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Empirische Forschung

Empirische Bachelorarbeit oder Masterarbeit: So geht's

Du hast bisher nur Essays, Klausuren oder kleinere Hausarbeiten geschrieben und stehst nun vor deiner ersten empirischen Ausarbeitung? Im nachfolgenden Artikel verraten wir dir, was empirische Forschung überhaupt bedeutet und welche grundlegenden Forschungsmethoden du bei deiner Abschlussarbeit einsetzen kannst.

von Maria MalzewAktualisiert am 18. September 2023Lesezeit 5 Min.

Du hast bisher nur Essays, Klausuren oder kleinere Hausarbeiten geschrieben und stehst nun vor deiner ersten empirischen Ausarbeitung? Womöglich sogar vor der wichtigsten Herausforderung deines Studiums: Dem Verfassen einer Bachelor- oder Masterarbeit mit empirischem Anteil? Dabei weißt du nicht so recht, wie du mit deiner Abschlussarbeit überhaupt beginnen solltest …

Kommt dir das bekannt vor? Keine Sorge, das ist überhaupt nicht untypisch! Oftmals wird das empirische Forschen nicht in allen Studiengängen praxisorientiert unterrichtet. Daher müssen sich viele Studierende diese akademische Grundkompetenz selbstständig aneignen.
 

 

Im nachfolgenden Abschnitt verraten wir dir, was empirisch Forschen überhaupt bedeutet und welche grundlegenden Forschungsmethoden du bei deiner Abschlussarbeit einsetzen kannst.

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Wann gilt die Forschung als empirisch?

 

„Empirie ist das wissenschaftliche Testen von theoretischen Aussagen in der Praxis.“ (Hunziker 2013: 23)

 

Bei den meisten wissenschaftlichen Arbeiten werden zunächst vorhandene Theorien und Konzepte (aus der Literatur) als Ausgangspunkt für die eigene Forschung betrachtet. Mithilfe empirischer Erhebungsmethoden können diese theoretischen Überlegungen in der Realität überprüft werden. Damit gilt die Untersuchung als empirisch (= auf Erfahrungen basierend) und die geprüfte Theorie ggf. als empirisch fundiert.

Vor allem in den Naturwissenschaften (Biologie, Chemie, Physik usw.) sowie Sozialwissenschaften (Soziologie, Psychologie, Politikwissenschaft usw.) ist die Empirie ein wesentlicher Bestandteil der wissenschaftlichen Praxis. Auf wissenschaftliche Methoden gehen wir später noch ausführlich ein, beispielhaft zählen verschiedene Labortests in der Biologie oder Umfragen in der empirischen Sozialforschung dazu.

Häufig stehen gesellschaftsrelevante Fragestellungen wie die Folgenden im Mittelpunkt einer empirischen Ausarbeitung:

  • Welchen Einfluss hat das Product Placement bei YouTube-Videos auf das Verhalten des Konsumenten?
  • Welche Lehrmethode eignet sich für den bestmöglichen Wissenstransfer bei Studierenden?
  • Wie wirken sich chronische Schmerzen oder Gesundheitssorgen auf die persönliche Lebenszufriedenheit aus?
  • Wie würden Sie wählen, wenn am nächsten Sonntag Wahl wäre?

Im Verlauf einer solchen Untersuchung wirst du systematisch Daten erheben und auswerten, um daraus anschließend Rückschlüsse im Hinblick auf deine formulierte Forschungsfrage zu ziehen.

Schematische Darstellung von dem Umfrage Tool empirio und empirischer Forschung



Wie verfasst man eine empirische Abschlussarbeit?

Auch wenn es keine allgemein gültige Formel dafür gibt, wie empirische Forschung aussehen muss, können wir uns eine wissenschaftliche Abhandlung als konkretes Beispiel anschauen:

Kalter, Frank/Nadia Granato (2018). „Migration und ethnische Ungleichheit auf dem Arbeitsmarkt.“ Arbeitsmarktsoziologie: Probleme, Theorien, empirische Befunde. 3. Auflage. Hrsg. Martin Abraham/Thomas Hinz. Springer: Wiesbaden. S. 355-387. > Zur Studie

Die Autoren dieser Studie beschäftigen sich unter anderem mit folgender Frage: Wie lässt sich die geringe Arbeitsmarktintegration von Migranten erklären? Die Forscher stellen dabei zuerst die wesentlichen theoretischen Argumente zu diesem Thema vor und gehen danach auf die empirischen Ergebnisse bzw. Datensätze aus verschiedenen Umfragen ein, um ihre anfangs formulierte Hypothese zu überprüfen.

Bei einer empirischen Arbeit entwickelst du im Grunde immer eine oder mehrere Vermutungen, formulierst diese als Hypothese und überprüfst sie dann mithilfe empirischer Methoden wie beispielsweise Umfragen, Beobachtungen oder Inhaltsanalysen.
 

Was sind die Vorteile einer empirischen Abschlussarbeit?

