empirio.ai

Titel für Bachelor- und Masterarbeit richtig formulieren

So findest du einen Titel, den dein Prüfungsreferat genehmigt: die vier Merkmale, die Trennung von Haupt- und Untertitel und was sich nach der Anmeldung noch ändern lässt.

Autorin bei empirio.ai - Maria Malzewvon Maria MalzewAktualisiert am 22. September 2026Lesezeit 15 Min.

Zwei Titel für dieselbe Arbeit: „Künstliche Intelligenz in der Lehre" und „Der Einsatz generativer KI-Werkzeuge im Schreibprozess von Studierenden der Wirtschaftspädagogik an österreichischen Universitäten". Der erste ist ein Sachgebiet, der zweite fast schon eine Kurzfassung. Dazwischen liegt der Titel, den dein Prüfungsreferat genehmigt.

Den Titel deiner Bachelor-, Diplom- oder Masterarbeit formulierst du, indem du dein Thema über Zeit, Ort, Material, Methode oder Erkenntnisinteresse eingrenzt, ihn als Aussage statt als Frage schreibst, auf Abkürzungen und Wertungen verzichtest und den Schwerpunkt bei Bedarf in einen Untertitel auslagerst, den die Betreuung mitträgt. Für diesen Artikel haben wir die studienrechtlichen Bestimmungen, Anleitungen und Anmeldeunterlagen mehrerer österreichischer Universitäten und Fachhochschulen nebeneinandergelegt.


📌 Das Wichtigste in Kürze

  • Der Titel einer Abschlussarbeit ist eine Aussage, keine Frage.
  • Das Universitätsgesetz 2002 schreibt keine Titellänge vor.
  • UNIGRAZonline verlangt den Titel auf Deutsch und auf Englisch.
  • Nach der Genehmigung ist meist nur noch eine sprachliche Änderung möglich.
  • Der angemeldete Titel steht später im Abschlusszeugnis.

Kostenlos Umfrage erstellen

Mit empirio.ai erstellst du in wenigen Minuten eine moderne Online-Umfrage – mit Hosting in der EU.

  • Umfrage per KI
  • Per Drag & Drop anpassen
  • Auswertung in Echtzeit
Jetzt kostenlos starten

Was einen guten Titel ausmacht: vier Merkmale

Ein guter Titel für eine Abschlussarbeit nennt den Gegenstand, die Eingrenzung und den Blickwinkel, bleibt ohne Fachjargon verständlich und enthält keine Wertung. Er ist damit etwas anderes als das Thema und etwas anderes als die Forschungsfrage: Das Thema ist das Feld, in dem du dich bewegst, die Forschungsfrage ist der Auftrag, den du dir selbst stellst, und der Titel ist die eine Zeile, die beides nach außen zeigt.

Die Umwelt-, Regional- und Bildungswissenschaftliche Fakultät der Universität Graz hat dazu eine eigene Anleitung veröffentlicht. In Wie verfasse ich den Titel für eine Abschlussarbeit? (Stand Dezember 2024) steht der Grundsatz gleich am Anfang: Der Titel soll die Fokussierung präzise widerspiegeln, die du beim Eingrenzen deines Themas vorgenommen hast. Vier Merkmale entscheiden darüber, ob das gelingt.

  1. Der Titel grenzt ein.
    Eine Überschrift aus zwei Wörtern beschreibt kein Vorhaben, sondern ein Sachgebiet. „Tourismus" deckt einen ganzen Studiengang ab. Erst über Personengruppe, Branche, Zeitraum, Region oder Fallbeispiel entsteht daraus ein Gegenstand, den eine Arbeit in der vorgesehenen Zeit wirklich bearbeiten kann.
  2. Der Titel kommt ohne Vorwissen aus.
    Abkürzungen gehören nicht hinein. Die Anleitung der Universität Graz nennt dafür zwei Beispiele, die im Alltag selbstverständlich wirken und es im Titel nicht sind: „KI" für künstliche Intelligenz und „KMU" für kleine und mittlere Unternehmen. Wer liest, soll nicht raten müssen.
  3. Der Titel wertet nicht.
    „Das verstaubte Image der Versicherungswirtschaft" nimmt ein Ergebnis vorweg, das die Arbeit erst zeigen müsste. Sachlich formuliert wird daraus die Wahrnehmung der Versicherungswirtschaft bei einer bestimmten Gruppe. Deine Einschätzung gehört in die Diskussion, nicht auf das Titelblatt.
  4. Der Titel macht neugierig, ohne zu werben.
    Interesse wecken darf ein Titel durchaus. Zur Schlagzeile soll er trotzdem nicht werden, weil Wortspiele und Superlative im wissenschaftlichen Umfeld fehl am Platz wirken. Aufmerksamkeit entsteht über den Zuschnitt, nicht über den Ton.

