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Was ist eine Verhältnisskala? Definition und Beispiel

Die Verhältnisskala (engl. “ratio scale”) ist das höchste metrische Skalenniveau, mit dem komplexe Aussagen über Verhältnisse zwischen verschiedenen Variablen oder Messeinheiten getroffen werden.

von Maria MalzewAktualisiert am 26. Juli 2023Lesezeit 2 Min.

In den meisten sozialwissenschaftlichen Studien werden verschiedene Eigenschaften oder Verhaltensweisen von Probanden ermittelt und miteinander verglichen, um sie später in einen größeren gesellschaftlichen Kontext zu stellen. Zur Messung dieser Eigenschaften müssen die Antwortmöglichkeiten bei einer Befragung quantifiziert werden, damit sie im Anschluss statistisch ausgewertet werden können. Brauchen die Forschenden für ihre Untersuchung exakte Zahlen, etwa bezüglich der Körpergröße der Befragten, greifen sie auf die Verhältnisskala zurück.

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Allgemeine Definition der Verhältnisskala

Die Verhältnisskala (engl. “ratio scale”) ist das höchste metrische Skalenniveau, mit dem komplexe Aussagen über Verhältnisse zwischen verschiedenen Variablen oder Messeinheiten getroffen werden. Zu dieser Skala zählen Messungen mit Merkmalen wie Länge, Körpergröße, Gewicht, Geschwindigkeit, aber auch die Häufigkeit der bisherigen Krankenhausaufenthalte, die Anzahl der Kinder oder die wöchentliche Menge des konsumierten Alkohols.

Verhältnisskalierte Merkmale verfügen nicht nur über gleich große Abstände wie bei einer Intervallskala, sondern haben darüber hinaus einen natürlichen bzw. absoluten Nullpunkt.

Mit dem natürlichen Nullpunkt ist die physiologische Eigenschaft von Merkmalen wie Körpergewicht gemeint: Von Natur aus gibt es keine Person, die weniger als 0 Gramm wiegt. Auf der Intervallskala ist der Nullpunkt zwar ebenfalls vorhanden, er ist aber von den Menschen festgelegt und kann überschritten werden (= Minusgrade bei der Celsius-Temperatur). Im Gegensatz zu diesem willkürlichen Nullpunkt von intervallskalierten Daten kann der natürliche Nullpunkt der Verhältnisskala nicht überschritten werden (= keine negative Zahl beim Körpergewicht möglich).

Bei einem Merkmal wie Gewicht können daher leicht auch solche Aussagen getroffen werden, dass die Variable A (100 Kilogramm) und Variable B (150 Kilogramm) zusammen das Gewicht der Variable C (250 Kilogramm) ergeben. Bei intervallskalierten Daten wie der Celsius-Temperatur ist dies widerum nicht möglich: Eine Temperatur von -5°C und eine Tagestemperatur von +10°C können nicht addiert werden, um auf +5°C zu kommen – das ergibt schlicht und einfach keinen Sinn.

 

Die Verhältnisskala in einem Fragebogen einer Online-Umfrage

 


Typische Verwendung der Verhältnisskala

In der Forschung wird eine Verhältnisskala am häufigsten für physiologische Messungen (z.B. Reaktionsgeschwindigkeit von Probanden) eingesetzt, weil sie eine äußerst genaue Messung ermöglicht. In den Sozialwissenschaften können verhältnisskalierte Daten mit einer Befragung (z.B. Fragen zum Körpergewicht bei einer Ernährungsstudie) oder aus Beobachtungen (z.B. Häufigkeit und Dauer der Handynutzung in der Bahn) erhoben werden. Ebenfalls werden in empirischen Untersuchungen Daten zu konkreten Geldbeträgen (z.B. Bruttogehalt von Testpersonen) auf einer Verhältnisskala erhoben.

Beispiel: Wie viel Geld geben Sie im Monat für Lebensmittel aus? Bitte runden Sie Ihre Antwort ab.

  • 100 Euro oder weniger
  • 150 Euro
  • 200 Euro
  • 250 Euro
  • 300 Euro
  • 350 Euro
  • 400 Euro
  • 450 Euro
  • 500 Euro oder mehr

 

Verhältnisskalierte Daten erlauben somit die Anwendung aller arithmetischen Rechenoperationen und können auch zur Berechnung aller statistischer Werte, unter anderem von Modus, Median, Quantile, Mittelwert, Varianz, Standardabweichung und geometrisches Mittel, verwendet werden. Dennoch findet die Verwendung einer Verhältnisskala in den Sozialwissenschaften relativ selten statt, weil die Daten aus einer Intervallskala für die meisten Studien vollkommen ausreichen.

 

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