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Wissenschaftliches Schreiben: Stil, Zeitform und Ich-Form

Das Ich-Verbot ist an österreichischen Unis eine Forderung einzelner Lehrender, keine Sprachregel. Wir zeigen dir, was wirklich gilt und welche Wörter du streichen kannst.

Autor bei empirio.ai - Marvin Depping, Co-Gründervon Marvin DeppingAktualisiert am 2. September 2026Lesezeit 10 Min.

Das Thema steht, die Gliederung auch, und die ersten Seiten sind geschrieben. Dann kommt das dritte Kapitel, der Text klingt plötzlich wie eine Betriebsanleitung, und du kannst nicht sagen, woran das liegt. Am Rand steht „bitte wissenschaftlicher formulieren“, und damit ist genau nichts geklärt.

Wissenschaftliches Schreiben heißt: Du formulierst so, dass jede Aussage nachprüfbar ist und niemand raten muss, wer etwas behauptet. Konkret bedeutet das Präsens als Grundzeitform, sparsame Selbstnennung, Aktiv statt Passiv, wo es geht, durchgehaltene Fachbegriffe und keine Wörter, die nur Zeilen füllen. Jede Regel in diesem Beitrag stammt aus einer Handreichung einer österreichischen Universität, nicht aus einem Ratgeberblog.


📌 Das Wichtigste im Überblick

  • Präsens ist die Grundzeitform, der Methodenteil steht im Präteritum.
  • Ein Ich-Verbot fordern Lehrende, keine Sprachnorm schreibt es vor.
  • Das Schreibzentrum Graz nutzt in seinen Musterformulierungen selbst „ich“.
  • Unnötige Passivkonstruktionen und Papierverben gehören gestrichen.
  • Fachbegriffe werden durchgehalten, nur andere Wörter variieren.

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Wissenschaftliches Schreiben: was guten Stil ausmacht

Wissenschaftliches Schreiben ist die Art zu formulieren, bei der jede Behauptung ihre Herkunft mitliefert und der einzelne Satz auch ohne Nachfrage eindeutig bleibt. Es ist kein Ton, den man aufsetzt, sondern die Summe aus vier Entscheidungen: Zeitform, Satzbau, Wortwahl und die Frage, wie sichtbar du als schreibende Person im Text vorkommst.

Die Schreibberatung an der Fachbereichsbibliothek Philosophie und Psychologie der Universität Wien nennt in ihrem Handout zum wissenschaftlichen Schreiben vier Leitprinzipien: Nachvollziehbarkeit, Unmissverständlichkeit, Neutralität und Überprüfbarkeit. Alle vier zielen auf dasselbe. Wer deine Diplom- oder Bachelorarbeit liest, soll jeden Gedankenschritt nachgehen können, ohne dich fragen zu müssen.

Genau hier liegt das Missverständnis, das viele Seminararbeiten schwer lesbar macht. Wer wissenschaftlich klingen will, baut längere Sätze und größere Wörter. Wer wissenschaftlich schreibt, tut das Gegenteil und nimmt jeden Satz so weit auseinander, bis nur noch das übrig bleibt, was jemand nachprüfen kann. Das ist anstrengender als der geschraubte Satz, aber es ist die eigentliche Leistung.

Der Schreibstil ist damit die letzte Schicht über allem, was vorher steht. Thema, Forschungsfrage und Gliederung deiner Arbeit entscheiden, ob der Inhalt trägt. Der Stil entscheidet, ob jemand ihn erkennt. Wie beides zusammenhängt, zeigt der Überblick über die Grundlagen empirischer Forschung.

Welche Zeitform gehört in welchen Teil der Arbeit?

Wissenschaftliche Arbeiten stehen überwiegend im Präsens. Präteritum und Perfekt kommen dort hinzu, wo es um tatsächlich abgelaufene Vorgänge geht, also vor allem im Methoden- und im Ergebnisteil. Eine für alle Studienrichtungen verbindliche Regel gibt es nicht, aber die folgende Zuordnung findet sich quer durch die Curricula.

