empirio.ai
Empirische Forschung

Objektivität, Reliabilität & Validität: Definition, Beispiel

In diesem Beitrag verraten wir dir, was sich hinter den Begriffen Objektivität, Reliabilität und Validität versteckt und inwieweit sie im Rahmen einer studentischen Ausarbeitung relevant sind. Außerdem zeigen wir, wie du dafür sorgen kannst, dass deine Abschlussarbeit auf jeden Fall dem wissenschaftlichen Anspruch gerecht wird.

von Maria MalzewAktualisiert am 26. Juli 2024Lesezeit 14 Min.

Von der umfangreichen Datenerhebung bis zur begründeten Interpretation deiner Erkenntnisse – für einen erfolgreichen Forschungsprozess sind viele verschiedene Aspekte bedeutend. Bei der Bewertung deiner Abschlussarbeit ist jedoch der Umgang mit den gewählten Forschungsmethoden das wichtigste Kriterium überhaupt.

Wissenschaftliche Methoden richtig und nachvollziehbar anzuwenden ist nämlich die zentrale Grundkompetenz deiner akademischen Arbeit. Dabei muss deine empirische Forschung im Idealfall beweisen können, dass sie mit Hilfe deiner Forschungsmethoden zuverlässig und unabhängig von den beteiligten Personen die angestrebten Ergebnisse erzielen kann.

Das gilt insbesondere, wenn du eine quantitative Forschungsmethode wie z.B. die standardisierte Befragung gewählt hast. Eine solche Qualitätskontrolle wird dann mithilfe der drei Gütekriterien empirischer Forschungsmethoden durchgeführt: Objektivität, Reliabilität und Validität.

 

In diesem Beitrag verraten wir dir, was sich hinter diesen Begriffen versteckt und inwieweit sie im Rahmen einer studentischen Ausarbeitung relevant sind. Außerdem zeigen wir, wie du dafür sorgen kannst, dass deine Abschlussarbeit auf jeden Fall dem wissenschaftlichen Anspruch gerecht wird.

 

Schematisches Bild von den quantitativen Gütekriterien Objektivität, Reliabilität und Validität.

Kostenlos Umfrage erstellen

Mit empirio.ai erstellst du in wenigen Minuten eine moderne Online-Umfrage – 100% datenschutzkonform.

Jetzt kostenlos starten

Gütekriterien in der Wissenschaft:
Wann gilt eine Forschungsmethode als ‘gut’?

 

“Messungen sollen möglichst objektiv, zuverlässig und gültig sowie des Weiteren für die praktische Durchführung ökonomisch, vergleichbar und nützlich sein.” (Raithel 2008: 44-45)

 

Das idealtypische Ziel einer empirischen Messung, vor allem in der quantitativen Forschung, besteht grundsätzlich in der Erhebung möglichst exakter Messwerte. Allerdings ist dies in der Praxis kaum erreichbar, denn jede Messmethode enthält ein gewisses Maß an Ungenauigkeiten oder Messfehlern – auch bei aufwändig und professionell angelegten Studien. Sollte das also auch bei dir der Fall sein, ist es an sich nicht weiter schlimm, solange du diesbezüglich in deiner Arbeit für Transparenz sorgst.

Dabei werden für jede wissenschaftliche Messung grundlegende Hauptgütekriterien festgelegt, um die Qualität einer Forschungsmethode zu erfassen:

  • Objektivität (= Personenunabhängigkeit) bedeutet, dass die Methode von den beteiligten Personen unabhängig ist. Wenn du einen Meter misst, dann ist dieser Meter genauso lang, wie wenn jemand anders ihn misst.
  • Reliabilität (= Verlässlichkeit) bedeutet, dass die Methode genau misst. Wenn du die Breite deines Tisches mehrfach mit einem Metermaß misst, dann solltest du jedes Mal die gleiche Länge herausbekommen.
  • Validität (= Gültigkeit) bedeutet, dass die Methode tatsächlich das misst, was sie messen soll. Ein Metermaß sollte die räumliche Fläche der Gegenstände messen und nicht deren Gewicht.

