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Was ist Wissenschaft? Definition, Erklärung und Beispiele

Was Wissenschaft ausmacht, welche Disziplinen dazugehören und wo die Grenze zur Pseudowissenschaft verläuft: die fünf Merkmale und die Regeln der guten Praxis.

Autorin bei empirio.ai - Maria Malzewvon Maria MalzewAktualisiert am 13. September 2026Lesezeit 9 Min.

Machen wir einen kurzen Test: Ist Astrologie eine Wissenschaft? Die meisten sagen spontan nein, können den Unterschied aber nur schwer in einem Satz benennen.

Was Wissenschaft ist, entscheidet sich nicht am Fachgebiet, sondern an der Art zu arbeiten. Wissenschaft ist der systematische Versuch, gesichertes Wissen zu gewinnen, zu prüfen und weiterzugeben: mit offengelegten Methoden, nachvollziehbaren Belegen und Ergebnissen, die andere kontrollieren können. Das Bundesverfassungsgericht nennt sie jede Tätigkeit, die nach Inhalt und Form als ernsthafter planmäßiger Versuch zur Ermittlung der Wahrheit anzusehen ist. Am Ende kannst du bei jeder Behauptung einordnen, ob sie wissenschaftlich belegt ist oder nur so klingt.


📌 Das Wichtigste im Überblick

  • Wissenschaft gewinnt Wissen systematisch, offengelegt und überprüfbar.
  • Das Bundesverfassungsgericht spricht vom planmäßigen Versuch zur Ermittlung der Wahrheit.
  • Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften sind die drei großen Gruppen.
  • Der DFG-Kodex regelt gute wissenschaftliche Praxis in 19 Leitlinien.
  • Pseudowissenschaft meidet die Prüfung, Wissenschaft sucht sie.

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Was ist Wissenschaft?

Wissenschaft ist die Gesamtheit des systematisch gewonnenen, geordneten und überprüfbaren Wissens einer Gesellschaft, zusammen mit der Tätigkeit, die dieses Wissen erzeugt: Forschung nach anerkannten Methoden, deren Ergebnisse veröffentlicht und von anderen kontrolliert werden.

Der Begriff hat zwei Seiten und das ist der Grund, warum die Definition so oft schwerfällt. Wissenschaft meint einerseits das Ergebnis, also den Bestand an gesichertem Wissen über die Welt. Andererseits meint sie den Vorgang, mit dem dieses Wissen entsteht. Das Gabler Wirtschaftslexikon fasst beides zusammen: Wissenschaft strebt Erkenntnisgewinn in der Forschung und Erkenntnisvermittlung in der Lehre an, benutzt dafür anerkannte Methoden und veröffentlicht ihre Resultate (Bendel, Gabler Wirtschaftslexikon).

Juristisch gibt es sogar eine verbindliche Fassung. Weil Artikel 5 Absatz 3 Grundgesetz Wissenschaft, Forschung und Lehre für frei erklärt, musste geklärt werden, was genau unter diesem Schutz steht. Das Bundesverfassungsgericht definiert Wissenschaft deshalb als „jede Tätigkeit, die nach Inhalt und Form als ernsthafter planmäßiger Versuch zur Ermittlung der Wahrheit anzusehen ist“ (BVerfGE 35, 79, Seite 113, zitiert nach dem Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages, 2010). Entscheidend sind dort zwei Wörter: ernsthaft verlangt einen gewissen Kenntnisstand, planmäßig verlangt ein methodisch geordnetes Vorgehen.

Wissenschaft ist mehr als das englische „science“

Das deutsche Wort Wissenschaft umfasst deutlich mehr als das englische „science“. Im Englischen bezeichnet science überwiegend die Naturwissenschaften, während Geschichte, Literaturwissenschaft oder Philosophie unter „arts and humanities“ laufen. Im Deutschen gehören sie selbstverständlich zur Wissenschaft dazu. Wer englischsprachige Literatur liest, sollte diesen Unterschied im Kopf behalten, sonst wirkt manche Aussage über „science“ enger, als sie gemeint ist.

Woran erkennst du, ob etwas wissenschaftlich ist?

Wissenschaftlich ist eine Aussage dann, wenn offenliegt, wie sie zustande gekommen ist, und wenn andere den Weg dorthin nachgehen und das Ergebnis widerlegen könnten. Nicht das Thema entscheidet darüber, sondern das Verfahren.