Wie lang darf der Titel sein?

Für die Länge des Titels gibt es in Österreich keine hochschulübergreifende Vorgabe. Weder das Universitätsgesetz 2002 noch das Fachhochschulgesetz nennen eine Wort- oder Zeichenzahl. Verbindlich ist allein, was das Curriculum deines Studiums, die Satzung deiner Hochschule und die Eingabemaske im Campussystem zulassen, und das sind drei sehr unterschiedliche Quellen.

Ein Blick ins Gesetz zeigt, wie wenig dort geregelt ist. § 81 Abs. 1 UG 2002 überlässt die näheren Bestimmungen über das Thema dem jeweiligen Curriculum und die Bestimmungen über Betreuung und Beurteilung der Satzung. Abs. 2 setzt eine einzige quantitative Grenze, und die betrifft nicht den Titel: Die Aufgabenstellung muss so gewählt sein, dass die Bearbeitung innerhalb von sechs Monaten möglich und zumutbar ist. Wer also nach einer gesetzlichen Wortzahl für den Titel sucht, sucht etwas, das es nicht gibt.

Praktisch begrenzt wird der Titel an einer ganz anderen Stelle, nämlich im Campussystem. Die Anleitung Masterarbeit, Dissertation oder Diplomarbeit einreichen in UNIGRAZonline (Stand 12.12.2024) weist Studierende ausdrücklich darauf hin, bei jedem Textfeld die Angabe der maximal möglichen Zeichen zu beachten. Eine Zahl für das Titelfeld nennt die Anleitung nicht, wohl aber für die Kurzfassung: maximal 4.000 Zeichen inklusive Leerzeichen, sonst scheitert der Upload zur Plagiatsprüfung.

Tipp

Zwei Vorgaben aus UNIGRAZonline übersehen fast alle. Erstens sind Titel, Kurzfassung und Schlagwörter verpflichtend auf Deutsch und auf Englisch zu erfassen. Zweitens darf das Feld „Titel" keine Absätze enthalten, weil das zu Fehlern bei der Plagiatsprüfung führt. Beides prüfst du am besten, bevor du den Titel anmeldest.

Was die Forschung zur Titellänge sagt

Im Netz kursieren mindestens sechs verschiedene Empfehlungen für die Wortzahl eines Titels: 8 bis 12, genau 12, 12 bis 15, 7 bis 15, 10 bis 20 und 15 bis 20 Wörter. Keine einzige davon nennt eine Quelle. Bibliometrische Forschung zur Titellänge existiert zwar, sie betrifft aber begutachtete Fachaufsätze und kommt zu keinem einheitlichen Ergebnis.

StudieUntersuchtBefund
Letchford u. a. (2015)rund 140.000 Fachaufsätzekurze Titel leicht im Vorteil, nach Kontrolle der Zeitschrift nicht mehr belegbar
Habibzadeh und Yadollahie (2010)9.031 Fachaufsätzelängere Titel wurden häufiger zitiert
Jamali und Nikzad (2011)2.172 Fachaufsätzekein belegbarer Zusammenhang mit der Zitationszahl
Guo u. a. (2018)302.048 FachaufsätzeZusammenhang dreht nach dem Jahr 2000 ins Positive

Vier Untersuchungen, vier Richtungen. Letchford, Moat und Preis halten in The advantage of short paper titles (Royal Society Open Science, 2015) selbst fest, dass der Effekt verschwindet, sobald berücksichtigt wird, in welcher Zeitschrift ein Aufsatz erschienen ist. Zu Bachelor-, Diplom- und Masterarbeiten existiert keine einzige vergleichbare Studie. Das ergibt auch Sinn: Eine Abschlussarbeit lesen die Betreuung und die Begutachtung, und beide sehen den Titel ohnehin. Wer dir eine Wortzahl nennt, gibt dir Erfahrungswissen weiter, kein Messergebnis.

