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Wissenschaftliches Schreiben: Stil, Zeitform und Ich-Form

Das Ich-Verbot in wissenschaftlichen Arbeiten ist keine Regel, sondern eine Gewohnheit. Wir zeigen dir, welche Zeitform wohin gehört und welche Wörter du streichen kannst.

Autor bei empirio.ai - Marvin Depping, Co-Gründervon Marvin DeppingAktualisiert am 2. September 2026Lesezeit 11 Min.

Das Thema steht, die Gliederung auch, und die ersten Seiten sind geschrieben. Dann kommt das dritte Kapitel, der Text klingt plötzlich wie eine Bedienungsanleitung, und du kannst nicht sagen, woran das liegt. Am Rand steht „bitte wissenschaftlicher formulieren“, und damit ist genau nichts geklärt.

Wissenschaftliches Schreiben heißt: Du schreibst so, dass jede Aussage nachprüfbar ist und niemand raten muss, wer etwas behauptet. Konkret bedeutet das Präsens als Grundzeitform, sparsame Selbstnennung, Aktiv statt Passiv, wo es geht, präzise Begriffe statt Synonyme und keine Wörter, die nur Zeilen füllen. Jede Regel in diesem Beitrag steht so in einer Handreichung einer Hochschule, nicht in einem Ratgeberblog.


📌 Das Wichtigste im Überblick

  • Präsens ist die Grundzeitform, der Methodenteil steht im Präteritum.
  • Ein offizielles Ich-Verbot gibt es in der Wissenschaft nicht.
  • Verfasser-Ich und Forscher-Ich gelten als wissenschaftlich, das Erzähl-Ich nicht.
  • Aktiv ist klarer als Passiv, auch in wissenschaftlichen Texten.
  • Wortwiederholung bei Fachbegriffen ist gewollt, kein Stilfehler.

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Wissenschaftliches Schreiben: was guten Stil ausmacht

Wissenschaftliches Schreiben ist die Art zu formulieren, bei der jede Behauptung ihre Herkunft mitliefert und der einzelne Satz auch ohne Nachfrage eindeutig bleibt. Es ist kein Ton, den man aufsetzt, sondern die Summe aus vier Entscheidungen: Zeitform, Satzbau, Wortwahl und die Frage, wie sichtbar du als schreibende Person im Text vorkommst.

Der Sprachwissenschaftler Christian Lehmann ordnet wissenschaftliche Texte in seiner Handreichung „Stil in wissenschaftlichen Texten“ (Stand 30.08.2025) nahe am Pol der ausgeprägten Schriftlichkeit ein. Alles, was gesprochene Sprache ausmacht, ist dort unangebracht: Emotion, Lebhaftigkeit, saloppe Wendungen. Der Anspruch der Wissenschaftlichkeit werde aber, so Lehmann, nicht durch höhere syntaktische Komplexität eingelöst, sondern durch Klarheit und Eindeutigkeit.

Genau hier liegt das Missverständnis, das die meisten Hausarbeiten schwer lesbar macht. Wer wissenschaftlich klingen will, baut längere Sätze und größere Wörter. Wer wissenschaftlich schreibt, tut das Gegenteil: Er nimmt jeden Satz so weit auseinander, bis nur noch das übrig ist, was jemand nachprüfen kann. Die Handreichung „Hinweise zum Anfertigen wissenschaftlicher Arbeiten“ von Gerald Jurasinski, Universität Rostock (Version 1.1, 2014), nennt dafür vier Grundsätze: Neutralität, Konsistenz, Fehlerarmut und eine eingeschränkte, bewusste Nutzung der Zeitformen.

Der Schreibstil ist damit die letzte Schicht über allem, was vorher steht. Thema, Forschungsfrage und Gliederung deiner Arbeit entscheiden, ob der Inhalt trägt. Der Stil entscheidet, ob jemand ihn erkennt. Wie beides zusammenhängt, zeigt der Überblick über die Grundlagen empirischer Forschung.

Welche Zeitform gehört in welchen Teil der Arbeit?

Wissenschaftliche Arbeiten stehen überwiegend im Präsens. Präteritum und Perfekt kommen dort hinzu, wo es um tatsächlich abgelaufene Vorgänge geht, also vor allem im Methoden- und im Ergebnisteil. Eine feste, für alle Fächer verbindliche Regel gibt es nicht, aber die folgende Zuordnung findet sich in Handreichungen quer durch die Fachbereiche.

