Deine Quellen liegen bereit, und dein Institut verlangt die deutsche Zitierweise: Belege in Fußnoten am Seitenende statt in Klammern im Fließtext. Ab hier wird es unübersichtlich. Wie viel gehört in die erste Fußnote, wie wenig in die zweite, und wann darfst du „ebd.“ schreiben?
Bei der deutschen Zitierweise steht jeder Quellennachweis in einer Fußnote, auf die eine hochgestellte Ziffer im Text verweist. Üblicherweise trägt die erste Fußnote zu einer Quelle den Vollbeleg mit allen Angaben und jede weitere einen Kurzbeleg aus Nachname, einer Kennung des Werks und der Seitenzahl. An österreichischen Instituten gilt das allerdings nicht überall, und genau diese Abweichungen zeigen wir dir hier.
📌 Das Wichtigste im Überblick
- Die deutsche Zitierweise belegt jede Quelle in einer Fußnote.
- Üblich ist der Vollbeleg zuerst, danach nur noch Kurzbelege.
- Manche Wiener Institute verzichten ganz auf den Vollbeleg.
- „Ebd.“ meint nur die unmittelbar vorhergehende Fußnote.
- Verbindlich ist die Handreichung deines Instituts.
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Jetzt kostenlos startenWas ist die deutsche Zitierweise?
Die deutsche Zitierweise ist ein Belegsystem, bei dem jede Quellenangabe in einer Fußnote am Seitenende steht. Eine hochgestellte Ziffer hinter der belegten Stelle führt zur Fußnote, und dort findest du Autor, Titel, Erscheinungsangaben und Seitenzahl.
Der Vorteil liegt im Lesefluss: Der Fließtext bleibt frei von Klammern. Deshalb halten Fächer mit vielen Quellen pro Seite an diesem System fest, vor allem Geschichte, Kunstgeschichte, Jura und Theologie. Wer stattdessen Nachname und Jahr in Klammern in den Satz setzt, arbeitet mit Harvard oder APA.
Deutsche Zitierweise, Fußnotenzitierweise oder klassische Zitierweise?
Einen offiziellen Namen trägt die deutsche Zitierweise nicht, weil keine Stelle existiert, die ihn vergeben hätte. Dieselben Regeln laufen in Handreichungen unter „Fußnotenzitierweise“, „klassische Zitierweise“ oder „Zitieren mit Fußnoten“. Gemeint ist immer dasselbe Prinzip. Eine eigene Sache ist die juristische Zitierweise mit ihren Regeln für Gesetze, Kommentare und Judikatur.
Der Unterschied zur Harvard- und zur APA-Zitierweise
Der Unterschied zwischen der deutschen Zitierweise und den Klammersystemen liegt am Ort des Belegs, nicht an seinem Inhalt. Dieselben bibliografischen Daten landen einmal unten auf der Seite und einmal mitten im Satz. Ein Literaturverzeichnis lässt sich zwischen den Systemen daher fast unverändert übernehmen, ein Beleg im Text nicht.
| Zitierstil | Wo der Beleg steht | Wie er aussieht |
|---|---|---|
| Deutsche Zitierweise | Fußnote am Seitenende | Vgl. Weber 2024, S. 87. |
| Harvard | Klammer im Fließtext | (Weber 2024: 87) |
| APA 7 | Klammer im Fließtext | (Weber, 2024, S. 87) |
| Chicago 18 | Fußnote am Seitenende | Weber, Empirisch forschen, 87. |
Chicago belegt ebenfalls unten auf der Seite, ordnet die Angaben aber anders an und stellt den Vornamen voran. Deutsche Zitierweise und Chicago sind also zwei getrennte Systeme. Wie sich der Unterschied an einem Buch auswirkt, zeigt unser Beitrag zum Zitieren von Büchern.
Ist die deutsche Zitierweise eine Norm?
