Zwei Arbeiten, dieselbe Umfrage, dieselben 180 Antworten, zwei sehr unterschiedliche Noten. Wer eine empirische Arbeit schreibt, scheitert selten an den Daten und oft daran, wie sie aufgeschrieben werden.
Der Grund liegt fast immer an derselben Stelle: Befund und Deutung geraten durcheinander. Eine empirische Arbeit schreibst du, indem du zuerst den theoretischen Rahmen und die Fragestellung aufbaust, danach in einem Methodenkapitel offenlegst, wie du erhoben und ausgewertet hast, die Befunde deutungsfrei darstellst, sie erst in der Diskussion einordnest und das Erhebungsinstrument in den Anhang legst. Am Ende dieses Beitrags hast du eine Gliederung, die du deiner Betreuung vorlegen kannst.
📌 Das Wichtigste im Überblick
- Keine bundesweite Quote für Theorie und Empirie, ein Lehrstuhl nennt 50:50.
- Das Ergebniskapitel berichtet Befunde, die Diskussion deutet sie.
- IMRaD ist an deutschen Hochschulen nirgends verpflichtend.
- In den Anhang gehört das Erhebungsinstrument, nicht der Statistik-Output.
- Der DFG-Kodex nennt zehn Jahre erst ab Veröffentlichung.
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Was eine empirische Arbeit von einer Literaturarbeit unterscheidet
Eine empirische Arbeit ist eine wissenschaftliche Arbeit, die ihre Fragestellung an Daten prüft, statt sie allein aus der Literatur zu beantworten, und die dabei offenlegt, wie diese Daten entstanden sind und nach welchen Regeln sie ausgewertet wurden.
Empirisch heißt allerdings nicht zwingend, dass du selbst Fragebögen verschickst. In einem Webinar des Verbunds Forschungsdaten Bildung (2020), getragen unter anderem von DIPF, GESIS und IQB, wird die Definition von Jansen, Kocaj und Stanat zitiert: Sekundäranalysen „beinhalten die Auswertung bereits vorliegender Datensätze, wobei diese Auswertungen typischerweise über die Primärdatenanalysen hinausgehen“. Wer einen vorhandenen Datensatz aus einem Forschungsdatenzentrum neu auswertet, arbeitet also ebenfalls empirisch.
| Merkmal | Literaturarbeit | Empirische Arbeit |
|---|---|---|
| Datengrundlage | veröffentlichte Studien und Fachtexte | eigene oder vorhandene Rohdaten |
| Methodenkapitel | Auswahlkriterien und Recherchestrategie | Erhebung, Stichprobe, Auswertung |
| Ergebnisteil | Synthese des Forschungsstands | Befunde aus dem eigenen Material |
| Prüfbarkeit | Nachvollziehbarkeit der Auswahl | Wiederholbarkeit der Erhebung |
Beide Formen sind gleichwertig, sie beantworten nur verschiedene Arten von Fragen. Eine Frage nach dem Stand einer Debatte braucht keine eigene Erhebung, eine Frage nach dem Verhalten einer konkreten Gruppe dagegen schon. Wenn du noch schwankst, hilft der Überblick zur empirischen Forschung bei der Entscheidung.
Aufbau einer empirischen Arbeit: die Gliederung im Beispiel
Der Aufbau einer empirischen Arbeit folgt in Deutschland fast immer derselben Zweiteilung: erst der theoretische Teil, der Begriffe klärt, den Forschungsstand ordnet und in die Fragestellung mündet, dann der empirische Teil mit Methode, Ergebnissen und Diskussion.
Eine bundesweit einheitliche Gliederung gibt es nicht. Maßgeblich ist die Prüfungsordnung oder das Merkblatt deines Lehrstuhls, und die Unterschiede zwischen den Fächern sind erheblich. Psychologie gliedert anders als Soziologie, und die Wirtschaftswissenschaften wieder anders. Die folgende Reihenfolge deckt den Regelfall in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften ab.
- Einleitung. Relevanz des Themas, Erkenntnisinteresse, Aufbau der Arbeit in wenigen Sätzen.