Teil der ArbeitZeitformBeispielsatz
Einleitung und ForschungsstandPräsensOnline-Befragungen erreichen schwer erreichbare Gruppen.
Verweis auf fremde StudienPräsensAutor (Jahr) schlägt eine engere Definition vor.
Beschreibung deines UntersuchungsfeldsPräsensDer Verein zählt 320 Mitglieder.
Eigene Arbeitsschritte im MethodenteilPräteritumAn der Befragung nahmen 212 Personen teil.
Eigene ErgebnissePräteritum oder PerfektDie Befragung ergab drei wiederkehrende Muster.
Diskussion und FazitPräsensDie Ergebnisse deuten auf einen Zusammenhang hin.

Warum das Untersuchungsfeld im Präsens steht und die Messung im Präteritum, begründet Gerald Jurasinski in der Rostocker Handreichung (2014) mit einem sehr einfachen Argument: Das Untersuchungsgebiet ist ja immer noch da, die Erhebung dagegen ist vorbei. Nach derselben Logik steht publiziertes Wissen im Präsens, der Akt des Publizierens aber im Perfekt oder Präteritum.

Für den Wechsel zwischen den Zeitformen gilt eine zweite Regel aus derselben Quelle: Zeitformen werden innerhalb eines Kapitels gemischt, je weniger jedoch, desto besser. Maßgeblich bleibt am Ende, was dein Fachbereich vorgibt. In naturwissenschaftlichen Fächern ist die Trennung nach Kapiteln strenger als in den Geisteswissenschaften, und der Leitfaden deines Instituts sticht jede allgemeine Empfehlung.

Darf man in einer wissenschaftlichen Arbeit „ich“ schreiben?

Ein offizielles Ich-Verbot gibt es weder in der Wissenschaft allgemein noch in den meisten Prüfungsordnungen. Entscheidend ist nicht, ob das Wort „ich“ im Text vorkommt, sondern wofür es dort steht. Genau diese Unterscheidung fehlt in fast jedem Ratgeber, der stattdessen ein pauschales Verbot ausspricht.

Die Schreibberatung der Abteilung Volkswirtschaftslehre an der Universität Mannheim hält in ihrem Leitfaden „Ich, man, wir? Möglichkeiten der Selbstreferenz“ (2015) ausdrücklich fest, dass ein offizielles Ich-Verbot dort ebenso wenig existiert wie in der Wissenschaft im Allgemeinen. Statt von einem Verbot spricht der Leitfaden von einer Tendenz zur Ich-Vermeidung. Er beruft sich dabei auf eine Einteilung des Sprachwissenschaftlers Torsten Steinhoff (2007), der drei Typen unterscheidet.

Verfasser-Ich: du erklärst, wie die Arbeit aufgebaut ist

Das Verfasser-Ich kommentiert das eigene Schreiben, nicht den Gegenstand. Sätze wie „Im zweiten Kapitel untersuche ich, ob …“ oder „Ich beschränke mich auf Befragungen im Hochschulkontext“ ordnen den Text und führen die lesende Person durch die Arbeit. Nach der Mannheimer Darstellung macht das Verfasser-Ich den überwiegenden Anteil aller Ich-Verwendungen aus und gilt als wissenschaftlich. Es passt vor allem in Einleitung und Zusammenfassung.

Forscher-Ich: du begründest deine eigene Position

Das Forscher-Ich setzt sich mit fremden und eigenen Erkenntnissen auseinander, begründet einen Standpunkt und zieht Schlussfolgerungen. „Ich halte die zweite Erklärung für tragfähiger, weil sie die Ausreißer im Datensatz erklärt“ ist ein solcher Satz. Auch diese Form gilt als wissenschaftlich, denn eine Interpretation ohne erkennbaren Urheber ist keine bessere Interpretation, sondern nur eine unklarere.

Erzähl-Ich: du erzählst von dir selbst

Das Erzähl-Ich berichtet autobiografisch, bewertet subjektiv und stellt persönliche Erlebnisse in den Vordergrund. „Schon während meines Praktikums hat mich das Thema fasziniert“ gehört in ein Motivationsschreiben, nicht in eine Bachelorarbeit. Diese dritte Form ist die einzige, die im Fachtext tatsächlich stört, und sie ist der Grund, aus dem das pauschale Verbot überhaupt entstanden ist.

Der Regelfall lautet damit: sparsam, in Einleitung und Fazit, für das eigene Vorgehen und die eigene Einordnung. Die Ausnahme lautet: gar nicht, wenn deine Betreuung es so will. Der Mannheimer Leitfaden formuliert das ohne Umschweife und rät, die Selbstreferenz zu vermeiden, wenn die betreuende Person das wünscht. Maßgeblich ist am Ende die Prüfungsordnung deines Studiengangs und der Leitfaden deines Fachbereichs.

