Der Aufbau einer wissenschaftlichen Arbeit sieht an Schweizer Hochschulen anders aus, als es deutsche Vorlagen nahelegen. Das Thema steht, die Literatur ist gesichtet, und dann taucht im Merkblatt ein Management Summary auf, das in keiner deutschen Anleitung vorkommt.
Der Aufbau einer wissenschaftlichen Arbeit folgt an Schweizer Hochschulen üblicherweise dieser Reihenfolge: Titelblatt, Management Summary, Inhaltsverzeichnis, weitere Verzeichnisse, Einleitung, Hauptteil, Schlussteil, Quellenverzeichnis und Anhang. Verbindlich ist aber nicht diese Liste, sondern das Merkblatt deines Studiengangs, denn die Hochschulbildung ist in der Schweiz kantonal geregelt. Wir zeigen dir, wo die Unterschiede liegen.
📌 Das Wichtigste im Überblick
- Das Management Summary steht vor dem Inhaltsverzeichnis.
- Die Position des Quellenverzeichnisses hängt vom Fach ab.
- Die Selbständigkeitserklärung ist an der ZHAW ein Klick, keine Seite.
- Disposition heisst in der Schweiz, was in Deutschland Exposé ist.
- Wer Kapitel 3.1 anlegt, braucht zwingend auch ein 3.2.
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Aufbau einer wissenschaftlichen Arbeit: die Reihenfolge der Teile
Die Reihenfolge der Bestandteile legt in der Schweiz jede Hochschule selbst fest, meist in einem Merkblatt zum jeweiligen Studiengang. Als Beispiel dient das Merkblatt Bachelorarbeit der ZHAW School of Management and Law, das die Gliederung Punkt für Punkt vorgibt.
| Bestandteil | Position | Was hineingehört |
|---|---|---|
| Titelblatt | ganz vorn | Art der Arbeit, Titel, Hochschule, Name, Matrikelnummer, Betreuung, Abgabedatum |
| Management Summary | nach dem Titelblatt | Fragestellung, Vorgehen und Ergebnis auf 2600 bis 3150 Zeichen |
| Inhaltsverzeichnis | vor den weiteren Verzeichnissen | alle Kapitel mit Nummer und Seitenzahl |
| Weitere Verzeichnisse | vor der Einleitung | Tabellen, Abbildungen, Abkürzungen, Formeln, sofern verlangt |
| Einleitung | Beginn des Textteils | Problemstellung, Forschungsfrage, Abgrenzungen, Relevanz, Aufbau |
| Hauptteil | Mitte, grösster Block | Hypothesenbildung, Analyse, Resultate |
| Schlussteil | nach dem Hauptteil | Diskussion und Schlussfolgerungen |
| Quellenverzeichnis | fachabhängig | alle verwendeten Quellen, Position siehe unten |
| Anhang | ganz am Ende | Transkripte, Fragebogen, Rohdaten, weitere Beilagen |
Auffallend ist die Zusammensetzung des Umfangs. Die ZHAW verlangt für eine Einzelarbeit in der Regel 40 bis 60 Seiten Textteil und hält ausdrücklich fest, dass Titelblatt, Verzeichnisse und Anhang dabei nicht mitzählen. Wer seinen Anhang aufbläht, verbessert seine Seitenzahl also nicht. Massgeblich ist immer das Merkblatt deines eigenen Studiengangs, bei Abschlussarbeiten ergänzt um den Leitfaden zur Bachelorarbeit.
Der Umfang misst den Textteil. Alles davor und danach zählt nicht mit.
Management Summary: der Schweizer Sonderfall im Vorspann
Das Management Summary ist die vorangestellte Kurzfassung einer wirtschaftswissenschaftlichen Arbeit und steht zwischen Titelblatt und Inhaltsverzeichnis. Die ZHAW School of Management and Law setzt dafür einen Rahmen von 2600 bis 3150 Zeichen an, also rund zwei Seiten.
Der Unterschied zum deutschen Abstract liegt weniger in der Länge als im Publikum. Ein Management Summary richtet sich an Lesende, die nur diese zwei Seiten lesen und danach entscheiden wollen, ob sie weiterlesen. Es beschreibt deshalb Fragestellung, Vorgehen und vor allem das Ergebnis, nicht den Aufbau der Arbeit. Sätze wie „im dritten Kapitel wird untersucht“ gehören in die Einleitung, nicht hierher.
Woran du ein brauchbares Management Summary erkennst
- Die Fragestellung steht im ersten oder zweiten Satz.
- Das zentrale Ergebnis ist ausgeschrieben, nicht angekündigt.
- Es kommt ohne Verweise auf Kapitelnummern aus.
- Es steht für sich, auch ohne die Arbeit daneben.
- Es enthält keine Quellenangaben und keine Fussnoten.
