Im Leitfaden deines Instituts steht „Zitieren nach Harvard“, und in den Mustern, die du daneben findest, sieht jeder Kurzbeleg anders aus. Das liegt nicht an dir. Es liegt daran, dass es die eine Harvard-Zitierweise nicht gibt.
Die Harvard-Zitierweise ist ein Autor-Jahr-System: Du setzt hinter jedes Zitat einen Kurzbeleg aus Nachname, Erscheinungsjahr und Seitenzahl mitten in den Fließtext, Fußnoten brauchst du dafür nicht, und der Vollbeleg steht alphabetisch geordnet im Literaturverzeichnis. Welche Schreibweise im Detail gilt, entscheidet dein Institut. Wir zeigen dir die Muster, die an österreichischen Universitäten tatsächlich verlangt werden, samt der Punkte, an denen sich zwei Wiener Leitfäden unterscheiden.
📌 Das Wichtigste im Überblick
- Die Harvard-Zitierweise ist ein Autor-Jahr-System ohne Fußnoten.
- Ein offizielles Harvard-Handbuch existiert nicht.
- Der Kurzbeleg nennt Nachname, Erscheinungsjahr und Seitenzahl.
- Die WU Wien hält „vgl.“ ausdrücklich für optional.
- Verbindlich ist immer der Leitfaden deines Instituts.
Kostenlos Umfrage erstellen
Mit empirio.ai erstellst du in wenigen Minuten eine moderne Online-Umfrage – mit Hosting in der EU.
Jetzt kostenlos startenWas ist die Harvard-Zitierweise?
Die Harvard-Zitierweise ist ein Zitiersystem, bei dem die Quelle in Kurzform direkt im Fließtext steht, in runden Klammern und bestehend aus Nachname, Erscheinungsjahr und Seitenzahl. Die vollständige Quellenangabe folgt im Literaturverzeichnis am Ende der Arbeit.
In Österreich begegnet dir dasselbe System unter mehreren Namen. Das Lernportal Geschichte Online der Universität Wien hält fest, die Autor-Jahr-Zitierweise werde manchmal auch als amerikanische, Harvard- oder sozialwissenschaftliche Zitierweise bezeichnet. Gemeint ist jedes Mal dasselbe Prinzip: Kurznachweis im Text, Vollbeleg im Verzeichnis.
Der Name führt allerdings in die Irre. Das Autor-Jahr-Prinzip geht auf den Zoologen Edward Laurens Mark zurück, der es 1881 in einer Arbeit an der Harvard University verwendete; nachgezeichnet hat diese Geschichte Eli Chernin (1988) im British Medical Journal. Eine institutionelle Verbindung zur heutigen Harvard University besteht nicht. Die Harvard Library schreibt dazu in ihrem FAQ, der Name sei irreführend, und sie selbst führe keinen Leitfaden zu diesem System, weil ihre Forschenden überwiegend APA, Chicago oder MLA verwendeten.
Die Harvard University führt selbst keinen Leitfaden zur Harvard-Zitierweise.
Warum es „die“ Harvard-Zitierweise nicht gibt
Eine verbindliche Harvard-Regel gibt es nicht, weil keine Organisation diesen Stil pflegt. Anders als APA, MLA oder Chicago hat Harvard kein Handbuch, keine Auflagenzählung und keine Instanz, die entscheidet, was richtig ist. Übrig bleibt ein gemeinsames Prinzip, Autor und Jahr in Klammern, und darum herum viele Hausvarianten.
Geschichte Online formuliert das für den gesamten deutschsprachigen Raum so: Universitätsinstitute, Zeitschriften, Verlage und einzelne Forschende haben eigene Zitierregeln entwickelt und verlangen deren Anwendung. Wie weit das auseinandergeht, zeigt schon der Vergleich zweier Wiener Leitfäden.