Teil der ArbeitZeitformBeispielsatz
Einleitung und ForschungsstandPräsensOnline-Befragungen erreichen schwer erreichbare Gruppen.
Verweis auf fremde StudienPräsensAutor (Jahr) schlägt eine engere Definition vor.
Beschreibung deines UntersuchungsfeldsPräsensDer Verein zählt 320 Mitglieder.
Eigene Arbeitsschritte im MethodenteilPräteritumAn der Befragung nahmen 212 Personen teil.
Eigene ErgebnissePräteritum oder PerfektDie Befragung ergab drei wiederkehrende Muster.
Diskussion und FazitPräsensDie Ergebnisse deuten auf einen Zusammenhang hin.

Die Logik dahinter ist einfacher, als sie aussieht. Was zum Zeitpunkt des Lesens noch gilt, steht im Präsens: der Forschungsstand, eine Theorie, dein Untersuchungsfeld. Was einmal passiert und dann vorbei ist, steht im Präteritum: deine Erhebung, deine Auswertung, dein Pretest. An dieser einen Frage lässt sich fast jeder Zweifelsfall entscheiden.

Für den Wechsel gilt eine zweite Regel: Innerhalb eines Kapitels sollte so wenig gemischt werden wie möglich. Maßgeblich bleibt am Ende, was dein Institut vorgibt. In naturwissenschaftlichen Studienrichtungen ist die Trennung nach Kapiteln strenger als in den Geisteswissenschaften, und der Leitfaden deines Instituts sticht jede allgemeine Empfehlung.

Darf man in einer wissenschaftlichen Arbeit „ich“ schreiben?

Ein Ich-Verbot ist in Österreich eine Forderung einzelner Lehrender, keine Regel der Wissenschaftssprache. Das Handout der Schreibberatung an der Universität Wien formuliert das bemerkenswert offen und schreibt, oftmals werde von Lehrenden ein „Ich-Verbot“ gefordert, wodurch häufiger Passivkonstruktionen zum Einsatz kämen. Das Wort steht dort in Anführungszeichen, und das ist kein Zufall.

Noch deutlicher wird der Widerspruch beim Schreibzentrum der Universität Graz. Dessen Workshop-Skriptum „Texte überarbeiten“ gibt Studierenden Musterformulierungen für den eigenen Text an die Hand, und diese Muster verwenden durchgehend die erste Person: „Ich zeige in diesem Abschnitt, wie …“ oder „In meiner Arbeit möchte ich mich auf … konzentrieren“. Eine offizielle Handreichung einer österreichischen Universität empfiehlt also genau das, was viele Lehrende verbieten.

Wofür „ich“ im Fachtext funktioniert

Nützlich ist die erste Person überall dort, wo du dein eigenes Vorgehen kommentierst oder deine Position begründest. „Im zweiten Kapitel untersuche ich, ob …“ ordnet den Text und führt die lesende Person durch die Arbeit. „Ich halte die zweite Erklärung für tragfähiger, weil sie die Ausreißer erklärt“ macht sichtbar, wer eine Deutung verantwortet. Beides ist besser als eine Interpretation ohne erkennbaren Urheber.

Wofür „ich“ im Fachtext nicht funktioniert

Störend wird die erste Person, sobald sie autobiografisch wird. „Schon während meines Praktikums hat mich das Thema fasziniert“ gehört in ein Motivationsschreiben, nicht in eine Bachelorarbeit. Diese eine Verwendung ist der Grund, aus dem das pauschale Verbot überhaupt entstanden ist, und sie lässt sich sauber von den beiden anderen trennen.

Der Regelfall lautet damit: sparsam, in Einleitung und Fazit, für das eigene Vorgehen und die eigene Einordnung. Die Ausnahme lautet: gar nicht, wenn deine Betreuung es so will. Maßgeblich ist am Ende das Curriculum deiner Studienrichtung und die Vorgabe deines Instituts, und diese Frage klärst du besser vor dem Schreiben als nach der Abgabe.

⚠️ Achtung

„Man“ ist kein sicherer Ersatz für „ich“. Wer „man kann feststellen“ schreibt, verbirgt nur, wer feststellt, und erzeugt genau die Unklarheit, die wissenschaftliche Sprache vermeiden soll. Ist eine allgemein geteilte Auffassung gemeint, gehört eine Quelle dahinter. Bist du selbst gemeint, formuliere über den Text: „Das dritte Kapitel zeigt, dass …“

Passiv oder Aktiv in wissenschaftlichen Texten?