Das Konzeptpapier davor heisst in der Schweiz übrigens Disposition, nicht Exposé. Die ZHAW verlangt darin bereits Problemstellung, Ziele, Aufbau, Inhaltsübersicht, Methodik, praktische Relevanz und theoretische Fundierung. Wer die Disposition sauber schreibt, hat den Grossteil seiner Gliederung schon stehen.
Wo das Quellenverzeichnis steht, hängt vom Fach ab
Die Position des Quellenverzeichnisses ist in der Schweiz keine Frage des Geschmacks, sondern des Fachs. Das Merkblatt der ZHAW School of Management and Law setzt das Literatur- und Quellenverzeichnis bei wirtschaftsjuristischen Arbeiten vor die Einleitung und bei betriebswirtschaftlichen Arbeiten hinter den Schlussteil.
Der Grund liegt in der juristischen Arbeitsweise. Wer eine Rechtsfrage bearbeitet, arbeitet durchgehend mit Gesetzen, Entscheiden und Kommentaren, und die Lesenden schlagen während der Lektüre ständig nach. Ein Verzeichnis, das erst nach 60 Seiten kommt, ist dabei unbrauchbar. In der Betriebswirtschaft steht die Argumentation im Vordergrund, das Verzeichnis wird erst am Ende gebraucht.
Praktisch bedeutet das: Bevor du das Dokument anlegst, kläre diese eine Frage. Sie lässt sich später zwar korrigieren, kostet aber jedes Mal eine Neunummerierung der Seiten und der Verzeichnisse.
⚠️ Achtung
Deutsche Vorlagen setzen die eidesstattliche Erklärung als unterschriebene Seite ans Ende. Die ZHAW verlangt sie stattdessen im Rahmen der digitalen Abgabe, sie taucht im Dokument gar nicht auf. Andere Schweizer Hochschulen halten weiterhin an der Seite fest. Prüfe das im Merkblatt, bevor du eine Seite einfügst, die niemand sehen will.
Wie du den Hauptteil gliederst, ohne dich zu verzetteln
Der Hauptteil ist der einzige Teil deiner Arbeit, dessen Aufbau du wirklich frei bestimmst, und genau deshalb kostet er die meiste Zeit. Die ZHAW nennt dafür nur den Rahmen aus Hypothesenbildung, Analyse und Resultaten und überlässt die Feingliederung der Fragestellung.
Häufig liest man, der Hauptteil bestehe aus Theorie, Methodik, Ergebnissen und Diskussion. Das stimmt, aber nur für empirische Arbeiten. Wer eine Literaturarbeit oder einen Vergleich schreibt und dieses Schema trotzdem übernimmt, hat am Ende ein Methodenkapitel ohne Methode.
| Gliederungsmuster | Wann es passt |
|---|---|
| Chronologisch | historische Verläufe, Entwicklung einer Theorie über die Zeit |
| Vom Allgemeinen zum Speziellen | Standardfall, wenn Grundlagen vor Details gehören |
| Nach Relevanz sortiert | mehrere Einflussfaktoren mit unterschiedlichem Gewicht |
| Gleichrangig sortiert | Aspekte ohne zwingende Reihenfolge |
| Blockweiser Vergleich | zwei Gegenstände mit vielen Unterschieden |
| Alternierender Vergleich | zwei Gegenstände mit vielen Ähnlichkeiten |
| Empirisch | eigene Erhebung mit Methode, Resultaten und Diskussion |
Die sieben Muster schliessen einander nicht aus. Innerhalb einer Arbeit lassen sie sich kombinieren, etwa ein empirischer Aufbau auf der obersten Ebene und darunter eine chronologische Ordnung im Theoriekapitel. Entscheidend ist, dass die Reihenfolge einer nachvollziehbaren Logik folgt und nicht der Reihenfolge, in der du die Literatur gelesen hast.
💡 Tipp
Nimm dir zwei bis drei aktuelle Fachartikel aus deinem Fachgebiet und lies nur die Kapitelüberschriften. Welches Muster dort dominiert, ist in deinem Fach die erwartete Form. In keinem Merkblatt steht das, weil es sich von Fach zu Fach unterscheidet.
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Kapitel nummerieren und Gliederungstiefe festlegen
Zur Gliederungstiefe nennen die Schweizer Leitfäden auffallend selten eine feste Obergrenze. Der Leitfaden zum wissenschaftlichen Arbeiten des Lehrstuhls für Accounting der Universität Zürich formuliert es qualitativ und verlangt, dass die einzelnen Unterkapitel inhaltlich genügend Aussagekraft besitzen.
In der Praxis sind drei Ebenen wie 3.1.2 das Übliche, vier Ebenen die Ausnahme. Wer eine vierte Ebene braucht, hat entweder zu fein gegliedert oder ein Kapitel zu gross angelegt. In beiden Fällen hilft nicht eine weitere Ziffer, sondern ein Schnitt.
