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Umfrageteilnehmer finden: 5 Kanäle und ihre Grenzen

Über die Qualität deiner Stichprobe entscheidet der Rekrutierungsweg. Wir vergleichen fünf Möglichkeiten für die Schweiz und sagen dir, was eine Verlosung rechtlich auslöst.

Autor bei empirio.ai – Marco Warzecha, Mitgründervon Marco WarzechaAktualisiert am 26. Oktober 2026Lesezeit 16 Min.

Der Fragebogen ist fertig, der Link verschickt, und nach drei Tagen zeigt die Auswertung 14 Antworten. Umfrageteilnehmer sind damit das eigentliche Nadelöhr jeder Erhebung, weit häufiger als ein schwacher Fragebogen.

Teilnehmende gewinnst du über fünf Kanäle: den eigenen Bekanntenkreis, Fachgruppen in sozialen Netzwerken, Tauschbörsen mit Punktesystem, den direkten Weg über Hochschule, Verein oder Betrieb, und die Ansprache vor Ort per QR-Code. Welcher davon trägt, hängt nicht am Tempo, sondern an deiner Zielgruppe.

Die Suche nach Menschen nimmt dir keine Software ab. Bei empirio.ai, einem Online-Umfrage-Tool aus Deutschland, sind 50 Teilnehmer pro Monat kostenlos, der Weg zu diesen 50 Menschen bleibt deine Aufgabe. Am Schluss kennst du den passenden Kanal für deine Zielgruppe und die Schweizer Vorgaben zu Anreiz und Anonymität.


📌 Das Wichtigste im Überblick

  • Der Bekanntenkreis liefert Tempo, aber selten die gesuchte Zielgruppe.
  • Tauschbörsen liefern Punktesammler statt Menschen mit Interesse am Thema.
  • Die Verlosung steigert die Rücklaufquote laut FORS häufig gar nicht.
  • Als Referenzwert für die Schweiz gelten 10 Franken, unbedingt vergeben.
  • Sobald eine Adresse dazukommt, greift das revidierte Datenschutzgesetz.

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Umfrageteilnehmer finden: welcher Kanal zu deiner Studie passt

Welcher Kanal passt, klärst du mit einer Frage vor der Suche: Prüfst du einen Zusammenhang zwischen zwei Merkmalen, oder willst du am Ende einen Prozentwert für eine ganze Gruppe nennen? Im ersten Fall sind Auswahlprobleme lästig. Im zweiten Fall sind sie das ganze Problem.

Für selbstrekrutierte Freiwilligen-Stichproben schliesst Wolfgang Bandilla in den GESIS Survey Guidelines zu Online-Befragungen (2015) die Schätzung von Populationsparametern aus. Suchen sich deine Befragten also selbst aus, ob sie mitmachen, trägt kein Ergebnis eine Aussage über „die Studierenden“ oder „die Kundschaft“. Auch 800 Antworten ändern daran nichts. Für eine Hypothesenprüfung genügt so eine Stichprobe trotzdem häufig, und in einer Semesterarbeit oder Bachelorarbeit ist genau das der Normalfall.

Zweite Frage, banaler und trotzdem oft übersprungen: Wo hält sich deine Zielgruppe ohnehin auf? Danach sortiert sich alles Weitere.

KanalWie schnellWofür er taugt
BekanntenkreisStundenPretest und die ersten Antworten
Fachgruppen in sozialen Netzwerkenein bis drei Tageklar umrissene Interessengruppen
Tauschbörsen für UmfragenTage bis WochenStudierende und breite Themen
Fachverein, Verein, BetriebTage bis Wochengenau definierte Zielgruppen
Aushang mit QR-CodeStunden bis TageOrte, an denen die Zielgruppe verkehrt

Wie viele Antworten du am Ende brauchst, hängt an der Auswertung und nicht am Kanal. Nachgerechnet wird das im Beitrag zur repräsentativen Umfrage.

Der Bekanntenkreis: schnell, aber einseitig

Freunde, Familie und Mitstudierende antworten am schnellsten, weil du sie direkt fragen kannst und niemand erst Vertrauen fassen muss. Für die ersten zwanzig Antworten ist das der richtige Start, für den Pretest ohnehin.