Die deutsche Zitierweise ist keine Norm, sondern eine Fachkonvention. Es existiert kein zentrales Handbuch wie bei APA und keine ÖNORM dafür. Wie weit die Vorgaben auseinandergehen, siehst du an zwei Instituten derselben Universität.
Die Zitierregeln des Instituts für Kunstgeschichte der Universität Wien schreiben ein Fußnotensystem vor und regeln es bis zur Zeichensetzung. Die Zitierregeln des Instituts für Soziologie mit Stand April 2025 orientieren sich dagegen an APA 7 und halten fest, dass Fußnoten dort zusätzlichen Inhalten dienen und nicht dem Quellennachweis. Beide Dokumente stammen aus Wien, beide gelten, nur eben in verschiedenen Fächern.
Vollbeleg und Kurzbeleg: was in welche Fußnote gehört
Der Vollbeleg steht üblicherweise in der ersten Fußnote zu einer Quelle und enthält alle bibliografischen Angaben. Jede weitere Fußnote zu derselben Quelle trägt den Kurzbeleg, der auf Nachname, eine Kennung des Werks und die Seitenzahl zusammenschrumpft.
Statt Vollbeleg und Kurzbeleg liest du in österreichischen Handreichungen häufig Vollzitat und Kurzzitat, gelegentlich auch Langbeleg. Gemeint ist dasselbe. Alle Beispiele hier belegen dieselbe Stelle: Anna Weber, „Empirisch forschen. Ein Leitfaden für die Abschlussarbeit“, 3. Auflage, 2024 in Wien beim Beispielverlag erschienen, zitiert wird Seite 87.
Fußnote 1, Vollbeleg bei der ersten Nennung: Vgl. Weber, Anna: Empirisch forschen. Ein Leitfaden für die Abschlussarbeit, 3. Auflage, Wien: Beispielverlag 2024, S. 87.
Fußnote 2, Kurzbeleg ab der zweiten Nennung: Vgl. Weber 2024, S. 87.
Fußnote 3, dieselbe Quelle unmittelbar danach: Vgl. ebd., S. 88.
Das „Vgl.“ kennzeichnet ein indirektes Zitat, also eine Stelle, die du in eigenen Worten wiedergibst. Bei einem wörtlichen Zitat in Anführungszeichen fällt es weg. Auch das ist keine österreichweite Regel: Am Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien wird dem Kurzbeleg gar kein „Vgl.“ vorangestellt, dort dient das Kürzel nur dem Hinweis auf weitere Literatur.
Deutsche Zitierweise mit mehreren Autoren
Mehrere Verfassende trennst du im Vollbeleg mit einem Schrägstrich, in der Form „Nachname, Vorname/Nachname, Vorname“. Wann gekürzt wird, unterscheidet sich je nach Handreichung. Die Wiener Kunstgeschichte führt bis zu drei Namen und setzt ab dem vierten hinter den ersten Namen ein „u. a.“, und dieselbe Regel gilt dort auch für mehrere Erscheinungsorte.
Zwei Verfassende, Vollbeleg: Vgl. Weber, Anna/Schulze, Paul: Empirisch forschen. Ein Leitfaden für die Abschlussarbeit, 3. Auflage, Wien: Beispielverlag 2024, S. 87.
Vier Verfassende, Vollbeleg: Vgl. Weber, Anna u. a.: Empirisch forschen. Ein Leitfaden für die Abschlussarbeit, 3. Auflage, Wien: Beispielverlag 2024, S. 87.
Vier Verfassende, Kurzbeleg: Vgl. Weber u. a. 2024, S. 87.
Andere Institute trennen die Namen mit Semikolon oder mit „und“, und manche kürzen schon ab dem dritten Namen. Entscheidend ist nicht, welche Variante du wählst, sondern dass sie in der ganzen Diplom- oder Masterarbeit dieselbe bleibt.