Zwei Regeln gelten darüber hinaus fachübergreifend, und an beiden bleibt beim Korrekturlesen regelmässig jemand hängen.
Wer Kapitel 3.1 anlegt, braucht auch ein 3.2
Ein Unterpunkt kommt nie allein. Wenn du Kapitel 3 in ein Kapitel 3.1 unterteilst, muss es zwingend auch ein 3.2 geben, denn eine Unterteilung mit nur einem Teil ist keine Unterteilung. Der Satz ist zugleich ein nützlicher Prüfstein: Fällt dir zu 3.1 kein Geschwisterkapitel ein, gehört der Inhalt nicht unter eine eigene Überschrift, sondern in den Fliesstext von Kapitel 3.
Zwischen zwei Überschriften steht mindestens ein Satz
Auf die Überschrift „3 Theoretischer Rahmen“ folgt nicht sofort „3.1 Sozialkapital“. Dazwischen gehört mindestens ein Satz, der sagt, was in diesem Kapitel passiert und warum. Für Lesende ist das der Moment, in dem sie verstehen, wohin die nächsten Seiten führen. Fehlt er, wirkt die Arbeit wie eine Stichwortliste mit Zwischentiteln.
Typische Fehler beim Aufbau einer wissenschaftlichen Arbeit
Die meisten Abzüge für den Aufbau entstehen nicht durch exotische Sonderfälle, sondern durch vier Fehler, die sich in der Gliederungsphase vermeiden lassen. Sie kosten selten eine ganze Notenstufe, aber sie hinterlassen den Eindruck, dass die Arbeit unter Zeitdruck zusammengesetzt wurde.
Ein Durchgang durch die Gliederung findet alle vier in zehn Minuten, und zwar bevor du den ersten Satz des Hauptteils schreibst. Nötig sind dafür nur deine Gliederung und das Merkblatt deines Studiengangs nebeneinander.
Eine deutsche Vorlage wird ungeprüft übernommen
Deutsche Vorlagen kennen kein Management Summary, setzen das Literaturverzeichnis immer nach hinten und fügen eine unterschriebene eidesstattliche Erklärung als letzte Seite ein. An Schweizer Hochschulen kann jeder dieser drei Punkte anders geregelt sein. Ein Blick ins Merkblatt dauert fünf Minuten und spart eine Neunummerierung.
Der Anhang wird zum Umfangstreiber
Anhang und Verzeichnisse zählen bei der ZHAW ausdrücklich nicht zum Textteil. Wer Tabellen und Transkripte nach hinten schiebt, um auf die geforderten Seiten zu kommen, erreicht das Gegenteil. In den Anhang gehört, was für das Verständnis nicht nötig ist, aber die Nachvollziehbarkeit sichert: Fragebogen, Transkripte, Rohdaten, ausführliche Auswertungen.
Die Einleitung nimmt die Resultate vorweg
Die Einleitung stellt die Frage, der Schlussteil gibt die Antwort. Wer schon auf Seite 2 die zentralen Befunde ausbreitet, nimmt dem Hauptteil seinen Zweck. Umgekehrt gehören in den Schlussteil keine neuen Argumente. Beide Kapitel werden beim Bewerten oft direkt nebeneinandergelegt, und Widersprüche fallen dabei sofort auf.
Die Gliederung folgt der Literatur statt der Fragestellung
Eine Gliederung, die die gelesenen Quellen nacheinander abarbeitet, wirkt wie ein Lesebericht. Jedes Kapitel muss einen erkennbaren Beitrag zur Beantwortung deiner Forschungsfrage leisten. Der schnellste Test dafür: Schreib hinter jeden Gliederungspunkt in einem Halbsatz, warum er für die Antwort gebraucht wird. Wo dir nichts einfällt, kann das Kapitel raus.
Fazit
Der Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit ist auch in der Schweiz schnell gesetzt, nur eben nicht überall gleich: Titelblatt, Management Summary, Verzeichnisse, Einleitung, Hauptteil, Schlussteil, Quellen und Anhang, in der Reihenfolge, die dein Merkblatt vorgibt. Die eigentliche Arbeit steckt im Hauptteil, und dort entscheidest du dich für ein Gliederungsmuster, nicht für das eine richtige Schema.
Wie es weitergeht
- Du willst den gesamten Ablauf von der Themenwahl bis zur Abgabe sehen? Wissenschaftliche Arbeit schreiben
- Dir fehlt noch eine tragfähige Fragestellung? Forschungsfrage, These und Hypothese
- Deine Arbeit enthält eine eigene Erhebung? Empirische Arbeit schreiben
- Es fehlen die Formalia wie Zitierweise und Layout? Richtig zitieren
Steht in deinem Hauptteil eine eigene Erhebung?
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