Der Haken liegt in der Ähnlichkeit. Dein Umfeld gleicht dir in Alter, Region, Bildungsweg und oft im Studienfach. Genau diese Merkmale willst du in der Auswertung eigentlich variieren. Eine Befragung, die zu drei Vierteln aus deinem Semester besteht, misst am Ende dein Semester.

Setze den eigenen Kreis deshalb bewusst als Testlauf ein. Bitte drei Personen um das Ausfüllen und danach um die Stelle, an der sie gestockt haben. Solche Rückmeldungen finden mehr Fehler als jede Selbstkontrolle. Wie du den Link anschliessend in Messenger-Gruppen streust, zeigt der Beitrag zur Umfrage über WhatsApp.

Tipp

Frage die drei Testpersonen einzeln an, nie in einer Gruppe. In Gruppen wartet jede Person auf die nächste, und am Schluss macht es niemand.

Fachgruppen in sozialen Netzwerken: der Ort schlägt die Reichweite

Soziale Netzwerke bringen Teilnehmende, wenn dein Beitrag in Gruppen zum Thema deiner Umfrage landet und nicht in Gruppen zum Thema Umfragen. An diesem Unterschied hängt der Wert deines Datensatzes.

Ein Beitrag in der eigenen Chronik erreicht ungefähr jene Menschen, die du bereits gefragt hast. Spannend wird der Kanal dort, wo sich deine Zielgruppe fachlich sortiert: die Facebook-Gruppe der Hobbyimker, das Forum für Physiotherapie, das Reddit-Board zu deinem Thema, die LinkedIn-Gruppe für Einkauf. Menschen, die dein Thema wirklich betrifft, antworten anders als Punktesammler.

Worauf es beim Beitrag ankommt

  • Gruppenregeln vor dem Beitrag lesen, viele Gruppen verbieten Umfragen komplett.
  • Zielgruppe in die erste Zeile schreiben, damit Unpassende gar nicht klicken.
  • Berufstätige unter der Woche ansprechen, nicht am Wochenende.
  • Auf Rückfragen im Kommentarbereich antworten, das hält den Beitrag sichtbar.
  • Nach fünf Tagen einmal erinnern, danach nicht mehr.

Die Zielgruppe schon in der ersten Zeile zu nennen, wirkt wie verschenkte Reichweite. Praktisch stimmt das Gegenteil: Wer nicht dazugehört, klickt gar nicht erst, bricht folglich nicht mittendrin ab und verzerrt deine Daten nicht. Angefangene und abgebrochene Fälle machen jede Auswertung mühsam.

Was du bei der Suche selbst nicht sammeln solltest

Datenschutz beginnt nicht im Fragebogen, sondern bei der Suche. Wer in einer Gruppe nach E-Mail-Adressen fragt und die Antworten im Chat stehen lässt, hat eine Teilnehmerliste veröffentlicht, die niemand beauftragt hat. Dasselbe gilt für Screenshots von Mitgliederlisten und für die kleine Namensliste, die nebenbei für die Erinnerung entsteht.

Die saubere Lösung ist eine Trennung: Die Einladung geht über den Kanal hinaus, der Fragebogen sammelt die Antworten, und falls du für eine Erinnerung eine Adressliste brauchst, liegt sie getrennt vom Datensatz und wird nach dem Ende der Befragung gelöscht. Eine anonyme Befragung verliert ihre Anonymität sonst nicht im Fragebogen, sondern in deinem Postfach.

Tauschbörsen für Umfragen: Tempo gegen Datenqualität

Tauschbörsen laufen über Gegenleistung: Du beantwortest fremde Fragebögen, sammelst Punkte und löst diese Punkte gegen Teilnahmen an deiner eigenen Umfrage ein. Wer viel gibt, bekommt viel, und das klappt erstaunlich zuverlässig.

Der Punktehandel setzt zugleich die Grenze. Auf der Gegenseite sitzt fast immer jemand mitten in der eigenen Abschlussarbeit, der Punkte braucht. Deine Stichprobe besteht dann aus Studierenden, die nicht dein Thema anzieht, sondern deren Gegenleistung. Methodisch entsteht so eine selbstrekrutierte Freiwilligen-Stichprobe, also jener Fall, den Bandilla für Aussagen über eine Grundgesamtheit ausschliesst.