Erst Vollbeleg, dann Kurzbeleg? Nicht überall
Die Regel „erst Vollbeleg, danach Kurzbeleg“ gilt an vielen Instituten, aber nicht an allen. Manche österreichische Handreichung kippt sie vollständig und verlangt vom ersten Beleg an nur noch Kurzbelege. Wer sich auf einen Ratgeber verlässt, statt in die eigene Handreichung zu sehen, baut den Fußnotenapparat deshalb unter Umständen komplett falsch auf.
Das Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien hält in seinen Zitierregeln ausdrücklich fest, dass es dort nicht üblich ist, den Kurzbeleg bei der ersten Verwendung um die vollständige Literaturangabe zu ergänzen. Die vollständige Angabe steht stattdessen im Literaturverzeichnis, und ihr ist der Kurzbeleg als eigene Zeile vorangestellt. So bleibt der Fußnotenapparat kurz, und die Auflösung findet sich an einer einzigen Stelle.
Fußnote nach diesem Modell, schon beim ersten Mal: Weber 2024, S. 87.
Erste Zeile im Literaturverzeichnis, der vorangestellte Kurzbeleg: Weber 2024
Zweite Zeile, die vollständige Literaturangabe: Anna Weber, Empirisch forschen. Ein Leitfaden für die Abschlussarbeit, Wien 2024.
Zwei Dinge fallen an diesem Muster auf. Der Verlag taucht nicht auf, weil die kunsthistorische Zitierweise ihn nicht nennt, und der Vorname steht ausgeschrieben vor dem Nachnamen. Der Begriff Vollbeleg bekommt dort außerdem eine andere Bedeutung: Er bezeichnet die vollständige Angabe samt Stellenangabe in der Fußnote und wird nur für Quellen verwendet, die gar nicht ins Literaturverzeichnis aufgenommen werden.
💡 Tipp
Klär vor dem ersten Kapitel, ob dein Institut den Vollbeleg in der Fußnote verlangt oder nicht. Die Umstellung im Nachhinein ist die aufwändigste Korrektur am ganzen Fußnotenapparat, weil sie jede einzelne Anmerkung betrifft. Im Zweifel fragst du deine Lehrveranstaltungsleitung.
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Jetzt kostenlos startenFußnoten richtig setzen: Position, Großschreibung, Punkt
Die Fußnotenziffer steht ohne Leerzeichen direkt hinter der Stelle, auf die sie sich bezieht. Belegst du die gesamte Aussage eines Satzes oder Teilsatzes, folgt die Ziffer auf das Satzzeichen. Belegst du nur einen einzelnen Begriff oder eine Teilaussage, steht sie mitten im Satz unmittelbar hinter diesem Wortlaut.
Die Kurzfassung „immer nach dem Punkt“ greift damit zu kurz. Sie stimmt für den Normalfall, in dem eine Fußnote den ganzen vorangehenden Satz belegt. Sobald sich der Beleg auf einen einzelnen Begriff bezieht, wandert die Ziffer in den Satz hinein, weil sonst offenbleibt, wofür die Quelle einsteht. Die Wiener Kunstgeschichte formuliert beide Fälle einzeln aus.
Wo die Fußnotenziffer bei einem wörtlichen Zitat steht
Bei einem wörtlichen Zitat folgt die Ziffer unmittelbar auf das schließende Anführungszeichen. Bei einem längeren, eingerückten Zitat steht sie nach dem letzten Satzzeichen. Wird nur ein einzelner Begriff aus einem direkten Zitat nachgewiesen, steht die Ziffer direkt hinter diesem Begriff und nicht am Satzende.
Fußnoten beginnen groß und enden mit einem Punkt
Eine Anmerkung in der Fußnote gilt als Satz: Sie beginnt mit einem Großbuchstaben und endet mit einem Punkt, auch wenn sie nur drei Wörter lang ist. Deshalb heißt es am Fußnotenanfang „Ebd.“ und nach einem vorangestellten „Vgl.“ klein „ebd.“. Mehrere Kurzbelege in einer Fußnote trennst du mit einem Strichpunkt.
