In deiner Prüfungsordnung steht „Zitieren nach Harvard“, und im Netz findest du drei Muster, die sich alle voneinander unterscheiden. Das liegt nicht an dir. Es liegt daran, dass es die eine Harvard-Zitierweise nicht gibt.
Die Harvard-Zitierweise ist ein Autor-Jahr-System: Du setzt hinter jedes Zitat einen Kurzbeleg aus Nachname, Erscheinungsjahr und Seitenzahl direkt in den Fließtext, Fußnoten brauchst du dafür nicht, und die vollständigen Angaben stehen alphabetisch geordnet im Literaturverzeichnis. Wie dieser Kurzbeleg im Detail aussieht, legt allerdings deine Hochschule fest. Wir zeigen dir die Muster, die an deutschsprachigen Hochschulen tatsächlich verlangt werden, und woran du erkennst, welches für dich gilt.
📌 Das Wichtigste im Überblick
- Die Harvard-Zitierweise ist ein Autor-Jahr-System ohne Fußnoten.
- Ein offizielles Harvard-Handbuch existiert nicht.
- Der Kurzbeleg nennt Nachname, Erscheinungsjahr und Seitenzahl.
- „vgl.“ ist eine deutschsprachige Konvention, keine Harvard-Regel.
- Verbindlich ist immer der Leitfaden deiner Hochschule.
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Was ist die Harvard-Zitierweise?
Die Harvard-Zitierweise ist ein Zitiersystem, bei dem die Quelle in Kurzform direkt im Fließtext steht, in runden Klammern und bestehend aus Nachname, Erscheinungsjahr und Seitenzahl. Die vollständige Quellenangabe folgt im Literaturverzeichnis am Ende der Arbeit.
Im deutschsprachigen Raum begegnet dir dasselbe System unter mehreren Namen. Der Lehrstuhl für Politische Bildung der Universität Potsdam stellt in seinen Hinweisen zur Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten die „amerikanische Zitierweise (Harvard)“ der deutschen Zitierweise mit Fußnoten gegenüber. In der Fachliteratur heißt dasselbe Prinzip Autor-Jahr-System oder Autor-Datum-System.
Der Name führt allerdings in die Irre. Das Autor-Jahr-Prinzip geht auf den Zoologen Edward Laurens Mark zurück, der es 1881 in einer Arbeit an der Harvard University verwendete; nachgezeichnet hat diese Geschichte Eli Chernin (1988) im British Medical Journal. Eine institutionelle Verbindung zur heutigen Harvard University besteht nicht. Die Harvard Library schreibt dazu in ihrem FAQ, der Name sei irreführend, und sie selbst führe keinen Leitfaden zu diesem System, weil ihre Forschenden überwiegend APA, Chicago oder MLA verwendeten.
Die Harvard University führt selbst keinen Leitfaden zur Harvard-Zitierweise.
Warum es „die“ Harvard-Zitierweise nicht gibt
Eine verbindliche Harvard-Regel gibt es nicht, weil keine Organisation diesen Stil pflegt. Anders als APA, MLA oder Chicago hat Harvard kein Handbuch, keine Auflagenzählung und keine Instanz, die entscheidet, was richtig ist. Übrig bleibt ein gemeinsames Prinzip, Autor und Jahr in Klammern, und darum herum viele Hausvarianten.
Das Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Duisburg-Essen formuliert das in seiner Handreichung zu Zitierstilen so: Das Harvard-System werde von keiner Organisation gepflegt, deshalb gebe es mehrere Varianten, die sich vor allem in den Literaturangaben unterscheiden. Wie weit das reicht, zeigt schon der Vergleich zweier deutscher Leitfäden.