Die Entscheidung lässt sich auf eine schlichte Faustregel bringen:

✓ Deine Zielgruppe sind Studierende oder eine breite Allgemeinheit
✕ Deine Zielgruppe ist ein Beruf, eine Branche oder eine Altersgruppe über 40
→ Im zweiten Fall kostet die Tauschbörse mehr Zeit, als sie einbringt

Punktesammler erkennen, bevor du auswertest

Eine Kontrollfrage im Fragebogen trennt die beiden Gruppen verlässlicher als jedes Bauchgefühl. Eine Frage wie „Bitte wähle hier die dritte Option aus“ lässt sich nur mit Lesen richtig beantworten. Wer sie falsch beantwortet, hat den Bogen durchgeklickt, und das steht danach nachprüfbar in den Daten statt in deiner Erinnerung.

Zwei weitere Prüfungen kosten nichts. Die Bearbeitungszeit schreibt dein Umfrage-Tool ohnehin mit, und die Streuung innerhalb einer Matrix siehst du auf einen Blick: Wer in zwei Minuten durch 20 Fragen geht oder überall dieselbe Stufe anklickt, fällt in beiden Prüfungen auf. Lege die Ausschlusskriterien fest, bevor du die erste Auswertung ansiehst, sonst sortierst du am Schluss jene Fälle aus, die dein Ergebnis stören. Die Begründung gehört in die Arbeit.

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Offline und über Institutionen: der übersehene Weg

Über eine Institution bekommst du genau die Zielgruppe, weil dort jemand die Auswahl bereits getroffen hat. Der Fachverein kennt alle im Studiengang, eine Studierendenschaft wie der VSETH oder die SUB erreicht eine ganze Hochschule, der Verein kennt seine Mitglieder, die Personalabteilung alle Angestellten.

Nötig ist dafür eine Bitte, die der Gegenseite keine Arbeit macht. Also ein fertiger Text zum Weiterleiten, dazu Link, Dauer, Name deiner Betreuung und das Enddatum. Wer eine Mail nur weiterleiten muss, leitet sie weiter. Wer selbst formulieren soll, lässt es bleiben.

Der zweite Weg führt über den Ausdruck. Ein QR-Code am Anschlagbrett, auf einer Vorlesungsfolie, auf dem Tresen am Vereinsfest oder auf einem Flyer erreicht Menschen dort, wo sie mit deinem Thema zu tun haben. Bei empirio.ai, einem Online-Umfrage-Tool aus Deutschland, lässt sich der QR-Code erstellen, und zwar im kostenlosen Tarif. Worauf es beim Drucken und Scannen ankommt, zeigt der Beitrag zur Umfrage mit QR-Code.

Achtung

Läuft deine Umfrage über einen Arbeitgeber, eine Schule oder eine Behörde, gelten dort eigene Regeln, im Betrieb häufig Mitwirkungsrechte der Arbeitnehmervertretung. Üblich ist eine Freigabe vor dem Versand, die Ausnahme sind rein private Befragungen. Zuständig ist die oder der Datenschutzverantwortliche der Organisation, an der Hochschule deine Betreuung. Was beim Datenschutz in Umfragen sonst gilt, steht in einem eigenen Beitrag.

Bezahlte Panels und Rekrutierungsdienste: wann sich das lohnt

Ein Panel ist eine Gruppe von Menschen, die sich bei einem Anbieter registriert haben und gegen Geld oder Punkte an Befragungen teilnehmen. Du beschreibst deine Zielgruppe, der Anbieter spielt den Fragebogen an passende Personen aus, und du bekommst eine vorher vereinbarte Zahl vollständiger Antworten. Das ist der einzige Weg, auf dem sich die Teilnehmerzahl wirklich planen lässt, und deshalb der Normalfall in der Marktforschung.

Abgerechnet wird fast immer pro abgeschlossenem Interview und nicht pro Monat. Wie hoch der Betrag je Antwort ausfällt, hängt an drei Grössen: wie selten deine Zielgruppe in der Bevölkerung vorkommt, wie lange der Fragebogen dauert und wie viele Antworten du brauchst. Panel-Anbieter rechnen je Projekt und nennen den Preis erst nach einer Anfrage, deshalb steht hier keine Zahl. Eine erfundene wäre für deine Planung schlimmer als keine.