 

Für die praktische Durchführbarkeit einer Forschung werden diese Gütekriterien nicht selten durch eine Reihe Nebengütekriterien ergänzt:

  • Dazu gehören Qualitätsanforderungen wie Nützlichkeit, Normierung, Vergleichbarkeit und Ökonomie (z.B. bei Raithel 2008), aber auch Fairness oder Zumutbarkeit (z.B. bei Moosbrugger und Kelava 2020).
  • Im Gegensatz zu etablierten Begriffen der Objektivität, Reliabilität und Validität werden die Nebengütekriterien in verschiedenen Forschungsansätzen abhängig vom Anwendungsbereich unterschiedlich definiert.

 

Für eine studentische Abschlussarbeit ist die Beschränkung auf Hauptgütekriterien in der Regel jedoch vollkommen ausreichend. Hast du keine weiteren Vorgaben von deinem Prüfer bekommen, kannst du davon ausgehen, dass du dich bei der Qualitätssicherung deiner Forschung auf drei Gütekriterien – Objektivität, Reliabilität und Validität – konzentrieren kannst.

 

Literaturtipp und das Metermaß-Beispiel:
Hunziker, Alexander W. (2013). Spass am wissenschaftlichen Arbeiten. So schreiben Sie eine gute Semester-, Bachelor- und Masterarbeit. 5. Auflage. SKV: Zürich. ➔ siehe vor allem Kap. 18, S. 76-79: „Wann ist eine Methode gut?“

Raithel, Jürgen (2008). Quantitative Forschung. Ein Praxiskurs. 2. Auflage. VS Verlag für Sozialwissenschaften: Wiesbaden. ➔ siehe vor allem Kap 4.4, S. 44-49: „Gütekriterien der Messung: Objektivität, Reliabilität, Validität“

Darstellung der Gütekriterien für eine Abschlussarbeit

 

Qualitätsprüfung deiner Abschlussarbeit:
Wie objektiv, reliabel und valide muss deine Forschung wirklich sein?

 

“Letztlich bestimmt dieser [fachspezifische] Diskurs, welche Methoden von wissenschaftlichen Kreisen – zu einer bestimmten Zeit – als tauglich akzeptiert werden.” (Hunziker 2013: 79)

 

In keiner Phase des Studiums musst du so viele Fachkompetenzen anwenden, wie beim Verfassen einer Abschlussarbeit. Mithilfe der Gütekriterien zeigst du zuallererst deine Fähigkeit, dich mit der eigenen Vorgehensweise kritisch auseinanderzusetzen. Das reicht bereits aus, damit deine Methode wissenschaftlichen Anforderungen genügt.

Weniger wichtig ist allerdings, ob die Gütekriterien bei deiner empirischen Forschung tatsächlich alle erfüllt sind. Dies ist ohnehin selten der Fall und hängt unter anderem auch vom wissenschaftlichen Kontext deiner Arbeit ab: Nicht jedes Gütekriterium ist für deine Forschungsfrage gleichermaßen relevant. Dennoch ist es erforderlich in deiner Abhandlung aufzuzeigen, dass du dich um die höchstmögliche Qualität deiner Forschungsmethode bemüht hast und dich mit den Gütekriterien grundsätzlich auseinandergesetzt hast.

 

Wir zeigen dir an einem konkreten Beispiel, wie du dabei vorgehen könntest:

  • Forschungsfrage: Übt ein hoher Nachrichtenkonsum einen negativen Einfluss auf die mentale Gesundheit der Nutzer aus?
  • Hypothese: Je häufiger Fernsehnachrichten konsumiert werden, desto negativer ist die generelle Befindlichkeit der Rezipienten.
  • Forschungsmethode: Quantitative Online-Befragung mit empirio

 

Literaturtipp bzgl. der Gütekriterien einer Befragung:
Moosbrugger, Helfried / Kelava, Augustin (2020). Testtheorie und Fragebogenkonstruktion. 3. Auflage. Springer Verlag: Berlin

 

Schematisches Bild von dem quantitativen Gütekriterium Objektivität.