| Frage | WU Wien, Wirtschaftspädagogik | Uni Wien, Geschichte Online |
|---|---|---|
| Kurzbeleg mit Seite | (Brügelmann 2009: 44) | (Dackweiler/Holland-Cunz 1991, 108f.) |
| Zeichen vor der Seitenzahl | Doppelpunkt, ohne „S.“ | Komma, ohne „S.“ |
| Zwei Namen im Beleg | Schrägstrich ohne Leerzeichen | Schrägstrich |
Beide Leitfäden meinen dasselbe System, und beide Muster sind an ihrem Institut richtig. Der Zitierleitfaden der Wirtschaftsuniversität Wien geht dabei sehr weit ins Detail: Bis zu drei Autorinnen und Autoren werden im Kurzbeleg ausgeschrieben, ab mehr als drei steht nur der erste Name mit „et al.“, und das Wort „Seite“ oder „S.“ ist ausdrücklich nicht nötig. Im Literaturverzeichnis dagegen werden alle Namen genannt, unabhängig von ihrer Zahl.
Für dich folgt daraus eine einzige Arbeitsanweisung: Nimm den Leitfaden deines Instituts, halte dich an genau ein Muster und zieh es durch die ganze Arbeit durch. Gibt es keinen Leitfaden, wählst du eine Variante und bleibst dabei.
💡 Tipp
Frag im Zweifel nicht nach „der“ Harvard-Zitierweise, sondern nach einem Muster. Ein Kurzbeleg und eine Buchangabe aus einer gut beurteilten Seminararbeit des Vorjahres beantworten die Frage schneller als jede Regelliste.
Der Kurzbeleg im Fließtext: Aufbau und Beispiele
Der Kurzbeleg in der Harvard-Zitierweise besteht aus Nachname, Erscheinungsjahr und Seitenzahl und steht in runden Klammern unmittelbar hinter der übernommenen Aussage, noch vor dem Satzzeichen. Vorname, Titel und Verlag gehören nicht hinein, sie stehen im Literaturverzeichnis.
Die folgenden Muster verwenden die Doppelpunkt-Variante der WU Wien. Verlangt dein Institut Komma statt Doppelpunkt oder zusätzlich ein „S.“, tauschst du nur diese Zeichen aus, der Aufbau bleibt gleich. Alle Namen in den Beispielen sind erfunden.
Harvard-Kurzbeleg bei einem, zwei oder mehr Autoren
Die Zahl der Namen im Kurzbeleg richtet sich danach, wie viele Personen das Werk verfasst haben. Bis zu drei Namen werden ausgeschrieben und mit Schrägstrich getrennt, ab mehr als drei steht nur noch der erste Name mit dem Zusatz „et al.“. Diese Schwelle nennt der Leitfaden der WU Wien ausdrücklich. APA setzt sie schon bei drei Namen an, weshalb ein APA-Muster hier zu einem anderen Ergebnis führt.
- Ein Autor: Meier verdeutlicht in seinem Werk, dass … (Meier 2010: 64).
- Zwei Autoren: Meier und Schulze verdeutlichen, dass … (Meier/Schulze 2010: 64).
- Vier und mehr Autoren: Die Autoren verdeutlichen, dass … (Meier et al. 2010: 64).
Mehrere Quellen in einem Harvard-Kurzbeleg
Belegst du eine Aussage mit mehreren Werken, kommen alle in dieselbe Klammer, getrennt durch Semikolon. Die Reihenfolge ist entweder alphabetisch oder chronologisch, wichtig ist nur, dass du dieselbe Reihenfolge im ganzen Text beibehältst. Für jede genannte Quelle muss ein eigener Eintrag im Literaturverzeichnis stehen.
- Mehrere Werke zeigen, dass … (Meier et al. 2010: 64; Schmidt/Schneider 1995: 104).
Sekundärzitate in der Harvard-Zitierweise
Ein Sekundärzitat brauchst du, wenn du eine Quelle nicht selbst gelesen hast, sondern nur die Stelle kennst, an der sie zitiert wird. Der Leitfaden der WU Wien verlangt in diesem Fall beide Werke im Kurzbeleg, das Primär- und das Sekundärwerk. Ins Literaturverzeichnis kommt nur das Werk, das du tatsächlich gelesen hast.
- Meier stellt fest, dass … (Meier 1978: 12, zitiert nach Schulze 2010: 88).
Kostenlos Umfrage erstellen
Mit empirio.ai erstellst du in wenigen Minuten eine moderne Online-Umfrage – mit Hosting in der EU.