So kann ein Titel aufgebaut sein: drei Varianten

Für den Aufbau des Titels stehen dir drei Formen zur Auswahl, und der Regelfall an österreichischen Hochschulen ist die erste davon. Die Anleitung der Universität Graz beschreibt den Titel als informative Zeile, die den Zweck, die Methodik und die Relevanz der Arbeit vermittelt, also als Aussage und nicht als offene Frage. Ein Fragetitel ist deshalb nicht verboten, aber die Ausnahme.

Ob die Frageform in deinem Fach üblich ist, siehst du am schnellsten an fertigen Arbeiten. Österreichische Hochschulschriften unterliegen nach § 86 UG 2002 einer Veröffentlichungspflicht und sind daher meist über die Repositorien der Universitätsbibliotheken zugänglich. Ein Abend darin sagt dir mehr über die Konvention deines Instituts als jede allgemeine Regel.

  1. Der Titel als Aussage, der Regelfall.
    Beispiel: „Ehrenamtliches Engagement und Vereinsbindung im steirischen Amateurfußball". Diese Form benennt den Gegenstand und lässt das Ergebnis offen, und sie funktioniert in jeder Studienrichtung. Bei Unsicherheit ist sie die richtige Wahl.
  2. Der Titel als Frage, die Ausnahme.
    Beispiel: „Wie wirkt ehrenamtliches Engagement auf die Vereinsbindung im steirischen Amateurfußball?" Der Fragetitel liegt sehr nahe an der Forschungsfrage, und genau darin liegt der Haken: Titel und Forschungsfrage sollen zwei verschiedene Dinge sein.
  3. Der Titel als Ergebnis, sehr selten.
    Beispiel: „Ehrenamtliches Engagement stärkt die Vereinsbindung im steirischen Amateurfußball". Hier steht das Resultat schon oben. Für eine empirische Arbeit ist das heikel, weil du dich vor der Auswertung festlegst. Begegnen wird dir diese Form fast nur bei Arbeiten, die eine bereits bekannte These nachprüfen.
Schematische Darstellung einer Bachelorarbeit mit Titelblatt und Titel

Der Zuschnitt deiner Arbeit schlägt bis in den Titel durch: Eine empirische Arbeit nennt häufig die Erhebung oder die untersuchte Gruppe, eine theoretische eher den Analyserahmen. Aufgenommen wird beides nur dann, wenn es die Arbeit wirklich prägt.

Untertitel: Doppelpunkt, Punkt oder Bindestrich?

Ein Untertitel lohnt sich, sobald der Haupttitel den Gegenstand trägt und für den Schwerpunkt kein Platz mehr bleibt. Welches Zeichen die beiden Teile trennt, entscheidet keine Rechtschreibregel. Zuständig für die Orthographie ist in Österreich der Rat für deutsche Rechtschreibung, ein zwischenstaatliches Gremium, dessen amtliches Regelwerk seit 1. Juli 2024 in grundlegend überarbeiteter Fassung gilt. Eine Vorschrift, die für die Trennung von Haupt- und Untertitel ein bestimmtes Zeichen verlangt, ist uns dort nicht begegnet. Die Wahl ist damit Konvention deines Faches und deines Zitierstils.

Eine konkrete Empfehlung gibt es in Österreich trotzdem. Die Anleitung der Universität Graz nennt für die Trennung von Haupt- und Untertitel zwei Zeichen, den Doppelpunkt und den Bindestrich, und fügt eine zweite Regel an, die im Deutschen häufig vergessen wird: Großgeschrieben werden grundsätzlich nur das erste Wort und Eigennamen. Eine durchgehende Großschreibung wie im Englischen ist im deutschen Titel also falsch.