Aktiv ist in wissenschaftlichen Texten fast immer die bessere Wahl, obwohl das Passiv seit Jahrzehnten als der wissenschaftlichere Satzbau gilt. Hinter dieser Empfehlung steckt ein Widerspruch, den kaum ein Ratgeber auflöst, und der viele Arbeiten unnötig schwerfällig macht.

Der Widerspruch entsteht aus dem Ich-Verbot selbst. Wer die erste Person meidet, braucht einen Ersatz, und der naheliegende Ersatz ist das Passiv. Genau diesen Zusammenhang beschreibt das Wiener Handout, wenn es festhält, dass durch die Forderung nach einem Ich-Verbot häufiger Passivkonstruktionen zum Einsatz kommen. Das Grazer Skriptum fragt in seiner Prüfliste zur Satzebene deshalb ausdrücklich, ob es zu viele passive Satzkonstruktionen gibt, die den Text schwerfällig machen, und nennt in der Endcheckliste als Punkt: unnötige Passivkonstruktionen vermeiden.

Das Passiv macht einen Satz nicht objektiver. Es verschweigt nur, wer gehandelt hat.

Auflösen lässt sich der Widerspruch über einen dritten Weg: Du lässt nicht dich handeln und auch niemanden im Verborgenen, sondern den Gegenstand selbst. Diese Personifikation umgeht das Ich und das Passiv gleichzeitig, und sie ist der Grund, warum gute Fachtexte selten beides brauchen.

Vier Wege, die ohne „ich“ und ohne Passiv auskommen

  • Der Text handelt: „Das zweite Kapitel vergleicht beide Verfahren.“
  • Die Sache handelt: „Die Stichprobe umfasst 212 Personen.“
  • Das Ergebnis handelt: „Die Auswertung zeigt einen deutlichen Unterschied.“
  • Die Quelle handelt: „Autor (Jahr) widerspricht dieser Deutung.“

Zwei Wir-Formen solltest du dagegen meiden. Das majestätische Wir, mit dem eine einzelne Person von sich im Plural schreibt, wirkt heute altmodisch statt bescheiden. Das vereinnahmende Wir in Sätzen wie „In Tabelle 2 erkennen wir …“ unterstellt der lesenden Person eine Einsicht, die sie noch gar nicht hatte. Ein echtes Wir bleibt richtig, wenn die Arbeit mehrere Verfassende hat.

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Diese Wörter kannst du streichen

Streichen kannst du in einer wissenschaftlichen Arbeit vor allem drei Sorten von Formulierungen: Füllwörter ohne eigene Bedeutung, Papierverben, die ein einfaches Verb aufblähen, und substantivierte Verben, die den Satz abstrakt machen. Alle drei Listen stammen aus dem Grazer Überarbeitungsskriptum und lassen sich mit der Suchfunktion abarbeiten.

Der Grund, warum das mehr ist als Kosmetik: Jedes abschwächende Wort verschiebt die Aussage, ohne dass du es merkst. „Diese Methode ist eigentlich geeignet“ behauptet etwas anderes als „Diese Methode ist geeignet“, und die Beurteilung liest den Unterschied mit.

Füllwörter, die eine Aussage abschwächen

Das Schreibzentrum Graz führt eine kurze, sehr brauchbare Liste von Wörtern, die in der Überarbeitung fallen sollten. Bemerkenswert daran ist, dass sie fast immer genau dann auftauchen, wenn die schreibende Person sich ihrer Sache nicht sicher ist. Das Füllwort ersetzt dann die fehlende Begründung.

  • eigentlich, durchaus, quasi: nehmen der Aussage ihre Prüfbarkeit.
  • ziemlich, wohl, eben: stammen aus der gesprochenen Sprache.
  • schließlich: täuscht eine Begründung vor, die nicht folgt.

