Machen wir einen kleinen Test: Wem glaubst du eher, dem Bauchgefühl aus der WG-Küche oder einer Befragung mit sauber dokumentierter Methode? Vermutlich der Befragung, und damit bist du mitten im Thema empirische Forschungsmethoden.
Empirische Forschungsmethoden sind festgelegte wissenschaftliche Verfahren, mit denen du Daten systematisch erhebst und auswertest, um deine Forschungsfrage zu beantworten. Sie lassen sich in quantitative Methoden unterteilen, die mit Zahlen und großen Stichproben arbeiten, und in qualitative Methoden, die einzelne Fälle offen und in der Tiefe untersuchen. Am Ende dieses Artikels weißt du, welcher Weg zu deiner Arbeit passt.
📌 Das Wichtigste im Überblick
- Empirische Forschung gewinnt Erkenntnisse aus systematisch erhobenen Daten.
- Quantitative Methoden messen in Zahlen und brauchen große Stichproben.
- Qualitative Methoden untersuchen wenige Fälle offen und in der Tiefe.
- Befragung, Beobachtung, Inhaltsanalyse und Experiment sind die vier Grundformen.
- Deine Forschungsfrage entscheidet über die passende Methode.
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Jetzt kostenlos startenAllgemeine Definition von Empirie
Empirie bezeichnet wissenschaftliche Erkenntnis, die auf systematisch gesammelter und ausgewerteter Erfahrung beruht, also auf Beobachtungen, Befragungen, Experimenten oder Inhaltsanalysen und nicht auf reiner Theorie, Alltagsvermutung oder persönlicher Einschätzung. Der Begriff stammt vom altgriechischen Wort „empeiria“ ab, das sich mit „Erfahrung“ übersetzen lässt.
Unsere Meinungen und Vermutungen aus dem Alltag beruhen dagegen auf subjektiven und oft lückenhaften Eindrücken, weshalb sie leicht zu falschen Schlüssen führen. Empirische Forschung will genau das vermeiden: Sie legt vor der Untersuchung fest, wie Daten erhoben, ausgewertet und interpretiert werden, damit andere jeden Schritt nachvollziehen und überprüfen können. Wie gut das gelingt, misst die Wissenschaft an den Gütekriterien Objektivität, Reliabilität und Validität.
Theoretische Vorüberlegungen bleiben dabei wichtig! Aus ihnen entstehen Forschungsfragen und Hypothesen, die du anschließend mit einer passenden Methode überprüfst. Einen ausführlichen Einstieg in den gesamten Ablauf bietet unser Leitfaden zur empirischen Forschung.
Empirisch heißt nicht kompliziert, sondern überprüfbar: belegt statt behauptet.
Typen von empirischen Forschungsmethoden
Empirische Forschungsmethoden lassen sich in zwei große Gruppen einteilen: quantitative Methoden, die Phänomene in Zahlen messen, und qualitative Methoden, die einzelne Fälle offen und detailliert untersuchen. Beide Ansätze sind gleichermaßen wissenschaftlich, sie beantworten nur unterschiedliche Arten von Fragen.
Die vier Grundformen Befragung, Beobachtung, Inhaltsanalyse und Experiment existieren übrigens in beiden Varianten. Eine Befragung kann als standardisierter Fragebogen mit festen Antwortoptionen daherkommen (= quantitativ) oder als offenes Gespräch (= qualitativ). Entscheidend ist also weniger die Erhebungsform als der Grad ihrer Standardisierung.

Quantitative empirische Forschungsmethoden
Quantitative Forschungsmethoden erfassen Merkmale in Zahlen, damit sich Phänomene messen, vergleichen und statistisch auswerten lassen. Ursprünglich in den Natur- und Sozialwissenschaften entwickelt, kommen sie heute in fast allen Disziplinen zum Einsatz. Ihre Stärke liegt in großen, standardisierten Datenmengen: Wurde die Stichprobe zufällig gezogen und entspricht sie in ihrer Zusammensetzung der Grundgesamtheit (= die Gruppe, über die du eine Aussage treffen willst), lassen sich die Ergebnisse verallgemeinern.
Zu den quantitativen Methoden zählen:
- Standardisierte Befragung: Online-Umfragen und Interviews mit festem Fragebogen.
- Standardisierte Beobachtung: Verhalten wird nach festem Schema gezählt.
- Standardisierte Inhaltsanalyse: Texte und Medien werden nach Kategorien ausgezählt.
- Experiment: eine Bedingung wird gezielt verändert, der Effekt gemessen.
In Abschlussarbeiten besonders verbreitet ist die standardisierte Online-Befragung, weil sie viele Teilnehmende in kurzer Zeit erreicht. Bekannte Werkzeuge dafür sind Google Forms, SurveyMonkey und empirio.ai, ein Online-Umfrage-Tool aus Deutschland.
Beispiel: Auf einer Website werden alle Besuchenden gebeten, die Gestaltung verschiedener Bereiche auf einer Skala von 1 bis 5 zu bewerten. Aus den messbaren Antworten leitet das Team ab, welche Bereiche es zuerst überarbeiten sollte.
Qualitative empirische Forschungsmethoden
Qualitative Forschungsmethoden untersuchen wenige Fälle offen und in der Tiefe, um Motive, Deutungen und Zusammenhänge zu verstehen, die sich nicht sinnvoll in Zahlen ausdrücken lassen. Entwickelt wurden sie vor allem in den Sozial- und Kulturwissenschaften. Statt fester Antwortoptionen gibt es offene Fragen und Raum für Unerwartetes, und die Auswertung interpretiert Texte, Aussagen oder Beobachtungen, statt Statistiken zu rechnen.