Die Unterscheidung zwischen Thema und Verfahren rettet dich in jeder Hausarbeit. Ein Text über Tarotkarten kann wissenschaftlich sein, wenn er untersucht, warum Menschen daran glauben, und dabei seine Methode offenlegt. Ein Text über Quantenphysik ist es nicht, wenn er Behauptungen ohne Belege aneinanderreiht. Fünf Merkmale tragen diese Grenze:

MerkmalWas dahinterstecktWoran du es siehst
Systematikgeplantes Vorgehen statt Zufallsfundbeschriebene Methode, klare Fragestellung
Nachvollziehbarkeitandere können den Weg wiederholenAngaben zu Stichprobe, Zeitraum, Auswertung
Belegpflichtjede fremde Aussage wird zugeordnetQuellenangaben und Literaturverzeichnis
ÜberprüfbarkeitErgebnisse halten einer Kontrolle standDaten, Messwerte oder Materialien im Anhang
Offenheitdas Ergebnis darf widerlegt werdenbenannte Grenzen der eigenen Untersuchung

Offenheit für Widerlegung ist das wichtigste der fünf Merkmale und wird am häufigsten übersehen. Eine wissenschaftliche Arbeit nennt, was sie nicht zeigen kann. In der Methodenlehre stehen dafür die Gütekriterien Objektivität, Reliabilität und Validität. An ihnen werden auch Bachelor- und Masterarbeiten gemessen.

Wissenschaftlich ist nicht, wer recht hat. Wissenschaftlich ist, wer zeigt, wie er darauf gekommen ist.

Welche Disziplinen gibt es in der Wissenschaft?

Die Wissenschaft wird üblicherweise in drei große Gruppen geteilt: Naturwissenschaften, Geisteswissenschaften und Sozialwissenschaften. Diese Einteilung ist eine Verständigungshilfe und keine Naturkonstante, denn die Grenzen verlaufen an einigen Stellen unscharf.

Die drei Gruppen unterscheiden sich vor allem im Gegenstand und in den Methoden, mit denen sie arbeiten. Natur- und Sozialwissenschaften stützen sich stark auf Beobachtung und Messung, sie arbeiten also empirisch. Die Geisteswissenschaften deuten und interpretieren häufiger, statt zu messen.

  • Naturwissenschaften: Physik, Chemie, Biologie, Astronomie, Geowissenschaften.
  • Geisteswissenschaften: Geschichte, Philosophie, Literatur-, Sprach- und Religionswissenschaft.
  • Sozialwissenschaften: Soziologie, Psychologie, Politikwissenschaft, Wirtschaftswissenschaften.

Einige Fächer lassen sich keiner der drei Gruppen sauber zuordnen. Wirtschaftsinformatik sitzt zwischen Technik und Wirtschaft, die Medizin zwischen Natur- und Sozialwissenschaft. Die Mathematik wiederum gilt vielen gar nicht als empirische Wissenschaft, weil sie ihre Sätze beweist statt sie zu messen. Für Mathematik, Logik und Informatik hat sich deshalb der Sammelbegriff Strukturwissenschaften eingebürgert.

💡 Tipp

Wenn du in einer Hausarbeit einordnen musst, wo dein Fach steht, schau nicht in die Fächerliste deiner Hochschule, sondern in das Methodenkapitel deines Lehrbuchs. Die Methode verrät die Zugehörigkeit zuverlässiger als der Fachbereich.

Wissenschaft und Pseudowissenschaft: der Unterschied

Pseudowissenschaft benutzt die Sprache und die Formen der Wissenschaft, vermeidet aber genau den Schritt, der Wissenschaft ausmacht: die ernsthafte Möglichkeit, widerlegt zu werden. Pseudowissenschaft sucht Bestätigung, wo Wissenschaft nach Gegenbeispielen sucht.

Der Wissenschaftstheoretiker Karl Popper hat dafür das bekannteste Kriterium formuliert, die Falsifizierbarkeit. Eine Aussage ist nach diesem Kriterium nur dann wissenschaftlich, wenn sich angeben lässt, welche Beobachtung sie widerlegen würde. „Morgen passiert dir etwas Überraschendes“ lässt sich nicht widerlegen und sagt deshalb nichts. „Dieses Medikament senkt den Blutdruck im Schnitt um 10 mmHg“ lässt sich widerlegen und ist damit eine wissenschaftliche Behauptung.

In der Praxis erkennst du den Unterschied an wiederkehrenden Mustern:

✓ Die Methode steht im Text, auch wenn sie unbequem ist
✓ Gegenbefunde werden genannt und eingeordnet
✕ Kritik wird als Angriff oder Verschwörung gedeutet
✕ Belege bestehen nur aus Einzelfällen und Erfahrungsberichten
→ Prüffrage: Welches Ergebnis würde die Aussage widerlegen?