Empirische Forschung eignet sich hervorragend für eine Bachelor- oder Masterarbeit, weil du ein praxisorientiertes Projekt aufziehen kannst, bei dem du eigenständige wissenschaftliche Ergebnisse erzielst. Zu den Vorteilen gehören:

  • Sehr praxisorientiert
  • Hoch angesehene eigenständige Forschung (wenn man einen neuen Beitrag zur bisherigen Forschung / Literatur leistet)
  • Vergleichsweise geringe Literaturarbeit
  • Sehr genaue Analyse möglich
     

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Was sind die Nachteile einer empirischen Abschlussarbeit?

Empirische Forschung ist zeitlich relativ aufwändig und zusätzlich häufig von Probanden abhängig. Eine gute Planung deiner Forschung ist deshalb zwingend erforderlich – mit unserer Anleitung dürfte das allerdings kein Problem sein! Zu den Nachteilen gehören:

  • Höherer Aufwand für die Datenerhebung
  • Komplexe Umsetzung
  • Ggf. Abhängigkeit von Probanden
Empirischer Forschungsprozess in 7 Schritten nach Raithel: Ablauf, Phasen und Beispiel



Vorgehensweise bei der empirischen Forschung

Im Laufe deiner empirischen Bachelorarbeit wirst du in der Regel sieben grundlegende Arbeitsschritte (basierend auf Raithel 2008: 27- 32; siehe auch Beller 2016: 19-22) vornehmen, wobei die Gewichtung einzelner Abschnitte je nach Thema verschieden ausfallen wird.

Die Konzeption, die Wahl von Methoden sowie die Durchführung deiner empirischen Forschung hängen immer davon ab, welche Problemstellung du untersuchen möchtest und mit welchen Mitteln deine Frage am besten eingegrenzt werden kann. 

 


Quelle: Raithel, Jürgen (2008). Quantitative Forschung. Ein Praxiskurs. 2. Auflage. VS Verlag für Sozialwissenschaften: Wiesbaden. > Zum Buch

Weiterer Literaturtipp: Beller, Sieghard. (2016). Empirisch forschen lernen. Konzepte, Methoden, Fallbeispiele, Tipps. 2 Auflage. Huber Verlag: Bern. > Zum Buch

 

Quantitative Forschungsmethoden und Qualitative Forschungsmethoden mit Beispiel als
Vergleich

 

Empirische Forschungsmethoden im Überblick: Quantitativ vs. qualitativ

Hast du deine Hypothese formuliert, musst du noch entscheiden, ob diese besser mit einer qualitativen oder einer quantitativen Forschungsmethode überprüft werden kann.

In der quantitativen Forschung wird mithilfe von z.B. standardisierten Befragungen, Zählungen und Experimenten eine große Anzahl von Fällen untersucht, um sie dann zusammenzufassen (deskriptive Statistik) oder aus ihrer Analyse auf nicht untersuchte Fälle rückschließen zu können (schließende Statistik). Mit diesem Verfahren kann anhand von Zahlen ein breitgefächerter Einblick zu einem bestimmten Phänomen wie in folgenden Beispielen vermittelt werden:

  • Wenn Männer über 50 Jahren mehr als 10 Zigaretten am Tag rauchen, dann steigt bei ihnen die Wahrscheinlichkeit einer Lungenkrebserkrankung.
  • Je mehr Geld die Bundesländer in die Bildung investieren, desto höher ist die Anzahl der Schulabsolventen mit einem höheren Bildungsgrad.

In der qualitativen Forschung wird umgekehrt versucht, einen Einzelfall durch z.B. Beobachtungen oder qualitative Inhaltsanalyse in seiner Gesamtheit abzubilden. Dieses Verfahren wird bei komplexen Zusammenhängen eingesetzt oder bei solchen Themen, bei denen es derzeit wenig etablierte Theorien und Literatur gibt:

  • Wie stellen sich Studierende ihre berufliche Zukunft nach der Corona-Pandemie vor?
  • Welche Inhalte konsumieren Kinder und Jugendlichen im Alter von 2 bis 14 Jahren auf ihrem Smartphone oder Tablet?

 

Weiterführende Literatur

Beller, Sieghard (2016). Empirisch forschen lernen. Konzepte, Methoden, Fallbeispiele, Tipps. 2 Auflage. Huber Verlag: Bern. > Zum Buch

Döring, Nicola / Bortz, Jürgen (2016). Forschungsmethoden und Evaluation in den Sozial- und Humanwissenschaften. 5. Auflage, Springer VS: Wiesbaden. > Zum Buch

Hunziker, Alexander W. (2013). Spass am wissenschaftlichen Arbeiten. So schreiben Sie eine gute Semester-, Bachelor- und Masterarbeit. 5. Auflage. SKV: Zürich. > Zum Buch

Raithel, Jürgen (2008). Quantitative Forschung. Ein Praxiskurs. 2. Auflage. VS Verlag für Sozialwissenschaften: Wiesbaden. > Zum Buch



 

Häufig gestellte Fragen

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