- Theoretischer Rahmen. Begriffe definieren, Modelle vorstellen, den Stand der Forschung ordnen.
- Fragestellung und Hypothesen. Aus der Theorie abgeleitet, nicht aus den Daten.
- Methodisches Vorgehen. Erhebungsart, Instrument, Stichprobe, Zeitraum, Auswertungsverfahren.
- Ergebnisse. Die Befunde, geordnet nach Hypothesen oder Teilfragen, ohne Deutung.
- Diskussion. Einordnung in den Forschungsstand, Grenzen der eigenen Untersuchung.
- Fazit und Ausblick. Antwort auf die Fragestellung, offene Fragen für Anschlussarbeiten.
- Verzeichnisse und Anhang. Literatur, Abbildungen, Erhebungsinstrument, Datensatz.
Die Gliederung einer empirischen Arbeit ist eine Vorlage, kein Gesetz. Wenn dein Thema es verlangt, kannst du Ergebnisse und Diskussion anders schneiden, solltest das aber vorher mit deiner Betreuung abstimmen. Wie du von der Themenwahl bis zur fertigen Erhebung dorthin kommst, beschreibt der Beitrag zur empirischen Bachelorarbeit.
Wie viel Theorie eine empirische Arbeit braucht
Eine bundesweit verbindliche Quote für das Verhältnis von Theorie und Empirie gibt es nicht; maßgeblich ist die Vorgabe deines Lehrstuhls. Häufig liest man, empirische Arbeiten kämen mit weniger Literatur aus, und das stimmt nur für die Breite der Recherche, nicht für den Anteil am Text. Ein Richtwert findet sich im Leitfaden zum wissenschaftlichen Arbeiten des Lehrstuhls für Digitale und Strategische Kommunikation der Universität Passau: „Das Verhältnis zwischen Einleitung/Theorie zu Methode/Empirie/Diskussion/Schluss sollte etwa 50:50 betragen.“ Das ist die Festlegung eines einzelnen Lehrstuhls, keine allgemeine Regel.
Der Gedanke dahinter ist inhaltlich, nicht formal. Ohne Theorie fehlt die Begründung, warum du genau diese Merkmale misst und genau diese Hypothesen prüfst. Ein empirischer Teil, dem nur fünf Seiten Theorie vorausgehen, wirkt im Kolloquium wie eine Umfrage auf der Suche nach einer Frage.
IMRaD und EMED: warum das Schema in Deutschland kein Muss ist
IMRaD ist an deutschen Hochschulen kein verpflichtendes Gliederungsschema. Das Akronym steht für Introduction, Methods, Results and Discussion und ordnet vor allem internationale Fachzeitschriften. Das Schreibzentrum der TU Dresden (2023) formuliert die Einschränkung ausdrücklich: „Die Gliederungspunkte des Akronyms IMRaD müssen keine eigenen Kapitel der Arbeit bilden, sollten aber in einer bestimmten Form und in dieser Reihenfolge vorkommen.“
Das Schreibzentrum der TU Dresden nennt auch den deutschen Namen des Schemas, EMED für Einleitung, Methode, Ergebnisse und Diskussion, und benennt die entscheidende Abweichung: „Der Einleitungsteil des IMRaD-Schemas muss bei praktischen und theoretischen studentischen Arbeiten durch einen Theorieteil (Grundlagen, theoretische Aspekte o.ä.) ergänzt werden.“ Genau deshalb hat eine deutsche empirische Arbeit ein eigenes Theoriekapitel, ein Zeitschriftenaufsatz dagegen nicht.
Unser Literaturtipp
Hug, Theo und Poscheschnik, Gerald (Hg.) (2026): Empirisch forschen. Die Planung und Umsetzung von Projekten im Studium. Mit Tipps zu KI in der Forschung. 4., überarbeitete und erweiterte Auflage, Tübingen: UVK (UTB 3357). Der Band führt Schritt für Schritt durch den Forschungsprozess und ist als Einstieg deutlich zugänglicher als die klassischen Methodenlehrbücher.