Die drei Trennzeichen im Vergleich

An einem Beispiel wird der Unterschied zwischen den drei Zeichen sofort sichtbar. Haupttitel und Untertitel bleiben dabei identisch, nur das Zeichen dazwischen wechselt:

  • Doppelpunkt: „Mehrweggebinde im Lebensmittelhandel: eine Befragung von Kundinnen und Kunden in Oberösterreich"
  • Punkt: „Mehrweggebinde im Lebensmittelhandel. Eine Befragung von Kundinnen und Kunden in Oberösterreich"
  • Bindestrich: „Mehrweggebinde im Lebensmittelhandel - eine Befragung von Kundinnen und Kunden in Oberösterreich"

Alle drei Varianten sind zulässig. Der Doppelpunkt ist die unauffälligste Lösung und verträgt sich mit jedem gängigen Zitierstil, das Wort danach bleibt klein, sofern es kein Substantiv ist. Der Punkt wirkt formeller und trennt am deutlichsten, danach schreibst du zwingend groß. Der Bindestrich liest sich lockerer, verträgt sich aber schlechter mit Formularfeldern und Literaturverwaltungen, weil nicht jedes System zuverlässig zwischen den verschiedenen Strichen unterscheidet.

Ein Untertitel ist kein Anhängsel, sondern eine zweite Information. „Eine Untersuchung" oder „Eine Analyse" wiederholen nur, was oben schon steht. Tragfähig wird der Untertitel, sobald er Methode, Stichprobe, Zeitraum oder Fall benennt, also genau den Zuschnitt der Arbeit. Die Universität Graz rät außerdem davon ab, einen Titel mit einem Punkt abzuschließen; sinnvoll sind am Ende nur ein Fragezeichen oder ein Rufzeichen.

Kostenlos Umfrage erstellen

Mit empirio.ai erstellst du in wenigen Minuten eine moderne Online-Umfrage – mit Hosting in der EU.

  • Umfrage per KI
  • Per Drag & Drop anpassen
  • Auswertung in Echtzeit
Jetzt kostenlos starten

Vom Thema zum Titel: so grenzt du ein

Die Eingrenzung ist der Arbeitsschritt, an dem aus einem Sachgebiet ein Titel wird. Dein grobes Thema wird dabei Stück für Stück an Achsen entlang verkleinert, bis der Gegenstand in die Bearbeitungszeit passt. Das Schreibzentrum der Universität Graz beschreibt dafür in seinem Skriptum zum Workshop „Thema eingrenzen" eine Übung namens „Drehen und Schrauben": Du schreibst deinen Arbeitstitel in die Mitte eines Blattes und ordnest fünf Schrauben darum an.

Die fünf Schrauben heißen Zeit, Ort, Material, Methode samt Konzepten und Ansätzen sowie Erkenntnisinteresse. Nicht jede ist für jedes Thema ergiebig, und genau das ist der Sinn der Übung: Du probierst sie der Reihe nach durch und siehst, wo sich eine Eingrenzung ergibt und wo du eine Entscheidung treffen musst.

Angenommen, dein Thema lautet „Regionale Lebensmittel im Onlinehandel". Dann sieht der Weg zum Titel so aus:

  1. Erste Schraube, die Personengruppe.
    Aus „Regionale Lebensmittel im Onlinehandel" wird „Kaufmotive für regionale Lebensmittel im Onlinehandel bei Haushalten mit Kindern". Der Gegenstand hängt jetzt an einer Gruppe. Wen du für eine Befragung gewinnen musst, ist damit ebenfalls geklärt.
  2. Zweite Schraube, der Ort und der Fall.
    Daraus wird „Kaufmotive für regionale Lebensmittel im Onlinehandel bei Haushalten mit Kindern am Beispiel steirischer Direktvermarktung". Länger ist der Titel damit geworden, doch jeder Zusatz schließt eine Lücke, die vorher offen war.

Zwei Achsen reichen meistens. Wer eine dritte anlegt, landet bei Titeln, die keine Zeile mehr trägt. Wie detailliert du wirst, hängt auch davon ab, wie viel die Einleitung übernimmt: Schwerpunkt und Zielsetzung stehen dort ausführlich, der Titel deutet sie nur an.

Wenn dir das Thema beim Eingrenzen zu weit oder zu eng gerät, hilft ein Blick auf fertige Beispiele. Wir haben über 100 Themenvorschläge für Bachelorarbeit und Masterarbeit gesammelt, an denen du siehst, wie eng ein tragfähiger Zuschnitt üblicherweise ist.