Papierverben und Nominalstil

Nominalstil entsteht, wenn die Handlung eines Satzes in ein Substantiv wandert und das Verb zur leeren Hülle wird. Das Grazer Skriptum lässt danach gezielt suchen und fragt nach Wörtern auf -ung, -heit, -keit und -ismus. Als typische Leerverben nennt es erfolgen, bestehen, befinden und erweisen. Unter seinen Tipps für einen klaren Satzbau stehen außerdem diese Ersetzungen.

  • zur Ausführung bringen. Besser: ausführen.
  • einer Prüfung unterziehen. Besser: prüfen.
  • eine Verbesserung vornehmen. Besser: verbessern.
  • Die Durchführung der Befragung erfolgte im Mai. Besser: Die Befragung lief im Mai.

💡 Tipp

Ersetze abstrakte Substantive durch das konkrete Wort, das du meinst. Das Grazer Skriptum zeigt es am Beispiel „Erkrankung“, aus dem im konkreten Fall „Influenza“ wird. Der Satz wird dadurch nicht nur kürzer, sondern überprüfbar, weil die lesende Person nun weiß, wovon genau die Rede ist.

Wortwiederholung im wissenschaftlichen Text

Wortwiederholungen sind bei Fachbegriffen erwünscht, weil ein Wechsel der Bezeichnung den Verdacht weckt, es sei etwas anderes gemeint. Das ist die vielleicht überraschendste Abweichung vom Deutschunterricht, in dem Abwechslung im Ausdruck noch als Stilideal galt.

Das Grazer Skriptum formuliert die Regel in einem Satz: Terminologische Begriffe müssen durchgehalten werden, für Nicht-Fachbegriffe dürfen Synonyme gesucht werden. Die Trennlinie verläuft also nicht zwischen schön und unschön, sondern zwischen Begriffen, die eine Definition tragen, und Wörtern, die nur den Satz füllen. Wer eine Stichprobe im dritten Kapitel plötzlich Auswahl nennt, hat für die lesende Person zwei Dinge daraus gemacht.

Bei allen anderen Wörtern darfst und sollst du variieren, und auch Pronomen sind ein legitimes Mittel, um dreimal „die Theorie“ in einem Absatz zu vermeiden. Die Bedingung ist, dass jedes „sie“ und jedes „diese“ genau ein mögliches Bezugswort hat. Sobald zwei infrage kommen, hat die Wiederholung wieder gewonnen.

Typische Fehler beim wissenschaftlichen Schreiben

Die folgenden vier Fehler tauchen in Seminar- und Abschlussarbeiten immer wieder auf, und sie haben eine Gemeinsamkeit: Alle vier entstehen aus dem Versuch, besonders wissenschaftlich zu wirken. Wer sie kennt, findet sie beim Korrekturlesen in wenigen Minuten.

Am schnellsten geht das mit der Suchfunktion. Drei der vier Fehler lassen sich über einzelne Wörter oder Satzzeichen aufspüren, ohne die Arbeit noch einmal ganz zu lesen.

Der Satz, der über zehn Zeilen geht

Der vielfach geschachtelte Satz galt in der deutschsprachigen Wissenschaft lange als Ausweis gedanklicher Leistung. Für die lesende Person war er nie ein Gewinn, und heute gilt er als überholt. Praktisch heißt das: Ein Satz trägt einen Gedanken. Wer beim lauten Lesen zweimal Luft holen muss, hat einen Punkt vergessen.

Der Zeitformwechsel mitten im Kapitel

Der Wechsel zwischen Präsens und Präteritum innerhalb eines Absatzes ist der häufigste formale Fehler in empirischen Arbeiten. Er passiert fast immer an der Nahtstelle zwischen fremder Literatur und eigener Erhebung. Erlaubt ist das Mischen zwar, sinnvoll ist es selten. Prüfe deshalb kapitelweise, nicht satzweise.

Der Absatz, in dem unklar bleibt, wer etwas behauptet

Steht am Ende eines Absatzes eine Quellenangabe, gilt der Beleg für den ganzen Absatz oder nur für den letzten Satz? Diese Frage darf beim Lesen nicht entstehen. Ob der Beleg als Fußnote oder in Klammern im Text erscheint, entscheidet dabei die gewählte Zitierweise, nicht die Wissenschaftlichkeit: Die Harvard-Zitierweise setzt Kurzbelege in den Text, die deutsche Zitierweise arbeitet mit Fußnoten. Welche Form wann greift, zeigt der Leitfaden zum richtigen Zitieren.