 

Objektivität: Unabhängigkeit der Testergebnisse

 

“Ein Test ist dann objektiv, wenn das ganze Verfahren, bestehend aus Testmaterialien, Testdarbietung, Testauswertung und Interpretationsregeln, so genau festgelegt ist, dass der Test unabhängig von Ort, Zeit, Testleiter und Auswerter durchgeführt werden könnte und für eine bestimmte Testperson bezüglich des untersuchten Merkmals dennoch dasselbe Ergebnis und dieselbe Ergebnisinterpretation liefert.” (Moosbrugger und Kelava 2020: 18)

 

Für eine Befragung sollte das Gütekriterium der Objektivität so gut wie möglich erfüllt sein. Ansonsten kannst du die Ergebnisse von verschiedenen Testpersonen nicht miteinander vergleichen. Hohe Objektivität ist bei einer Befragung dann gegeben, wenn jeder andere beliebige Versuchsleiter bei der Durchführung und der Auswertung deiner Studie zu denselben Ergebnissen kommen würde wie du.

 

Diese drei wesentlichen Testgütekriterien sind in Bezug auf Objektivität entscheidend:

  • Durchführungsobjektivität ist gegeben, wenn verschiedene Forschende von gleichen Testpersonen gleiche Antworten bekommen. 

    Bewertung:
    Diese Objektivität erreichen wir in unserer Forschung, indem wir eine standardisierte Online-Umfrage via empirio durchführen. Dabei verzichten wir bewusst auf direkte Kommunikation mit den Testpersonen, um mögliche Beeinflussung zu vermeiden. Bei empirio wird die Umfrage ausschließlich per E-Mail, via Social Media oder in der eigenen Community geteilt, so dass es zu keinem unmittelbaren Kontakt zwischen den Forschenden und den Befragten kommt. Eine mündliche Befragung wäre dagegen weniger objektiv.

     
  • Auswertungsobjektivität ist gegeben, wenn verschiedene Forschende bei gleichen Antworten der Testpersonen zu gleicher Auswertung kommen.

    Bewertung:
    Diese Objektivität erreichen wir in höherem Maße, indem wir in unserem Fragebogen hauptsächlich mit geschlossenen Fragen arbeiten (z.B.: “Wie viele Stunden pro Tag schauen Sie fern” - mit vorgegebenen Antwortmöglichkeiten: 0-2 Stunden, 2-4 Stunden, 4-6 Stunden oder mehr als 6 Stunden). Gleichzeitig sind einige offene Fragen für diese Untersuchung ebenfalls notwendig (z.B. “Begründen Sie bitte Ihre vorherige Antwort”), da es um Befindlichkeiten der untersuchten Personen geht. Offene Fragen, die mit Freitexten beantwortet werden können, weisen typischerweise einen geringeren Grad der Auswertungsobjektivität auf, sind aber für unsere Forschung unabdingbar und daher auch in der Arbeit begründbar.

     
  • Interpretationsobjektivität ist gegeben, wenn verschiedene Forschende bei gleichen Testwerten zu gleicher Interpretation kommen. Hier lässt sich ein gewisser Grad an Subjektivität nicht vermeiden: Bei einer studentischen Arbeit ist z.B. die Überprüfung der Ergebnisse durch einen weiteren Forschenden eher unrealistisch. Doch keine Sorge, deinen Prüfern ist das ebenfalls bewusst.

 

Objektivität in deiner Abschlussarbeit: Eine absolute Objektivität ist zwar grundsätzlich anzustreben, aber in der Realität nicht erreichbar! Vielmehr solltest du in deiner Abschlussarbeit offenlegen, welche Schritte du unternommen hast, um eine möglichst objektive Messung zu gewährleisten.

Definition gesucht? In unserem zusätzlichen Artikel zeigen wir dir, was die genaue Definition von Objektivität ist.

 

Schematisches Bild von dem quantitativen Gütekriterium Reliabilität.

 

Kostenlos Umfrage erstellen

Mit empirio.ai erstellst du in wenigen Minuten eine moderne Online-Umfrage – 100% datenschutzkonform.