| Frage | Uni Duisburg-Essen | Uni Potsdam |
|---|---|---|
| Kurzbeleg mit Seite | (Mustermann 1995: 25) | (Juchler 2005, S. 57) |
| Zeichen vor der Seitenzahl | Doppelpunkt, ohne „S.“ | Komma, mit „S.“ |
| Einordnung des Stils | Autor-Datum-System der APA, aber ohne Kommata | amerikanische Zitierweise neben der deutschen Fußnote |
Beide Leitfäden meinen dasselbe System, und beide Muster sind an ihrer Hochschule richtig. Die Universität Potsdam geht noch einen Schritt weiter und verlangt die Seitenzahl auch bei sinngemäßen Zitaten, ausdrücklich abweichend von den APA-Vorgaben. Ab mehr als drei Autorinnen und Autoren steht dort nur der erste Name mit dem Zusatz „et al.“, zwei Namen werden mit Schrägstrich getrennt.
Für dich folgt daraus eine einzige Arbeitsanweisung: Nimm den Leitfaden deines Fachbereichs, halte dich an genau ein Muster und zieh es durch die ganze Arbeit durch. Gibt es keinen Leitfaden, wählst du eine Variante und bleibst dabei.
💡 Tipp
Frag im Zweifel nicht nach „der“ Harvard-Zitierweise, sondern nach einem Muster. Ein Kurzbeleg und eine Buchangabe aus einer gut bewerteten Arbeit des Vorjahres beantworten die Frage schneller als jede Regelliste.
Der Kurzbeleg im Fließtext: Aufbau und Beispiele
Der Kurzbeleg in der Harvard-Zitierweise besteht aus Nachname, Erscheinungsjahr und Seitenzahl und steht in runden Klammern unmittelbar hinter der übernommenen Aussage, noch vor dem Satzpunkt. Vorname, Titel und Verlag gehören nicht hinein, sie stehen im Literaturverzeichnis.
Die folgenden Muster verwenden die Doppelpunkt-Variante ohne „S.“. Verlangt dein Fachbereich Komma und „S.“, tauschst du nur diese beiden Zeichen aus, der Aufbau bleibt gleich. Alle Namen in den Beispielen sind erfunden.
Harvard-Kurzbeleg bei einem, zwei oder mehr Autoren
Die Zahl der Namen im Kurzbeleg richtet sich danach, wie viele Personen das Werk verfasst haben. Bis zu drei Namen werden ausgeschrieben und mit Schrägstrich getrennt, ab vier Namen steht nur noch der erste mit dem Zusatz „et al.“. Das ist die im deutschsprachigen Raum verbreitete Schwelle. APA setzt sie schon bei drei Namen an, weshalb ein APA-Muster hier zu einem anderen Ergebnis führt.
- Ein Autor: Meier verdeutlicht in seinem Werk, dass … (vgl. Meier 2010: 64).
- Zwei Autoren: Meier und Schulze verdeutlichen, dass … (vgl. Meier/Schulze 2010: 64).
- Vier und mehr Autoren: Die Autoren verdeutlichen, dass … (vgl. Meier et al. 2010: 64).
Mehrere Quellen in einem Harvard-Kurzbeleg
Belegst du eine Aussage mit mehreren Werken, kommen alle in dieselbe Klammer, getrennt durch Semikolon. Die Reihenfolge ist entweder alphabetisch oder chronologisch, wichtig ist nur, dass du dieselbe Reihenfolge im ganzen Text beibehältst. Für jede genannte Quelle muss ein eigener Eintrag im Literaturverzeichnis stehen.
- Mehrere Werke zeigen, dass … (vgl. Meier et al. 2010: 64; Schmidt/Schneider 1995: 104).
Sekundärzitate in der Harvard-Zitierweise
Ein Sekundärzitat brauchst du, wenn du eine Quelle nicht selbst gelesen hast, sondern nur die Stelle kennst, an der sie zitiert wird. Im Kurzbeleg stehen dann beide Werke, verbunden durch „zitiert nach“. Ins Literaturverzeichnis kommt nur das Werk, das du tatsächlich gelesen hast. Besorg dir die Originalquelle, wenn sie erreichbar ist, denn Sekundärzitate gelten als Notlösung.