⚠️ Achtung

„Man“ ist kein sicherer Ersatz für „ich“. Wer „man kann feststellen“ schreibt, verbirgt nur, wer feststellt, und erzeugt genau die Unklarheit, die wissenschaftliche Sprache vermeiden soll. Ist eine allgemein geteilte Auffassung gemeint, gehört eine Quelle dahinter. Bist du selbst gemeint, formuliere über den Text: „Das dritte Kapitel zeigt, dass …“

Passiv oder Aktiv in wissenschaftlichen Texten?

Aktiv ist in wissenschaftlichen Texten fast immer die bessere Wahl, obwohl das Passiv seit Jahrzehnten als der wissenschaftlichere Satzbau gilt. Hinter dieser Empfehlung steckt ein Widerspruch, den kaum ein Ratgeber auflöst, und der viele Arbeiten unnötig schwerfällig macht.

Der Widerspruch entsteht so: Der Mannheimer Leitfaden führt das Passiv als eine von vier Strategien auf, mit denen sich die Ich-Referenz vermeiden lässt. Wer also den Rat „kein ich“ befolgt, landet fast zwangsläufig beim Passiv. Christian Lehmann rät in seiner Handreichung dagegen, das Passiv zu ersetzen, wo immer es möglich ist, und nennt Passivkonstruktionen mit genanntem Handelnden die entbehrlichsten überhaupt. Aus „Der Fragebogen wurde von uns ausgewertet“ wird bei ihm schlicht „Den Fragebogen werteten wir aus“.

Das Passiv macht einen Satz nicht objektiver. Es verschweigt nur, wer gehandelt hat.

Auflösen lässt sich der Widerspruch über die dritte Strategie aus dem Mannheimer Leitfaden, die Personifikation des Textes. Sie umgeht das Ich und das Passiv gleichzeitig, und sie ist der Grund, warum gute wissenschaftliche Texte selten beides brauchen.

Vier Wege, die ohne „ich“ und ohne Passiv auskommen

  • Der Text handelt: „Das zweite Kapitel vergleicht beide Verfahren.“
  • Die Sache handelt: „Die Stichprobe umfasst 212 Personen.“
  • Das Ergebnis handelt: „Die Auswertung zeigt einen deutlichen Unterschied.“
  • Die Quelle handelt: „Autor (Jahr) widerspricht dieser Deutung.“

Zwei Wir-Formen solltest du dagegen meiden. Das majestätische Wir, mit dem eine einzelne Person von sich im Plural schreibt, gilt nach dem Mannheimer Leitfaden inzwischen als veraltet. Das kollegiale Wir in Sätzen wie „In Tabelle 2 erkennen wir …“ wirkt vereinnahmend, weil es der lesenden Person eine Einsicht unterstellt, die sie noch gar nicht hatte. Ein echtes Wir bleibt richtig, wenn die Arbeit mehrere Verfassende hat.

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Diese Wörter kannst du streichen

Streichen kannst du in einer wissenschaftlichen Arbeit vor allem drei Sorten von Wörtern: Füllwörter ohne eigene Bedeutung, Phrasen, die eine Aussage vage machen, und Sätze, die nur ankündigen, was ohnehin gleich kommt. Zusammen machen sie oft ein Zehntel des Textes aus, ohne ein einziges Argument zu tragen.

Der Grund, warum das mehr ist als Kosmetik: Jedes abschwächende Wort verschiebt die Aussage, ohne dass du es merkst. „Diese Methode ist im Grunde genommen geeignet“ behauptet etwas anderes als „Diese Methode ist geeignet“, und die Prüfung liest den Unterschied.

Füllwörter und Phrasen, die eine Aussage abschwächen

Christian Lehmann nennt in seiner Handreichung mehrere Phrasen, die in wissenschaftlicher Redaktion streng zu kontrollieren oder besser zu streichen sind. Bemerkenswert daran ist, dass sie fast immer genau dann auftauchen, wenn die schreibende Person sich ihrer Sache nicht sicher ist. Das Wort ersetzt dann die fehlende Begründung.

  • konkret: meint bestenfalls „durch Beispiele illustriert“, ist meist überflüssig.
  • im Grunde genommen: sinnvoll nur, wenn wirklich ein Gegensatz besteht.
  • letztendlich, letzten Endes, schlussendlich: in sich doppelt gemoppelt und vage.
  • eigentlich, gewissermaßen, relativ: nehmen der Aussage ihre Prüfbarkeit.