Jetzt kostenlos starten

Reliabilität: Messgenauigkeit der Erhebung

 

“Ein Test erfüllt das Gütekriterium der Reliabilität/Zuverlässigkeit, wenn er das Merkmal, das er misst, exakt, d. h. ohne Messfehler, misst.” (Moosbrugger und Kelava 2020: 27)

 

Das Gütekriterium der Reliabilität eines Messinstruments (= des Erhebungsinstruments: die quantitative Befragung) zeigt, ob bei wiederholter Messung die gleichen Ergebnisse auftreten würden. Sprich: Ob eine Reproduzierbarkeit der Messung bzw. der Ergebnisse fehlerfrei gegeben ist.

 

Die Reliabilität kann grundsätzlich mit diesen Messverfahren überprüft werden:

  • Test-Retest-Reliabilität: Die Untersuchung wird unter genau denselben Bedingungen wiederholt (also auch mit gleichen Testpersonen!). Die Reliabilität wird dann als Korrelation zwischen den Testwerten aus der ersten und zweiten Messung ermittelt. Man nimmt an, dass die wahren Werte zwischen den beiden Messungen unverändert bleiben. Verändern sich die Werte der Objekte nach der ersten Messung, so wird die Reliabilität niedriger eingestuft.

    Bewertung:
    In der Praxis liegt das Problem darin, dass die Befragten sich häufiger an die erste Messung erinnern und übereinstimmende Angaben machen, um konsistent zu erscheinen. Diese Methode wird daher selten verwendet. Für eine studentische Arbeit ist es außerdem höchst unwahrscheinlich, dass du dieselben Befragten noch einmal erreichen kannst. Für unsere Untersuchung ist diese Methode also eher ungeeignet.

     
  • Paralleltest-Reliabilität: Dabei wird die gleiche Untersuchung mit zwei möglichst ähnlichen Messinstrumenten zum selben Zeitpunkt durchgeführt. Ähnlich wie beim Retest wird dann geschaut, in welcher Korrelation die Messwerte der beiden Untersuchungen zueinanderstehen.

     
  • Split-Half-Reliabilität: Dabei wird der Test in zwei parallele Hälften geteilt und mit Hilfe von faktorenanalytischen Verfahren miteinander verglichen, um die Korrelation der beiden Testhälften zu bestimmen.

    Bewertung:
    Diese Methode der ‘Testhalbierung’ ist für unsere Forschung durchaus machbar! Das Gute bei diesem Verfahren ist, dass wir mithilfe einer Korrekturformel (= Spearman-Brown-Formel) ein gutes und realistisches Ergebnis erzielen können, selbst wenn diese s.g. Halbtest-Korrelation niedriger als die Gesamt-Reliabilität ausfällt. Zur Schätzung der Reliabilität kann diese Methode außerdem anhand von Cronbachs Alpha, einem Koeffizienten für die interne Konsistenz einer Skala, (mithilfe einer Itemanalyse) vertieft werden. Allerdings gilt dieses Verfahren in der jüngsten Wissenschaft als unzuverlässig – für uns ist eine solche Vertiefung erstmal nicht notwendig.

 

Reliabilität in deiner Abschlussarbeit: Insgesamt wird im Rahmen einer studentischen Abschlussarbeit von dir nicht erwartet, dass du fehlerfreie Messwerte ablieferst oder die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse gewährleisten kannst. Selbst wenn in einem Reliabilität-Test (Tipp: Kläre mit der betreuenden Person, ob du diesen Test durchführen musst - oftmals nicht notwendig!) herauskommt, dass dein Messinstrument ungenau ist, dürfte es für eine gute Note nicht relevant sein. Entscheidend ist die überzeugende Auseinandersetzung mit den auf deine Forschung anwendbaren Reliabilitäts-Methoden, nicht der Grad der tatsächlich gemessenen Reliabilität.

Definition gesucht? In unserem zusätzlichen Artikel zeigen wir dir, was die genaue Definition von Reliabilität ist.

 

Schematisches Bild von dem quantitativen Gütekriterium Validität.

