---|
| Befragung | Einstellungen, Wissen, Selbstauskunft über Verhalten | bei Meinungen, Motiven und Bewertungen |
| Beobachtung | tatsächliches Verhalten in einer Situation | wenn Selbstauskunft unzuverlässig wäre |
| Inhaltsanalyse | Texte, Bilder, Beiträge, Akten, Untertitel | wenn das Material schon existiert |
| Experiment | Wirkung einer gezielt veränderten Bedingung | wenn du eine Ursache belegen willst |
Bei der Befragung schleicht sich in viele Ratgeber ein Fehler ein, der dich im Kolloquium Punkte kostet: Befragung und Interview werden gleichgesetzt oder das Interview wird pauschal den qualitativen Methoden zugeschlagen. Beides trifft nicht zu. Die Befragung ist die Methode, das Interview nur ihre mündliche Form neben der schriftlichen, telefonischen und onlinebasierten. Ob eine Befragung quantitativ wird, entscheidet der Grad der Standardisierung: Ein Leitfadeninterview mit fünf Personen und eine Onlinebefragung mit 600 Personen sind beide Befragungen.
Halte außerdem Erhebung und Auswertung auseinander. Die Methode, mit der du Daten gewinnst, und das Verfahren, mit dem du sie später analysierst, sind zwei getrennte Entscheidungen. Welche Kombinationen üblich sind, zeigt der Beitrag zu qualitativen und quantitativen Forschungsmethoden.
Empirische Sozialforschung ohne eigene Erhebung
Eine empirische Arbeit braucht keine selbst erhobenen Daten, denn die Sekundäranalyse vorhandener Datensätze ist ein anerkanntes Vorgehen der empirischen Sozialforschung. Für Studierende in Deutschland ist das oft der realistischere Weg, weil die Rekrutierung einer brauchbaren Stichprobe mehr Zeit frisst als die gesamte Auswertung.
Die wichtigste Adresse dafür ist das GESIS, das Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften in Köln und Mannheim. Dort liegt der ALLBUS, die Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften. Seit 1980 werden dafür alle zwei Jahre Zufallsstichproben der Bevölkerung befragt, bisher zu 22 Zeitpunkten und mit 15 wechselnden Schwerpunkten. Eine kumulierte Datei von 1980 bis 2023 fasst alle Merkmale zusammen, die mindestens zweimal erhoben wurden (GESIS, ALLBUS). Der Zugang ist nach einer Registrierung kostenfrei und ausdrücklich auch für die Lehre gedacht.
Die zweite große Quelle ist das Sozio-oekonomische Panel am DIW Berlin. Es läuft seit 1984 und befragt jährlich rund 30.000 Menschen in knapp 20.000 Haushalten, immer dieselben (DIW Berlin, SOEP). Damit lassen sich Fragen beantworten, die eine einmalige Umfrage gar nicht stellen kann, etwa wie sich Einkommen und Zufriedenheit derselben Person über zwanzig Jahre entwickeln.
Empirisch heißt: Die Antwort kommt aus Daten. Nicht: Die Daten kommen von dir.
Die ehrliche Grenze der Sekundäranalyse liegt in der Passung. Ein fremder Datensatz beantwortet deine Frage nur, wenn zufällig jemand die passenden Merkmale erhoben hat. Die Suche läuft deshalb andersherum: Erst schaust du, welche Variablen es gibt, dann schärfst du deine Fragestellung daran nach. Wie der empirische Teil danach in die Gliederung wandert, zeigt der Beitrag zur empirischen Bachelorarbeit.
💡 Tipp
Prüfe die Passung, bevor du dein Thema anmeldest. Öffne in der GESIS-Suche den Variablenbericht der letzten ALLBUS-Welle und suche darin nach zwei Begriffen aus deiner Fragestellung. Findest du beide, hast du deine Datengrundlage.
Datenschutz und Forschungsethik: was vor der ersten Frage geklärt sein muss
Wer für eine Studie Menschen befragt oder beobachtet, verarbeitet personenbezogene Daten und braucht dafür eine Rechtsgrundlage nach Art. 6 DSGVO. Im Hochschulalltag ist das in aller Regel die freiwillige Einwilligung der teilnehmenden Person, und zwar eingeholt, bevor die erste Frage gestellt wird.
Zusätzlich verlangt Art. 89 DSGVO für Forschungszwecke geeignete Garantien, allen voran Datenminimierung und, wo möglich, Pseudonymisierung. Welches deutsche Gesetz das ausfüllt, hängt vom Träger ab: Für private Stellen und Bundesbehörden gilt § 27 BDSG, für eine Landeshochschule das Landesdatenschutzgesetz und das Hochschulgesetz des Landes. Die Linie ist überall dieselbe: Besonders sensible Angaben wie Gesundheit, Religion oder politische Meinung sind zu anonymisieren, sobald der Forschungszweck es zulässt, und bis dahin getrennt von den übrigen Daten zu speichern. In der Praxis heißt das: Die Liste mit den Klarnamen liegt nicht in derselben Datei wie die Antworten.
Was vor dem Start stehen sollte
Fünf Punkte decken eine studentische Erhebung ab, und alle fünf gehören in die Unterlagen, bevor die erste Einladung rausgeht. Jeder Punkt liefert dir nebenbei einen Satz fürs Methodenkapitel, der Aufwand zahlt sich also doppelt aus.