Die empirische Gliederung mit Theorie, Methode, Ergebnissen und Diskussion ist nur eines von mehreren Mustern. Welche anderen es gibt, in welcher Reihenfolge die formalen Teile einer Arbeit stehen und welche Regeln für Nummerierung und Gliederungstiefe gelten, steht im Beitrag zum Aufbau einer wissenschaftlichen Arbeit.
Das Methodenkapitel: was darin lückenlos stehen muss
Das Methodenkapitel einer empirischen Arbeit erfüllt genau einen Zweck: Eine fremde Person soll deine Erhebung damit wiederholen können, ohne dich fragen zu müssen. Alles, was dafür nötig ist, gehört hinein, alles andere nicht.
Der häufigste Fehler in diesem Kapitel ist nicht Unvollständigkeit, sondern die falsche Textsorte. Viele Arbeiten erklären auf zwei Seiten, was eine Online-Umfrage ist, und begründen mit keinem Satz, warum sie für diese Fragestellung die richtige Wahl war. Erklären kann jedes Lehrbuch. Begründen kannst nur du.
Was ins Methodenkapitel gehört
- Erhebungsform und die Begründung, warum sie zur Fragestellung passt.
- Das Erhebungsinstrument mit Herkunft: selbst entwickelt oder übernommen.
- Operationalisierung, also welche Frage welches Konstrukt misst.
- Stichprobe, Rekrutierungsweg und die erreichte Fallzahl.
- Erhebungszeitraum mit konkretem Datum.
- Pretest: wie viele Personen, welche Änderungen daraus folgten.
- Auswertungsverfahren und die eingesetzte Software.
- Einwilligung, Anonymisierung und Umgang mit den Daten.
Ein Punkt daraus wird regelmäßig übersprungen: der Pretest. Zwei oder drei Personen aus der Zielgruppe den Fragebogen ausfüllen zu lassen, kostet einen Nachmittag und findet genau die Fragen, die niemand so versteht, wie sie gemeint waren. Im Methodenkapitel ist der Pretest außerdem ein sichtbares Qualitätssignal. Welche Entscheidungen davor liegen, ordnet der Beitrag zum Forschungsdesign ein.
💡 Tipp
Schreibe das Methodenkapitel, während du erhebst, nicht danach. Der Rekrutierungsweg, das Versanddatum und die Zahl der abgebrochenen Teilnahmen lassen sich vier Wochen später nur noch schwer rekonstruieren, und genau danach fragt die Bewertung.
Ergebnisse darstellen, ohne schon zu interpretieren
Das Ergebniskapitel berichtet, was du gemessen hast, und nicht, was du davon hältst. Diese Trennung ist die deutlichste Bruchstelle in studentischen Arbeiten und zugleich die am leichtesten zu vermeidende.
Die Professur für Erziehungswissenschaftliche Bildungsforschung der Universität Potsdam (2020) zieht die Linie in ihrem Leitfaden für empirische Abschlussarbeiten so genau, wie sie sich ziehen lässt: „Die Ergebnisse sollen außerdem inhaltlich erklärt werden (z.B. was bedeutet eine positive Korrelation zwischen A und B in diesem Fall). Verzichtet werden soll an dieser Stelle jedoch auf die inhaltliche Interpretation […] und Bewertung der Befunde.“ Erklären ist also erlaubt, bewerten nicht.
Die Arbeitsgruppe Differentielle Psychologie der Universität Marburg (2022) fasst die Trennung kürzer: „Die Ergebnisdarstellung soll weitgehend deskriptiv, d.h. deutungsfrei bleiben und noch keine Interpretation beinhalten (z.B. das Ergebnis bestätigt/widerlegt Hypothese A)“. Derselbe Satz nennt jedoch eine Ausnahme: „gelegentlich leiten sich jedoch aus Ergebnissen weitere, nicht zuvor geplante Auswertungsschritte ab, dann muss auch in der Ergebnisdarstellung bereits inhaltlich argumentiert werden“. Wer also während der Auswertung eine ungeplante Analyse ansetzt, begründet sie schon im Ergebnisteil. Was die Regel im Normalfall bedeutet, zeigt der Vergleich einzelner Sätze.