✓ Lohnt sich bei einer schwer erreichbaren Zielgruppe und einem Termin, der steht
✕ Lohnt sich nicht für eine Abschlussarbeit ohne Budget und nicht für breite Themen
→ Im zweiten Fall bringen die fünf kostenlosen Kanäle mehr als jede Anfrage

Was ein Panel löst und was es nicht löst

Ein Panel löst dein Mengenproblem und einen Teil deines Auswahlproblems. Weil der Anbieter nach Merkmalen wie Alter, Kanton oder Beruf aussteuert, bekommst du eine Verteilung, die über Gruppen und Anschlagbretter nie zustande kommt. Für Aussagen über eine Grundgesamtheit ist das der belastbarere Weg, und er ist der Grund, warum Institute dafür Geld ausgeben.

Ein Panel löst dagegen nicht, dass auf der Gegenseite Menschen sitzen, die regelmässig an Befragungen teilnehmen und dafür bezahlt werden. Die Kontrollfrage und der Blick auf die Bearbeitungszeit sind deshalb hier genauso nötig wie bei einer Tauschbörse. Frage den Anbieter vor der Beauftragung, wie er die Qualität seiner Stichprobe prüft, und schreibe die Antwort in den Methodenteil.

Teilnehmende für Interviews finden: hier gilt eine andere Logik

Interviewpartner suchst du nicht nach Menge, sondern nach Merkmalen. Eine qualitative Studie kommt oft mit acht bis fünfzehn Gesprächen aus, und die Auswahl erfolgt absichtlich nicht zufällig: Du suchst Personen, die für einen bestimmten Fall besonders aussagekräftig sind, und ergänzt nach den ersten Gesprächen gezielt die Perspektive, die noch fehlt. Dieses Vorgehen heisst bewusste oder theoretische Auswahl und ist das Gegenstück zur Zufallsstichprobe, die auf Verallgemeinerung zielt.

Für die Ansprache heisst das: Einzelnachricht statt Aufruf. Eine persönliche Nachricht, in der du sagst, warum du genau diese Person fragst, wie lange das Gespräch dauert und was mit der Aufnahme passiert, wirkt besser als jeder Beitrag in einer Gruppe. Rechne mit drei Anfragen für eine Zusage, biete zwei konkrete Termine an und frage am Schluss jedes Gesprächs, wen du als Nächstes ansprechen sollst. Diese Empfehlung aus dem Gespräch heraus öffnet Türen, an denen eine kalte Anfrage scheitert.

Verlosung und andere Anreize: was die Forschung dazu sagt

Die verloste Gutscheinkarte aus fast jedem Muster-Anschreiben im Netz ist ausgerechnet die schwächste Anreizform, die die Umfrageforschung kennt. Sie ist nicht monetär und an die Teilnahme gebunden. Beide Eigenschaften kosten Wirkung.

Anreize für Befragte heissen in der Fachsprache Incentives. Für die Schweiz fasst der FORS Guide Nº 08 zu Incentives in surveys (Lipps et al. 2019) den Forschungsstand zusammen, herausgegeben vom Schweizer Kompetenzzentrum Sozialwissenschaften FORS. Der Leitfaden ist auf Englisch verfasst. Sein Befund zur Verlosung fällt eindeutig aus: Bedingte Anreize in Form einer Lotterie oder Verlosung steigern die Rücklaufquote nach den dort zitierten Ergebnissen von Porter und Whitcomb (2003) häufig gar nicht.

Der Schweizer Referenzwert liegt bei 10 Franken

Als angemessener Anreizwert gelten in der Schweiz 10 Franken, unbedingt und vor der Befragung vergeben. FORS nennt diesen Betrag für grossangelegte persönliche Befragungen und bezeichnet ihn im Guide von 2019 als adäquaten Wert für die Schweiz (Lipps et al. 2019). Unbedingt heisst: Das Geld geht an alle Angefragten, unabhängig von der Teilnahme. Für eine Abschlussarbeit ohne Budget ist dieser Weg selten machbar, als Massstab taugt er trotzdem. Er zeigt, wie weit eine verloste Karte von einer wirksamen Gestaltung entfernt liegt.