Die Vokabel, die im Text die Bedeutung wechselt

Ein Begriff, der im ersten Kapitel eingeführt und im vierten anders verwendet wird, macht eine ganze Argumentation angreifbar. Besonders oft trifft es Wörter wie Befragung, Umfrage, Erhebung und Studie, die im Alltag austauschbar wirken und im Fachtext nicht dasselbe meinen. Lege deine Begriffe einmal fest, notiere sie dir und halte sie über alle Kapitel durch.

Fazit

Wissenschaftlicher Schreibstil ist kein Ton, sondern eine Reihe nachvollziehbarer Entscheidungen, und die meisten davon fallen in Richtung Klarheit. Präsens als Grundzeitform, ein sparsames und bewusstes „ich“, Aktiv statt Passiv und durchgehaltene Fachbegriffe bringen dich weiter als jede geschraubte Formulierung. Im Zweifel gilt: Die Vorgabe deines Instituts sticht jede allgemeine Empfehlung, auch diese.

Wie es weitergeht


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Häufig gestellte Fragen

Wissenschaftliche Arbeiten stehen überwiegend im Präsens. Einleitung, Forschungsstand, Diskussion und Fazit werden im Präsens geschrieben, ebenso die Beschreibung des Untersuchungsfelds. Im Präteritum stehen die eigenen Arbeitsschritte im Methodenteil und die eigenen Ergebnisse, weil sie abgeschlossen sind. Innerhalb eines Kapitels sollte so wenig gemischt werden wie möglich.

Ein Ich-Verbot ist eine Forderung einzelner Lehrender, keine Sprachregel. Die Schreibberatung der Universität Wien beschreibt es genau so. Das Schreibzentrum der Universität Graz verwendet in seinen eigenen Musterformulierungen sogar die erste Person. Maßgeblich ist deshalb, was dein Institut und deine Betreuung verlangen, und das klärst du am besten vor dem Schreiben.

„Man“ ist erlaubt, löst das Problem aber selten. Der Satz „man kann feststellen“ verbirgt, wer feststellt, und erzeugt damit genau die Unklarheit, die wissenschaftliche Sprache vermeiden soll. Ist eine geteilte Auffassung gemeint, gehört eine Quelle dahinter. Ist die schreibende Person gemeint, ist eine Formulierung über den Text die klarere Lösung.

Aktiv ist in wissenschaftlichen Texten fast immer die bessere Wahl. Das Skriptum „Texte überarbeiten“ des Schreibzentrums der Universität Graz führt unnötige Passivkonstruktionen ausdrücklich in seiner Endcheckliste. Das Passiv macht einen Satz nicht objektiver, es verschweigt nur, wer gehandelt hat. Nötig bleibt es dort, wo die handelnde Person wirklich unwichtig ist.

Vermeiden solltest du Füllwörter wie eigentlich, durchaus, quasi, ziemlich, wohl, eben und schließlich. Das Schreibzentrum der Universität Graz führt sie in seinem Überarbeitungsskriptum. Dazu kommen Konstruktionen wie zur Ausführung bringen oder einer Prüfung unterziehen. Beide Sorten lassen sich mit der Suchfunktion finden und in wenigen Minuten ersetzen.

Bei Fachbegriffen sind Wortwiederholungen erwünscht. Das Grazer Überarbeitungsskriptum formuliert die Regel so: Terminologische Begriffe müssen durchgehalten werden, für Nicht-Fachbegriffe dürfen Synonyme gesucht werden. Wer eine Stichprobe später Auswahl nennt, macht daraus für die lesende Person zwei verschiedene Dinge. Bei allen anderen Wörtern darfst du variieren.

Nominalstil entsteht, wenn die Handlung eines Satzes in ein Substantiv wandert und das Verb zur leeren Hülle wird. Erkennbar ist er an Endungen auf -ung, -heit, -keit und -ismus. Aus „eine Verbesserung vornehmen“ wird besser „verbessern“, aus „einer Prüfung unterziehen“ schlicht „prüfen“. Der Satz wird kürzer und genauer.

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