 

Validität: Gültigkeit der Forschung

 

“Validität/Gültigkeit eines Tests liegt vor, wenn der Test das Merkmal, das er messen soll, auch wirklich misst und nicht irgendein anderes.” (Moosbrugger und Kelava 2020: 30)

 

Das Gütekriterium der Validität befasst sich mit der Übereinstimmung zwischen dem tatsächlich gemessenen Inhalt der Befragung (= dein Fragenkatalog und die Messergebnisse) und der angestrebten Erkenntnis (= deiner Forschungsfrage). Die Validität einer Forschung sorgt dafür, dass der Forschende eine richtige Schlussfolgerung aus der gewählten Forschungsmethode ziehen kann.

Das Problem mit diesem Kriterium ist jedoch, dass es ‘die’ Validität eines Messinstruments bzw. der Messung nicht gibt. Stattdessen müssen unter diesem Begriff nicht nur der Inhalt deiner Forschung (= interne Validität, u.a. die Inhaltsvalidität), sondern ebenfalls die grundsätzlichen Rahmenbedingungen der Forschungspraxis (= externe Validität, u.a. die Expertenvalidität) berücksichtigt werden.

 

Folgende Möglichkeiten zur Prüfung der Validität sind typisch:

  • Inhaltsvalidität oder Augenscheinvalidität / content validity: Dabei gilt zu beweisen, dass alle Aspekte des untersuchten Gegenstands in der Forschung berücksichtigt wurden. In der wissenschaftlichen Praxis liegt das Problem der Inhaltsvalidität darin, dass für ihre Beurteilung keinerlei objektive Kriterien vorliegen. Für eine studentische Arbeit ist das allerdings sogar von Vorteil: Solange du begründen kannst, warum du die spezifischen Merkmale deiner Untersuchung gewählt hast, wirst du das Gütekriterium der Inhaltsvalidität höchstwahrscheinlich erfüllen.

    Bewertung:
    Da wir bei unserer Untersuchung genau solche Fragen stellen, die uns eine breitgefächerte Analyse über den mentalen Zustand unserer Probanden im Zusammenhang mit dem Nachrichtenschauen ermöglichen, können wir mit der Inhaltsvalidität unserer Forschung argumentieren.

     
  • Konstruktvalidität / construct validity: Vereinfacht dargestellt, wird dabei überprüft, inwieweit die Konstruktion einer Forschung (= Forschungsdesign) mit anderen ähnlichen Forschungen theoretisch und empirisch vergleichbar ist. Ist dies der Fall, lässt sich daraus vorhersagen, dass das Forschungskonstrukt ebenfalls empirisch untersuchbar ist und entsprechend ein gewisses Maß an Konstruktvalidität aufweist.
    Die Konstruktvalidität ist für jede Forschungspraxis von großer Bedeutung, weil sie einen Zusammenhang zwischen der empirischen Untersuchung (= Forschungsdesign) und seiner theoretischen Rahmung (= Stand der Forschung) stellt.

    Bewertung:
    In unserem Fall ist die Konstruktvalidität nicht schwer nachzuweisen, weil die Konzeption bzw. das Grundkonstrukt unserer Forschung sowohl bei den genutzten Definitionen als auch beim konkreten Forschungsdesign auf anerkannten Studien (wie etwa der Kultivierungshypothese) basiert.

     
  • Kriteriumsvalidität oder Übereinstimmungsvalidität / criterion-related validity: Dabei werden externe empirische Außenkriterien herangezogen, die unabhängig bzw. mit anderen Messinstrumenten eine gleiche oder ähnliche Forschungsfrage untersuchen. Danach wird geschaut, inwiefern die mit einem Messinstrument erzielten Resultate mit anderen relevanten Merkmalen empirisch übereinstimmen.
    Insgesamt wird zwischen zwei Unterkategorien der Kriteriumsvalidität unterschieden: Die Übereinstimmungsvalidität (concurrent validity) mit einem gleichzeitig zu der eigentlichen Forschung erhobenen Außenkriterium und die Vorhersagevalidität (predicitve validity) bei einer späteren Messung mit einem anderen Instrument.

    Bewertung:
    Für unsere Forschung wäre zum Zweck der Kriteriumsvalidität z.B. ein Experiment denkbar, bei dem wir die Probanden nach dem Nachrichtenkonsum zu ihren Empfindungen befragen und dann schauen, ob die Ergebnisse mit unserer ursprünglichen Befragung übereinstimmen. Das würde jedoch den inhaltlichen Rahmen unserer Forschung sprengen, daher entscheiden wir uns gegen diese Methode.
     