- Meier stellt fest, dass … (vgl. Meier 1978: 12, zitiert nach Schulze 2010: 88).
„vgl.“ im Harvard-Beleg: eine deutschsprachige Besonderheit
„vgl.“ steht im deutschsprachigen Harvard-Beleg vor der Quellenangabe, wenn du sinngemäß zitierst, also mit eigenen Worten wiedergibst. Bei einem wörtlichen Zitat in Anführungszeichen entfällt der Zusatz, weil die Anführungszeichen bereits zeigen, dass der Wortlaut übernommen wurde.
Dieser Zusatz ist keine Harvard-Regel, sondern eine Konvention des deutschsprachigen Wissenschaftsbetriebs. In den Harvard-Leitfäden britischer Hochschulen kommt er nicht vor. Das University College London und die Open University zeigen für wörtliche wie für sinngemäße Übernahmen denselben Klammerausdruck, etwa (Harris, 2015, p. 5).
Auch im deutschsprachigen Raum wird der Zusatz unterschiedlich streng gehandhabt. Die Universität Potsdam führt ihn in allen Mustern für indirekte Zitate mit. Der Zitierleitfaden der Wirtschaftsuniversität Wien hält dagegen fest, dass „vgl.“ bei indirekten Zitaten eingefügt werden kann, aber nicht muss, weil die fehlenden Anführungszeichen die Paraphrase schon kenntlich machen. Welche Linie für dich gilt, steht im Leitfaden deines Fachbereichs.
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Das Literaturverzeichnis nach Harvard
Das Literaturverzeichnis nach Harvard listet alle im Text zitierten Quellen alphabetisch nach dem Nachnamen der Autorinnen und Autoren auf, jede mit vollständigen bibliografischen Angaben. Werke, die du gelesen, aber nicht zitiert hast, gehören nicht hinein.
Der Aufbau eines Eintrags folgt immer derselben Reihenfolge: wer, wann, was und wo erschienen. Was hinter dem „wo“ steht, hängt vom Quellentyp ab. Die vier folgenden Typen decken den größten Teil einer Abschlussarbeit ab.
- Monographie: Meier, Peter (2010): Richtig zitieren. Der Leitfaden. 2. Auflage, Hannover: Beispielverlag.
- Beitrag im Sammelband: Meier, Peter (2010): Belegen im Fließtext. In: Schulze, Paul (Hrsg.): Wissenschaftliches Arbeiten. Hannover: Beispielverlag, 45–62.
- Zeitschriftenaufsatz: Meier, Peter (2010): Belegen im Fließtext. In: Zeitschrift für Hochschuldidaktik 12 (3), 245–260.
- Internetquelle: Meier, Peter (2020): Richtig zitieren im Netz. URL: https://www.beispiel.de/zitieren (Zugriff am 12.08.2026).
Bei Onlinequellen entscheidet der Leitfaden, ob ein Abrufdatum dazugehört und wie es geschrieben wird. Welche Bestandteile eine Internetquelle mindestens braucht, steht ausführlich in unserem Beitrag zum Zitieren von Internetquellen. Für gedruckte Bücher und E-Books gilt dasselbe im Beitrag zum Zitieren von Büchern.
Der Verlagsort: was sich 2025 geändert hat
Der Verlagsort fällt in den großen internationalen Zitierstilen nach und nach weg, in der deutschsprachigen Harvard-Praxis steht er dagegen weiterhin im Literaturverzeichnis. Wer ein englisches Muster übernimmt, lässt deshalb leicht eine Angabe weg, die der eigene Leitfaden verlangt.
Den Anfang machte APA. Seit der siebten Auflage des Publication Manual von 2020 gehört bei Büchern und Buchkapiteln keine Ortsangabe mehr in die Quellenangabe, dort steht nur noch der Verlagsname. Im Sommer 2025 zog das britische Standardwerk nach: Die University of Westminster hält in ihrem Harvard-Leitfaden fest, dass seit der 13. Auflage von Cite Them Right (Pears und Shields 2025) der Verlagsort in Buchangaben nicht mehr genannt wird.