Zwei Warnungen stehen im selben Leitfaden. Erstens können Anreize der Zusammensetzung der Stichprobe sogar schaden, wenn die Gestaltung unsorgfältig ausfällt. Zweitens wird die Teilnahme mit einem Anreiz zu einer bezahlten Tätigkeit und beruht nicht mehr auf dem Prinzip der Freiwilligkeit. Lockt dein Gutschein hauptsächlich Personen mit schmalem Budget und viel freier Zeit, steigt zwar die Zahl der Antworten, die Stichprobe kippt aber zur Seite.

Verlosung und Anonymität vertragen sich im selben Formular nicht

Für eine Verlosung brauchst du eine Kontaktmöglichkeit, meist eine E-Mail-Adresse. Fragst du sie im selben Fragebogen ab, ist die Umfrage nicht mehr anonym, unabhängig von jeder Zusicherung im Anschreiben. Jede Antwort hängt dann an einer Adresse.

Rechtlich zählt in der Schweiz das revidierte Datenschutzgesetz und nicht die DSGVO. Der EDÖB hält für die Forschung fest, dass das Datenschutzgesetz auf vollständig und endgültig anonymisierte Daten nicht anwendbar ist, sofern eine Re-Identifikation durch Dritte unmöglich wäre oder unverhältnismässigen Aufwand erfordern würde. Lässt die Art oder der Zweck der Forschung anonymisierte Daten nicht zu, etwa weil Befragte periodisch kontaktiert werden müssen, verlangt der EDÖB kodierte oder verschlüsselte Daten, also Pseudonymisierung. Genau dorthin rutschst du mit einer Adresse für die Verlosung: weg von anonym, hin zu pseudonym, und damit unter das Gesetz.

Sauber wird die Sache durch Trennung. Auf der Dankeseite steht ein zweiter, eigener Link zu einem separaten Formular, in dem nur die Adresse für die Verlosung landet. Beide Datensätze haben keine Verbindung zueinander, und die Befragung bleibt eine anonyme Umfrage. Ob dein Vorhaben weitere Vorgaben erfüllen muss, klärt das Studienreglement deiner Hochschule oder die oder der Datenschutzverantwortliche deiner Organisation. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.

Was ohne Budget wirkt

Ein Anreiz ersetzt keinen Grund. Stärker als fünf verloste Gutscheine wirken in der Praxis: ein Fragebogen unter fünf Minuten Länge, eine namentlich genannte Ansprechperson statt eines nackten Links, ein Satz zum Zweck der Erhebung und das Angebot, die Auswertung nach Abschluss zuzustellen. Letzteres kostet dich eine Mail und überzeugt in Fachgruppen oft am stärksten.

Das Anschreiben: fünf Angaben entscheiden über den Klick

Fünf Angaben trägt ein gutes Anschreiben: die Zielgruppe, das Thema, die Dauer, den Umgang mit den Daten und das Enddatum. Was darüber hinausgeht, ist Beiwerk. Was fehlt, kostet dich Teilnahmen. Das Anschreiben lockt die Leute in die Umfrage, den Empfang auf der ersten Seite übernimmt danach der Begrüssungstext deiner Umfrage, und für den gelten eigene Regeln.

Am meisten geschätzt und am wenigsten gemessen wird die Dauer. „Dauert nur 5 Minuten“ steht in fast jedem Aufruf, und werden daraus zwölf, steigen die Leute aus und dein Datensatz bleibt halb. Fülle den Fragebogen einmal selbst mit der Stoppuhr aus, nenne das Ergebnis und rechne einen Puffer dazu. Nenne zusätzlich die Anzahl der Fragen, sie beruhigt mehr als jede Minutenangabe.

Ein Einstieg, der Antworten bringt

Diese Umfrage richtet sich an Menschen, die in den letzten zwölf Monaten ein Velo gekauft haben. 14 Fragen, rund vier Minuten, anonym, für meine Semesterarbeit an der Universität Bern. Läuft bis zum 15. Oktober.

Der erste Satz sortiert die Zielgruppe, der zweite nimmt jede Ausrede. Wer nicht dazuzählt, liest nicht weiter, und genau so soll es sein. Wie du die passenden Fragen dahinter baust, zeigt der Leitfaden zum Fragebogen erstellen.