Titel-Beispiele für Bachelorarbeit und Masterarbeit

Der Abstand zwischen Sachgebiet und Titel zeigt sich an Beispielen schneller als an jeder Regel. Die folgende Tabelle stellt fünf Studienrichtungen jeweils eine zu allgemeine Formulierung und eine eingegrenzte gegenüber. Die Beispiele sind erfunden und dienen der Veranschaulichung, das Muster dahinter lässt sich auf jedes Fach übertragen.

StudienrichtungZu allgemeinEingegrenzt
TourismusmanagementNachhaltiger TourismusLenkungsmaßnahmen gegen Übertourismus aus Sicht ansässiger Gastronomiebetriebe im Salzkammergut
PflegewissenschaftPersonalmangel in der PflegeGründe für den Berufsausstieg diplomierter Pflegekräfte in steirischen Landeskrankenhäusern
Publizistik- und KommunikationswissenschaftPodcastsNachrichtenpodcasts als Informationsquelle für Erstwählerinnen und Erstwähler in Wien
UmweltsystemwissenschaftenKlimaschutzAkzeptanz von Windkraftanlagen im Weinviertel: eine Befragung von Gemeinderatsmitgliedern
RechtswissenschaftenDatenschutzDie Umsetzung des Auskunftsrechts nach der DSGVO bei österreichischen Online-Händlern

Alle Einträge in der rechten Spalte nennen den Gegenstand, die Gruppe oder den Kontext und meist auch das Vorgehen. Keiner davon behauptet ein Ergebnis, transportiert eine Wertung oder verwendet eine Abkürzung, die außerhalb des Fachs niemand kennt.

Der Unterschied zwischen Bachelor- und Masterarbeit liegt weniger in der Formulierung als im Zuschnitt. Eine Masterarbeit verträgt einen breiteren Gegenstand oder eine zusätzliche Vergleichsdimension, weil die Aufgabenstellung nach § 81 Abs. 2 UG 2002 auf sechs Monate Bearbeitungszeit angelegt ist. Die Merkmale für den Titel selbst bleiben in beiden Fällen dieselben.

Titel nachträglich ändern: was möglich ist

Nach der Genehmigung lässt sich der Titel meistens noch sprachlich schärfen, aber nicht mehr inhaltlich austauschen. Österreichische Hochschulen trennen diese beiden Vorgänge sehr genau. Eine sprachliche Modifikation ist ein kleiner Antrag, eine Themenänderung dagegen ein eigenes Verfahren mit eigenen Fristen und eigener Genehmigung.

Wie deutlich die Grenze gezogen wird, zeigt die Prüfungsordnung der FH Campus Wien. Zur Masterarbeit steht dort in einem einzigen Absatz beides nebeneinander: Der Titel kann sprachlich noch modifiziert werden, die Modifikation bedarf aber der Vorlage und nochmaligen Vidierung durch die Studien- oder Studienprogrammleitung. Im Fall einer Themenänderung ist das gesamte Einreichungsverfahren erneut durchzuführen, und ein neues Thema wird nur auf Ansuchen und in begründeten Fällen genehmigt.

An Universitäten läuft es ähnlich, nur mit anderen Bezeichnungen. Das Historisch-Kulturwissenschaftliche StudienServiceCenter der Universität Wien schreibt auf seiner Seite zu Thema und Betreuung der Masterarbeit, dass ein bereits angemeldetes Thema oder ein Wechsel der Betreuung über einen neuen Antrag läuft, auf dem das Kästchen „Änderungsantrag" angekreuzt wird. Die Studienprogrammleitung hat einen Monat Zeit für die Entscheidung, eine Verständigung über die Bewilligung gibt es nicht, nur im Ablehnungsfall ergeht ein Bescheid.

Achtung

Änderungen am Titel kannst du in vielen Campussystemen nicht selbst vornehmen. Die UNIGRAZonline-Anleitung weist darauf hin, dass ein geändertes Thema im Regelfall zuerst offiziell genehmigt werden muss und dass die Eingabe unter Umständen ausschließlich dem Prüfungsreferat vorbehalten ist. Nach der elektronischen Einreichung sind Änderungen dort nur noch über das Prüfungsreferat möglich.