Jetzt kostenlos starten„vgl.“ im Harvard-Beleg: in Österreich meist optional
„vgl.“ steht im deutschsprachigen Harvard-Beleg vor der Quellenangabe, wenn du sinngemäß zitierst, also mit eigenen Worten wiedergibst. Bei einem wörtlichen Zitat in Anführungszeichen entfällt der Zusatz. Beide großen Wiener Leitfäden behandeln ihn darüber hinaus als verzichtbar.
Der Zitierleitfaden der WU Wien hält fest, dass „vgl.“ bei indirekten Zitaten eingefügt werden kann, aber nicht muss, weil die fehlenden Anführungszeichen die Paraphrase bereits kenntlich machen. Sinnvoll sei der Zusatz vor allem in der Form „vgl. auch“ oder „vgl. z. B.“, wenn du ausdrücklich auf weiterführende Literatur verweist. Geschichte Online der Universität Wien formuliert es noch deutlicher: Wenn die Zitierregeln es nicht verlangen, sei „Vgl.“ in der Regel überflüssig.
Das ist ein spannender Unterschied zur verbreiteten Praxis in Deutschland, wo viele Leitfäden den Zusatz bei jeder Paraphrase verlangen. Für dich heißt das: Setz „vgl.“ nicht aus Gewohnheit, sondern weil dein Institut es vorschreibt. Und wenn du es setzt, dann in der gesamten Arbeit einheitlich. Bei direkten Zitaten hat der Zusatz nichts verloren.
Das Literaturverzeichnis nach Harvard
Das Literaturverzeichnis nach Harvard listet alle im Text zitierten Quellen alphabetisch nach dem Nachnamen der Autorinnen und Autoren auf, jede mit vollständigen bibliografischen Angaben. Werke, die du gelesen, aber nicht zitiert hast, gehören nicht hinein.
Der Leitfaden der WU Wien rät davon ab, das Verzeichnis nach Publikationsart zu unterteilen: Wer nur einen Kurzbeleg in der Hand hält, weiß sonst nicht, in welchem Teilverzeichnis der Vollbeleg steht. Die vier folgenden Quellentypen decken den größten Teil einer Seminar- oder Diplomarbeit ab.
- Monographie: Meier, Peter (2010): Richtig zitieren. Der Leitfaden. 2. Auflage, Wien: Beispielverlag.
- Beitrag im Sammelband: Meier, Peter (2010): Belegen im Fließtext. In: Schulze, Paul (Hrsg.): Wissenschaftliches Arbeiten. Wien: Beispielverlag, 45–62.
- Zeitschriftenaufsatz: Meier, Peter (2010): Belegen im Fließtext. In: Zeitschrift für Hochschuldidaktik 12 (3), 245–260.
- Internetquelle: Meier, Peter (2020): Richtig zitieren im Netz. URL: https://www.beispiel.at/zitieren (Zugriff am 12.08.2026).
Bei Onlinequellen entscheidet der Leitfaden, ob ein Abrufdatum dazugehört und wie es geschrieben wird. Welche Bestandteile eine Internetquelle mindestens braucht, steht ausführlich in unserem Beitrag zum Zitieren von Internetquellen. Für gedruckte Bücher und E-Books gilt dasselbe im Beitrag zum Zitieren von Büchern.
KI-Einsatz kennzeichnen: sechs Angaben nach Wiener Vorbild
KI-generierte Inhalte gehören in deiner Arbeit ausgewiesen, auch wenn dafür noch keine einheitliche Zitierregel existiert. Geschichte Online der Universität Wien schlägt dafür eine Kennzeichnung mit sechs Angaben vor, die sich gut in ein Autor-Jahr-System einfügt.
Genannt werden Hersteller des Tools, Jahr der Nutzung, Name und Version des Tools, der verwendete Prompt, das Datum der Durchführung und Angaben zu einer nachträglichen Änderung. Betrifft der Einsatz den gesamten Text, etwa bei einer Übersetzung, empfiehlt die Universität Wien stattdessen ein Hilfsmittelverzeichnis hinter dem Literaturverzeichnis.