| Satz aus einer Arbeit | Gehört in | Warum |
|---|---|---|
| „62 der 180 Befragten stimmen zu“ | Ergebnisse | reine Häufigkeitsangabe |
| „Der Zusammenhang ist schwach positiv“ | Ergebnisse | Kennwert ohne Wertung |
| „Mehr Übung geht mit höheren Werten einher“ | Ergebnisse | erklärt den Kennwert |
| „Das passt zu dem, was die Theorie erwarten ließ“ | Diskussion | Bezug zum Forschungsstand |
| „Die Beteiligung war enttäuschend niedrig“ | Diskussion | Bewertung des Befunds |
Für die Reihenfolge im Kapitel gibt es zwei brauchbare Muster: entweder Hypothese für Hypothese oder entlang der Teilfragen deiner Forschungsfrage. Welches du wählst, ist Geschmackssache, gemischt wird aber nicht. Welches Verfahren zu deinen Daten passt, klärt der Beitrag zu den Auswertungsmethoden.
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Die Diskussion: einordnen, vergleichen, Grenzen benennen
Die Diskussion beantwortet, was deine Befunde bedeuten und wie belastbar sie sind. Sie ist das Kapitel, in dem aus Zahlen eine Aussage wird, und das einzige, in dem du bewerten darfst.
Vier Bewegungen tragen eine gute Diskussion, meist in dieser Reihenfolge. Wer sie der Reihe nach abarbeitet, kommt ohne Umwege durch das schwierigste Kapitel der Arbeit.
- Zusammenfassen. Die zentralen Befunde in wenigen Sätzen, ohne Tabellen zu wiederholen.
- Rückbinden. Abgleich mit dem Forschungsstand: bestätigt, widerlegt oder differenziert dein Befund?
- Begrenzen. Die Limitationen deiner Untersuchung, benannt und in ihrer Wirkung eingeschätzt.
- Weiterdenken. Welche Frage dein Befund aufwirft und wie Anschlussstudien sie klären.
Die Limitationen entscheiden oft über den Eindruck, den die Arbeit hinterlässt. Eine kleine, nicht zufällig gezogene Stichprobe ist kein Makel, solange du sie benennst und sagst, worauf sich deine Aussage deshalb beschränkt. Welche Maßstäbe dabei gelten, beschreibt der Beitrag zu den Gütekriterien.
⚠️ Achtung
Limitationen sind kein Schuldeingeständnis, sondern ein Qualitätsmerkmal. Der Fehler ist nicht die kleine Stichprobe, sondern der Satz „Die Ergebnisse sind repräsentativ für Studierende in Deutschland“ darunter. Schreibe stattdessen konkret, für wen dein Befund gilt und für wen nicht.
Was in den Anhang gehört und was nicht
In den Anhang einer empirischen Arbeit gehört alles, was jemand braucht, um deine Erhebung zu beurteilen, aber den Lesefluss im Haupttext stören würde. An erster Stelle steht das Erhebungsinstrument, also dein Fragebogen oder dein Interviewleitfaden.
Eine bundesweit einheitliche Regel dazu gibt es nicht, und die Vorgaben einzelner Lehrstühle weichen in Details voneinander ab. Der Leitfaden der Universität Passau trennt sauber zwischen gedrucktem und digitalem Anhang: Der gedruckte „enthält das Messinstrument (z.B. Fragebogen, Codebuch, Interviewleitfaden)“, der digitale zusätzlich „den Datensatz […], mit dem die Auswertung durchgeführt wurde“.