Zu den qualitativen Methoden zählen:
- Leitfaden- und Experteninterview: offenes Gespräch entlang grober Leitfragen.
- Qualitative Beobachtung: Verhalten wird offen beschrieben statt gezählt.
- Qualitative Inhaltsanalyse: Texte werden interpretierend ausgewertet.
- Gruppendiskussion: mehrere Personen diskutieren, die Dynamik wird analysiert.
- Fallstudie und Dokumentenanalyse: ein Einzelfall wird umfassend untersucht.
Beispiel: Eine Bank möchte verstehen, warum ein Teil ihrer Kundschaft kein Online-Banking nutzt. In offenen Interviews erzählen die Befragten von ihren Bedenken, und aus den Gesprächen entstehen Hypothesen, die sich anschließend quantitativ überprüfen lassen.
Quantitativ oder qualitativ: die passende Methode wählen
Die Wahl der passenden Forschungsmethode hängt von deiner Forschungsfrage ab: Willst du Häufigkeiten messen und Aussagen verallgemeinern, brauchst du quantitative Daten. Willst du Motive verstehen und Neues entdecken, kommst du mit qualitativen Interviews oder Beobachtungen weiter.
| Merkmal | Quantitative Forschung | Qualitative Forschung |
|---|---|---|
| Ziel | messen, vergleichen, verallgemeinern | verstehen, erkunden, Hypothesen bilden |
| Datenform | Zahlen und feste Kategorien | Texte, Aussagen, Beobachtungen |
| Stichprobe | groß, möglichst zufällig gezogen | klein, gezielt ausgewählt |
| Fragen | geschlossen, standardisiert | offen, flexibel |
| Auswertung | statistisch | interpretierend |
| Typische Logik | deduktiv, Hypothesen prüfen | induktiv, Hypothesen entwickeln |
Streng trennen musst du beide Welten übrigens nicht. Viele Studien kombinieren sie als Mixed Methods: Erst liefern offene Interviews mögliche Erklärungen, dann prüft eine standardisierte Befragung, ob sie für eine größere Gruppe gelten. Mehr zu den beiden Denkweisen liest du im Vergleich qualitativ vs. quantitativ, die dahinterliegende Logik erklärt der Beitrag zu deduktiver und induktiver Forschung.
💡 Tipp
Formuliere deine Forschungsfrage in einem Satz und schau auf das Fragewort. „Wie viele“ und „wie oft“ führen fast immer zu einer quantitativen Methode, „warum“ und „wie erleben“ zu einer qualitativen.
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Jetzt kostenlos startenTypische Fehler bei empirischen Forschungsmethoden
Die meisten Probleme in empirischen Arbeiten entstehen nicht erst bei der Auswertung, sondern deutlich früher: bei der Wahl und Planung der Methode. Wer hier sauber arbeitet, erspart sich später viel Ärger.
Drei Fehler begegnen uns dabei immer wieder. Alle drei lassen sich vermeiden, wenn du die Methode konsequent aus der Forschungsfrage ableitest und die Grenzen deiner Daten kennst.
Fehler 1: Die Methode vor der Forschungsfrage festlegen
Viele legen sich auf eine Online-Umfrage fest, bevor die Forschungsfrage steht, weil die Methode vertraut und bequem erscheint. Die Folge sind Daten, die die eigentliche Frage nur zur Hälfte beantworten. Besser andersherum: Erst die Frage formulieren, dann prüfen, welche Methode die nötigen Daten liefert.
Fehler 2: Kleine Stichproben verallgemeinern
Zwölf Interviews sagen etwas über zwölf Personen, nicht über „die Studierenden in Österreich“. Wer qualitative Ergebnisse wie repräsentative Zahlen behandelt, zieht Schlüsse, die die Daten nicht tragen. Qualitative Befunde formulierst du deshalb als Hypothesen oder Tendenzen, nicht als Prozentwerte.
Fehler 3: Stichprobengröße mit Repräsentativität verwechseln
Eine große Stichprobe macht eine Untersuchung genauer, aber nicht automatisch repräsentativ. Repräsentativ wird sie erst, wenn die Teilnehmenden zufällig ausgewählt wurden und in ihrer Zusammensetzung der Grundgesamtheit entsprechen. Tausend Antworten aus einer einzigen Fachschaft bleiben eine Aussage über genau diese Fachschaft.
Fazit
Empirische Forschungsmethoden sind kein Selbstzweck, sondern der Weg von der Vermutung zur belegbaren Aussage. Generell gilt: Lass die Forschungsfrage entscheiden, ob du misst oder verstehst, und dokumentiere jeden Schritt so, dass andere ihn nachvollziehen können. Dann steht deine Untersuchung methodisch auf sicherem Boden.
Wie es weitergeht
- Du willst den kompletten Ablauf deiner Untersuchung planen? Empirischer Forschungsprozess: Ablauf und Beispiel
- Deine Daten sind erhoben und warten auf die Analyse? Auswertungsmethoden in der empirischen Forschung
- Du planst eine Befragung als Methode? Online-Befragung: Definition, Vorteile und Nachteile
Du steigst gerade in deine empirische Arbeit ein?
Unser Leitfaden führt dich von der Forschungsfrage bis zur fertigen Auswertung durch alle Schritte: Empirische Forschung: Definition, Methoden, Leitfaden
Häufig gestellte Fragen
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