Wichtig ist die Reihenfolge der Zuständigkeiten: Maßgeblich sind immer die Vorgaben deiner Universität und deiner Lehrveranstaltungsleitung, erst danach kommen Vorschläge aus Leitfäden. Klär deshalb vor der Abgabe, ob KI-Nutzung bei dir überhaupt erlaubt ist und in welcher Form sie dokumentiert werden soll.
Kostenlos Umfrage erstellen
Mit empirio.ai erstellst du in wenigen Minuten eine moderne Online-Umfrage – mit Hosting in der EU.
Jetzt kostenlos startenTypische Fehler bei der Harvard-Zitierweise
Die meisten Abzüge beim Zitieren entstehen nicht durch fehlendes Wissen, sondern durch Uneinheitlichkeit. Vier Fehler tauchen dabei besonders häufig auf, und alle vier lassen sich in einem einzigen Durchgang vor der Abgabe beheben.
Der Kurzbeleg steht hinter dem Satzpunkt
Der Kurzbeleg ist Teil des Satzes und steht deshalb vor dem abschließenden Satzzeichen. So hält es der Zitierleitfaden der WU Wien ausdrücklich fest. Wer den Beleg hinter den Punkt setzt, ordnet ihn formal dem nächsten Satz zu, und genau darauf achten viele Beurteilende.
Muster aus englischen Zitiergeneratoren übernehmen
Ein Zitiergenerator kennt die Vorgaben deines Instituts nicht. Englische Harvard-Vorlagen setzen Kommata statt Doppelpunkt, „p.“ statt „S.“ und wechseln bei den Autorennamen nach anderen Schwellen zu „et al.“. Übernimmst du sie ungeprüft in eine deutschsprachige Arbeit, entsteht ein Mischstil aus zwei Regelwerken, und genau diese Uneinheitlichkeit fällt beim Korrigieren zuerst auf.
„vgl.“ vor einem wörtlichen Zitat
„vgl.“ kennzeichnet eine sinngemäße Wiedergabe. Vor einem Zitat in Anführungszeichen ist der Zusatz ein Widerspruch, denn der Beleg behauptet dann eine Paraphrase, während der Text den Wortlaut übernimmt. Bei direkten Zitaten steht der Kurzbeleg ohne Zusatz, dafür immer mit genauer Seitenzahl.
Quellen im Verzeichnis, die im Text nicht vorkommen
Ins Literaturverzeichnis gehört nur, was im Text auch belegt wird. Wer die gesamte Recherche anhängt, produziert Einträge ohne Gegenstück und weckt den Eindruck, mehr gelesen als verarbeitet zu haben. Prüf vor der Abgabe in beide Richtungen: Jeder Kurzbeleg findet einen Eintrag, und jeder Eintrag findet einen Kurzbeleg.
Fazit
Die Harvard-Zitierweise ist schnell gelernt und leicht verfehlt, weil sie in Dutzenden Hausvarianten existiert. Klär zuerst, welche Variante dein Institut verlangt, leg dir daraus zwei Muster zurecht, eines für den Kurzbeleg und eines für den Verzeichniseintrag, und wende sie in der gesamten Arbeit unverändert an. Einheitlichkeit ist bei Harvard das eigentliche Beurteilungskriterium.
Wie es weitergeht
- Du willst die Grundlagen von vorn? Richtig zitieren: der Leitfaden
- Dein Institut verlangt Fußnoten? Deutsche Zitierweise einfach erklärt
- Du zitierst gerade ein Buch? Bücher richtig zitieren
Du brauchst für deine Arbeit eigene Daten?
Eine eigene Erhebung zitierst du nicht, du beschreibst sie im Methodenteil. Mit empirio.ai, einem Online-Umfrage-Tool aus Deutschland, erstellst du dafür kostenlos eine Umfrage. Wie du den Fragebogen aufbaust, steht in unserer Anleitung zum Fragebogen erstellen.
Häufig gestellte Fragen
Kostenlos Umfrage erstellen
Mit empirio.ai erstellst du in wenigen Minuten eine moderne Online-Umfrage – mit Hosting in der EU.
Jetzt kostenlos starten