Allgemein gilt eine Arbeit dann als wissenschaftlich, wenn sie ihre Erkenntnisse mithilfe von akademischen Methoden nachvollziehbar und systematisch darlegt. Verschiedene Fachrichtungen entwickeln dabei ihre eigenen Methoden.
Trotz aller Unterschiede zwischen unterschiedlichen Fachbereichen sind diese zwei Arten einer akademischen Arbeit grundlegend: theoretische und empirische Arbeiten. In diesem Abschnitt erfährst du, welche Methode für deine wissenschaftliche Abhandlung die bessere Wahl ist.
Entweder Theorie oder Empirie:
Worauf kommt es bei der Forschung wirklich an?
Entgegen der Annahme, dass du dich bei einer Forschungsarbeit unbedingt für eine der beiden Arten entscheiden musst, können Theorie und Empirie sich gut ergänzen:
- Theorie trägt zum Verständnis der grundlegenden oder komplexen Problemsituation bei und hilft auf der Suche nach einer möglichen Lösung. Für dich kann sie eine gute Ausgangsbasis sein, um daraus deine eigene Hypothese oder Fragestellung abzuleiten.
- Empirie ist dagegen eine wissenschaftliche Forschungsmethode, um theoretische Aussagen in der Praxis zu überprüfen. Mithilfe von empirischen Messungen und Daten kann deine Fragestellung bis zu einem gewissen Grad bestätigt oder widerlegt werden.
Trotzdem ist es sinnvoll, deine Arbeit von vornherein schwerpunktmäßig einem der beiden Typen zuzuordnen. Damit schaffst du eine gute Grundkonstruktion und die erste Orientierung für deine wissenschaftliche Abhandlung.
Theoretische Abschlussarbeit:
Wann gilt die Forschung als theoretisch?
„Die Theorie bestimmt, was wir beobachten können“ Albert Einstein (zitiert nach Heisenberg 1969: 92)
Bei einer theoretischen Arbeit stehen die theoretischen Überlegungen einzelner Autoren und Wissenschaftler oder der s.g. „Stand der Forschung“ im Vordergrund. Dabei nimmst du eine spezifische wissenschaftliche Perspektive ein, aus der du die bestehenden Erkenntnisse zu deinem Thema beobachtest und anschließend basierend auf deiner Fragestellung beurteilst.
In der Regel besteht eine theoretische Ausarbeitung aus drei wichtigen Bereichen:
- Recherche, Auswahl und Zusammenstellung der wichtigsten Quellen
- Darstellung und ggf. Gegenüberstellung von relevanten Theorien
- Beurteilung des Materials und eigenständige Schlussfolgerung
In der Fachliteratur findet diese Methodik oftmals bei einer systematischen Übersichtsarbeit (auch als „systematic review“ bekannt) eine Verwendung, indem das bestehende Wissen ähnlich wie bei diesen beiden Fachartikeln zu einem Thema zusammengefasst und bewertet wird:
- Keller, Markus (2013). „Das präventive und therapeutische Potenzial vegetarischer und veganer Ernährung. Ein Überblick über den aktuellen Stand der Wissenschaft“. Zeitschrift für Komplementärmedizin 5(05). S. 47-51.
- Kohring, Matthias/Fabian Zimmerman (2018). „Fake News als aktuelle Desinformation. Systematische Bestimmung eines heterogenen Begriffs“. M&K 66. Jahrgang 4.
Jedoch musst du dabei beachten, dass eine Übersichtsarbeit im Rahmen einer Seminar- oder Bachelorarbeit zu umfassend sein könnte.
Wie schreibt man eine theoretische Arbeit?
Üblicherweise werden bei studentischen Arbeiten entweder zwei (oder mehrere) Theorien miteinander verglichen oder ein Untersuchungsgegenstand im Licht einer spezifischen Theorie überprüft, in etwa so wie hier:
- Film und Traum: Elemente der wichtigsten psychoanalytischen Filmtheorien gegenübergestellt.
- Ungleichheiten in unserem Bildungssystem: Die Aktualität der Habitus-Theorie von Pierre Bourdieu im zeitgenössischen Deutschland.
- Die Inszenierung der Femme Fatale: Feministische Filmtheorie von Laura Mulvey und Film Noir.
Eine theoretische Ausarbeitung wird zwar nicht ausschließlich, aber dennoch häufiger in den Geistes- oder Kulturwissenschaften als in den Naturwissenschaften angewandt. Letztendlich hängt es aber immer von deiner spezifischen Fragestellung ab, ob eine rein theoretische Arbeit für dich geeignet ist.
