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Wissenschaftliche Arbeit schreiben: Ablauf und Regeln

Eine wissenschaftliche Arbeit folgt einer festen Reihenfolge, und die meisten Punkte hängen am Methodenteil. Wir zeigen dir, welche Angaben dort hineingehören und woran es sonst scheitert.

Autor bei empirio.ai - Marvin Depping, Mitgründervon Marvin DeppingAktualisiert am 25. August 2026Lesezeit 9 Min.

Das Thema ist gesetzt, die Betreuung hat zugesagt, der Abgabetermin steht. Offen bleibt eine Frage, die auf keinem Merkblatt steht: Woran bemisst sich eigentlich, ob dein Text als wissenschaftlich gilt, und wer entscheidet das?

Eine wissenschaftliche Arbeit schreibst du, indem du eine eng gefasste Forschungsfrage formulierst, den Stand der Forschung dazu aufarbeitest, eine nachvollziehbare Methode wählst, deine Ergebnisse vollständig und ohne Auswahl darstellst und jede fremde Aussage so belegst, dass eine dritte Person sie nachprüfen kann. Nach diesem Beitrag kennst du den Ablauf, die Schweizer Regeln dahinter und die Stellen, an denen Arbeiten regelmässig Punkte verlieren.


📌 Das Wichtigste im Überblick

  • Nachvollziehbarkeit entscheidet über den Wert, nicht der Umfang.
  • Die Forschungsfrage steht vor der Gliederung, nie danach.
  • Der Schweizer Kodex von 2021 nennt zehn Verstosskategorien.
  • Selbstplagiat gilt in der Schweiz ausdrücklich als Verstoss.
  • Bei Umfragen gilt das revDSG, nicht die DSGVO.

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Was macht eine Arbeit wissenschaftlich?

Eine wissenschaftliche Arbeit ist ein Text, der eine klar umrissene Frage mit einer offengelegten Methode beantwortet und dabei jede Aussage so belegt, dass andere den Weg zum Ergebnis nachgehen und überprüfen können. Über den wissenschaftlichen Charakter entscheidet also nicht das Thema, sondern die Nachvollziehbarkeit.

Was das praktisch bedeutet, zeigt ein einzelner Satz. „Homeoffice erhöht die Zufriedenheit“ hat in einer Semesterarbeit keinen Wert, solange nicht dabeisteht, wer das wo mit welcher Methode erhoben hat. Mit Quelle, Jahr und einem Hinweis auf die untersuchte Gruppe wird derselbe Satz zu einer wissenschaftlichen Aussage. Der Unterschied liegt nicht im Stil, sondern in der Prüfbarkeit.

Vier Merkmale finden sich in nahezu jeder Handreichung Schweizer Hochschulen, unabhängig davon, ob eine Semesterarbeit oder eine Master's Thesis gemeint ist:

  • Nachvollziehbarkeit: Jeder Schritt ist so beschrieben, dass andere ihn wiederholen können.
  • Belegpflicht: Fremde Gedanken werden gekennzeichnet, auch paraphrasiert und übersetzt.
  • Vollständigkeit: Auch Ergebnisse, die der eigenen Erwartung widersprechen, kommen in den Text.
  • Sachlichkeit: Bewertungen werden als solche gekennzeichnet und begründet.

Wenn dich zuerst interessiert, was wissenschaftliches Arbeiten überhaupt ausmacht und wie es sich vom Alltagswissen abgrenzt, findest du die Einordnung im Beitrag zu wissenschaftlichem Arbeiten und seinem typischen Ablauf.

Wissenschaftliche Arbeit schreiben: die sieben Schritte

Eine wissenschaftliche Arbeit entsteht in sieben Schritten, und die Reihenfolge ist kein Vorschlag. Sie ist der Grund dafür, dass manche Arbeiten am Ende einen roten Faden haben und andere nur eine Kapitelfolge. Der häufigste Umweg besteht darin, mit der Gliederung zu beginnen. Eine Gliederung ohne Forschungsfrage ist eine Themenliste.

Als Musterfall dient hier eine Bachelor-Arbeit zur Zufriedenheit mit Homeoffice-Regelungen in einem Schweizer KMU. Der Fall taucht in diesem Beitrag mehrfach auf, damit die Schritte an einem einzigen Beispiel greifbar bleiben.