  • Expertenvalidität / expert validity: Dabei werden Experten des zu untersuchenden Gegenstandsbereichs zu ihrer Einschätzung über die Gültigkeit des zum Einsatz geplanten Messinstruments befragt oder man greift auf Fragen zurück, die von Experten bereits als valide evaluiert wurden. Für Studierende kann es eine gute Gelegenheit sein, ihre Professoren oder andere Fachautoren zu konsultieren.
    Unser Geheimtipp: Social Media machen es besonders einfach, einen entsprechenden und etablierten Fachexperten zu kontaktieren. Dafür eignen sich Akademiker-Communities wie researchgate.net oder academia.edu besonders gut. Zudem freuen sich die meisten Wissenschaftler, wenn jemand Interesse an ihrer Arbeit zeigt.

    Bewertung:
    Für unsere Forschung ist die medienpsychologische Kultivierungstheorie aus den 70ern grundlegend. Daher schauen wir uns an, welche deutschen Akademiker sich in den letzten Jahren damit auseinandergesetzt haben. Mit etwas Recherche finden wir einen passenden Experten zur Kultivierungstheorie sowie eine akademische E-Mail-Adresse zur Kontaktaufnahme und können ihn zu unserem Forschungskonzept befragen bzw. mit seinem Fachwissen unsere Expertenvalidität begründen.
     
  • Known Group Validität: Dabei wird eine Gruppe von Testpersonen zusammengestellt, bei der man davon ausgeht, dass sie extreme Werte bezüglich der zu messenden Erkenntnisse aufweist. Bei uns könnten es zum Beispiel Nachrichtensprecher sein, die sich beruflich intensiv mit den Nachrichten auseinandersetzen. Dieser Gruppe wird die Skala, also unser Fragebogen, zur Beantwortung vorgelegt. Unterscheidet sich der Mittelwert der known group von dem der eigentlich zu untersuchenden Gruppe signifikant, spricht das für die Gültigkeit deiner Messung.

    Bewertung:
    Für unsere Zwecke ist diese Methode ungeeignet, da wir keine Möglichkeit haben, eine passende Gruppe zusammenzustellen.

 

Validität in deiner Abschlussarbeit: Der Begriff der Validität ist in den letzten Jahren noch komplexer geworden und wird heutzutage nicht nur auf die ‘valide’ Auswertung und die Interpretation der Testergebnisse bezogen, sondern gilt als einheitliches Qualitätsmerkmal, das sich durch deine gesamte Arbeit ziehen soll.

Das bedeutet für dich jedoch nicht, dass du alle hier vorgestellten Methoden berücksichtigen musst! Für studentische Arbeiten ist die Beschränkung auf die Konstrukt- sowie die Inhaltsvalidität häufig am sinnvollsten. Mit der Expertenvalidität kannst du deiner Abschlussarbeit zusätzlich noch mehr Gültigkeit verleihen (und nebenbei deinen Prüfer so richtig beeindrucken, wenn du einen guten Experten gefunden hast!).

Definition gesucht? In unserem zusätzlichen Artikel zeigen wir dir, was die genaue Definition von Validität ist.

Darstellung, wie man die Gütekriterien Objektivität Reliabilität und Validität in die Abschlussarbeit integriert

 

Qualitätsanforderungen in die Abschlussarbeit integrieren: Unsere Tipps

Im Gegensatz zu anderen Bestandteilen einer Abschlussarbeit gibt es keine allgemeingültige Art und Weise, wie du mit Qualitätsanforderungen in deiner Arbeit umgehen solltest oder an welcher Stelle der Gliederung sie am besten platziert werden.

Vielmehr sind die Gütekriterien, die wir in diesem Beitrag skizziert haben, an verschiedenen Ebenen deiner Arbeit zu beachten: beim Erfassen des Forschungsstands, beim Forschungsdesign und auch bei der Auswertung deiner Messdaten. In vielen Fällen reicht es aus, wenn du die Gütekriterien an den entsprechenden Stellen deiner Arbeit erläutern kannst.