Dazu kommt eine Sorte Satz, die Lehmann phatische Kommunikation nennt: Sätze, die nur den Kontakt zur lesenden Person halten, ohne Inhalt zu transportieren. „Wenn man nun die Beispiele in dieser Serie analysiert, stellt man Folgendes fest:“ kann ersatzlos entfallen. Der Text wird dichter, und die Prüfung gewinnt Zeit.

Nominalstil: wenn das Verb im Substantiv verschwindet

Nominalstil entsteht, wenn die eigentliche Handlung eines Satzes in ein Substantiv wandert und das Verb zur leeren Hülle wird. Erkennbar ist er an Endungen auf -ung, -heit und -keit sowie an Verben wie erfolgen, durchführen und vornehmen. Der Satz wird dadurch länger und abstrakter, ohne genauer zu werden.

  • Es erfolgt eine Gewinnmaximierung. Besser: Das Unternehmen maximiert den Gewinn.
  • Intelligenz ist vom Geschlecht abhängig. Besser: Intelligenz hängt vom Geschlecht ab.
  • Die Durchführung der Befragung erfolgte im Mai. Besser: Die Befragung lief im Mai.

💡 Tipp

Lehmann empfiehlt als einen der letzten Schritte vor der Abgabe eine Lektüre mit nur einer einzigen Frage: Wie sag ich's einfacher? Lies deine Arbeit einmal komplett mit dieser Frage im Kopf, ohne inhaltlich etwas zu ändern. Es ist der Durchgang mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung.

Wortwiederholung im wissenschaftlichen Text

Wortwiederholungen sind in wissenschaftlichen Texten bei Fachbegriffen erwünscht, weil ein Wechsel der Bezeichnung den Verdacht weckt, es sei etwas anderes gemeint. Das ist die vielleicht überraschendste Abweichung vom Deutschunterricht, in dem „variatio delectat“ noch als Stilideal galt.

Christian Lehmann begründet das an einem Beispiel aus der Sprachwissenschaft: Hypotaxe, Subordination und Unterordnung bezeichnen dieselbe Sache. Wechseln diese drei Ausdrücke in einer Abhandlung ohne Erläuterung ab, wird die lesende Person unsicher, ob sie synonym gemeint sind oder ob ein feiner Unterschied beabsichtigt ist. Für einen Fachtext ist das der teurere Fehler, denn er kostet Eindeutigkeit, während die Wiederholung nur Eleganz kostet.

Die Regel gilt allerdings nur für Termini. Bei allen anderen Wörtern darfst und sollst du variieren, und auch Pronomen sind ein legitimes Mittel, um dreimal „die Theorie“ in einem Absatz zu vermeiden. Die Bedingung ist, dass jedes „sie“ und jedes „diese“ genau ein mögliches Bezugswort hat. Sobald zwei infrage kommen, hat die Wiederholung wieder gewonnen.

Typische Fehler beim wissenschaftlichen Schreiben

Die folgenden vier Fehler tauchen in Hausarbeiten immer wieder auf, und sie haben eine Gemeinsamkeit: Alle vier entstehen aus dem Versuch, besonders wissenschaftlich zu wirken. Wer sie kennt, findet sie beim Korrekturlesen in wenigen Minuten.

Am schnellsten geht das mit der Suchfunktion. Drei der vier Fehler lassen sich über einzelne Wörter oder Satzzeichen aufspüren, ohne die Arbeit noch einmal ganz zu lesen.

Der Satz, der über zehn Zeilen geht

Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts galt in der deutschen Wissenschaft der vielfach geschachtelte Satz als Stilideal. Christian Lehmann nennt diese Konvention autorfreundlich, aber nicht leserfreundlich, und erklärt sie für tot. Praktisch heißt das: Ein Satz trägt einen Gedanken. Wer beim lauten Lesen zweimal Luft holen muss, hat einen Punkt vergessen.

Der Zeitformwechsel mitten im Kapitel

Der Wechsel zwischen Präsens und Präteritum innerhalb eines Absatzes ist der häufigste formale Fehler in empirischen Arbeiten. Er passiert fast immer an der Nahtstelle zwischen fremder Literatur und eigener Erhebung. Die Rostocker Handreichung erlaubt das Mischen ausdrücklich, empfiehlt aber, es so gering wie möglich zu halten. Prüfe deshalb kapitelweise, nicht satzweise.