  1. Thema eingrenzen. Aus „Homeoffice“ wird „Zufriedenheit mit Homeoffice-Regelungen in einem Betrieb mit 120 Mitarbeitenden“. Prüfe dabei, ob es genügend Literatur gibt.
  2. Forschungsfrage formulieren. Eine Frage, die sich mit den vorhandenen Mitteln in der vorhandenen Zeit beantworten lässt. Der Unterschied zwischen Forschungsfrage, These und Hypothese entscheidet hier über den gesamten Aufbau.
  3. Literatur recherchieren. Erst breit sichten, dann eng lesen. Notiere zu jeder Quelle sofort die vollständigen Angaben, sonst suchst du sie drei Wochen später erneut.
  4. Methode festlegen. Reine Literaturarbeit oder eigene Erhebung? Diese Entscheidung bestimmt den Zeitplan stärker als jede andere.
  5. Gliederung bauen. Jetzt erst. Die Gliederung folgt der Forschungsfrage, nicht umgekehrt.
  6. Schreiben und belegen. Setze den Beleg direkt beim Schreiben, nicht am Ende.
  7. Überarbeiten und formal prüfen. Lege Einleitung und Fazit zuletzt nebeneinander: Was die Einleitung ankündigt, muss das Fazit beantworten.

💡 Tipp

Schreibe die Einleitung als Erstes im Rohbau und als Letztes in der Endfassung. Der Rohbau zwingt dich, die Forschungsfrage auszuformulieren. Die Endfassung sorgt dafür, dass sie zu dem passt, was in der Arbeit tatsächlich steht.

Maturitätsarbeit, Semesterarbeit, Bachelor-Arbeit: was sich unterscheidet

In der Schweiz beginnt das wissenschaftliche Schreiben früher als in vielen Nachbarländern. Die Maturitätsanerkennungsverordnung vom 28. Juni 2023, in Kraft seit 1. August 2024, verlangt in Artikel 17 eine Maturitätsarbeit: eine grössere eigenständige schriftliche oder schriftlich kommentierte Arbeit mit einem wissenschaftsproprädeutischen Anteil, die zusätzlich mündlich präsentiert wird.

Der amtliche Begriff lautet Maturitätsarbeit, nicht Maturaarbeit. An der Hochschule folgen Semesterarbeit, Bachelor-Arbeit und Master's Thesis. Die folgenden Werte sind Richtwerte aus der Hochschulpraxis, verbindlich ist immer das Reglement deines Studiengangs.

Art der ArbeitWas erwartet wirdEigene Erhebung
Maturitätsarbeiteigenständige Bearbeitung mit mündlicher Präsentationmöglich
SemesterarbeitLiteratur ordnen, Positionen vergleichenselten verlangt
Bachelor-Arbeiteigenständige Bearbeitung einer Fragemöglich, oft erwünscht

Bei der Master's Thesis kommt der eigene Beitrag zum Forschungsstand dazu, häufig mit eigener Erhebung. Welche Teile am Ende in die Arbeit gehören, vom Deckblatt bis zum Anhang, steht im Beitrag zum Aufbau einer wissenschaftlichen Arbeit. Ob du überhaupt empirisch arbeiten willst, klärt die Gegenüberstellung von empirischer und theoretischer Abschlussarbeit.

Wer die Regeln festlegt: Kodex und Eigenständigkeitserklärung

Die Schweiz hat kein Gesetz, das Plagiat in studentischen Arbeiten direkt regelt. Massgeblich ist stattdessen ein Zweiklang: der Kodex zur wissenschaftlichen Integrität der Akademien der Wissenschaften Schweiz von 2021 und das Reglement deiner Hochschule. Das Forschungs- und Innovationsförderungsgesetz vom 14. Dezember 2012 verlangt von Hochschulforschungsstätten, solche Richtlinien überhaupt vorzusehen.

Der Kodex wurde am 11. Mai 2021 zusammen mit dem Schweizerischen Nationalfonds, swissuniversities und Innosuisse veröffentlicht. Er ruht auf vier Grundprinzipien: Verlässlichkeit, Redlichkeit, Respekt und Verantwortung. Seit dem 8. November 2024 gibt es zusätzlich das Kompetenzzentrum für wissenschaftliche Integrität Schweiz, angesiedelt bei den Akademien.

Selbstplagiat: der Punkt, an dem sich die Schweiz von den USA unterscheidet

Der Kodex führt zehn Verstosskategorien. Beim Plagiat nennt er vier Fallgruppen, und eine davon überrascht viele Studierende: die Wiederverwendung erheblicher Teile eigener Arbeiten ohne korrekte Quellenangabe, im Kodex ausdrücklich als Selbstplagiat bezeichnet. Wer eine Passage aus der eigenen Semesterarbeit unverändert in die Bachelor-Arbeit übernimmt, muss sie also zitieren. In den USA ist Selbstplagiat auf Bundesebene ausdrücklich kein wissenschaftliches Fehlverhalten, in der Schweiz schon.