Häufig liest man, Wissenschaft sei das Gegenteil von Glauben. Das stimmt so nicht. Auch wissenschaftliches Arbeiten beruht auf Annahmen, etwa darauf, dass die Welt regelmäßigen Mustern folgt. Der Unterschied liegt nicht darin, ob Annahmen gemacht werden, sondern darin, ob sie offengelegt und zur Prüfung freigegeben werden.

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Was gute wissenschaftliche Praxis von dir verlangt

Gute wissenschaftliche Praxis ist die Sammlung von Regeln, nach denen in Deutschland geforscht und geschrieben wird: ehrlich dokumentieren, Quellen kenntlich machen, Daten aufbewahren und Fehler korrigieren, sobald sie auffallen. Für Studierende gelten dieselben Grundsätze wie für erfahrene Forschende, nur in kleinerem Maßstab.

Verbindlich niedergelegt sind die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis im Kodex der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Der Kodex trägt den Titel „Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“, enthält 19 Leitlinien und ist am 1. August 2019 in Kraft getreten. Seither müssen Hochschulen und Forschungseinrichtungen ihn umsetzen, wenn sie Fördermittel der DFG erhalten wollen (DFG, Kodex, Stand September 2026). Was davon in deiner Prüfungsordnung landet, entscheidet deine Hochschule, der Kern ist aber überall gleich.

Die vier Schritte, die deine Arbeit wissenschaftlich machen

Vier Schritte entscheiden darüber, ob eine Seminar- oder Abschlussarbeit als wissenschaftlich durchgeht. Die Schritte folgen aufeinander und wer einen davon überspringt, merkt das meist erst in der Bewertung. Die gute Nachricht: Keiner der vier verlangt Vorwissen, das über den Stoff des ersten Semesters hinausgeht.

  1. Fragestellung festlegen. Eine Arbeit ohne klare Frage hat kein Kriterium dafür, was hineingehört und was nicht. Der Unterschied zwischen Forschungsfrage, These und Hypothese ist dabei kein Formalkram, sondern entscheidet über den Aufbau.
  2. Methode wählen und begründen. Literaturarbeit, Experiment oder eigene Erhebung: Die Wahl gehört in den Text, samt der Begründung, warum sie zur Frage passt.
  3. Daten sauber erheben und dokumentieren. Wer selbst Daten sammelt, hält Zeitraum, Stichprobe und Durchführung fest. Der empirische Forschungsprozess beschreibt diese Phasen im Detail.
  4. Belegen und zitieren. Jede übernommene Aussage bekommt ihre Quelle. Wie das formal geht, steht im Beitrag zum richtigen Zitieren.

An der Dokumentation scheitern die meisten Abschlussarbeiten, nicht an der Statistik. Wer eine Befragung durchführt, braucht später die genauen Fragen, die Zahl der Teilnehmenden und den Erhebungszeitraum. Mit empirio.ai, einem Online-Umfrage-Tool aus Deutschland, erstellst du die Umfrage und behältst diese Angaben zusammen mit den Antworten an einer Stelle, was den Methodenteil deutlich einfacher macht.

⚠️ Achtung

Maßgeblich ist immer die Prüfungsordnung deiner Hochschule. Sie kann strenger sein als der DFG-Kodex, etwa bei der Zitierweise, beim Umgang mit KI-Werkzeugen oder bei der Pflicht, Rohdaten abzugeben. Im Zweifel fragst du deine Betreuung, bevor du abgibst. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.

Drei Irrtümer über Wissenschaft

Über Wissenschaft kursieren ein paar Vorstellungen, die in Diskussionen regelmäßig zu Missverständnissen führen. Sie klingen plausibel und sind trotzdem falsch und sie tauchen auffällig oft in Einleitungen von Hausarbeiten auf.

Die drei folgenden Irrtümer begegnen einem am häufigsten. Wer sie kennt, argumentiert spürbar sicherer, auch außerhalb der Hochschule.

Irrtum 1: Wissenschaft liefert endgültige Wahrheiten

Wissenschaftliche Ergebnisse sind immer vorläufig. Sie gelten so lange, bis bessere Daten oder bessere Methoden sie korrigieren, und genau diese Korrekturbereitschaft ist ihre Stärke und nicht ihre Schwäche. Dass sich eine Empfehlung nach neuen Studien ändert, ist deshalb kein Zeichen von Unzuverlässigkeit. Es ist das Verfahren, das funktioniert.