| Element | In den Anhang | Woran es hängt |
|---|---|---|
| Eigener Fragebogen | ja | Standard in allen geprüften Leitfäden |
| Interviewleitfaden | ja | ohne ihn ist die Erhebung nicht beurteilbar |
| Transkripte | meist ja | je nach Vorgabe vollständig oder in Auszügen |
| Lizenzierte Testverfahren | nein | Urheberrecht der Verlage |
| Rohdatensatz | digital | meist auf Datenträger statt im Druck |
| Roher Statistik-Output | nein | gehört aufbereitet in den Ergebnisteil |
| KI-Prompts | je nach Erklärung | manche Eigenständigkeitserklärungen verlangen sie (Stand: August 2026) |
Der Punkt mit den lizenzierten Verfahren überrascht viele. Die Arbeitsgruppe Differentielle Psychologie der Universität Marburg (2022) schreibt dazu: „Copyright der Verlage: Items aus publizierten Testverfahren sollten NICHT vollständig im Anhang von Abschlussarbeiten abgedruckt werden.“ Wer eine etablierte Skala eingesetzt hat, nennt sie also mit Quelle und dokumentiert höchstens einzelne Beispielitems.
Neu hinzugekommen ist die Dokumentation von KI-Werkzeugen. Der Leitfaden der Abteilung Schulpädagogik der Universität Osnabrück vom 3. November 2025 verlangt in der Eigenständigkeitserklärung, „im Anhang jeweils die von mir in der Arbeit verwendeten Prompts und sämtlichen in der Arbeit verwendeten KI-generierten Output einzeln aufgeführt“ zu haben. Ein Blick in die eigene Prüfungsordnung lohnt sich deshalb vor der Abgabe.
Was nach der Abgabe mit deinen Daten passiert
Nach der Abgabe stellt sich eine Frage, die kaum ein Ratgeber beantwortet: Musst du deine Rohdaten aufbewahren oder löschen? Beides steht in unterschiedlichen Regelwerken, und beides kann für dieselbe Arbeit gelten.
Der Kodex „Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft ist die meistzitierte Quelle dazu. Leitlinie 17 verlangt im Leitlinientext selbst nur, Forschungsdaten „in adäquater Weise“ zu sichern und „für einen angemessenen Zeitraum“ aufzubewahren. Die viel zitierten zehn Jahre stehen erst in der Erläuterung, und sie tragen drei Bedingungen, die fast immer unterschlagen werden.
- Die Frist gilt für Erkenntnisse, die „öffentlich zugänglich gemacht werden“.
- Aufbewahrungsort ist „die Einrichtung, wo sie entstanden sind“, nicht dein Laptop.
- „Die Aufbewahrungsfrist beginnt mit dem Datum der Herstellung des öffentlichen Zugangs.“
Für eine Abschlussarbeit, die nicht veröffentlicht wird, greift diese Frist dem Wortlaut nach also nicht. Einzelne Lehrstühle regeln es dennoch strenger. Der Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialpsychologie der Universität Erlangen-Nürnberg schreibt vor: „Die Rohdaten (z. B. Fragebögen) müssen zehn Jahre aufbewahrt werden.“
Aus dem Datenschutz kommt die Gegenbewegung. Das Datenschutzportal der staatlichen Hamburger Hochschulen hält mit Stand vom 7. Oktober 2025 fest: „Nach Abschluss der Arbeit müssen personenbezogene Daten gelöscht oder anonymisiert werden, es sei denn, es bestehen gesetzliche Aufbewahrungspflichten.“ Dieselbe Quelle stellt klar, dass Studierende sich „in der Regel nicht selbstständig auf § 11 HmbDSG berufen“ können, weil sie keine eigenständigen wissenschaftlichen Einrichtungen sind.
Der Widerspruch zwischen Aufbewahren und Löschen lässt sich fast immer über die Anonymisierung auflösen. Wer Namen, E-Mail-Adressen und andere Kennzeichen gar nicht erst speichert, hat am Ende einen Datensatz, der aufbewahrt werden darf, weil er niemanden mehr identifiziert. Welche Einstellungen dafür nötig sind, steht im Beitrag zum Datenschutz bei Umfragen. Maßgeblich bleibt die Vorgabe deiner Hochschule. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.