Ein Wort tauschen, eine Eingrenzung schärfen oder einen Untertitel nachreichen geht also meistens, nur eben nie formlos. Es braucht einen Antrag, die Zustimmung der Betreuung und die Genehmigung durch die zuständige Stelle. Ein anderer Gegenstand, eine andere Personengruppe oder eine andere Methode fallen dagegen unter die Themenänderung, und deren Weg führt zurück an den Anfang des Verfahrens.

Der angemeldete Titel steht später im Zeugnis

Ein weiterer Grund für Sorgfalt vor der Anmeldung: Der genehmigte Titel ist die Fassung, die im Abschlusszeugnis erscheint. Die Prüfungsordnung der FH Campus Wien hält fest, dass das Zeugnis über die bestandene Bachelor- oder Masterprüfung die Titel der Bachelorarbeiten beziehungsweise den Titel der Masterarbeit enthält. An der Universität Graz kommt die englische Fassung dazu, weil UNIGRAZonline den Titel in beiden Sprachen verlangt und bei einer Titeländerung ausdrücklich auch die Anpassung des englischen Titels einfordert. Wer sein Studium mit einer Defensio abschließt, präsentiert und verteidigt zudem genau die Arbeit, die unter diesem Titel genehmigt wurde.

Typische Fehler beim Titel

Die meisten Titel scheitern nicht an der Formulierung, sondern an einer übersehenen Kleinigkeit. Vier Fehler tauchen immer wieder auf, und alle vier lassen sich in wenigen Minuten beheben, solange die Anmeldung noch aussteht.

Auffällig ist dabei, wie selten es um Geschmack geht. Die vier Fehler unten fallen in der Begutachtung auf, weil sie den Titel entweder unverständlich machen oder eine Aussage transportieren, die die Arbeit nicht deckt. Beides lässt sich vor der Anmeldung ohne Aufwand ausräumen.

Abkürzungen und interne Kürzel im Titel

Ein Titel wie „Nachhaltigkeitskommunikation im DACH-Raum aus Sicht der KMU" verlangt von der lesenden Person Wissen, das sie nicht haben muss. Die Anleitung der Universität Graz nennt genau solche Kürzel als Beispiel für vermeidbare Hürden. Schreib aus, was du meinst. Zulässig sind allein Abkürzungen, die in deinem Fach so selbstverständlich sind wie DNA in der Biologie.

Eine Wertung, die das Ergebnis vorwegnimmt

„Das verstaubte Image der Versicherungswirtschaft" enthält bereits ein Urteil, das die Arbeit erst belegen müsste. Solche Titel verraten, dass die Richtung vor der Untersuchung feststand. Eine wissenschaftliche Arbeit soll genau das vermeiden. Ersetze die Wertung durch die Sache: die Wahrnehmung der Versicherungswirtschaft bei Berufseinsteigenden.

Titel und Inhalt passen am Ende nicht mehr zusammen

Fast jede Arbeit verschiebt sich zwischen Anmeldung und Abgabe um ein Stück. Wer im Titel eine Methode oder eine Stichprobe nennt, die später anders ausfällt, hat ein Problem, das eine sprachliche Titeländerung nur teilweise löst. Nimm deshalb nur auf, was sicher ist, und lass Details offen, die noch wackeln. Der genaue Zuschnitt findet seinen Platz in der Einleitung und im Aufbau deiner Arbeit.

Der Titel wird ohne die Betreuung auf das Formular geschrieben

Thema und Betreuung werden in Österreich genehmigt, nicht bloß bekanntgegeben. Das Institut für Sprachwissenschaft der Universität Innsbruck beschreibt in seinen FAQs zur Masterarbeit den Ablauf Schritt für Schritt: Anmeldung spätestens zwei Monate vor der Abgabe, Unterschrift der Betreuung, Unterschrift der Studienbeauftragten, danach holt das Prüfungsreferat die Genehmigung des Themas beim zuständigen Organ ein. Rechtsgrundlage ist dort § 25 der Satzung, also der studienrechtlichen Bestimmungen. Wer sich stattdessen auf „das Universitätsgesetz" beruft, beruft sich auf wenig: Das UG 2002 verweist für das Thema auf das Curriculum und für Betreuung und Beurteilung auf die Satzung.