Woran ein Umfrage-Aufruf nach Spam aussieht

Ein Aufruf wird selten ignoriert, weil er schlecht geschrieben ist. Ignoriert wird er, weil er aussieht wie die zehn davor. In Gruppen, in denen täglich Fragebögen landen, entscheidet das die erste Zeile und die Frage, ob dahinter eine Person erkennbar ist oder nur ein Link.

  • Eine Massennachricht an Menschen, die dich nicht kennen.
  • Ein Link ohne einen Satz dazu, worum es geht.
  • Derselbe Text in zehn Gruppen am selben Tag.
  • Kein Name, keine Hochschule, keine Betreuung.
  • Ein Betreff, der nach Gewinnspiel klingt statt nach Umfrage.

Zwei Angaben machen den Unterschied zwischen einem Aufruf und einer Werbemail: ein Name, hinter dem jemand steht, und ein Zweck, der nachprüfbar ist. Wer Studienfach, Hochschule und den Namen der Betreuung nennt, wird gelesen. Private Direktnachrichten an Unbekannte bleiben trotzdem der schlechteste Kanal, weil sie in vielen Gruppen ausdrücklich gegen die Regeln verstossen.

Tipp

Wie gut dein Anschreiben zieht, zeigt sich am Verhältnis zwischen Antworten und erreichten Personen. Mit unserem Rechner kannst du die Rücklaufquote berechnen und erfährst gleichzeitig, wie viele Einladungen du für dein Antwortziel noch verschicken musst. Probier zwei Varianten des ersten Satzes an zwei Gruppen aus und vergleich danach die beiden Quoten.

Typische Fehler bei der Teilnehmersuche

Wer zu wenige Antworten bekommt, sucht meistens nach weiteren Kanälen. Häufig liegt das Problem aber nicht bei der Reichweite, sondern an einer der folgenden vier Stellen.

Alle vier Stellen fallen erst während der laufenden Feldphase auf, und ab dann wird jede Reparatur teuer. Wer sie vorher kennt, spart sich das Nachsteuern mitten in der Erhebung.

Du suchst Teilnehmende, obwohl der Fragebogen bremst

Öffnen viele Menschen den Link und kommen wenige durch, hilft kein weiterer Kanal. Dann steigen die Leute im Fragebogen aus, meist an einer Pflichtfrage, in einer langen Matrix oder auf Seite drei. Prüfe, an welcher Frage die Abbrüche auftreten. Bei empirio.ai zeigt die Abbruchquote genau das, ab dem kleinsten bezahlten Tarif Lite (Stand: August 2026).

Du postest überall gleichzeitig und weisst hinterher nichts

Wer den Link an einem Nachmittag in acht Gruppen verteilt, weiss später nicht mehr, woher die Antworten stammen. Für die Auswertung ist das ein Verlust, denn die Herkunft erklärt häufig die Unterschiede in den Daten. Baue lieber eine kurze Frage ein: „Wie bist du auf diese Umfrage gekommen?“ Zehn Sekunden Aufwand retten dir später einen Absatz im Methodenteil.

Du erinnerst gar nicht oder zu oft

Eine Erinnerung nach rund fünf Tagen bringt fast immer einen zweiten Schub. Viele Menschen sehen den Link, nehmen sich die Teilnahme vor und vergessen sie danach. Zwei Erinnerungen wirken drängend, drei nerven. Formuliere kurz, ohne Vorwurf, und wiederhole das Enddatum.

Du hältst nicht fest, wie du die Teilnehmenden gefunden hast

Die Rekrutierung gehört sichtbar in den Methodenteil und nicht in eine Fussnote. Wer über Bekannte, Fachgruppen und Tauschbörsen sucht, erhebt eine Gelegenheitsstichprobe, und dieser Begriff gehört so in die Arbeit. Dazu kommen ein bis zwei Sätze in den Limitationen zur Reichweite deiner Ergebnisse. Eine Betreuung, die diese Einordnung vermisst, zieht Punkte ab. Eine Betreuung, die sie findet, sieht jemanden mit Verständnis für die eigene Methode.

Fazit

Zu wenige Teilnehmende sind selten ein Reichweitenproblem und meistens ein Zielgruppenproblem. Die schnellsten Kanäle liefern die schiefsten Stichproben, während der langsame Weg über eine Institution oft genau die gesuchten Menschen bringt. Suche deshalb zuerst den Ort, an dem deine Zielgruppe ohnehin verkehrt, und wähle danach den Kanal.