Empirische Abschlussarbeit:
Wann gilt die Forschung als empirisch?
Empirisch (altgriech. „empeiria”) = Erfahrungswissen: „alles, was durch die äußeren Sinne erfahrbar ist“ (Endruweit/Trommsdorf 1989: 143)
Bei einer empirischen Arbeit werden ungelöste praktische Probleme sowie allgemeine Erkenntnisse über die Welt und den Menschen in den Mittelpunkt deiner Untersuchung gerückt. In der Regel besteht eine prototypische empirische Arbeit aus diesen grundlegenden Schritten (nach dem Modell von Jürgen Raithel 2008: 27):
- Untersuchungsziel, Problemformulierung, Forschungsfrage
- Theorie- und Hypothesenbildung
- Konzeptualisierung
- Erhebungsvorbereitung und Datenerhebung
- Datenaufbereitung
- Datenanalyse
- Interpretation und Dissemination
Grundsätzlich wird im Verlauf einer solchen Untersuchung immer eine Hypothese formuliert und mithilfe von qualitativen oder quantitativen Forschungsmethoden bestätigt oder widerlegt. Ähnlich wie bei diesen Fachartikeln können abschließend wissenschaftlich fundierte Rückschlüsse über einen spezifischen Gegenstandsbereich gezogen werden:
- Lange, Cornelia et al. (2016). „Alkoholkonsum bei Erwachsenen in Deutschland: Riskante Trinkmengen“. Journal of health monitoring. Volume 2. S. 66-73.
- Szász-Janocha, Carolin et al (2020). „Die Wirksamkeit eines Frühinterventionsprogramms für Jugendliche mit Computerspiel- und Internetabhängigkeit : Mittelfristige Effekte der PROTECT+ Studie“. Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie. 48:1. S. 3-14.
Wie schreibt man eine empirische Arbeit?
Eine empirische Studie macht für dich dann den meisten Sinn, wenn du in deiner Ausarbeitung eine gesellschaftsrelevante Forschungsfrage wie diese lösen möchtest:
- Wie beeinflusst die Nutzung von sozialen Medien das Freizeitverhalten der Jugendlichen?
- Wie berichten führende deutsche Zeitungen über die Corona-Krise?
- Welche Auswirkungen hat der steigende Alkoholkonsum während der Pandemie auf den allgemeinen Gesundheitszustand der Bevölkerung?
Eine empirische Ausarbeitung hat einen konkreten Realitäts- und Praxisbezug und ist daher vor allem für die Natur- und Sozialwissenschaften bedeutend. Doch auch in den Geistes- und Kulturwissenschaften ist diese Methodik durchaus angemessen, ob in Form einer eigenständigen Forschung oder auch als Ergänzung zur theoretischen Auseinandersetzung.
Abschließende Entscheidung treffen
Empirisch oder theoretisch arbeiten, das ist hier die Frage! Überleg zuerst, welche Methode sich zur Beantwortung deiner Fragestellung am besten eignet. Das ist nämlich das wichtigste Kriterium bei deiner Entscheidung.
Um dir die Qual der Wahl noch weiter zu erleichtern, haben wir zusammenfassend noch einen Überblick mit den wichtigsten Vor- und Nachteilen der beiden wissenschaftlichen Methoden aufgestellt:
Weiterführende Literatur
Beller, Sieghard. (2016). Empirisch forschen lernen. Konzepte, Methoden, Fallbeispiele, Tipps. 2 Auflage. Huber Verlag: Bern. > Zum Buch
Buff Keller, Eva/Jörissen, Stefan (2015). Abschlussarbeiten im Studium anleiten, betreuen und bewerten. Verlag Barbara Budrich: Opladen & Toronto. > Zum Buch
Endruweit, Günter/Trommsdorf, Gisela (1989). Wörterbuch der Soziologie. dtv: München. > Zum Buch
Heisenberg, Werner (1969). Der Teil und das Ganze. Piper Verlag: München. > Zum Buch
Hunziker, Alexander W. (2013). Spass am wissenschaftlichen Arbeiten. So schreiben Sie eine gute Semester-, Bachelor- und Masterarbeit. 5. Auflage. SKV: Zürich. > Zum Buch
Raithel, Jürgen (2008). Quantitative Forschung. Ein Praxiskurs. 2. Auflage. VS Verlag für Sozialwissenschaften: Wiesbaden. > Zum Buch
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