„f.“ und „ff.“ bei Seitenzahlen: an manchen Instituten verboten
Die Abkürzungen „f.“ für die folgende Seite und „ff.“ für die folgenden Seiten sind verbreitet, aber ungenau: Bei „ff.“ bleibt offen, ob zwei oder zwanzig Seiten gemeint sind. Die Zitierregeln des Instituts für Kunstgeschichte der Universität Wien erlauben sie ausdrücklich nicht und verlangen stattdessen den exakten Seitenbereich, also „S. 87–89“. Dasselbe gilt dort für „passim“. Mit der ausgeschriebenen Spanne liegst du in jedem Fall richtig.
„Ebd.“ und „a. a. O.“: wann die Kürzel erlaubt sind
„Ebd.“ steht für „ebenda“ und ersetzt den Kurzbeleg, wenn sich die Fußnote auf genau die Quelle bezieht, die unmittelbar davor genannt wurde. Ändert sich nur die Seite, hängst du sie an, also „Ebd., S. 88.“. Bezieht sich die Angabe auf dieselbe Seite, steht „Ebd.“ allein.
Zwei Bedingungen entscheiden. Erstens muss die gemeinte Fußnote direkt davorstehen, nicht drei Anmerkungen weiter oben. Zweitens darf sie nur ein einziges Werk nennen, sonst bleibt unklar, worauf sich das Kürzel bezieht. Und in APA-orientierten Fächern fällt es ganz weg: Die Zitierregeln des Instituts für Soziologie der Universität Wien verlangen, den Kurzbeleg bei jeder erneuten Nennung zu wiederholen.
Warum „a. a. O.“ seltener geworden ist
„a. a. O.“ steht für „am angegebenen Ort“ und verweist auf eine Quelle, die irgendwo vorher vollständig belegt wurde. Anders als „ebd.“ meint das Kürzel nicht zwingend die unmittelbar vorhergehende Fußnote, und darin liegt sein Nachteil: Wer den Beleg prüfen will, muss zurückblättern, bis er die Stelle findet. Ein Kurzbeleg mit Namen und Jahr kostet zwei Wörter mehr und ist sofort auflösbar.
Ein Kürzel, das die Lesenden zum Zurückblättern zwingt, spart an der falschen Stelle.
Manche Handreichungen führen „a. a. O.“ weiterhin, andere haben es gestrichen. Steht in deiner Vorgabe nichts dazu, bist du mit dem Kurzbeleg auf der sicheren Seite: Er ist in beiden hier verlinkten Wiener Regelwerken vorgesehen.
Deutsche Zitierweise: Beispiele für vier Quellenarten
Die vier Quellenarten, die in einer Seminar- oder Abschlussarbeit am häufigsten vorkommen, folgen demselben Grundmuster und unterscheiden sich nur in den Angaben, die dazukommen. Beim Buch bleibt die Angabe am kürzesten, beim Beitrag aus einem Sammelband wird sie am längsten, weil dort zwei Werke ineinanderstecken.
Unten steht jeweils der Vollbeleg, also die Form der ersten Fußnote. Der Kurzbeleg lautet in allen vier Fällen gleich, nämlich „Vgl. Weber 2024, S. 87.“. Reihenfolge und Zeichensetzung können in deiner Handreichung abweichen.
Buch in der deutschen Zitierweise zitieren
Beim Buch nennst du Autor, Titel samt Untertitel, Auflage, Erscheinungsort, Verlag, Jahr und Seite. Die erste Auflage bleibt ungenannt, jede weitere gehört in die Angabe, weil sich mit einer überarbeiteten Auflage die Seitenzahlen verschieben. In der Kunstgeschichte entfällt der Verlag, dort stehen nur Ort und Jahr.
Vollbeleg: Vgl. Weber, Anna: Empirisch forschen. Ein Leitfaden für die Abschlussarbeit, 3. Auflage, Wien: Beispielverlag 2024, S. 87.