Solltest du dich jedoch aufgrund deiner formulierten Forschungsfrage oder nach Absprache mit deinem Prüfer dafür entscheiden, den Gütekriterien ein eigenständiges Kapitel zu widmen, sind mehrere Varianten wahrscheinlich:

 

Eine Möglichkeit ist es, die Gütekriterien im Kapitel zum Forschungsdesign ausführlich zu behandeln:

1. Einleitung: Forschungsfrage
2. Theorie / Stand der Forschung
3. Forschungsdesign
3.1 Bildung der Hypothesen
3.2 Wahl der Forschungsmethode
3.3 Grundgesamtheit und Stichprobe festlegen
3.4 Definition und Festlegung der untersuchten Variablen und Merkmale
3.5 Fragenkatalog
3.6 Gütekriterien der Forschung
3.6.1 Objektivität
3.6.2 Reliabilität
3.6.3 Validität

4. Datenerhebung
5. Datenauswertung
6. Ergebnisse und Erkenntnisse
7. Reflektion der eigenen Vorgehensweise
8. Fazit

 

Alternativ wäre die Dokumentation über die Qualitätssicherung deiner Forschung bei der Reflektion deiner Arbeit denkbar:

1. Einleitung: Forschungsfrage
2. Theorie / Stand der Forschung
3. Forschungsdesign
3.1 Bildung der Hypothesen
3.2 Wahl der Forschungsmethode
3.3 Grundgesamtheit und Stichprobe festlegen
3.4 Definition und Festlegung der untersuchten Variablen und Merkmale
3.5 Fragenkatalog
4. Datenerhebung
5. Datenauswertung
6. Ergebnisse und Erkenntnisse
7. Reflektion der eigenen Vorgehensweise → Gütekriterien der Forschung
8. Fazit

 

Weiterführende Literatur:

Brosius, Hans-Bernd et al (2009). Methoden der empirischen Kommunikationsforschung. Eine Einführung. 5 Auflage. VS Verlag für Sozialwissenschaften: Wiesbaden.

Grubitzsch, Siegfried (1991). Testtheorie. Testpraxis. Psychologische Tests und Prüfverfahren im kritischen Überblick. 2. Auflage. Rowohlt Verlag: Reinbek.

Hunziker, Alexander W. (2013). Spass am wissenschaftlichen Arbeiten. So schreiben Sie eine gute Semester-, Bachelor- und Masterarbeit. 5. Auflage. SKV: Zürich.

Moosbrugger, Helfried / Kelava, Augustin (2020). Testtheorie und Fragebogenkonstruktion. 3. Auflage. Springer Verlag: Berlin.

Raithel, Jürgen (2008). Quantitative Forschung. Ein Praxiskurs. 2. Auflage. VS Verlag für Sozialwissenschaften: Wiesbaden.

Stumpf, Heinrich (1996). „Klassische Testtheorie“. Handbuch Quantitative Methoden. Hrsg. Edgar Erdfelder. Beltz: Weinheim. S. 411-430.

 

Kostenlos Umfrage erstellen

Mit empirio.ai erstellst du in wenigen Minuten eine moderne Online-Umfrage – 100% datenschutzkonform.

Jetzt kostenlos starten

Das könnte dich auch interessieren

Lexikon

Was bedeutet Objektivität? Definition und Beispiel

Objektivität (= intersubjektive Vergleichbarkeit) bedeutet, dass die gewonnenen Erkenntnisse unabhängig von den subjektiven Einstellungen der Forschenden überprüfbar und nachvollziehbar sein müssen.

Lexikon

Was bedeutet Reliabilität? Definition und Beispiel

Reliabilität ( = Verlässlichkeit oder Zuverlässigkeit der Messung) ist ein entscheidendes Qualitätsmerkmal einer Forschungsarbeit und bezeichnet die Genauigkeit der durchgeführten Untersuchung.

Lexikon

Was bedeutet Validität? Definition und Beispiel

Validität (= Gültigkeit oder Richtigkeit der Messung) bildet ab, inwieweit eine Forschungsarbeit in ihrer gesamten Konstruktion tatsächlich die Ergebnisse erzielt, die dem gestellten Forschungsziel entsprechen.