Eine Grenze gehört dazu: empirio.ai stellt keine Teilnehmenden. Ein Panel oder eine Community, aus der sich Antworten ziehen liessen, gibt es nicht. empirio.ai deckt alles davor und danach ab, für Studierende und Abschlussarbeiten also den Weg vom Fragebogen bis zur Auswertung: Du kannst dort deine Online-Umfrage aufsetzen, verteilen und auswerten. Die Suche nach Menschen bleibt deine Aufgabe.

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Häufig gestellte Fragen

Kostenlos funktionieren vier Wege: der eigene Bekanntenkreis über Messenger und Mail, Fachgruppen in sozialen Netzwerken, Tauschbörsen mit Punktesystem und der direkte Weg über eine Institution wie Fachverein, Studierendenschaft, Verein oder Personalabteilung. Dazu kommt ein QR-Code auf einem Aushang oder Flyer. Geld kostet erst der Zugang zu einem professionellen Panel.

Umfrage-Tauschbörsen bleiben in aller Regel erlaubt, taugen aber nur für bestimmte Zielgruppen. Wer über eine Tauschbörse rekrutiert, erreicht vor allem Studierende, die selbst Punkte für die eigene Arbeit sammeln. Bei einer studentischen Zielgruppe passt das, bei einer bestimmten Berufsgruppe nicht. Massgeblich bleiben die Vorgaben deiner Betreuung und das Studienreglement deiner Hochschule.

Verlosung und anonyme Umfrage schliessen sich nicht aus, im selben Formular aber schon. Eine Verlosung braucht eine Kontaktadresse, und mit dieser Adresse im Fragebogen ist die Umfrage nicht mehr anonym, sondern höchstens pseudonymisiert. In der Schweiz greift damit das revidierte Datenschutzgesetz. Sauber ist ein zweites, getrenntes Formular auf der Dankeseite ohne Verbindung zum Datensatz. Über die Freigabe entscheidet deine Betreuung oder der Datenschutz deiner Organisation.

Bargeld wirkt besser als Sachpreise, und vorab vergebene Anreize wirken besser als solche nach der Teilnahme. Der FORS Guide Nº 08 zu Incentives (Lipps et al. 2019) hält fest, dass eine Verlosung die Rücklaufquote häufig gar nicht steigert. Als angemessener Wert für die Schweiz gelten dort 10 Franken, unbedingt vergeben. Ohne Budget wirkt ein kurzer Fragebogen mit klarem Zweck meist besser.

Fünf Angaben genügen: an wen sich die Umfrage richtet, worum es geht, wie lange sie dauert und wie viele Fragen sie umfasst, was mit den Daten geschieht, und bis wann Antworten möglich sind. Die Dauer wird gemessen und nicht geschätzt. Die Zielgruppe gehört in die erste Zeile, damit Unpassende gar nicht erst starten.

Über jene Stelle, die diese Gruppe bereits gesammelt hat: Berufsverband, Fachforum, Branchenverband, Fachgruppe in einem Business-Netzwerk, Personalabteilung, Praxis oder Verein. Tauschbörsen und breite Beiträge in sozialen Netzwerken führen hier ins Leere. Hilfreich ist ein fertiger Weiterleitungstext, damit die Ansprechperson auf der anderen Seite keine Arbeit hat.

Eine wissenschaftliche Arbeit verlangt diese Angabe. Die Rekrutierung gehört in den Methodenteil, mit Kanal, Zeitraum und Zahl der Aufrufe. Wer über Bekannte, Fachgruppen und Tauschbörsen sucht, erhebt eine Gelegenheitsstichprobe und benennt sie auch so, dazu kommen ein bis zwei Sätze in den Limitationen. Massgeblich sind die Vorgaben deiner Hochschule.

empirio.ai betreibt kein Panel, und Panel-Anbieter nennen ihren Preis erst nach einer Projektanfrage. Abgerechnet wird pro abgeschlossenem Interview. Die Höhe hängt daran, wie selten die Zielgruppe in der Bevölkerung vorkommt, wie lange der Fragebogen dauert und wie viele Antworten gebraucht werden. Für eine Abschlussarbeit ohne Budget fällt dieser Weg meist heraus.

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