Beitrag aus einem Sammelband zitieren
Beim Sammelbandbeitrag stehen vorn die Verfassenden des Beitrags, danach folgt „in:“ mit den Angaben zum Band und seinen Herausgebenden. Am Ende steht die Seitenspanne des gesamten Beitrags, und die konkret zitierte Seite hängst du mit „hier:“ an. Ohne diese Trennung bleibt offen, welche Seite du tatsächlich gelesen hast.
Vollbeleg: Vgl. Weber, Anna: Stichproben in der Praxis, in: Schulze, Paul (Hrsg.): Empirisch forschen. Ein Leitfaden für die Abschlussarbeit, 3. Auflage, Wien: Beispielverlag 2024, S. 80–95, hier: S. 87.
Zeitschriftenaufsatz zitieren
Beim Zeitschriftenaufsatz entfallen Verlag und Erscheinungsort. An ihre Stelle treten der Titel der Zeitschrift, die Bandnummer, das Jahr und bei Bedarf die Heftnummer. Die Seitenspanne des Aufsatzes gehört dazu, die zitierte Seite wieder mit „hier:“.
Vollbeleg: Vgl. Weber, Anna: Stichproben in der Praxis, in: Zeitschrift für Methodenlehre 12 (2024) 2, S. 80–95, hier: S. 87.
Unpublizierte Diplomarbeit zitieren
Eine nicht veröffentlichte Hochschulschrift zitierst du wie eine Monografie und ergänzt den Hinweis, um welche Art von Arbeit es sich handelt. Die Wiener Kunstgeschichte setzt dafür „Diss. (unpubl.)“ beziehungsweise den entsprechenden Vermerk hinter den Titel, gefolgt von Hochschule und Jahr der Einreichung.
Vollbeleg: Vgl. Weber, Anna: Stichproben in der Praxis, unpubl. Diplomarbeit, Universität Wien 2024, S. 87.
Welche Bestandteile bei Onlinequellen dazugehören und wann ein Zugriffsdatum nötig ist, steht in unserem Beitrag zum Zitieren von Internetquellen.
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Jetzt kostenlos startenDas Literaturverzeichnis in der deutschen Zitierweise
Das Literaturverzeichnis führt alle verwendeten Werke alphabetisch nach dem Nachnamen der Verfassenden auf, jeweils vollständig. Zwei Dinge unterscheiden den Eintrag von der Fußnote: Das „Vgl.“ fällt weg, und die zitierte Seite steht nicht dabei.
An den Seitenzahlen fallen die meisten Verzeichnisse auseinander. Bei einer Monografie steht überhaupt keine Seitenangabe. Bei einem Aufsatz oder Sammelbandbeitrag steht die volle Seitenspanne des Beitrags, also der Umfang von der ersten bis zur letzten Seite, und nicht die Seite, die du zitiert hast.
| Angabe | In der Fußnote | Im Literaturverzeichnis |
|---|---|---|
| „Vgl.“ | bei indirekten Zitaten | nie |
| Seitenzahl beim Buch | die zitierte Seite | keine |
| Seitenzahl beim Aufsatz | Spanne plus „hier:“ | nur die Spanne |
| Mehrere Verfassende | bis zu drei, dann „u. a.“ | alle Namen |
Eintrag im Literaturverzeichnis: Weber, Anna: Empirisch forschen. Ein Leitfaden für die Abschlussarbeit, 3. Auflage, Wien: Beispielverlag 2024.
Bibliographie oder Literaturverzeichnis?
Bibliographie und Literaturverzeichnis sind nicht dasselbe, und die Abgrenzung fällt je nach Fach anders aus. Am Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien meint Bibliographieren das Anlegen geordneter Literaturlisten allgemein, während das Literaturverzeichnis nur jene Titel enthält, die in der Arbeit tatsächlich zitiert wurden. Hast du zusätzlich mit Archivmaterial oder historischen Quellen gearbeitet, kommt dafür ein eigenes Quellenverzeichnis davor.