Für deine Arbeit heißt das: Prüfe bei jedem Muster, aus welchem Jahr und aus welchem Land es stammt. Deutschsprachige Harvard-Leitfäden führen den Erscheinungsort weiter, so auch die Handreichung der Universität Duisburg-Essen. Streich ihn also nicht, nur weil ein englischer Zitiergenerator ihn weglässt.
Typische Fehler bei der Harvard-Zitierweise
Die meisten Abzüge beim Zitieren entstehen nicht durch fehlendes Wissen, sondern durch Uneinheitlichkeit. Vier Fehler tauchen dabei besonders häufig auf, und alle vier lassen sich in einem einzigen Durchgang vor der Abgabe beheben.
Der Kurzbeleg steht hinter dem Satzpunkt
Der Kurzbeleg gehört zum Satz und steht deshalb vor dem abschließenden Punkt. Die Handreichung der Universität Duisburg-Essen weist ausdrücklich darauf hin, dass der satzabschließende Punkt erst nach dem Beleg gesetzt wird; ausgenommen sind längere, eingerückte Zitate. Wer den Beleg hinter den Punkt setzt, ordnet ihn formal dem nächsten Satz zu, und genau darauf achten viele Korrigierende.
Muster aus englischen Zitiergeneratoren übernehmen
Ein Zitiergenerator kennt die Prüfungsordnung deiner Hochschule nicht. Englische Harvard-Vorlagen setzen Kommata statt Doppelpunkt, „p.“ statt „S.“ und wechseln bei den Autorennamen nach anderen Schwellen zu „et al.“. Übernimmst du sie ungeprüft in eine deutsche Arbeit, entsteht ein Mischstil aus zwei Regelwerken, und genau diese Uneinheitlichkeit fällt beim Korrigieren zuerst auf.
„vgl.“ vor einem wörtlichen Zitat
„vgl.“ kennzeichnet eine sinngemäße Wiedergabe. Vor einem Zitat in Anführungszeichen ist der Zusatz ein Widerspruch, denn der Beleg behauptet dann eine Paraphrase, während der Text den Wortlaut übernimmt. Bei direkten Zitaten steht der Kurzbeleg ohne Zusatz, dafür immer mit genauer Seitenzahl.
Quellen im Verzeichnis, die im Text nicht vorkommen
Ins Literaturverzeichnis gehört nur, was im Text auch belegt wird. Wer die gesamte Recherche anhängt, produziert Einträge ohne Gegenstück und weckt den Eindruck, mehr gelesen als verarbeitet zu haben. Prüf vor der Abgabe in beide Richtungen: Jeder Kurzbeleg findet einen Eintrag, und jeder Eintrag findet einen Kurzbeleg.
Fazit
Die Harvard-Zitierweise ist schnell gelernt und leicht verfehlt, weil sie in Dutzenden Hausvarianten existiert. Klär zuerst, welche Variante dein Fachbereich verlangt, leg dir daraus zwei Muster zurecht, eines für den Kurzbeleg und eines für den Verzeichniseintrag, und wende sie in der gesamten Arbeit unverändert an. Einheitlichkeit ist bei Harvard das eigentliche Bewertungskriterium.
Wie es weitergeht
- Du willst die Grundlagen von vorn? Richtig zitieren: der Leitfaden
- Dein Fachbereich verlangt Fußnoten? Deutsche Zitierweise einfach erklärt
- Du zitierst gerade ein Buch? Bücher richtig zitieren
Du brauchst für deine Arbeit eigene Daten?
Eine eigene Erhebung zitierst du nicht, du beschreibst sie im Methodenteil. Mit empirio.ai, einem Online-Umfrage-Tool aus Deutschland, erstellst du dafür kostenlos eine Umfrage. Wie du den Fragebogen aufbaust, steht in unserer Anleitung zum Fragebogen erstellen.