Fazit

Ein guter Titel ist keine Frage des Stils, sondern eine Entscheidung über den Zuschnitt deiner Arbeit. Grenz dein Thema über zwei der fünf Schrauben ein, schreib das Ergebnis als Aussage, verzichte auf Abkürzungen und Wertungen und stimm die Fassung mit deiner Betreuung ab, bevor sie in das Anmeldeformular wandert. Wer diese vier Schritte hinter sich hat, braucht später keinen Änderungsantrag.

Genehmigt wird ein Titel einmal, gelesen wird er jahrzehntelang. Formulier ihn so, wie du ihn im Zeugnis sehen willst.

Wie es weitergeht


Du brauchst für deine Abschlussarbeit eigene Daten?

Mit empirio.ai, einem Online-Umfrage-Tool aus Deutschland, erstellst du kostenlos eine Umfrage für deine Bachelor- oder Masterarbeit, teilst sie per Link und wertest die Antworten direkt aus. Die Daten liegen dabei in der EU.

Umfrage kostenlos erstellen

Häufig gestellte Fragen

Eine verbindliche Wort- oder Zeichenzahl für den Titel gibt es an österreichischen Hochschulen nicht. Das Universitätsgesetz 2002 verweist für das Thema auf das Curriculum und für Betreuung und Beurteilung auf die Satzung. Begrenzt wird der Titel praktisch erst durch das Eingabefeld im Campussystem, dessen Maximum dort jeweils angezeigt wird.

Ein Fragetitel ist zulässig, gilt aber als Ausnahme. Üblich ist die Aussageform, weil der Titel den Gegenstand benennen und das Ergebnis offenlassen soll. Ein Fragetitel liegt außerdem sehr nahe an der Forschungsfrage, und beide sollen zwei verschiedene Dinge sein. Sprich die Form vorher mit deiner Betreuung ab.

Eine sprachliche Änderung des Titels ist an vielen Hochschulen möglich, braucht aber eine neuerliche Genehmigung. Die Prüfungsordnung der FH Campus Wien lässt eine sprachliche Modifikation zu, verlangt dafür aber die Vorlage und nochmalige Vidierung durch die Studiengangsleitung. Eine echte Themenänderung bedeutet dagegen, dass das gesamte Einreichungsverfahren erneut durchlaufen wird.

Im Alltag werden Thema und Titel oft gleichgesetzt, fachlich sind sie verschieden: Das Thema ist der Gegenstand, der Titel die Zeile, die ihn nach außen zeigt. In UNIGRAZonline gibt es zwischen beiden Begriffen laut der offiziellen Anleitung sogar ausdrücklich keinen inhaltlichen Unterschied, weil das System nur ein Feld dafür führt.

Beide Zeichen sind zulässig, und die Anleitung der Universität Graz nennt zusätzlich den Bindestrich. Der Doppelpunkt ist die unauffälligste Lösung, danach schreibst du klein weiter, sofern kein Substantiv folgt. Nach einem Punkt beginnt der Untertitel groß. Eine Rechtschreibvorschrift, die eines der Zeichen verlangt, gibt es nicht.

An der Universität Graz ist der englische Titel verpflichtend. Die Anleitung zu UNIGRAZonline verlangt Titel, Kurzfassung und Schlagwörter verpflichtend auf Deutsch und auf Englisch und weist darauf hin, bei einer Titeländerung auch den englischen Titel anzupassen. Ob deine Hochschule das ebenso handhabt, steht in den Unterlagen deines Prüfungsreferats.

Der angemeldete Titel erscheint im Abschlusszeugnis. Die Prüfungsordnung der FH Campus Wien hält fest, dass das Zeugnis über die bestandene Bachelor- oder Masterprüfung die Titel der Bachelorarbeiten beziehungsweise den Titel der Masterarbeit enthält. Genau deshalb lohnt sich Sorgfalt vor der Anmeldung mehr als jede spätere Korrektur.

Das könnte dich auch interessieren