Welche Sanktionen der Kodex vorsieht

Der Kodex nennt in Kapitel 6.5 gestaffelte Massnahmen, die von einem Notenabzug oder der Tiefstnote über einen befristeten oder unbefristeten Ausschluss vom Studium bis zum Entzug eines akademischen Titels reichen. Verdachtsfälle sollen in der Regel innerhalb von drei Monaten seit Bekanntwerden abgeklärt werden. Was davon im Einzelfall greift, entscheidet nicht der Kodex, sondern das Reglement deiner Hochschule.

Ein Ergebnis, das deine Hypothese widerlegt, ist ein Ergebnis. Nur das Verschweigen ist ein Fehler.

Nachlesen lässt sich der Kodex bei den Akademien der Wissenschaften Schweiz. Praktisch wird das alles über die Eigenständigkeitserklärung, die du mit der Arbeit unterschreibst und die an vielen Hochschulen inzwischen eigene Ankreuzfelder zur KI-Nutzung enthält. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.

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Was in den Methodenteil gehört, wenn du selbst Daten erhebst

Der Methodenteil einer empirischen Arbeit muss so genau sein, dass eine fremde Person deine Erhebung wiederholen könnte. Das ist der einzige Massstab, und daran scheitern die meisten Arbeiten, nicht an der Statistik. Wer nur schreibt „Es wurde eine Online-Umfrage durchgeführt“, hat den Abschnitt angekündigt, aber nicht geschrieben.

Im Musterfall der Homeoffice-Befragung heisst das: Wer wurde gefragt, wie viele haben geantwortet, in welchem Zeitraum, über welchen Weg, und wer wurde bewusst nicht gefragt. Der letzte Punkt fehlt fast immer und ist der interessanteste, weil er die Reichweite deiner Aussage begrenzt.

Diese sechs Angaben gehören in jeden Methodenteil

  • Grundgesamtheit: über wen die Aussage gelten soll.
  • Stichprobe und Auswahlverfahren, inklusive der Ausschlüsse.
  • Fallzahl, angegeben als n, und die Rücklaufquote.
  • Erhebungszeitraum mit Anfangs- und Enddatum.
  • Erhebungsinstrument, also der Fragebogen oder Leitfaden.
  • Auswertungsverfahren und die verwendete Software.

Der vollständige Fragebogen gehört in den Anhang, nicht in den Fliesstext. Wie du ihn aufbaust, ohne dir die Auswertung zu verbauen, steht in der Anleitung zum Fragebogen erstellen. Für die Frage, wie viele Antworten du brauchst, hilft der Beitrag zur Stichprobe.

⚠️ Achtung

Eine Befragung für eine Abschlussarbeit ist keine private Umfrage. In der Schweiz gilt dafür das revidierte Datenschutzgesetz, nicht die DSGVO, und Artikel 9 revDSG verlangt einen Vertrag zur Auftragsbearbeitung, sobald ein externes Tool die Daten bearbeitet. Was das konkret bedeutet, klärt der Beitrag zum Datenschutz bei Umfragen. Aufsicht ist der EDÖB.

Typische Fehler beim Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit

Die folgenden vier Fehler tauchen in Gutachten immer wieder auf, und keiner davon hat mit mangelndem Fleiss zu tun. Sie entstehen an Stellen, an denen die Arbeit formal in Ordnung aussieht.

Gemeinsam ist ihnen ein Muster: Irgendwo bricht die Verbindung zwischen dem, was angekündigt wurde, und dem, was der Text tatsächlich einlöst. Wer die vier Stellen kennt, findet sie in der eigenen Arbeit in einer knappen Stunde.

Die Forschungsfrage wird im Fazit nicht beantwortet

Einleitung und Fazit werden von vielen Beurteilenden zuerst und nebeneinander gelesen, weil sich daran der rote Faden ablesen lässt. Kündigt die Einleitung drei Fragen an und beantwortet das Fazit zwei davon, fällt das sofort auf. Der Fehler entsteht meist, weil die Einleitung früh geschrieben und nie wieder angefasst wurde. Lege beide Abschnitte am Ende nebeneinander und streiche in der Einleitung, was die Arbeit nicht eingelöst hat.

Der Hauptteil referiert, statt zu argumentieren

Ein Hauptteil, der Quelle für Quelle zusammenfasst, ist eine Materialsammlung. Wissenschaftlich wird er erst, wenn er Positionen aufeinander bezieht: Wo widersprechen sich zwei Studien, woran liegt das, und was folgt daraus für deine Frage. Eine einfache Probe: Streiche alle Sätze, die nur wiedergeben, was jemand anderes geschrieben hat. Was übrig bleibt, ist dein Beitrag. Ist wenig übrig, fehlt Argumentation.