⚠️ Achtung
Jedes Werk, das in einer Fußnote auftaucht, muss auch im Literaturverzeichnis stehen, und umgekehrt. Prüf das vor der Abgabe einmal in beide Richtungen. Ein Titel im Verzeichnis ohne Beleg im Text fällt bei der Beurteilung genauso auf wie eine Fußnote ohne Eintrag.
Typische Fehler in der deutschen Zitierweise
Die meisten Abzüge bei der Formalbeurteilung entstehen nicht durch falsche Angaben, sondern durch uneinheitliche. Vier Fehler kommen so oft vor, dass sich ein eigener Durchgang durch den Fußnotenapparat lohnt, bevor du abgibst.
Alle vier lassen sich in einer Stunde beheben, wenn du den Apparat am Stück liest statt Fußnote für Fußnote im Schreibfluss. Wie streng Formfehler gewichtet werden, steht im Curriculum und in der Handreichung deines Instituts.
Zwei Belegsysteme in einer Arbeit mischen
Belege in Fußnoten und Klammerbelege im Fließtext gehören zu zwei verschiedenen Systemen. Wer beides mischt, sammelt Abzüge, auch wenn jede einzelne Angabe stimmt. Am häufigsten passiert das beim Übernehmen von Textbausteinen aus früheren Seminararbeiten, die nach einer anderen Vorgabe entstanden sind.
„Ebd.“ über eine fremde Fußnote hinweg verwenden
Zwischen der Fußnote mit „ebd.“ und der gemeinten Quelle darf keine andere Fußnote stehen. Nachträgliche Einschübe sind die häufigste Ursache: Du ergänzt einen Satz mit einer neuen Quelle, und das „ebd.“ darunter zeigt plötzlich auf das falsche Werk. Prüf nach jedem Einschub die folgende Fußnote.
Die Handreichung des Instituts gar nicht gelesen haben
Weil die deutsche Zitierweise nicht genormt ist, entscheidet allein die Vorgabe deines Instituts. Ein Fußnotenapparat mit Vollbelegen ist an einem Institut vorbildlich und an einem anderen unnötig aufgebläht. Lies die Handreichung, bevor du das erste Kapitel schreibst, nicht in der Woche vor der Abgabe.
Die Auflage weglassen
Eine fehlende Auflagenangabe führt beim Nachprüfen ins Leere, weil sich die Seitenzahlen zwischen überarbeiteten Auflagen verschieben. Die Auflage findest du im Impressum, meist in einer Zeile über der ISBN. Nur die erste Auflage bleibt ungenannt, weil sie der Standardfall ist.
Fazit
Die deutsche Zitierweise ist im Kern einfach: ein Vollbeleg bei der ersten Nennung, danach Kurzbelege, und ein Literaturverzeichnis mit denselben Angaben ohne die zitierte Seite. Der Aufwand steckt nicht in den Regeln, sondern darin, sie über hundert Fußnoten hinweg gleich anzuwenden.
In Österreich kommt hinzu, dass schon zwei Institute derselben Universität verschiedene Vorgaben machen können. Maßgeblich ist deshalb immer die Handreichung deines Instituts, auch dort, wo sie von den hier gezeigten Mustern abweicht. Dieser Beitrag ersetzt keine Prüfungsberatung.
Wie es weitergeht
- Du willst die Grundlagen von vorn? Richtig zitieren: der Leitfaden
- Dein Institut verlangt doch Klammerbelege? Harvard-Zitierweise einfach erklärt
- Du zitierst gerade ein Buch? Buch zitieren: Regeln und Beispiele
Fehlt deiner Arbeit noch eine eigene Datengrundlage?
Eigene Umfragedaten zitierst du nicht als fremde Quelle, sondern beschreibst sie im Methodenteil. Mit empirio.ai, einem Online-Umfrage-Tool aus Deutschland, erhebst du sie kostenlos. Wie du den Fragebogen dafür aufbaust, steht in unserer Anleitung zum Fragebogen erstellen.
Häufig gestellte Fragen
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