- Eine Einwilligung, die Zweck, Speicherdauer und Widerruf benennt.
- Ein Datensparsamkeits-Check: Welche Frage brauchst du wirklich?
- Getrennte Speicherung von Identifikationsmerkmalen und Antworten.
- Ein Löschzeitpunkt, der im Einwilligungstext steht.
- Die Rückfrage bei deiner Betreuung, ob ein Ethikvotum nötig ist.
Ethikkommission an deutschen Hochschulen
Ob eine Ethikkommission eingeschaltet werden muss, hängt vom Fach und von der Hochschule ab. In Psychologie und Medizin ist ein Votum oft Pflicht, in vielen sozialwissenschaftlichen Studiengängen nur bei besonders schutzbedürftigen Gruppen wie Minderjährigen. Die Vorgaben deiner Hochschule stehen über jeder allgemeinen Regel und zuständig für die Einschätzung sind deine Betreuung sowie die oder der Datenschutzbeauftragte deiner Einrichtung.
⚠️ Achtung
Ein wörtliches Interviewzitat im Anhang deiner Arbeit ist eine Veröffentlichung personenbezogener Daten. § 27 Abs. 4 BDSG lässt das nur mit Einwilligung der betroffenen Person zu, die Landesgesetze ziehen dieselbe Grenze. Nimm die Erlaubnis zur Zitierung deshalb gleich in den Einwilligungstext auf.
Welche Formulierungen in einen Einwilligungstext gehören, steht im Beitrag zum Datenschutz bei Umfragen. Dieser Abschnitt ordnet die Rechtslage ein und ersetzt keine Rechtsberatung.
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Jetzt kostenlos startenTypische Fehler in der empirischen Sozialforschung
Die meisten Mängel in studentischen Arbeiten entstehen nicht beim Rechnen, sondern lange davor, bei Entscheidungen, die niemand aufgeschrieben hat. Sie fallen erst auf, wenn die Daten da sind und sich nichts mehr ändern lässt.
Vier Fehler begegnen uns immer wieder. Sie sind alle vermeidbar, kosten aber jeweils ein paar Stunden Nachdenken vor der Erhebung statt ein paar Wochen Reparatur danach.
Repräsentativität mit Stichprobengröße verwechseln
Eine Umfrage wird nicht dadurch repräsentativ, dass viele Menschen teilnehmen. Repräsentativität ist eine Eigenschaft des Auswahlverfahrens: Sie entsteht, wenn jede Person der Grundgesamtheit eine bekannte und von null verschiedene Chance hatte, in die Stichprobe zu kommen. 800 Antworten aus deinem eigenen Bekanntenkreis sind deshalb weniger aussagekräftig als 300 aus einer Zufallsauswahl. Wie du das sauber formulierst, zeigt der Beitrag dazu, wann eine Umfrage repräsentativ ist.
Die Hypothese nach der Auswertung formulieren
Wer erst rechnet und dann die Hypothese so anpasst, dass sie zum Ergebnis passt, dreht die Forschungslogik um. Der Befund lässt sich danach nicht mehr prüfen, weil er aus denselben Daten stammt, die ihn belegen sollen. Schreibe deine Hypothesen deshalb vor der Erhebung auf und lass sie stehen, auch wenn sie sich nicht bestätigen. Eine widerlegte Hypothese ist ein Ergebnis, keine Panne.
Die Methode vor der Frage wählen
„Ich mache eine Umfrage“ ist keine Forschungsentscheidung, sondern eine Gewohnheit. Sinnvoll ist die Reihenfolge andersherum: erst die Frage, dann der Datentyp, der sie beantworten könnte, dann die Methode, die diesen Datentyp liefert. Wer mit der Methode anfängt, erhebt zuverlässig Daten, die knapp am Thema vorbeigehen, und merkt es beim Schreiben des Ergebniskapitels.
Den Pretest streichen
Der Pretest ist der Schritt, der am häufigsten dem Zeitplan zum Opfer fällt, und der einzige, der sich hinterher nicht nachholen lässt. Fünf Personen aus der Zielgruppe, die den Fragebogen einmal laut durchgehen, finden zuverlässig die missverständliche Frage, die doppelte Verneinung und die fehlende Antwortoption. Nach dem Versand an 400 Personen kannst du daran nichts mehr ändern.
Fazit
Empirische Sozialforschung ist weniger eine Sammlung von Techniken als eine Abfolge von Entscheidungen, die du vorher triffst und hinterher begründest. Wähle deshalb zuerst die Frage, dann die Art der Daten und erst danach die Methode. Und prüfe früh, ob es die passenden Daten vielleicht schon gibt, denn eine gute Sekundäranalyse ist einer schwachen eigenen Erhebung immer vorzuziehen.
Wie es weitergeht
- Du willst den ganzen Rahmen verstehen? Empirische Forschung: Definition, Methoden, Leitfaden
- Der Aufbau deiner Untersuchung steht noch nicht? Forschungsdesign entwickeln
- Du bist unsicher, ob deine Studie beschreiben oder erklären soll? Explorativ, deskriptiv, explanativ, kausal
- Der empirische Teil soll in die Gliederung? Empirische Arbeit schreiben
- Die Daten liegen vor und du suchst das passende Verfahren? Auswertungsmethoden wählen
Du erhebst deine Daten doch selbst?
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Häufig gestellte Fragen
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