Ergebnisse werden interpretiert, bevor sie dargestellt sind

In empirischen Arbeiten gehören Darstellung und Interpretation getrennt. Erst kommt, was die Daten zeigen, sachlich und ohne Wertung. Danach kommt, was das bedeutet und wo die Grenzen liegen. Wer beides vermischt, macht es der Leserschaft unmöglich, die eigene Deutung von den Daten zu unterscheiden. Genau diese Trennung prüfen Beurteilende in der Regel besonders genau.

Die eigene Vorarbeit wird nicht zitiert

Wer eine Passage aus einer früheren eigenen Semesterarbeit übernimmt, hält das oft für unproblematisch. Der Schweizer Kodex sieht das anders und führt die Wiederverwendung erheblicher Teile eigener Arbeiten ohne Quellenangabe als eine der vier Plagiatsfallgruppen. Zitiere deine eigene Vorarbeit also genauso wie fremde Literatur. Dasselbe gilt für Paraphrasen: Auch eine sinngemässe Übernahme braucht einen Beleg, etwa nach der deutschen Zitierweise.

Fazit

Eine wissenschaftliche Arbeit zu schreiben ist weniger eine Frage des Schreibtalents als der Reihenfolge. Wer die Forschungsfrage vor der Gliederung klärt, die Methode offenlegt, auch die unbequemen Ergebnisse stehen lässt und die eigene Vorarbeit zitiert, erfüllt den Kern dessen, was der Kodex zur wissenschaftlichen Integrität verlangt. Alles Weitere steht im Reglement deiner Hochschule.

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Häufig gestellte Fragen

Eine wissenschaftliche Arbeit entsteht in sieben Schritten: Thema eingrenzen, Forschungsfrage formulieren, Literatur recherchieren, Methode festlegen, Gliederung bauen, schreiben und belegen, überarbeiten. Entscheidend ist die Reihenfolge: Die Gliederung folgt der Forschungsfrage und nicht umgekehrt. Verbindlich für alles Formale ist das Reglement deines Studiengangs.

Massgeblich ist der Kodex zur wissenschaftlichen Integrität der Akademien der Wissenschaften Schweiz von 2021, getragen auch vom Schweizerischen Nationalfonds, von swissuniversities und Innosuisse. Er nennt vier Grundprinzipien und zehn Verstosskategorien. Wie er im Einzelfall angewendet wird, regelt das Reglement der jeweiligen Hochschule.

Ja. Der Kodex zur wissenschaftlichen Integrität führt die Wiederverwendung erheblicher Teile eigener Arbeiten ohne korrekte Quellenangabe ausdrücklich als eine der vier Plagiatsfallgruppen. Wer eine Passage aus der eigenen Semesterarbeit übernimmt, muss sie zitieren. In den USA gilt Selbstplagiat auf Bundesebene dagegen nicht als wissenschaftliches Fehlverhalten.

Die Maturitätsarbeit ist nach Artikel 17 der Maturitätsanerkennungsverordnung vom 28. Juni 2023 eine grössere eigenständige schriftliche oder schriftlich kommentierte Arbeit mit einem wissenschaftsproprädeutischen Anteil. Sie wird allein oder in einer Gruppe erstellt und zusätzlich mündlich präsentiert. Der amtliche Begriff lautet Maturitätsarbeit, nicht Maturaarbeit.

Für eine Erhebung in der Schweiz gilt das revidierte Datenschutzgesetz, nicht die DSGVO. Artikel 9 revDSG verlangt einen Vertrag zur Auftragsbearbeitung, sobald ein externes Umfrage-Tool die Daten bearbeitet. Aufsichtsbehörde ist der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte. Richtet sich die Umfrage an Personen in der EU, kann zusätzlich die DSGVO greifen.

In den Methodenteil gehören sechs Angaben: Grundgesamtheit, Stichprobe samt Auswahlverfahren, Fallzahl als n mit Rücklaufquote, Erhebungszeitraum mit Datum, Erhebungsinstrument und Auswertungsverfahren samt Software. Der vollständige Fragebogen gehört in den Anhang. Massstab ist, ob eine fremde Person die Erhebung damit wiederholen könnte.

Eine widerlegte Hypothese ist ein reguläres Ergebnis und kein Mangel der Arbeit. Die Standards guter wissenschaftlicher Praxis verlangen im Gegenteil, auch Ergebnisse zu dokumentieren, die die eigene Erwartung nicht stützen. Problematisch wird es erst, wenn Ergebnisse weggelassen oder so lange umgerechnet werden, bis etwas Passendes herauskommt.

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