Der Absatz, in dem unklar bleibt, wer etwas behauptet

Steht am Ende eines Absatzes eine Quellenangabe, gilt der Beleg für den ganzen Absatz oder nur für den letzten Satz? Diese Frage darf beim Lesen nicht entstehen. Ob der Beleg als Fußnote oder in Klammern im Text erscheint, entscheidet dabei die gewählte Zitierweise, nicht die Wissenschaftlichkeit: Die Harvard-Zitierweise setzt Kurzbelege in den Text, die deutsche Zitierweise arbeitet mit Fußnoten. Welche Form wann greift, zeigt der Leitfaden zum richtigen Zitieren.

Die Vokabel, die im Text die Bedeutung wechselt

Ein Begriff, der im ersten Kapitel eingeführt und im vierten anders verwendet wird, macht eine ganze Argumentation angreifbar. Besonders oft trifft es Wörter wie Befragung, Umfrage, Erhebung und Studie, die im Alltag austauschbar wirken und im Fachtext nicht dasselbe meinen. Lege deine Begriffe einmal fest, notiere sie dir und halte sie über alle Kapitel durch.

Fazit

Wissenschaftlicher Schreibstil ist kein Ton, sondern eine Reihe nachvollziehbarer Entscheidungen, und die meisten davon fallen in Richtung Klarheit. Präsens als Grundzeitform, ein sparsames und bewusstes „ich“, Aktiv statt Passiv und dieselben Begriffe von Anfang bis Ende bringen dich weiter als jede geschraubte Formulierung. Im Zweifel gilt: Der Leitfaden deines Fachbereichs sticht jede allgemeine Empfehlung, auch diese.

Wie es weitergeht


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Häufig gestellte Fragen

Wissenschaftliche Arbeiten stehen überwiegend im Präsens. Einleitung, Forschungsstand, Diskussion und Fazit werden im Präsens geschrieben, ebenso die Beschreibung des Untersuchungsfelds. Im Präteritum stehen die eigenen Arbeitsschritte im Methodenteil und die eigenen Ergebnisse, weil sie abgeschlossen sind. Die Rostocker Handreichung von Gerald Jurasinski empfiehlt, innerhalb eines Kapitels so wenig wie möglich zu mischen.

Ein offizielles Ich-Verbot gibt es in der Wissenschaft nicht, das hält die Schreibberatung der Universität Mannheim in ihrem Leitfaden zur Selbstreferenz von 2015 ausdrücklich fest. Wissenschaftlich sind das Verfasser-Ich, das den Aufbau der Arbeit kommentiert, und das Forscher-Ich, das eine eigene Position begründet. Unwissenschaftlich ist nur das autobiografische Erzähl-Ich.

„Man“ ist erlaubt, löst das Problem aber selten. Der Satz „man kann feststellen“ verbirgt, wer feststellt, und erzeugt damit genau die Unklarheit, die wissenschaftliche Sprache vermeiden soll. Ist eine geteilte Auffassung gemeint, gehört eine Quelle dahinter. Ist die schreibende Person gemeint, ist eine Formulierung über den Text die klarere Lösung.

Aktiv ist in wissenschaftlichen Texten fast immer die bessere Wahl. Christian Lehmann rät in seiner Handreichung „Stil in wissenschaftlichen Texten“, das Passiv zu ersetzen, wo immer es möglich ist, und nennt Passivsätze mit genanntem Handelnden die entbehrlichsten. Das Passiv macht einen Satz nicht objektiver, es verschweigt nur, wer gehandelt hat.

Vermeiden solltest du Füllwörter ohne eigene Bedeutung und Phrasen, die eine Aussage vage machen. Christian Lehmann nennt unter anderem „konkret“, „im Grunde genommen“, „letztendlich“, „letzten Endes“ und „schlussendlich“. Dazu kommen Sätze, die nur ankündigen, was gleich folgt. Sie lassen sich ersatzlos streichen, ohne dass ein Argument verloren geht.

Bei Fachbegriffen sind Wortwiederholungen erwünscht. Christian Lehmann begründet das damit, dass ein Wechsel der Bezeichnung den Verdacht weckt, es sei etwas anderes gemeint. Wer Hypotaxe, Subordination und Unterordnung abwechselnd verwendet, verunsichert die lesende Person. Bei allen anderen Wörtern darfst du variieren, solange jedes Pronomen genau ein mögliches Bezugswort hat.

Nominalstil entsteht, wenn die Handlung eines Satzes in ein Substantiv wandert und das Verb zur leeren Hülle wird. Erkennbar ist er an Endungen auf -ung, -heit und -keit und an Verben wie erfolgen oder vornehmen. Aus „Es erfolgt eine Gewinnmaximierung“ wird besser „Das Unternehmen maximiert den Gewinn“. Der Satz wird kürzer und genauer.

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