Typische Fehler beim Schreiben einer empirischen Arbeit
Fünf Fehler tauchen in empirischen Abschlussarbeiten immer wieder auf, und alle fünf sind Schreibfehler, keine Forschungsfehler. Die Erhebung war in Ordnung, die Darstellung nicht.
Die gute Nachricht daran: Schreibfehler lassen sich beim Überarbeiten in einem einzigen Durchgang einsammeln, und dafür braucht es weder neue Daten noch neue Literatur!
Interpretation rutscht ins Ergebniskapitel
Der häufigste Fehler entsteht aus Hilfsbereitschaft: Man will es der lesenden Person leichter machen und schreibt die Deutung gleich dazu. Die Folge ist, dass die Diskussion danach nichts mehr zu sagen hat und sich wiederholt. Beide Kapitel wirken dann halbfertig. Die Probe ist einfach: Steht in einem Satz des Ergebnisteils ein wertendes Wort wie „erfreulich“, „überraschend“ oder „leider“, gehört der Satz eine Ebene weiter.
Das Methodenkapitel erklärt die Methode, statt die Wahl zu begründen
Eine Definition der Online-Umfrage steht in jedem Lehrbuch und interessiert im Methodenkapitel niemanden. Gefragt ist die Begründung, warum diese Erhebungsform zu deiner Fragestellung besser passt als eine Alternative, die du erwogen hast. Ein einziger Satz reicht dafür oft aus, etwa: Interviews hätten mehr Tiefe gebracht, aber die angestrebte Fallzahl unerreichbar gemacht.
Der rohe Statistik-Output landet im Text
Ausgabefenster von Statistiksoftware sind für die Bedienung gemacht, nicht für Lesende. Der Passauer Leitfaden sagt es unmissverständlich: „Kopieren Sie in keinem Fall nur den reinen SPSS-Output in Ihre Arbeit!“ Baue stattdessen eine eigene Tabelle mit den Kennwerten, die deine Hypothese betreffen, und lege den vollständigen Output in den digitalen Anhang.
Das Erhebungsinstrument fehlt im Anhang
Ohne den Fragebogen oder den Interviewleitfaden lässt sich keine einzige Aussage der Arbeit überprüfen. Trotzdem fehlt er erstaunlich oft, meist weil das Online-Tool ihn nicht in einer druckbaren Fassung ausgibt. Exportiere ihn deshalb schon vor dem Versand als PDF, samt Filterlogik und Antwortoptionen. Später ist die Umfrage womöglich längst geschlossen.
Die Limitationen bestehen aus Floskeln
„Die Stichprobe war klein“ ist keine Limitation, sondern eine Beobachtung. Eine Limitation benennt, welche Aussage dadurch nicht mehr trägt: Bei 84 Teilnehmenden aus einem einzigen Studiengang lässt sich kein Unterschied zwischen Fachbereichen prüfen, wohl aber die Tendenz innerhalb dieses Studiengangs beschreiben. Genau diese Unterscheidung zeigt methodisches Verständnis.
Fazit
Eine empirische Arbeit gewinnt nicht dadurch, dass die Daten spektakulär sind, sondern dadurch, dass jede Entscheidung nachvollziehbar dokumentiert ist. Wer Methode, Ergebnis und Deutung sauber trennt, macht es der Bewertung leicht, den eigenen Weg zu verstehen. Genau das ist die Anforderung hinter allen Formalien.
Im Ergebniskapitel berichtest du, was war. In der Diskussion sagst du, was es heißt. Diese Grenze ist die halbe Note.
Wie es weitergeht
- Du willst die Umfrage für deine Arbeit noch bauen? Fragebogen erstellen
- Du bist dir bei deinen Hypothesen unsicher? Hypothesen aufstellen
- Du suchst den Ablauf von der Idee zur Auswertung? Empirischer Forschungsprozess
Die Erhebung für deine empirische Arbeit steht noch aus?
Mit empirio.ai, einem Online-Umfrage-Tool aus Deutschland, baust du den Fragebogen, sammelst die Antworten anonym und exportierst am Ende den Datensatz für den Anhang deiner Arbeit.