Irrtum 2: Was in einer Studie steht, ist bewiesen

Eine einzelne Studie beweist selten etwas. Sie liefert einen Befund unter bestimmten Bedingungen, mit einer bestimmten Stichprobe und einer bestimmten Auswertung. Erst wenn mehrere unabhängige Untersuchungen in dieselbe Richtung zeigen, verdichtet sich das zu belastbarem Wissen. Vor dem Zitieren lohnt deshalb der Blick auf Stichprobengröße, Erhebungszeitraum und darauf, wer die Studie finanziert hat.

Irrtum 3: Geisteswissenschaften sind keine richtige Wissenschaft

Der Vorwurf gegen die Geisteswissenschaften verwechselt Methode mit Wissenschaftlichkeit. Eine literaturwissenschaftliche Interpretation ist wissenschaftlich, wenn sie ihre Textgrundlage offenlegt, ihre Deutung begründet und konkurrierende Lesarten benennt. Sie misst nichts, aber sie arbeitet systematisch, belegt und überprüfbar. Das genügt der Definition des Bundesverfassungsgerichts vollständig.

Fazit

Wissenschaft ist keine Sammlung von Fächern, sondern eine Arbeitsweise: systematisch, offengelegt und jederzeit angreifbar. Wer diese drei Eigenschaften prüft, kann in wenigen Minuten einordnen, ob eine Quelle taugt, ganz gleich ob es um eine Metastudie oder um einen Beitrag in einem sozialen Netzwerk geht. Für die eigene Arbeit heißt das vor allem eins: Schreib auf, was du getan hast, und sag dazu, was du nicht zeigen kannst.

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Häufig gestellte Fragen

Wissenschaft ist der geordnete Versuch, verlässliches Wissen über die Welt zu gewinnen und weiterzugeben. Dazu gehören eine klare Frage, eine offengelegte Methode, nachprüfbare Belege und Ergebnisse, die andere kontrollieren können. Wissenschaft bezeichnet also beides zugleich: den Bestand an gesichertem Wissen und die Arbeitsweise, mit der dieses Wissen entsteht.

Wissenschaftlich bedeutet, dass eine Aussage systematisch entstanden ist und von anderen überprüft werden kann. Fünf Merkmale entscheiden darüber: Systematik, Nachvollziehbarkeit, Belegpflicht, Überprüfbarkeit und die Bereitschaft, das eigene Ergebnis widerlegen zu lassen. Nicht das Thema macht einen Text wissenschaftlich, sondern das Verfahren, mit dem er zu seinen Aussagen kommt.

Die Wissenschaft wird üblicherweise in drei große Gruppen geteilt: Naturwissenschaften wie Physik und Biologie, Geisteswissenschaften wie Geschichte und Philosophie sowie Sozialwissenschaften wie Soziologie und Psychologie. Natur- und Sozialwissenschaften arbeiten überwiegend empirisch, also mit Beobachtung und Messung. Fächer wie Wirtschaftsinformatik oder Medizin liegen bewusst zwischen den Gruppen.

Mathematik ist eine Wissenschaft, aber keine empirische. Sie gewinnt ihre Aussagen durch Beweise aus Axiomen und nicht durch Messung oder Beobachtung. Für Mathematik, Logik und Informatik hat sich deshalb der Sammelbegriff Strukturwissenschaften eingebürgert. Die Zuordnung ist eine Frage der Einteilung und in der Fachliteratur nicht einheitlich geregelt.

Forschung ist der Teil der Wissenschaft, der neues Wissen erzeugt. Wissenschaft ist der weitere Begriff und umfasst zusätzlich die Lehre, also die Weitergabe des Wissens, sowie den gesamten Bestand an gesicherten Erkenntnissen. Wer forscht, betreibt Wissenschaft. Wer Wissenschaft betreibt, muss aber nicht zwingend selbst forschen.

Pseudowissenschaft übernimmt die Sprache und die äußere Form der Wissenschaft, vermeidet aber die ernsthafte Prüfung ihrer Aussagen. Typische Muster sind Belege aus Einzelfällen, das Deuten von Kritik als Angriff und Behauptungen, die sich grundsätzlich nicht widerlegen lassen. Die entscheidende Prüffrage lautet: Welches Ergebnis würde diese Aussage widerlegen?

Artikel 5 Absatz 3 Grundgesetz erklärt Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre für frei. Das Bundesverfassungsgericht versteht darunter jede Tätigkeit, die nach Inhalt und Form ein ernsthafter planmäßiger Versuch zur Ermittlung der Wahrheit ist (BVerfGE 35, 79, Seite 113). Die Freiheit gilt vorbehaltlos, findet ihre Grenze aber in anderen Verfassungsgütern.

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